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Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer SpaltzeÜ« 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

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Gratisbeilagen rplinstritte» Sonntagsbiatt" «.^ÖMfttirte landWirthschastliche Vetlage."

Sr. 169.

Sitiiüm K« 18. Se-temKr

1992.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 12. September 1902.

Die Schulstelle in Holzheim wird vom 1. Oktober d. Js. ab frei. Bewerber wollen ihre MeldungSgesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Befähigungs-Zeug- nissen b i s z u m 5. O k t o b e r d. I s. bei dem Orts- sckulinspektor Herrn Pfarrer Schäfer in Kruspis oder dem Unterzeichneten einreichen. Das Einkommen dieser Stelle besteht in 1000 Mark Grundgehalt neben freier Wohnung und der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mark.

I. I. Nr. 5292. Der Schulvorstand.

In Vertretung des beurl. Landraths:

Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 11. September 1902.

Die Herren Ortsvorstände haben mir bis zum 20. Oktober d. I s. zu berichten, wieviel:

1. Quittungskarten von Formular A (gelb).

2. B (grau),

3. Quittungsformulare für Jnvaliden-Nentenempfänger,

4. AllerS-

5. Unfall-

(der land« und foritwirthschaftl. Beruss-Gen.) für das Jahr 1903 voraussichtlich erforderlich sein werden.

Hierbei wird bemerkt, daß die Quittungskarte B nur für solche freiwillig Versicherte auszusiellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund ver- sicherungspflichtigerThätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind und daß diejenigen Personen, welche einmal dem Versicherungs-Zwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A weiter ge­brauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich frei­willig weiterver sichern wollen.

V. 5222. Der Königliche Landrath.

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 15. September 1902.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 15. April 1886 Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, Körung der Zuchtbullen betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 20. d. M t S. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herrn Ortsvorstände wird eine Ordnungsstrafe von 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Negierungs-Nath.

Der Engel von ÖJeissfeld.

Von Adolf Reiter.

(Fortsetzung.)

An den beiden nächsten Togen wurde Agathe von den Patienten ihres Vaters nicht gesehen; vergeblich warteten die leidenden Kinder auf dieschöne Tante," die kranken Frauen aus ihre Pflegerin und Freundin. Er hatte es so gewünscht, und das blühende Mädchen liebte ihn ja über Alles I

Auch der Graf kam nicht mehr in das Dorf er fürchtete die alte Dienstmogd und die Pastorfrau, denn baf) diese es versucht hatten, auf Agathe zu seinen lln= gunsten einzuwirken, war ihm nicht verborgen geblieben.

Sie hatte ihm die Geheimhaltung denn auch, und loQat ihrem Vater gegenüber, dem sie ihre Herzeusan Gelegenheiten so gern alle offenbart hätte, bestimmt und lest zugesagt.

Warum wünschest Du, lieber Hero, daß wir unsere Verbindung auch vor meinem Vater noch immer geheim halten?" fragte sie den Geliebten eines Tages wieder.

Du weißt doch, daß ich von dem Haupt meiner Familie die Einwilligung zu unserer Verheirathung nicht "halte, und heirathe ich Dich dennoch, so würde ich aus der Familie ausgestoßen werden und auch eines be­

Nichtamtlicher Theil.

Preußische Kultur in 9er Mark.

Der polnische Staat brach zusammen, weil die ihn beseelenden Kräfte unzulänglich und außerstande waren, in einem staatlichen Gemeinwesen die öffentlichen Pflichten und Obliegenheiten auch nur zum bescheidensten Theile zu erfüllen. In dem alten Polenstaate herrschten grauen­volle Zustände. Ein schwelgerischer Adel brandschatzte das Land, hielt das Volk in geistiger Unbildung und politischer Knechtschaft, wirkte gegen alles, was nur ent­fernt nach Aufklärung und Bildung aussah, und züchtete eine Korruption, die beispiellos war. Das niedre Volk führte ein trostloses Dasein, und noch heute spricht man, wenn man etwas Tolles und Wüstes bezeichnen will, in der Erinnerung an jene gräulichen Verhältnisse von einerpolnischen Wirthschaft".

