Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Melder AeiÄlM
Gratirbettagen r „IUnftpirte» Sonntagsblatt" *♦ „3Uuftrirtt landwirthschastlich» Vettage."
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Amtlicher Theil.
Zugelaufen: ein weißer Htind mit schwarzem Kopf. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zn Schenklengsfeld.
(Erster Pferde- und Fohlenmarkt zu Alsseld) Am Montag, 28. Juli 1902 findet zu Alsseld zum erstenmale der neugegründete Pferde- und Fohlenmarkt statt. Der Landespferdezuchtverein veran- Haltet hierbei in Gemeinschaft mit der Großh. Bürgermeisterei der Stadt Alsseld und dem landwirthschaftlichen Bezirksverein Alsfeld eine Prämiirung von Pferden und Fohlen der Wagen- und ArbeitSschläge im Besitz hessischer und auswärtiger Pserdezüchter, sowie von Händlerpserden. . Zur Prämiirung stehen im Ganzen ca. 1000 Mark zur Verfügung- Die Prämiirung beginnt Vormittags 8 Nhr auf dem Lindenplatz zu Alsfeld. PrämiirungS - Plan : A. Prämien für Stuten und Fohlen beider Schläge, gegeben von der Stadt Alsfeld, dem Landespferdezucht- verein und von Freunden der Pferdezucht. 1. Mutter- stuten mit Fohlen a. Wagenschläge 3 Preise: 30, 25, 25 Mark, b. ArbeitSschläge 3 Preise: 30, 25, 25 Mark. — 2. Dreijährige (1899 geb.) Hengst-, Stut- und Wallachsohlen a. Wagenschläge 3 Preise: 25, 20, 20 Mark, b. ArbeitSschläge 3 Preise 25, 20, 20 Mark. — 3. Zweijährige (1900 geb.) Hengst-, Stut- und Wallach- sohlen a. Wagenschläge 3 Preise: 25, 20, 15 Mark, b. ArbeitSschläge 3 Preise: 25, 20, 15 Mark. — 4. Jährlinge (1901 geb.) a. Wagenschläge 3 Preise: 20, 20, 15 Mark, b. ArbeitSschläge 3 Preise: 20, 20, 15 Mark. — 5 Saugfohlen a. Wagenschläge 5 Preise: 15, 15, 15, 10, 10 Mark, b. ArbeitSschläge 5 Preise: 15, 15, 15, 10, 10 Mark, zusammen 650 Mk. 8. Prämien für Pferde von Händlern ca. 200 Mark. Sämmtliche Preise sind übertragbar. Es können nur fehlerfreie Thiere prämiirt werden. Kreuzungs-Produkte sind von jeder ' Prämie ausgeschlossen. Jmportirte Fohlen rangieren bei den Fohlen ihrer Altersklassen. Deck-, GeburtS- bezw. Körscheine sind vorzulegen. Anmeldungen (auf I Postkarten) für Stuten und Fohlen sind mit Angabe von Alter, Farbe, Geschlecht, Abstammung, ob selbst gezogen, importirt oder getauft, bis 20. Juli an Herrn Georg Kurtz jr, 1. Beigeordneter, in Alsfeld zu richten, desgleichen auch die Anmeldungen für Händlerpferde.
Ein verlorener Sohn.
Erzählung von A. R.
I.
Ein ländlicher Stuhlwagen fuhr im langsamen Trabe durch die Straßen der kleinen Stadt Heineberg.
Jetzt lenkte der Bauernknecht, der die Zügel führte, auf den Marktplatz ein und trieb mit einem Peitschenhiebe die trägen Gäule zu schnellerer Gangart an.
Gleich darauf hielt der Wagen vor einem hohen Hause aus rothen Backsteinen, an beffen Thür ein weithin sichtbares weißes Porzellanschild prangte mit der Ausschrift: „Dr. Meier, praktischer Arzt." Der Herr aus dem zweiten Sitz erhob sich und sprang mit jugendlicher Gewandtheit von dem altmodischen hohen Fuhrwerk zur Erde.
Es war Dr. Martin Keller, der Vertreter des für einige Wochen abwesenden Dr. Meier. Tiefer Ernst lag auf dem etwas bleichen Gesicht des jungen Mannes, als er jetzt mit raschen Schritten fast in nervöser Hast über die große Hauödiele schritt.
Die Frau seines Freundes hatte die Gewohnheit, jedesmal bei dem Klang der Thürglocke aus ihrem Wohn- zimmer zu kommen, und Martin Keller konnte die kleine, rundliche Frau nun einmal nicht leiden.
