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Mellitr Kreisblatt.
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Nr. 86, LüMrstlig St« 24. Kli 1962.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 11. Juli 1902.
Auf Ersuchen der 22. Division werden die Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, welche während der diesjährigen Herbstübungen mit Einquartierung belegt werden, hierdurch angewiesen, dafür zu sorgen, daß Häuser, in denen ansteckende Krankheiten herrschen oder kürzlich geherrscht haben, ebenso Brunnen und Wasserläufe, die gesundheitlich bedenklich sind, durch Anschläge kennt« lich gemacht und außerdem den Quartiermachern bekannt gegeben werden, damit die Belegung verseuchter Quartiere vermieden wird und der Gebrauch verdächtigen Wassers den Truppen rechtzeitig untersagt werden kann.
II. 2621. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungö-Rath.
Hersfeld, den 22. Juli 1902.
An der evangelischen Volksschule in Heringen a/W. wird v o m 1. A u g u st d. I ö. ab eine Lehrerstelle frei. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1100 Mk. Grundgehalt und der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 130 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst den dazu gehörigen Sitten« und Besähigungs-Zeugnissen bis zum 15. August d. Js. bei dem Königlichen Ortöschul- inspektor Herrn Pfarrer Martin in Heringen oder dem Unterzeichneten einreichen.
I. 4166. Der Königliche Schulvorstand:
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungsRath und Landrath.
Bekanntmachung.
Am 1. August wird in dem zum Landbesiellbezirke des Kaiserlichen Postamts in Schenklengsfeld gehörigen Orte Ausbach eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung den, Zimmermann und Krämer Johannes Bommer übertragen ist.
Cassel, den 19. Juli 1902.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. J. V. Schreiner.
Gin verlorener Sohn.
Erzählung von A. R. (Fortsetzung.)
III.
Ein glühend heißer Augustabend neigte sich seinem Ende zu.
In der Millionenstadt Nem-Iork war die drückende Schwüle kaum zu ertragen gewesen, jetzt endlich wehte ein leiser, erfrischender Lufthauch vom Meere herüber.
„Solche Hitze haben wir seit Anno 67 nicht gehabt!" bemerkte ein wohlbeleibter Börsenmann, der mit einigen Freunden in der Veranda von Thaylors Restaurant jaß, welches von Deutschen viel besucht wurde.
Es war am Broodway, der Hauptstraße New-Iorks, gelegen, und man besam dort eine vorzügliche Küche, und was jetzt den Herren noch wichtiger war: eine gute Flasche Sekt.
In großen Eiskühlern standen auch an diesem Abend mehrere Flaschen des erfrischenden Getränkes auf dem marmornen Fußboden rieten dem Tische, an dem der genannte Herr, ein Großkaufmann namens Hall, mit zwei Freunden beim Skat saß.
. drei waren in weiße, leichte Anzüge gekleidet, enr.och perlte der Schweiß auf ihren Gesichtern.
»Ja es ist eigentlich zu heiß zum Spielen, die .arten kleben an den Händen," entgegnete Mr. Stripp, esttzer einer Zucker-Plantage, deren Einkünfte er hier verzehrte. „Kellner! einschänken!
Nichtamtlicher Theil.
Die Kriegervereine.
Die Kriegervereine sind im Laufe der Jahre zu einer bedeutenden Macht geworden. Man kann dem Gedanken, auf dem solche Vereinigungen beruhen, nur mit Freuden zustimmen. Der gemeinsame Militärdienst ruft eine kameradschaftliche Gesinnung hervor und schlingt ein gemeinsames Band. Dieses Band soll nicht mit dem Augenblicke zerreißen, wo der Dienst zu Ende geht; man will auch in der Zukunft die Erinnerungen an die durchlebte Zeit pflegen und den kameradschaftlichen Sinn bewahren. Es schließt sich das Bestreben an, im Be- dürfnißfalle die Mitglieder zu unterstützen. Die Hauptaufgabe der Kriegervereine aber ist, wie es in den Satzungen heißt, „ die Pflege und Bethätigung der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, zu Landesherrn und engerem Vaterland, Stärkung und Hebung des National- Bewußtseins."
In die Kriegervereine können also die Anhänger aller politischen Parteien, welche Soldaten gewesen sind, eintreten, wenn sie treu zu Kaiser und Reich, treu zu ihrem Landesherrn, treu zum nationalen deutschen Staat und zu ihrem engeren Bundesstaat stehen. Die Kriegervereine, als nicht politische Vereine, stehen den Parteien neutral gegenüber, sie mischen sich nicht in den Streit der Parteien, sie begünstigen weder die eine noch die andere Parteirichtung. Die Mitglieder können ihre Pflichten als Staatsbürger, bei Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlen, sowie im täglichen bürgerlichen Leben bethätigen, wie sie wollen. Die Kriegervereine sollen gerade ein V e r e i n i g u n g S p u n k t sein von Männern der verschiedensten politischen An- schaungen, welche gemeinsam das betonen, pflegen und bethätigen wollen, was die Parteien eint: Treue zum Landesherr», Vaterlandsliebe und Nationalbewußtsein.
Diese Stellung bezeichnet nun aber auch die Grenze, bis zu welcher die Aufnahme und das Bleiben in den Kriegervereinen zulässig ist. Wer nicht auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich, zum Landesherrn und zum engeren Bundesstaat steht, wer kein vaterländisches Nationalbewußtsein hat, der gehört nicht in die Kriegervereine. Niemand kann also Mitglied eines Krieger
„Es ist eine Dummheit, in die Stadt zu kommen bei dieser Temperatur," warf der dritte Skatspieler dazwischen, „morgen fahre ich noch zurück, mag das Geschäft zum Kukuk gehen! Sie haben die Vorhand, Stripp!"
