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Nr. 108

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1902

Anrtlicher Theil

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Schubin, den 16. August 1902.

Betrifft die Ermittelung nach einem verschwundenen Knaben. Ohne Verfügung.

Der Schüler Franz Bonzel aus Mieczkowo hat den elterlichen Haushalt am 5. d. Mts. heimlich verlassen, und ist nicht wieder zurückgekehrt. Die im diesseitigen Kreise angestellten Ermittelungen sind erfolglos gewesen. Ich bitte, nach dem Knaben Ermittelungen anstelle» zu wollen; das Signalement desselben ist Folgendes:

1. Familiennamen: Bonzel. 2. Vornamen: Franz.

3. Geburtsort: Mieczkowo. 4. Religion: katholisch. 5. Alter: 8 Jahre. 6. Größe: ca. 1 m. 7. Haare: hellblond. 8. Stirn: niedrig. 9. Augenbrauen: hell­blond. 10. Augen: grau. 11. Nase: gewöhnlich. 12. Mund: gewöhnlich. 13. Zähne: vollzählich. 14. Kinn: oval. 15. Gesichtsbildung: rund. 16. Gesichts­farbe: blaß. 17. Gestalt: schwächlich. 18. Sprache: deutsch und polnisch. 19. Besondere Kennzeichen : Keine. Det Königliche Landrath. J. V. Namnitz, Kreissekret. An den Herrn Regierungs-Präsidenten zu Bromberg.

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*

Bromberg, den 15. August 1902.

Abschrift übersende ich zur Kenntnißnahme mit dem Ersuchen, nach dem Verbleib des Bonzel auch im dortigen Bezirk Ermittelungen anstellen zu lassen.

Der Regierungs-Präsident. I. V. (Unterschrift.) An sämmtliche Herren Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizeipräsidenten in Berlin.

*

Caffel, den 2. September 1902.

Abschrift zur Kenntniß und weiteren Veranlassung.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: M a u v e.

An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei - Direktoren zu Hanau und Fulda und die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 11486.

* *

Hersfeld, den 10. September 1902.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Polizei­behörden und Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem rc. Bonzel. Im Falle der Ermittelung desselben ist mir baldigst zu berichten.

I. 5222. Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 10. September 1902.

Aus Anlaß eines Spezialfalles mache ich die Orts­polizeibehörden des Kreises mit Bezug auf die Verfügung vom 29. Mai d. Js. I. I. 3028 Kreisblatt Nr. 64 nochmals darauf aufmerksam, daß nach § 2 der landes- polizeilichen Anordnung vom 16. Mai d. Js. (Amts­blatt S. 183) der Kreisthierarzt von dem Ausbruche der Rothlaufseuche bei einem Schweinebestande stets direkt zu benachrichtigen und hiervon hier­her nur Anzeige zu machen ist.

I. 5228. Der Königliche Landrath.

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

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Caffel, den 2. September 1902. [ Für das kommende Jahr stehen uns Mittel zu Dar- lehnszwecken zur Verfügung.

Sofern Städte oder Gemeinden des dortigen Kreises j 0"s Darlehen rechnen, geben mir anheim, die entsprechen« ; ^>i Anträge schon jetzt stellen zu lassen.

' DerVorstand der LandesversicherungSanstaltHessen-Rassau. t Dr. Schröder.

Au die Königlichen Herren Landiäihe der Provinz Hessen- Nassau und die Fürstlichen Herren Kreisamtmünner des Fürstenthums Waldeck. 1. Nr. 4096.

*

*

Hersfeld, den 11. September 1902.

Vorstehendes wird den Herren OrtSvorständen des Kreises zur Kenntniß gebracht.

^. - Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

Fulda, den 5. September 1902.

Für den Viehmarkt in Fulda, am 25. ^September 1902 finden die unterm 13. Januar 1902 im Kreisblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung. Der Beginn des Marktes ist auf 6 Uhr morgens fest­gesetzt. Ich ersuche um entsprechende Bekanntmachung im Kreisblatt.

