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MOg den 29. Juli

88.

Grati»b<ilag«n r ,,3Uwftri»t<« Sonn»ag»blatt" m. „JUuftcMe landwirthschastlich* V»Uag«

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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 19. Juli 1902. er Rittergutsbesitzer Konstantin Muth zu Meisebach

M heute als Gutsvorsteher für den Gutsbezirk Meisebach Ddlich^ worden.

1 3950. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Hersfeld, den 22. Juli 1902.

Der Herr Gewerbe-Inspektor in Eschwege (Bureau Fnedrich-Wilhelmstraße 21) hält an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat, Vormittags von 8 bis 9’/.2 Uhr und an jedem 2. und 4. Sonnabend im Monat, Vor- uultags von 8 bis 10 Uhr bestimmte Sp echstunden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab, worauf dieselben hierdurch aufmerksam gemacht werden. ^ 4139. Der Königliche Landralh

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Kassel, den 19. Juli 1902.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des Preußischen Gesetzes vom 13. März 1878 — 23 Juni 1884 zur Fürsorgeerziehung überwiesene und von mir bei dem Schneidermeister Konrad Frommann zu Dickershausen, Kreis Homberg, in Lehre untergebrachte ^ranz Christian Mackowcak aus Marburg, geboren am 6. März 1887 ist am 10. d. MtS. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.

Ein verlorener Sohn.

Erzählung von A. R.

(Fortsetzung.)

IV.

Der Herbst hatte in diesem Jahre sehr früh ein­gesetzt.

Man war erst im September, aber der rauhe Wind, der vom Meer kam und durch die Straßen und Parks fegte, als lege er es darauf an, jedes Blatt von den Bäumen zu zerren, der konnte einen fast glauben machen, daß der November bereits da sei. Dazu fiel ein kalter Sprühregen, und die spiegelblanken Trottoirs schienen in Wasserbäche verwandelt. Jeder, der irgend konnte, blieb zu Hause ober suchte Schutz in Pferde, bahnwagen.

Der Mann, der langsam, auf einen Stock gestützt, dem Ltadtparke zuschlich, hätte auch weiser daran ge­than, ein Obdach auszusuchen.

Es war Rudi Keller, den man vor einigen Tagen aus dem Hospital entlassen hatte.

Er war zum Skelett abgcmagert und mußte oft stehen bleiben, um zu husten.

Aber er ging immer weiter, ohne nach rechts oder links zu sehen.

Den Königlichen Herrn Landrath ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstelle», im BetretungSfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von drei Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung von vier Mark gewähren werde, dem oben genannten Lehrmeister wieder zuführen lassen zu wollen.

Von dem Geschehenen, bezw. dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benach­richtigen.

Landeshauptmann in Hessen.

I. A.: v. D e h n - N o t f e l s e r. An den Königlichen Herrn Landrath zu Hersfeld.

* * *

Herßfeld, den 23. Juli 1902.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur geeigneten Recherchirung und eventuellen weiteren Veranlassung mitgetheilt. I. 4198. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Nath.

Zusammenstellung

der von den landwirthschaftlichen Vertrauensmännern des Kreises Hersfeld über den Saatenstaud um die Mitte des Monats Juli 1902 abgegebenen Begutachtungs­ziffern (Note 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering). (Ruuderlaß der Herren Minister für Landwiithschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901 — I.B.c.9476 W.f.8. — lb.3646 M.d I.)

Fruchtarten

Durchschnitts­noten für den

Anzahl der von gegenwärtig ehrenamtlich thätigen 6 Ver­trauensmännern abgegebenen

Staat

Regier- ungs- bezirk

1

2

3

4

5

außerdem

Winterweizen . Sommerweizen Winterspslz . . Winterroggen . Sommerroggen Sommergerste . Hafer..... Kartoffeln . . . Klee...... Luzerne .... Wiesen ....

König

2,3

2,5

2,1

2,4

2,8

2,5

2,7

2,6

2,5

2,7

2,5 liches

2,2

2,5

2,4

2.8

2,7

2,8

2,6

2,9

3,0

2,9 ßatistij

1

che

1

1

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8 2

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5

4

3

4

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4

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1

1

1

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2—3 : 1

3—4 : 1 3—4 : 3

3—4 : 1 Blenck.

„Ihre Lunge ist so gut wie gesund!" hatte der Arzt gesagt. „Etwas Schonung und gute Ernährung wird Sie bald völlig herstellen!"

Dann hatte der Patient mit dem Rest seiner ge­ringen Barschaft die Kurkosten bezahlt und war ge­gangen.

Aber weit war er nicht gekommen, nur bis zum nächsten obskuren Gasthof. Dort hatten schon seine Kräfte ihn verlassen.

Und jetzt —?

Finstere Geister rangen um seine Seele. Er hatte soeben seine Uhr versetzt und einen Revolver dafür ge­kauft. Ihm blieb ja nichts mehr übrig, als diesem Elend ein Ende zu machen! Er war ja nicht der erste, der so handelte.