Die Angliedrung derartig verrotteter Gebietstheile war für keine der an der polnischen Frage interessierten Mächte etwas Wünschenswertes. Ordnung mußte aber im allgemeinen europäischen Interesse auf jeden Fall geschaffen werden, und so erfolgte denn zuletzt die Auf­theilung Polens unter Preußen, Oesterreich und Rußland. Die Schlachta, den polnischen Adel zu beugen, das Volk aus seinem geistigen und wirthschaftlichen Stumpfsinn aus eine höhere Stufe zu heben und in den bisher miß­handelten Boden des polnischen Volksthums den Samen der Kultur einzupflanzen, das war eine Riesenaufgabe, welche die Kräfte eines Herkules erforderte. Rußland hat sie nur teilweise im halbasiatischen Sinne, Oester­reich, wie sich jüngst beim Ausstand der Feldarbeiter in Galizien gezeigt hat, so gut wie gar nicht zu lösen ver­mocht. Preußen dagegen kann sich rühmen, auch auf diesem schwersten Gebiete von allen staatlichen Kultur­werken wesentliche Erfolge erzielt zu haben, die selbst vom strengen westeuropäischen Standpunkte aus unbe­stritten als solche gelten.

Das preußische Regiment hat den polnischen Adel in seine Schranken zurückgedämmt, Recht und Gesetz zur Anerkennung und Herrschaft im Lande gebracht und der ehemals unterdrückten niedern Bevölkerung ein menschen­würdiges Dasein gesichert. Die Errungenschaften unsrer Kultur sind ebenso den Polen wie den Deutschen zutheil geworden. Beide werden in jeder Beziehung unparteiisch mit demselben Maße gemessen, keiner wird vorgezogen, keiner zurückgesetzt. Politisch und wirthschaftlich sind bei uns Polen und Deutsche gleichberechtigte Glieder des Staates. Der Pole weiß auch, was er der deutschen

deutenden Vermögens verlustig gehen," war feine wieder­holt gegebene Antwort.

Während die Wipfel der prächtigen Bäume, von einem leisen Zephir berührt, sich gegenseitig eine gute Nacht zu wünschen schienen, während die Vögel hie und da, schon vereinzelt sich noch einSchlafe wohl!" zuzirpten, und die Bäume bei den letzten Strahlen der Sonne ihre immer länger werdenden Schatten auf das frische Grün der großen Wiesen warfen, schien dem gräflichen Liebhaber an diesem stillen lauschigen Plätzchen die günstige Stunde herangenaht zu sein, in welcher er Agathe unter den süßesten Liebkosungen zu bewegen hoffte, mit ihm heimlich nach Italien abzureisen, ohne durch Priesterhand mit einander ehelich verbunden und gesegnet worden zu sein.

Alles in der Welt," so fing er an,ist im Fort­schritt in der Culturentwickelung begriffen, und so ist man auch in der Vorstellung von Gott, Religion und Kirche auf dem Standpunkte der mittelalterlichen An­sichten nicht zurückgeblieben . . . ."

Hero, was sprichst Du?" unterbrach sie ihn.Die tröstlichen Lehren, welche uns die Kirche giebt, sind ein Balsam für meine Seele, und den werde ich mir nicht nehmen lassen."

Er erschrak, wußte aber der so pathetisch begonnenen Erklärung eine für seine Sache günstigereWendung zu geben.

