Ws
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
in
-rs
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.
rge. bet wf.
:be<
HerWer Kreis
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
"30t M30M—BWW—C—W^——e—M33MBgH0—He3aW*faiMB£fcMg3W0<»6ri!-i " ^ ^ » ---
GNKLßsdetLKK«n r „MAftrirter ^SAmtaKsdratt" «. „3Ih$fmste iandWrvthsch«ftUchs Verzage."
Nr. 89 Isilmstn^eii A. Zilli M.
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mnstrirtes Sonutagsblatt" und „Jllustrirte landtvirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Gaffel den 16. Juli 1902.
Die Regierungs-Hauptkasse hier habe ich angewiesen, rs den Standesbeamten des Bezirks die von dem Königlich Statistischen Bureau zu Berlin festgesetzten Kopialien- entschädigungen für die im Rechnungsjahre 1901 eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbesälle zu zahlen.
Ich ersuche, die Standesbeamten Ihres Kreises hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß zu setzen, daß, wenn die Abhebung der Beträge bei den betreffenden Kreis- pp. Kassen nicht binnen Monatsfrist erfolge, die Zustellung der Beträge durch die Post portofrei erfolgen werde, soweit die Standesbeamten nicht am Amtssitze der Kaffs selbst wohnen.
Der Regierungs Präsident. I. V.: M a u v e.
An die Herrn Landräthe des Bezirks und die Magistrate hier und in Hanau. A, 1, 5825.
* * *
Hersfeld, den 28. Juli 1902.
Wird den Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises s zur Kenulnißnahme rc. mitgetheilt.
2546. Der Königliche Landcath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer RegierungsMalh.
s Gin verlorener Sohn.
Eizählung von A. R.
(Fortsetzung.)
„Gott sei Dank! Ich habe mich wirklich um euch geängstigt," sagte Harry, „du weißt doch, daß ich es nicht mag, wenn du im Finstern durch die Anlagen gehst!"
„Der Regen war Schuld daran; er überraschte uns, und so wählten wir den kürzesten Weg," entschuldigte sich die junge Frau. „Hast du dein Rad, so bitte besorge schnell einen Wagen für diesen armen Mann hier, der sehr krank scheint!" Sie halte die letzten Worte leise gefp!ochen.
Der Angeredele trat dicht an Rudi heran, der gerade in diesem Augenblick einen kräftigen Hustenanfall betaut.
»Was treiben Sie hier, Mann?" fragte er in strengem Ton, „mit dem Husten dürfen Sie nicht in solchem Hundewetter im Park bummeln. Können Sie radsahren?"
I «Ich habe es gekonnt, aber heute könnte ich's nicht," sagte Rudi leise. „Lassen Sie mich ruhig hier, ich finde schon meinen Weg!"
t "Nein, das geht nicht, er könnte sich ein Leid an = thun," raunte Ellen Ihrem Gatten zu. „Da fährt ein . Wagen, lauf Dicki und frage, ob er frei ist."
Der Knabe gehorchte.
„Aber, kleine Frau, wohin willst du mit dem Mann?"
Hersfeld, den 21. Juli 1902.
Auf Sonnabend den 9. August d. Js. Vormittags 11 Uhr ist eine KreiStagssttzung in den Saal des hiesigen Rathhauses anberaumt worden.
Tagesordnung:
Nochmalige Beschlußsaffung über die unentgeltliche Hergabe des Grund und Bodens für die Nebenbahn Hersfeld-Treysa.
Nachdem das Gesetz vom 20. Mai 1902 betreffend die Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisen- bahnnetzes veröffentlicht worden ist, hat der Herr Minister für öffentliche Arbeiten die Eisenbahndirektion in Caffel beauftragt, auf Grund dieses Gesetzes eine nochmalige bindende Beschlußsaffung der Kreistage Hersfeld und Ziegenhain betreffs der Nebenbahn Hsrsfeld-Trcysa herbei- zusühren und auf Grund derselben die erforderlichen Verträge mit den beiden Kreisen abzuschließen.
Wir beantragen, der Kreistag wolle beschließen:
„Der Kreis-Ausschuß wird ermächtigt, mit der Königlichen Eisenbahn-Direktion in Caffel einen Vertrag in Gemäßheit des von letzterer unterm 27. Juni 1902 mitgetheilten Entwurfes abzuschließen, durch welchen der Kreis Hersfeld verpflichtet wird, gemäß § 1 des Gesetzes vom 20. Mai 1902 Lit. A. Absatz 1 und 2 den erforderlichen Grund und Boden für den Bau einer Eisenbahn von Hersfeld nach Treysa zu überweisen bezw. die zum Erwerbe desselben aufzu- wendenden Kosten dem Eisenbahnsiskus, soweit der Kreis Hersfeld in Betracht kommt, zu erstatten.
Mit der Vollziehung des Vertrages werden außer dem Landrath die Mitglieder des KreiSausschusses beauftragt."
A. 2464. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Die Schule des Heeres.
In einem Vortrage über „La nation et l’armee“ (Das Volk und das Heer) hat der französische Akademiker Biunetiöre neulich die erzieherische Aufgabe des Heeres für sein Volk klar und treffend gekennzeichnet. Der Vortrag, der inzwischen im Buchhandel erschienen ist,
„In irgend ein Krankenhaus, oder — noch lieber erst zu uns. Hast du etwas dagegen? Er ist kein Verbrecher, ich kenne ihn, nachher erzähle ich's dir!"
„In Gottes Namen denn, tu kleine Phanlastin! flüsterte der Gatte.
Dann wandte er sich an den Fremden und faßte seinen Arm.
