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Sie zweijährige KOeit in Fruilkreich.

Nachdem das deutsche Reich im Jahre 1893 mit der Herabsetzung der militärischen Dienstzeit von 3 auf 2 Jahre vorgegangen, will nun Frankreich folgen. Die Maßregel bezweckte bei UNS in erster Linie, gleichmäßig ausgebildete Truppenkörper zu schaffen, während bis dahin der größte Theil der Fußtruppen zwei Jahre, ein kleinerer Theil drei Jahre und ein nicht unbeträchtlicher Theil (Ersatzreservisten) sogar nur einige Monate unter der Fahne gedient hatten. Außerdem hatte die Armee jähr- 1 , lich 8- bis 9000 Einjährige. Ferner mußte bis zum Jahre 1893 eine große Zahl älterer Leute im Kriegsfalle aus Mangel an ausgebildeten jüngeren Jahrgängen in die 1 Feldarmee eingereiht werden, dagegen blieben viele

8 Tausende von kriegstüchtigen jungen Männern, ent­weder als mangelhaft ausgebildete Ersatzreservisten oder weil ße überhaupt nicht eingestellt werden konnten, während der ersten entscheidenden Schlachten in der Heimath. Daß dieses System nicht der allgemeinen Wehrpflicht entsprach, liegt auf der Hand. Auch war es so nicht möglich, die immer bedrohlicher werdende Ueberlegenheit Frankreichs und Rußlands an militärisch ausgebildeten Mannschaften auszugleichen. Die strenge -!, Durchführung der dreijährigen Dienstzeit aber hätte Ausgaben verursacht, die vom Reichstage nicht bewilligt worden wären. Auf diese. Weise kam bei uns die Militär-Reform im Jahre 1893 mit der zweijährigen Dienstzeit zustande.

Daß die zweijährige Dienstzeit ihre Mängel hat, darüber bestand bei denen, die sie einführten, kein Zweifel. Indessen hat sie sich besser bewährt, als die meisten Gegner fürchteten. Sie hat ihren Zweck erfüllt und auch die Mannszucht sowie den guten Geist der Truppen nicht geschädigt, wofür schon die allgemeine Abnahme der Bestrafungen spricht. Dabei muß vor allem berücksichtigt werden, daß wir eine dreijährige Dienstzeit thatsächlich gar nicht mehr gehabt haben.

Schon im Jahre 1893 ist von maßgebender deutscher Seite darauf hingewiesen worden, daß auf die Dauer Frankreich aus Mangel an Ersatz nicht in der Lage sei, die nunmehr wesentlich erhöhten Präsenzziffern zu über­holen. Diese Meinung hat sich als wahr erwiesen. Frankreich kann mit seiner um 18 Millionen Köpfe hinter Deutschland zurückstehenden Bevölkerung die Rekruten nicht mehr aufbringen, welche erforderlich sind,

um eine Präsenzziffer von 575 000 Mann zu erreichen, an welcher die französische Regierung unbedingt feß« zuhalten entschlossen ist. Aber an eine Thatsache sei doch hierbei erinnert, nämlich, daß trotzdem Frankreich immer noch über mehr Bataillone verfügt sowohl im Frieden wie im Kriege, soweit hierbei die Feldarmee in Betracht kommt als Deutschland! Um diese Ueberlegenheit erhalten zu können, jedenfalls aber, um hinter uns nicht zurückzustehen, hat man sich in Frankreich zur Einführung der zweijährigen Dienstzeit entschlossen.

Die Franzosen wünschen diese Reform. Der Senat und die Kammer hatten bereits Vorlagen über die zweijährige Dienstzeit ausgearbeitet. Diese sind jedoch unerledigt geblieben. Auch der Kriegsminister, General Andrs, hat sich mehrmals als Freund der Reform be­kannt, nur hat er sie von der Bedingung abhängig ge­macht, daß man der Armee vorerst einen festen Kern von 50 000 Kapitulanten sichere. Um dies zu erreichen, wurden schon von der früheren Kammer Prämien und Dienstalters-Zulagen für Kapitulanten bewilligt. Ob dieser Reiz zu dem von Andrä gewünschten Ergebniß führen wird, kann noch nicht gesagt werden. Die Ver- suchszeit ist zu kurz. Jedenfalls sind Vorarbeiten zur Herabsetzung der Dienstzeit bereits im Gange. Die Zusage des neuen Ministeriums, die Angelegenheit zu einem gedeihlichen Ende führen zu wollen, hat den besten Eindruck in Frankreich gemacht.

Politische Nachrichten.

Berlin, 17. Juni.

Die Jubelfeier des germanischen Museums in Nürnberg gestaltete sich in Anwesenheit der Vertreter der Reichsregierung und verschiedener Staatsregierungen und Delegierter fast aller wissenschaft­lichen uiib künstlerischen Institute des Reiches zu einem erhebenden nationalen Feste. Professor Lichtwark- Hamburg hielt die Festrede über den niederdeutschen Künstler Meister Bertram, dessen Hauptbilder er schilderte. Bei dem Festmahl brächte der Kaiser den Toast auf den Prinzregenten Luitpold aus. Am Montag Abend 9 Va Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers und der Kaiserin sowie des Reichskanzlers nach Bonn.