Der Königliche Landrath Steffens. An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 11. September 1902.

Wird veröffentlicht.

I. 5267. Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputirter,

Nichtamtlicher Theil

Politischer Wochenbericht.

Unter den Ereignissen der innern Politik nimmt in letztverflossener Zeit unstreitig die P o s e n e r Kaiser- r e d e den ersten Platz ein. Maßvoll und fest zugleich das war der Grundton dieser Rede. Die Polen wissen nun aus dem Munde des Landesherr» selbst, daß so­wohl ihre katholische Religion als auch ihre Stammes- ! eigenthümlichkeiten und Ueberlieferungen unangetastet bleiben sollen. Den verleumderischen Behauptungen, daß die Ostmarken-Politik nur derProtestantisierung" jener Gegenden zu dienen bestimmt sei, ist damit hoffent­lich ein für alle Mal ein Ziel gesetzt. Aber ebenso können die Polen nach den Worten des Kaisers ver­sichert sein, daß der preußische Staat dafür sorgen wird, daß die Ostmarkunauflöslich mit der preußischen Monarchie verknüpft bleibe."

Nicht minder als für die innere Politik haben die Posener Kaisertage aber auch für die auswärtigen Be­ziehungen Deutschlands hervorragende Bedeutung er­langt. War schon die große Herzlichkeit und Aus­zeichnung, mit welcher der K a i s e r die vom Zaren nach Posen entsandten russischen Offiziere empfangen hat, völlig zutreffend als ein neuer Beweis der innigen Beziehungen zwischen Berlin undPeters - burg ausgefatzt worden, so wurden diese Zeichen des bestehenden Freundschasts-Verhältniffes doch weit über­ragt durch die Kundgebungen, in denen unser Monarch als oberster Kriegsherr die treue Waffenbrüderschaft betonte, die seit einem Jahrhundert die russische Armee mit der unsrigen verbindet. Wie im deutschen Volke so haben auch in maßgebenden russischen Kreisen die Kund­gebungen Kaiser Wilhelms große Genugthuung hervor­gerufen.

Eine schnelle und thatkräftige Justiz ist von unserer i Marine während der letzten Woche ausgeübt worden. Das die Flagge des haitischen Prätendenten Firmln führende KanonenbootC r ö t e ä P i e r r o t" hatte den Hamburger DampferMarkomannia" durch­sucht und die Beschlagnahme der vorgefundenen Waffen und Munition verfügt. Dieses Verfahren war nichts als Seeraub und wurde dafür auch von dem gesammten diplomatischen Corps in Haiti erklärt. So machte das deutsche KanonenbootPanther" denn kurzen Prozeß und bohrte das Raubschiff in den Grund.

In Frankreich ist der Oberstleutnant b e Saint - N 6 my, der sich bekanntlich bei Schließung der Kongregations-Schulen der Gehorsams-Verweigerung gegenüber einem militärischen Befehle schuldig gemacht hatte und deshalb angeklagt war, von dem Kriegsge­richte in Nantes freigesprochen worden. Angesichts der Disziplin, die im deutschen Heere herrscht, erscheint dieses Urtheil für unser Gefühl unverständlich. Auch die französische Regierung aber will sich offenbar mit dem Urtheil nicht zufrieden geben. Wie verlautet, be­schloß der Ministerrath, den Oberstleutnant de Samt- R6my zur Disposition zu stellen. Für den Zusammen­tritt der Kammer aber plant die socialistische Partei, den Prozeß von Nantes zum Gegenstände einer Demon-

siration zu machen. Die Socialisten erscheinen so der Abwechslung halber auch einmal als Befürworter mili­tärischer Disziplin.

