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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 10. Juli 1902.
Die erste Schulstelle in Meckbach, deren bisheriger Inhaber verstorben ist, soll vom 1. Oktober d. I. ab anderweit besetzt werden.
Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienst- vergütung; der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Bcsähigungszeugnissen bis zum 1. August d. Js. bei dem Königlichen OrtSschulinspektor Herrn Pfarrer Ackermann in Mecklar oder bei dem Unterzeichneten einreichen.
1. 3918. Der Königliche Schulvorstand:
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS - Rath, Landrath.
Hersseld, den 8. Juli 1902.
Am Mittwoch, den 16. d. Mts. findet der diesjährige Fohlenmarkt statt, mit welchem eine Prämiirung verbunden ist.
Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen und aus eine möglichst reichliche Beschickung des Marktes bei den Pferdezüchtern hinzuwirken.
3854. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 8. Juli 1902.
Unter dem Pferdebestande auf der Domains Eichhof ist Milzbrand ausgebrochen.
I. 3827. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
HerSfeld, den 8. Juli 1902.
Die unter den Schweinebeständen in Wippershain und Unterhaun ausgebrochene Nothlaufseuche ist erloschen.
3827. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Homberg, den 7. Juli 1902.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirths Johannes Rosenkranz zu Oberhülsa ausgebrochene Nothlausseuche ist erloschen.
Der Landrath. v. G e h r e n.
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Heimboldshausen nach Heringen (Werra) liegt bei den Postämtern in Friedewald und Schenklengsfeld aus.
Caflel, den 28. Juni 1902.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: Schreiner.
Nichtamtlicher Theil.
Politischer Wochenbericht.
Wir nähern uns den Hundstagen, die in der Regel für das öffentliche Leben die allen wohlthuende sommerliche Stille bringen. Der Kaiser hat seine Nord- landSreise angetreten, ein Beweis, daß der politische Ocean glatt ist. Auch in den Amtsstuben der meisten Reichsämler und MinisterhotelS ist Ruhe eingekehrt. Der Reichskanzler sucht in Norderney Erholung von den Anstrengungen seines schweren, verantwortungsvollen AmtS. Für den Staatssekretär Grafen Posadowöky giebt es allerdings noch keine Er- quickung. Unermüdlich arbeitet er an der Gestaltung des Zolltarifs, der feine erste Lesung in der Kommission noch immer nicht hinter sich hat. Daran sind vor allem die Socialdemokraten schuld, weil sie bei jeder einzelnen Tarif-Nummer endlose Reden halten, um die Erledigung des wichtigen Gesetzes zu hintertreiben. Graf PosadowSky hat noch einmal auf den Ernst der Lage hingewiesen und hat bei der Gelegenheit die Logik der Socialdemokraten gekennzeichnet, diese Logik, die auf der einen Seite den Zollschutz zerbrechen, damit die Industrie, die Nährmutter von Millionen von Arbeitern, zu Grunde richten und auf der andern Seite von dieser Industrie beständig höhere Löhne erpressen will.
Inzwischen werden die Erörterungen über die Erneuerung des Dreibundes fortgesetzt. Da die dagegen ins Feld geführten Truppen ihren Zweck nicht erreicht haben, so suchen sie durch eine Rückzugs- Kanonade ihre Niederlage zu verdecken. Das ist ein altes Vorrecht der Besiegten, und wir wollen den Franzosen und Franzosenfreunden nicht zürnen, daß sie die Umstände, unter denen sie das Schlachtfeld »erlassen, mit wohlthuender Finsternis zu umgeben suchen. Nur muß es uns erlaubt sein, die falschen Vorstellungen, die dadurch erzeugt werden können, zu berichtigen. Hierhin gehören vor allen die E r k l ä r u n g e n d es M i n i st e r s des Auswärtigen, Delcassss, die bei seinen Landsleuten mit Jubel ausgenommen sind. WaS hat er wichtiges verkündet? Daß Italien „in keinem Falle und unter keiner Form das Werkzeug oder der Gehilfe eines Angriffs auf unser Land werden kann"! Ist das etwas Neues? Niemals ist der Dreibund ein Offensiv- Bündnis gewesen; und daran konnte sich natürlich bei seiner Erneuerung nichts ändern. Darüber hat Herr Delcaffs wohlweislich kein Sterbenswort gesagt: wie sich Italien verhalten wird, wenn nicht Deutschland, sondern Frankreich der angreisende Theil ist. Und das ist doch die Hauptsache, das ist der Zweck des Bündnisses zwischen Deutschland und Italien. Herr Delcasss, verdankt also seinen Erfolg in der Kammer und vor der öffentlichen Meinung schließlich nur einer diplomatischen Ausdrucksweise, die man als zweideutig bezeichnen könnte.
Ebenso gründlich mißlungen ist der Versuch der Franzosen, auS der Thatsache Kapital zu schlagen, daß König Viktor Emanuel vor seiner Reise nach Berlin Petersburg besucht. Denn es ist festgestellt, daß das Reise-Programm lediglich nach Familien-Rucksichten und durch äußerliche Gründe bestimmt wurde. Je glänzender der König von Italien in Rußland empfangen wird, umso günstiger sind die Beziehungen zu beurtheilen, die zwischen den beiden großen Staatengruppen, dem Dreibund und dem Zweibund, bestehen. Die Spannung, die zwischen ihnen herrschte, als das Bündnis Rußlands mit Frankreich entstand, ist geschwunden, und man kann wohl sagen dank der friedlichen Gesinnung der betheiligten Monarchen, in erster Linie des deutschen Kaisers und des Zaren.