Erde, was er der Sorge der Hohenzollernkönige um die Hebung seines Lebensstandes verdankt. Man frage nur den polnischen Landmann aufs Gewissen, ob er sich nach der Knute von ehemals zurücksehnt, und man wird eine Antwort erhalten, die sicher nicht zu Gunsten des frühern polnischen Nationalstaates lautet. Vor hundert Jahren huldigten die von der Knechtschaft der Schlachta be­freiten Massen aus eignem Antriebe dem preußischen Könige als einem Retter aus ihrer Drangsal. Viele Tausende von ihnen haben sofort ihren Frieden mit Preußen gemacht und sind, wie die Namen zahlreicher Männer in allen Berufsstellungen der preußischen Staats» gemeinschast beweisen, wohlverdient um ihr neues Vater­land geworden. Dieser VersöhnungSprozeß würde weiter um sich gegriffen haben, wenn es nicht einer nur zu oft von persönlicher Selbstsucht, nicht selten von einem falschen Idealismus geleiteten Minderheit gelungen wäre, die mit ihrem Lose zufriednen Massen durch das Trugbild eines neuen selbständigen Polenreichs wieder dem preußischen Staat zu entfremden.

Das in unsrer Ostmark Erreichte ist umso höher an- zuschlagen, als es die preußische Regierung durchaus vermieden hat, in Glaubensfragen einen Druck auf die polnische Bevölkerung auSzuüben sowie die Slammes- Eigenthümlichkeiten der Polen und ihre Ueberlieferungen anzutasten. Unser Kaiser hat dies in seiner bedeutsamen Rede in Posen ausdrücklich festgestellt, um den Wühlern, die mit jenen unwahren Behauptungen die großen Ver­dienste der Hohenzollern um die polnisch redenden Staats­angehörigen verwischen möchten, das Handwerk zu legen und diesen das Vertrauen zur preußischen Regierung einzuflößen, auf das sie einen begründeten Anspruch hat. Jedenfalls wird Preußen auch in Zukunft seine Mission als Kulturträger in der Ostmark erfüllen zur Hebung von Land und Volk. Dafür bürgt das Wort des Kaisers, der das Programm bestätigte, daß Graf Bülow Anfang dieses Jahres im preußischen Abgeordnetenhause ent­wickelte. **

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. September.

Se. Majestät der Kaiser brächte die Nacht, wie aus Frankfurt a. O. gemeldet wird, im Biwak bei Weißensee zu und führte auch gestern das Kavallerie­korps, welches mit dem blauen dritten Korps von Norden her gegen Kalau anrückte. Dort hatte sich das rothe fünfte Korps mit der Front nach Norden ausgebaut. Ein heftiges, langandauerndes Gefecht entwickelte sich.

Bitte, verstehe mich nicht falsch, meine Liebe," fuhr er fort.Was die Religion auch den gebildeten und guten Menschen ist, weiß ich mit Dir zu schätzen; aber ich meine, für uns, die wir doch nicht lediglich nach dem Buchstaben, sondern nach dem Geiste der apostolischen Lehre leben, hat die Kirche eine andere Bedeutung, als für den ungebildeten, gewöhnlichen Mann. Er würde ein ganz schlechter Mensch werden, wenn er am Sonntage nicht die Ermahnungen des Pastors hörte, der ihm immer gleich mit der Hölle und dem Himmel kommt. Wie würde es dem gewöhnlichen Manne möglich sein, mit seiner Frau in Eintracht und Frieden zu leben, wenn sie nicht vor dem Altar durch den Priester getraut worden wären!"

Vor dem Altar, an geweihter Stätte, hat ja das junge Paar vor Gott und in Gegenwart von Zeugen ihre vielleicht tausendfach gegebenen Versprechungen end­gültig zu bekräftigen und das halst Du,^ wenn ich Dich richtig verstanden, für eine ganz überflüssige Geschichte?"

Für den Gebildeten mehr, für den Ungebildeten weniger, meine Theure."

Er sah in dem weiteren Verlauf dieser Unterhaltung bald ein, daß jeder Versuch, Agathe heimlich und un- verheirathet nach Italien mitzunehmen, an ihrer Keusch- heit und Sittenreinheit scheitern würde.

Aber wie kommst Du dazu, mit mir solche Be-