Heute besonders scheute er in Gedanken schon vor dem Klang ihrer etwas lauten und harten Stimme zurück.
Ein schwerer Druck der Verantwortung lastete aus seiner Seele.
(s. Anm.) Zum Besuche dieses am 28. Juli in Alsfeld stattfindenden Pferde- und Fohlenmarktes wird freundlichst eingeladen ; insbesondere werden alle Pferde- züchter, -Käufer und -Verkäufer gebeten, den Markt mit Pferden und Fohlen zahlreich zu beschicken und zu besuchen.
D a r m st a d t und Alsseld, den 25. Juni 1902. Großh. Bürger- Der Vorstand des Landespferde- meisterei Alsfeld. zuchtvereins.
Arnold. v. Westerweller. Naegele.
A n m e r k u n g: Diejenigen Pserdezüchter im Groß- herzogthum, welche Stuten und Fohlen per Bahn zum Pferdemarkt nach Alsfeld bringen wollen, werden ersucht, die vorgeschriebenen Anmeldungen direkt an die Geschäftsstelle des Landespferdezuchtvereins, Darmstadt, Neckarstraße 10, zu richten mit genauer Angabe, auf welcher Bahnstation die Verladung stattfindet. Die Herren Besitzer solcher Thiere erhalten alsdann von der Geschäftsstelle in Darmstadt Frachtermäßigungsscheine zugestellt.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 15. Jult.
Aus Bergen wird vom 15. Juli gemeldet: S e. Majestät der Kaiser entsprach gestern, am Montag, einer Einladung des hiesigen deutschen Konsuls Mohr zum Diner auf besten Landsitz. S. M. Jacht „Hohenzollern" und S. M. Kreuzer „Nymphe" hatten aus Anlaß des Geburtstages des Prinzen Adalbert, der an diesem Tage sein 18. Lebensjahr vollendete und damit großjährig wurde, über die Toppen geflaggt. Am heutigen Dienstag wurde bei schönem Wetter die Fahrt nach Gudwangen fortgesetzt. An Bord alles wohl.
In ihrem Jahresbericht läßt sich die Dortmunder Handelskammer auch über die nicht nur unsere Land- wirthschast, sondern unsere gesammte Voikswirthschast foitgesetzt lebhaft interessirende Frage der Verwendung von heimischem Spiritus an Stelle des ausländischen Petroleums aus. Der Bericht sagt darüber: Wir halten die lebhaften Bemühungen der Reichsregierungen zu Gunsten des Ersatzes von Petroleum durch Spiritus zu BeleuchtungS- und Heizungszwecken für eine überaus dankenswerthe und richtige Maßnahme. Der Haushalt Deutschlands wird durch
Er hat ja heute vor wenigen Stunden, seine erste, selbständige Operation ausgesührt.
Seine Nerven zitterten noch vor Erregung, die Frage, ob er das Rechte gethan, bewegte seinen Sinn und sein Gemüth unaufhörlich. Er halte es sich nicht so entsetzlich schwer gedacht, nur nach eigenem Ermessen zu handeln.
Aber die Begrüßung seiner Wirthin blieb ihm nicht erspart.
„Guten Morgen, Herr Doktor! So laufen Sie doch nicht so, es ist ein Herr im Sprechzimmer, er kam mit dem Mittagszuge!"
Martin Keller mußte auf dem ersten Treppenabsatz Halt machen, er mochte wollen oder nicht.
„Es ist aber doch jetzt keine Sprechstunde!" bemerkte er und zog die Augenbrauen zusammen, sodaß sie über dem Nasenrücken fast zusammenstießen.
„Mein Himmel, lieber Doktor, machen Sie doch nicht ein so furchtbar böses Gesicht!" lachte die junge Frau. Man bekommt ja einen Schrecken vor Ihnen I Sie meinen wohl, ich hätte den Herrn abweisen sollen, aber erstlich kam er ja per Bahn, das machte doch einen Unterschied! Und zweitens glaube ich garnicht, daß er ein Patient ist. Er fragte gleich nach Ihnen, garnicht nach meinem Mann 1"
„So, er fragte nach mir?" Martins Gesicht wurde womöglich noch ernster, während er jetzt die letzten Stufen der Treppe hinaufstieg. Seine tiefe Stimme hatte fast einen drohenden Klang angenommen, und hastig trat er in das Studierzimmer seines Freundes.