„Kommen Sie heute abend mit uns, mein Freund, morgen sehen wir weiter!" sagte er freundlich. „Da kommt der Junge wahihaftig mit einem Wagen. Also j-tzt nicht gefackelt, hinein mit Ihnen!'
So kam es, daß Rudi Keller in das Haus des Kaufmanns Hany Morton kam.
Wie dieser ihn mit eben so viel Energie wie gutmütig in den Wagen genötigt h-tte, so geleitete er ihn in das Gastzimmer, welches Frau Ellen in Eile Herge« richtet hatte.
Rudi hatte ja niemals einem energischen Willen gegenüber sich wehren können.
Jetzt fühlte er sich vollends unfähig, dem kraftvollen Mann zu widerstehen. Er ließ alles mit sich geschehen, stumm und völlig apathisch.
„Wer er nur sein mag?" sagte Morton sinnend. „Seinen Namen hat er mir genannt und auch gesagt, daß es vor zwei Jahren herüber gekommen ist. Aber er spricht wie im Traun, und nur, wenn matt ihn direkt fragt. Dabei ist seine Garderobe in kläglichem Zustand, alles fast in Lumpen; ich fürchte, wir haben uns einen jener Deklassieren ins Haus geholt, mit denen Europa uns so reich beschenkt!'
hätte auch in Deutschland gehalten werden können, so gut paßt er für unsere Verhältniffe.
Brunetiere weist zunächst nach, wie aus Bauernsöhnen und Handwerksgesellen mit ihren linkischen Manieren, ihrem beschränkten Jdeenkceis, ihrem Mangel an Selbstvertrauen gleichsam neue Menschen werden, äußerlich wie innerlich. Zu der sichern, selbstbewußten Haltung, welche die Uniform verleiht, gesellt sich ein stärkeres Pflichtgefühl der Allgemeinheit gegenüber. Ein junger Bürger, der Sohn eines Notars oder Kaufmanns, verläßt in demselben Alter wie die Bauern- und Hand- werkersöhne das väterliche Haus, um seiner Militärpflicht zu genügen. Er erfährt nun, welche Schwierigkeiten das tägliche Leben den Niedrigstehenden darbietet; seine Erfahrung bereichert sich an der der verschiedenen Existenzen, mit denen er in Berührung kommt. Dem angehenden Gelehrten macht man in der Kaserne begreiflich, daß, wenn die Intelligenz eine Macht ist, etz andre Mächte giebt, die ihr gleichkommen oder mehr werth sind als sie. Und wenn die Natur ihm etwas Edelmuth verliehen hat, wird er begreifen, daß er es denen, die unter ihm stehen, zu gute halten muß, über ihnen geboren zu sein.
Um den Soldatenstand herabzusetzen, wird von seinen Gegnern die Disziplin mit Vorliebe als eine engherzige, veraltete Beschränkung des freien Willens, der Individualität überhaupt hingestellt. Aber der Geist der Mannszucht sei doch etwas ganz anderes, meint Brune« tiere, nämlich die Erziehung zum Feingefühl, die Bildung des Charakters und Willens und des Bewußtseins der Zusammengehörigkeit. Der Sieg könne nur in solchem Bewußtsein mit der ganzen Anspannung vereinter Klüfte errungen werden. In den Berufsarten des bürgerlichen Lebens dürfe sich die Individualität zum Erfolge voll entfalten, auf dem Schlachtfelds aber wäre selbst das Genie ohnmächtig, wenn es sich nicht vorher des harmonischen Mitwirkens aller ihm untergebenen Kräfte versichert hätte. „Machen wir uns deshalb nicht lustig über die Vorschriften der Disziplin," fährt brünettere fort, „sondern versuchen wir vielmehr, ihren wahren Sinn zu begreifen. Der Mensch läßt sich nicht leicht biegen, man gewöhnt ihn nicht an einem Tage an die Opfer, welche von ihm der Geist der Solidarität verlangt, und, wir wagen es zu behaupten, ohne Drill i st keine Erziehung möglich. Sowohl der Charakter wie der Wille bilden sich nur mit der Zeit, und kleine
„Er ist gewiß nicht schlecht," sagte Frau Morton eifrig, „man kann doch auch unverschuldet ins Unglück kommen. Ich erzählte dir noch nicht, daß ich diesen armen Mann im vergangenen Sommer schon einmal sah. Es war während du in England warst. Papa hatte mich eingeladen, bei Thaplar mit ihm zu Abend zu effen. Es war ein glühend heißer Tag gewesen, und dieser Kellner sah so krank aus, als solle er im nächsten Augenblick Umfallen!"
„Also Kellner ist er? Hm, das werden alle diese nichtsnutzigen Bengel, die man um irgend einer schmutzigen Geschichte halber einfach nach Amerika schickt," bemerkte der Kaufmann gedankenvoll. „Mit diesem jungen Menschen ist es wohl schnell bergab gegangen, und wärst du nicht dazwischen gekommen, so wäre die Welt um einen Lumpen ärmer!"
„Harry, du sprichst so hart, viel strenger als du bist," sagte Ellen vorwurfsvoll, „aber glaubst du wirk« lich, daß er . ." sie stockte.
Morton zog den kleinen Taschenrevolver hervor.
„Dies Ding fand ich in seiner Rocktasche, als ich ihn zu Bett brächte!"
„O Gott, wie schrecklich!" murmelte die junge Frau todtenbleich.
„Du versprichst mir, dich vorläufig nicht mit der Pflege dieses Gastes zu befassen," sagte Morton, „Zunächst wollen wir abwarten, was Dr. Spencer sagt. Du hast nach ihm geschickt?'
Sie nickte.
„Auch nach einer Pflegerin!"