„Ja, ja, gleich, ich will nur erst einen Schluck trinken, wo stecken die verfluchten Kerls?"
Er ließ seine Augen wüthend umherrollen. Endlich hatte einer der Kellner seine Stimme gehört und eilte an den Tisch der drei Börsenmänner.
Thaylors Restaurant verfügte über ein ansehnliches Personal, aber heute war es dennoch nicht ausreichend.
„Haben Sie keine Ohren?" brüllte Mr. Stripp den blaffen, jungen Menschen an, welcher vor ihm stand. „Einschänken sollen Sie!"
„Es sind auch noch andere Leute da, die bedient sein wollen," entgegnete der Kellner kaltblütig, indem er eine neue Champagnerflasche entkorkte.
„Maul halten und besser aufpassen, sonst beschwere ich mich!" rief Stripp ärgerlich.
In den Augen des Kellners blitzte eß auf, seine Hand ballte sich zur Faust.
„Ist der Kerl des Teufels, mich so anzuglotzen!" schrie Herr Stripp und sprang von seinem Sitze empor.
„Ruhig Blut, Stripp, Sie sehen ja, daß der Mann betrunken ist!" fagte Herr Hall und legte seinen Arm besänftigend auf den des Freundes. „Sie sollen geben !" er schob ihm die Karten hin.
Der Kellner war schon wieder verschwunden, aber Stripp keuchte noch vor Wuth.
vereins sein oder bleiben, wer die Sozialdemokratie und deren Bestrebungen unterstützt, oder wer Sozialdemokrat ist oder einer noch schärferen Tonart des Umsturzes angehört oder wer die bestehenden staatsrechtlichen Ver- Hältnisse eines Bundesstaates nicht anerkennt. Diese Bestimmungen werden von den Kriegervereinen streng durchgeführt. So hat kürzlich der Kriegerverein in Friedrichsfelde bei Berlin 11 Mitglieder ausgeschloffen, weil sie bei einer Gemeindevertreterwahl für sozialdemokratische Kandidaten gestimmt hatten.
Wenn die deutschen Kriegervereine in solcher Weise gegen die Sozialdemokratie als die einzige von allen politischen Parteien Stellung nehmen, so heißt das nicht, wie in der linksstehenden Presse behauptet wird, Partei- politik treiben. Die Sozialdemokratie hat eben eine Ausnahmestellung, sie ist keine Partei wie die andern, sie lehnt es grundsätzlich ab, auf dem Boden der Ver- faffung zu wirken. Sie betrachtet vielmehr den jetzigen Staats- und Gesellschaftszustand lediglich als einen vorübergehenden, den sie, sobald es ihr die Kräfte und Mittel erlauben, durch ein anderes politisches Gebilde ersetzen will, ein Gebilde, in dem gerade das ausgeschaltet ist, was von den bürgerlichen Parteien mit Recht als Stütze und Grundsäule unserer Staatsordnung angesehen wird. Den Kriegervereinen den Kampf gegen die Sozialdemokratie verbieten, hieße also, ihnen das Recht auf die Pflege des monarchischen und nationalen Empfindens beschneiden, hieße, ihnen das rauben, was den Kern des Kriegervereins-Gedankens ausmacht.
Politische Nachrichten.
Berlin. 22. Juli.
Von der Nordlandreise Sr. Majestät des Kaisers liegen folgende Nachrichten vor:
Molde, 21. Juli.
Die Kaiseryacht „Hohenzollern" mit Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser an Bord ist heute Vormittag 11V2 Uhr mit den Begleitschiffen nach Drontheim in See gegangen.
Drontheim, 21. Juli.
Die Aacht „Hohenzollern" ist heute Abend 8 Uhr hier eingetroffen.
Ihre Majestät die Kaiserin traf gestern mit den Prinzen und der Prinzessin und der Umgebung
„Ich werde mich beschweren!" zischte er, indem er die Karten austheilte.
Beim Fortgehen am Abend winkte er den Oberkellner herbei und theilte ihm mit, daß er nicht wiederkommen werde, falls nicht für bessere Bedienung gesorgt würde. Der eine Kellner sei total betrunken, ob er daS bemerkt habe.
„Welchen meinen Sie, Sir? Ah, den Langen dort, — ja der ist etwas wunderlich," meinte der Oberkellner seufzend. „Trinken that er bisher nicht, aber gewiß, ich werde mit ihm reden, derartiges wird nicht wieder vor« kommen, Sie können sich darauf verlassen!"
Bis gegen Mitternacht wogte das Publikum aus und ein in Thaylors Restaurant.
„Herrlich ist es hier jetzt!" bemerkte eine junge Dame, welche mit ihrem Vater ihr Abendessen in der luftigen Veranda eingenommen hatte, — „man möchte die ganze Nacht an diesem Tisch sitzen bleiben!"
Der Vater, dem man den Geistlichen auf den ersten Blick ansah, lachte und meinte, alles Schöne müsse doch einmal ein Ende haben. Dann winkte er einem Kellner. „Sie da, — ich möchte zahlen!"
Der lange, junge Mensch, welcher sich Herrn Stripp gegenüber so schlecht betragen hatte, kam sofort hervor und begann zu notieren.
„Gieb ihm ein recht großes Trinkgeld!" flüsterte die junge Dame ihrem Vater zu. „Er sieht so krank aus und hat keine Minute Ruhe."
„Du hast recht, diese Leute haben es sauer im Leben," entgegnete der Geistliche.