Als guter Politiker hat sich P r ä s i d e n t R o o s e - velt bewährt. Die Amnestie, die er den Filipinos zugestanden hat, geht viel weiter, als dir der Engländer in Transvaal, und ebenso hat er mit eiw-m Federstrich dem General Chaffee seine Zivilvollmachten entzogen und das militärische Regiment beseitigt. Auch die
Entscheidung für den Bau des Panama-Kanals scheint zu nicht geringem Theile auf den Einfluß des Präsidenten zurückzugehen.
Killtilr-Fsrtschritte in unfern Kolonien.
Obwohl das deutsche Reich erst vor 18 Jahren in die Reihe der Kolonialmächte getreten ist, haben unsre überseeischen Besitzungen schon erfreuliche Fortschritte in der Kultur gemacht. Eine eingehende Würdigung haben diese in einer in den „Beiträgen zur Kolonial-Politik und Kolonial-Wirthschast" veröffentlichten Abhandlung gefunden.
Die eingeborene Bevölkerung des dunkeln Erdtheils litt früher unausgesetzt unter den mit Grausamkeit geführten Kriegen, in denen ein großer Theil der afrikanischen Volkskraft verblutete unter den Sklavenjagden, unter Hungersnoth und Seuchen. Es gab Jahre, wo 30 000 auf Jagden gefangene Sklaven an die Küsten geführt wurden. Aber die sechsfache Zahl (180 000 Mann) war alsdann theils bei dem Fange getödtet, theils unter dem Elend des Transports und an Strapazen zu Grunde gegangen. Dazu kam die verheerende Menschenfresserei. Beständig bedroht ist das Leben der Eingeborenen ferner durch ihre Feinde in der Thierwelt. Es sind das weniger die großen Raubthiere, als die abscheuliche Leiden verursachenden kleinen und kleinsten Lebewesen, wie Erdflöhe, Stechmücken, Tsetsefliegen. Sodann leidet die Bevölkerung indirekt durch Viehseuchen und Heuschreckenschwärme, die ihr die Nahrung rauben und Hungersnoth herbeiführen. Zu den Thierseuchen kommen Volkskrankheiten, wie Pocken- Ruhr, Pest u. a. Die größte Gefahr für Afrika bilden die Pocken. Die Hälfte aller Eingeborenen in Central-Afrika stirbt an Blattern.
In der Bekämpfung der die Schwarzen aufreibenden Uebel ist in den deutschen Besitzungen viel geleistet worden. Die Greuel der Kriege haben bedeutend nachgelassen. Glimmt auch noch hie und da ein Funke auf, so kommt es doch nicht mehr zu größern Bränden. Die Sklavenjagden haben fast ganz aufgehört. Tabora und Udjiji in Deutsch-Ostafrika, früher seine wichtigsten Stützpunkte, sind nunmehr in deutschem Besitz gesicherte Stationen der Karawanenstraße. Mit fester Hand hat die deutsche Herrschaft Wandel geschaffen.
Für die Ernährung der Schwarzen ist die leichte Beschaffung der Nahrung entscheidend. Sie wählen die Fleischkost, wo sie ohne Mühe erreichbar ist. Für schlechte Zeiten sorgen sie nicht. Erst durch die Erziehung zur Arbeit ist eine Besserung der Verhältnisse möglich. Nach dieser Richtung haben verschiedene Maßnahmen der Regierung, vor allen die, die die Erlegung einer Hüttensteuer und eine an mehreren Tagen des Monats zu leistende Arbeit vorschreiben, wohlthätig gewirkt. Die Anlegung von Plantagen, der Bau von Landstraßen und Eisenbahnen vermehren die ArbeitsGelegenheit. Auch die Beispiele von Bodenkultur, wie sie die meist musterhaften Anpflanzungen der Missionen und der Stationen des kaiserlichen Gouvernements, sowie der vortrefflich angelegten botanischen Gärten der Regierung geben, wirken anregend auf die Eingeborenen.
Zur Hebung der Gesundheit ist außerordentlich viel gethan. Dank den Bemühungen um gutes Trinkwasser, der Trockenlegung sumpfiger Stellen in der Nähe von Wohnplätzen, der Beschaffung gesunder Wohnstätten und ausreichender Nahrung, den Maßregeln zur Verhütung und Heilung von Krankheiten hat sich die Gesundheit in den deurschen Kolonien Afrikas wesentlich gehoben. Erkrankungen und Todesfälle sind immer weniger vorge. kommen. Segensreich wirken endlich die neuerdings in größtem Maßstabe vorgenommenen Impfungen. In Kamerun wurden in s/4 Jahren 140000 Personen geimpft, verhältnißmäßig ebenso viel in den andern Schutzgebieten. Der Erfolg zeigt sich in dem Nachlassen der Pocken Epidemien.
Während auf diese Weise die Deutschen in den Kolonien Leben und Gesundheit der Eingeborenen