Martin warf seinen etwas eingedrückten Filzhut aus
den Petroleumimport jährlich mit steigender Ziffer bis weit über 100 Millionen belastet. Wenn es gelingt, in denjenigen Haushaltungen, die das Steinkohlengas überhaupt nicht benutzen können, weil sie keinen Anschluß haben, oder die aus Sparsamkeit bewegliche Beleuchtung vorziehen, statt des Steinöls Spiritus zu ähnlichem Preise und mit ähnlicher Leuchtkraft einzuführen, so würde von jenen 106—107 Millionen ein großer Prozentsatz im Lande verdient werden können und zum größten Theile dem Kartoffelbau zu Gute kommen. Auch der einheimische Handel würde dabei profitiren, namentlich seit die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft den deutschen Detail- und Zwischenhandel zu beseitigen, den Einzelbetrieb bei sich zu zentralisiren und durch Beamte zu besorgen bestrebt ist. Zur Förderung dieser sehr wünschensmerthen Konkurrenz gegen ausländische Invasion würde eine systematische und nachhaltige Agitation, namentlich auf dem Lande, nöthig sein. Die Deutsch- Amerikanische Gesellschaft hat gezeigt, wie man eine derartige Bewegung in Szene setzt. Spiritus ist angenehmer, reinlicher und kontrollirbarer als Petroleum, und die Verwendung von Auerbrennern in tragbaren Spirituslampen ist schon zu einer Industrie geworden. Hoch den Mittheilungen der „Centralstcll^ für Spiritus- Verwerthung" beträgt der Spiritusverbrauch je nach der Größe der Lampe bei Auerbrennern Va» bis */8 Liter pro Stunde an 90proz. Spiritus, was einem Preise von 1 bis 3 Pfg. pro Stunde gleichkommt.
Das Inkrafttreten des Fleischbeschaugesetzes ist nunmehr endgültig durch eine Kaiserliche Verordnung auf den 1. April 1903 festgesetzt, soweit nicht für einzelne Theile schon ein früherer Zeitpunkt bestimmt war. Gleichzeitig ist eine Bekanntmachung, des Bundesraths ergangen, die folgende weiteren AuSführungS- bestimmungen zu dem Gesetz enthält: Der amtlichen Untersuchung vor und nach der Schlachtung unterliegen auch Esel, Maulthiere und Maulesel. Bei der Einfuhr frischen Fleisches müssen außer den im Gesetz bezeichneten Organen in natürlichem Zusammenhänge mit den Thierkörpern verbunden sein: bei Rindvieh, ausgenommen Kälbern, der Kopf oder Unterkiefer mit den Kaumuskeln; Gehirn und Augen dürfen fehlen; auch darf der Kopf getrennt von dem Thierkörper beigebracht werden, sofern er und der Thierkörper derart mit Zeichen oder Nummern v rseheu sind, daß die Zusammengehörigkeit ohne Weiteres erkennbar ist; bei Schweinen der Kopf mit Zunge und
einen Seitentisch, entledigte sich seines Ueberrocks und schritt dann auf die Thür des anstoßenden Wartezimmers zu.
Eine Sekunde zögerte er, dann legte, er die Hand auf die Klinke. Ais die Thür sich öffnete, erhob sich aus einem der mit rothem Plüsch überzogenen Sessel, die den Tisch umgaben, ein hochgewachsener, schlanker, junger Mensch in ausgesucht eleganter Kleidung. Mit freundlichem Lächeln auf dem hübschen Gesicht trat er auf den Arzt zu.
„Na, Martin, — endlich! — Ich warte schon lange!"
Er streckte die Hand aus, welche Martin fast zögernd ergriff, während er heftig die Worte hervorstieß: „Also wirklich! Du bist es! Was führt dich her! Wieder einmal entlasten!"
„Wie man's nehmen will, entgegnete der andere obenhin, „ich stehe dir mit allen Erklärungen, die du dir denken kannst, zu Diensten. Nur gieb mir, bitte, erst einen Happen zu essen 1 Ich bin halb verhungert!''
Schweigend trat der Doktor in das Studierzimmer zurück und deutete auf einen Teller mit belegten Butter - broten, welche die Frau Doktorin für ihn bereit gestellt, hatte.
„Ach, famos! Das wird mir schmecken! Du — ich finde, du hast es hier recht gut. Dies Zimmer ist ja kolossal gemüthlich! An deiner Stelle würde ich den Herrn Dr. Meier auf irgend eine Weise herausgraulen und mich ins warme Nest setzen!"
Martin schien diese Bemerkung überhört zu haben.