Ueber die Besprechung derBuren-Gene- rale mit Chamberlain ist nunmehr der amtliche Bericht veröffentlicht worden. Es ergiebt stch daraus das völlige Scheitern der Verhandlungen. Die Generale bemühten sich, eine Reihe von Maßnahmen zu erwirken, welche geeignet scheinen, die Wunden des südafrikanischen Krieges schneller und gründlicher zu heilen, allein ver­gebens. Chamberlain erblickte in solchen Maßnahmen eine Durchbrechung der Friedens-Bedingungen und wies dieselben zurück. So reisten die Buren-Generale unver- richteter Sache nach dem Haag ab.

Politische Nachrichten

Berlin, 11. September.

Ihre Majestät die Kaiserin fuhr heute Morgen um P/2 Uhr von der Wildparkstation aus nach dem Manövergelände.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kron­prinz ist gestern Nachmittag um '/.,3 im Automobil, das er selbst lenkte, allein aus dem Manöver nach Sonnenburg zurückgekehrt. Abends um 8 Uhr 45 Min. ist der Kronprinz sodann über Breslau zu den österreichisch- ungarischen Kaisermanövern abgereist. Sonnenburg war festlich und allgemein illuminirt. Die Bevölkerung brächte dem Kronprinzen überaus herzliche Ovationen dar. Heute Vormittag ist der Kronprinz in Oderberg eingetroffen, wo der ihm zugetheilte Ehrendienst, Feld- Marschallleutnant Graf Auersperg, Oberst Feigl sowie der Militärattache der deutschen Botschaft, Major von Bülow, sich seinem Gefolge anschloß, und hat alsbald mit österreichischem Hofsonderzug die Fahrt nach SaSvar fortgesetzt.

Bei dem heutigen Manöver waren die Kavallerie­divisionen beider Korps zu einem Kavalleriekorps ver­einigt, das zum 3. Korps gehörte und bessert Führung der Kaiser übernahm. Es gelang, das 5. Korps aus seinen Stellungen zu vertreiben und eS auf der Straße nach SchwiebuS zurückzudrängen. Der Kaiser führte um 10 Uhr Morgens an der Spitze der ver­einigten Riesenschwadronen bei Tempel eine^ Flanken- attacke gegen den rechten Flügel des Korps Stülpnagel aus, durch welches dieses aufgelöst wurde. Bei diesem Ritt wurden 8 Kilom. im Galopp zurückgelegt. Die Kaiserin wohnte dem Manöver zu Pferde bei, ebenso die Prinzen und fremden Offiziere.

Von den diesjährigen großen Herbstübungen werden außer dem Kaisermanöver auch die Manöver in Franken ei» besonderes Interesse in Anspruch nehmen, insofern bei ihrer Beendigung Rücktransports der Truppen durch die Eisenbahn in bisher ungewohntem Umfange stattfinden werden. Vom 20. bis 24. d. Mts. werden nicht weniger als 37 Militärsonderzüge mit über 800 Wagen Truppen des 2. und 3. bayerischen Armeekorps befördern. Das 3. und 5. Chevauleger-Regiment braucht allein 5 Sonderzüge, da in jedem Zuge nur etwa 180 Pferde verladen werden können. Das 5. und 12. Feldartillerie - Regiment bedürfen sieben Sonderzüge, während die bei den Manövern betheiligten dreizehn Infanterie-Regimenter, je zwei starke Militärzüge er­fordern.

Das von Preußen mit der Reich» - Postoerwaltung wegen der Beförderung von Postsendungen in Dienstangelegenheiten getroffene Aversioni- rungs Abkommen war am 1. April 1900 auf 3 Jahre verlängert worden, würde also am 31. März 1903 ab« laufen. Man nimmt jedoch an, daß das Abkommen eine weitere Verlängerung erfahren werde, ob allerdings unter denselben Bedingungen, bleibt abzuwarten. Diese Bedingungen sind schon geändert worden. Während früher in den Etat des Finanzministeriums als an die Reichs-Postverwaltung zu zahlende Vergütung für aver. sionirte Porto- und Gebtthrenbeträge 7,5 Mill. Mark