Und was war's denn weiter? Sterben mußte er ja doch bald, — was nutzte es, sich darüber zu täuschen? Seine Lunge konnte ja nicht gesund werden bei dem Hundeleben, das er führte.

Und wovon sollte er überhaupt leben? Er hatte nur noch einen halben Dollar in der Tasche, zum Arbeiten war er unfähig, auch wußte er aus Erfahrung, daß es nicht leicht war, Arbeit zu finden.

Nein, die Komödie sollte ein Ende haben, — dort im Parke sollte es sein! Er hatte sich alles zurechtge- legt in seinen Gedanken. Er wollte sich auf eine der

Nichtamtlicher Theil.

®n$taliieniofratie imi) Zolltürif.

Man wird sich erinnern, mit welchem leidenschaftlichen Eifer die Sozialdemokraten die Getreidezölle bekämpft haben. Zwar stand die Partei keineswegs geschlossen hinter den Vorkämpfern für Handelsfreiheit, vielmehr gab es stets auch unter den Sozialisten einsichtigere Köpfe, die richtig erkannten, daß die Beseitigung der Schutzzölle den deutschen Arbeitern unheilvollen Schaden zufügen müsse, doch das waren immer nur einzelne gegenüber der großen Mehrheit. In der Zolltarif- Kommission aber haben die „Genossen" bisher stets an demselben Strange gezogen. Mit einer Beharrlichkeit, die einer bessern Sache würdig gewesen wäre, sind sie konsequent für volle Zollfreiheit eingetreten. Die Partei- taktik schien jeden Gedanken, der aus einer unbefangenen Betrachtung der thatsächlichen Verhältnisse sich ergeben mußte, überwuchert zu haben.

Unter solchen Umständen sind die Ausführungen über­raschend, mit denen am Freitag der Sozialdemokrat Hoch als Mitglied der Tarif-Kommission in letzterer un« vermuthet hervortrat. Er erklärte nämlich, daß die Regierungen beim Abschluß von Handelsverträgen mit andern Staaten nur dann Zugeständnisse zu erlangen imstande wären, wenn sie selbst etwas zu bieten hätten. Diese Bemerkungen erläuterte Redner alsdann dahin, daß der Zolltarif den wirklichen Interessen der Allgemein­heit sich anpassen müsse.

Hieraus läßt sich einmal der Grundsatz ableiten, daß der Tarif nicht auf eine einseitige Begünstigung irgend­welcher Jnteressentengruppen zugeschnitten sein dürfe. Ferner wird betont, daß die Regierungen Gelegenheit haben müßten, bei den Verhandlungen mit auswärtigen Staaten auch ihrerseits Zugeständnisse zu machen, also an den Tarifsätzen Abstriche vornehmen zu lassen. In diesen beiden Leitsätzen steckt ein ganzes Programm, das nach rechts wie nach links vor Uebertreibungen warnt. Dem bisherigen Verhalten der verbündeten Regierungen wird damit ein Lobzeugniß ausgestellt, wie es besser auch der eifrigste Anwalt der Regierungsvorlage nicht hätte Vorbringen können. Der Staatssekretär Graf Posadowsky beeilte sich demgemäß auch, dem Sozial- demokraten seine volle Uebereinstimmung auszudrücken.

Leider wird man sich nicht der Hoffnung hingeben dürfen, daß die Sozialdemokratie nunmehr ihre früheren Götzenbilder preisgiebt, um den verständigen Ansichten ihres „Genossen" Hoch die Richtschnur für ihr ferneres

Bänke setzen, die dort standen; bei diesem Wetter würde ja kein Spaziergänger ihn stören, im Sitzen konnte er sicherer die Waffe halten, sonst schoß er womöglich vor­bei, an die rechte Schläfe hielt er den Lauf —• dann mußte er gleich todt fein!

Und dann? — Ja, dann war eben alles vorbei.

Morgen stand im Polizeibericht: „Heute früh fand man im Park unweit der Fontaine die Leiche eines jungen Mannes. Offenbar liegt Selbstmord vor. Ein Revolver lag neben der Leiche. Ein Schuß war durch die Schläfe ins Gehirn gedrungen. Der Tote war mit einem dunkeln Civilanzug bekleidet, in seiner Tasche fand sich ein Portemonnaie mit einigem Silbergelo."

Ja, so würde es in den Tagesblätlern stehen, und niemand würde sich darüber wundern. Dergleichen kam ja alle Tage vor.

Wie dieser Wind doch durch alle Knochen drang!

Rudi erschauerte leicht. Er klappte seinen Rockkragen in die Höhe.

Ob Martin jemals hören würde, daß sein Bruder so geendet hatte? Wohl schwerlich. Rudi hatte dafür gesorgt, jede Spur zu vernichten, die zu seiner Ent­deckung hätte führen könne». Die letzten Briefe Maa-tHis halte er verbrannt. Er hatte deren übeihivüpt md)T viele erhallen. Der beliebte Arzt hatte wohl keine Zeit mehr, an seinen unglücklichen Bruder zir. Renken. Wozu