Ihre Majestäten der Kaiser und die

Kaiserin sind, von Nürnberg kommend, heute früh 8 Uhr bei prachtvollem Wetter in Bonn eingetroffen. Auf dem Bahnhöfe waren Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der K r o n p r i n z, Prinz und P r i n z e s s i n Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Mitglieder des KorpsBorussia", der Ober-Bürgermeister Spiritus und andere hervorragende Persönlichkeiten zur Be­grüßung anwesend. Ihre Majestät die Kaiserin nahm mit der Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe im ersten Wagen Platz, während Se. Majestät der Kaiser mit dem Prinzen Adolf im zweiten Wagen folgte. Dann folgte im dritten Wagen Seine Kaiserliche Hoheit,'ber Kronprinz. In der Begleitung Seiner Majestät befand sich auch der Reichskanzler. Das nach vielen Taufen­den zählende Publikum begrüßte die Majestäten mit stürmischen Hochrufen. Die Kriegervereine von Bonn und Umgegend bildeten in den Straßen Spalier. Die Majestäten begaben sich nach der Villa des Prinzen zu Schaumburg. Reichskanzler Graf Bülow beim Generaloberst Freiherrn v. Los abgestiegen.

Die heutigen Nachrichten aus Sibyllenort lassen wieder das Schlimmste befürchten. König Albert hat zwar die Nacht ruhig verbracht und mit verhält» ißmäßig gutem Appetit gefrühstückt, doch schwinden jetzt, wie ein späterer Bericht meldet, die Kräfte des Königs zusehends. König Albert traf über die Gestaltung der Landestrauer einschränkende Bestimmungen. Die kaiserlichen Telegraphenämter in Sybillenort, Breslau und Sachsen sind angewiesen worden, beim Eintreten des Todesfalls Drahtmeldungen vor der offiziellen Be­stätigung nicht durchzulassen. Seit heute früh hat der König Regierungsangelegenheiten nicht mehr erledigt.

Das preußische Abgeordnetenhaus er­ledigte am Montag das AusführungSgesetz zum Fleisch, beschau-Gesetz in dritter Lesung. Ein lebhafter Kampf entspann sich noch um die §§ 4 und 13. Darnach darf bereits einmal amtlich untersuchtes Fleisch ein zweites Mal bei der Einbringung in eine andere Gemeinde nur daraufhin untersucht werden, ob es inzwischen ver­dorben oder sonst zum Genuß untauglich geworden ist. Minister von Hammerstein wandle sich im Interesse der Kommunen mit Schlachthauszwang gegen die Beschlüsse zweiter Lesung und bat, wenigstens den vom Abg. Mendel - Steinfels eingebrachten Antrag anzunehmen, wonach § 4 erst am 1. Oktober 1904 in Kraft tritt, während das übrige Gesetz vom 1. April 1903 an gelten

Gräfin Wallerstein.

Novelle von Elsbeth Borchart.

(Fortsetzung.)

Hertha war zuerst tödtlich erschrocken, tröstete sich aber bald mit der Annahme, daß sie es mit einem kühnen Abenteurer, der es auf ihr Erbe abgesehen, zu thun . habe; denn sie glaubte nicht, daß Hans Ulrich noch am Leben sei, und sprach ihre Ansicht offen au».

Da ließ Hans Ulrich seine Papiere und Ausweise vom Gericht beglaubigen und ihr das Ergebnis, das keinen Zweifel an seiner Persönlichkeit zuließ, mittheilen. Hertha bot ihm darauf in großherziger Weise zwei Drittel ihres Barvermögens an, weil man die nähern Bestimmungen des verlorenen Testaments nicht kannte.

Mit stolzen Worten wurde dieses Anerbieten zurück­gewiesen. Nicht nach Geld trachtete er, ließ er ihr durch seinen Nechtsbeistand erwidern, sondern allein nach dem Schloß seiner.Väter, das ihm, wie er es von dem Onkel selbst wüßte, testamentarisch bestimmt sei. Er bäte um die Erlaubnis, nach Wallerstein kommen zu dürfen, um, wenn nicht eine gütliche Vereinbarung herbeizuführen, so U wenigstens der Spur des verschwundenen Testaments nachforschen zu können.

Gräfin Hertha wies dieses Verlangen, das sie an­maßend, unerhört, ja beleidigend nannte, kühl und hoch- müthig zurück. Ohne das Testament, nach dem sie noch einmal alles gründlich habe durchsuchen lassen, jedoch vergeblich würde sie nie Schloß Wallerstein hergeben,

es ginge ihr wie ihm: allein der Besitz des Schlosses sei für sie von Werth.

Sie schien mit dieser Abfertigung erreicht zu haben, was sie erstrebt hatte. Graf Hans Ulrich ließ nichts mehr von sich hören, und schon glaubte sie, daß er den Kampf um das Erbe als nutzlos aufgegeben hatte, als sie mehrere Monate darauf die Benachrichtigung erhielt, daß er es auf einen Prozeß ankommen lassen wolle, und daß' er hoffe, auf diese Weise zu seinem Recht zu gelangen.

Diese Mittheilung erregte Hertha mehr, als sie zu­geben wollte. Die Beratung mit ihrem Rechtsanwall brächte ihr keinen Trost, denn obgleich der Graf keine Beweise für seine mündlichen Aussagen beibringen konnte, so war doch anzunehmen, daß er die Wahrheit sprach, und daß Schloß Wallerstein ihm anfangs testamentarisch bestimmt gewesen war. Der Ausgang des Prozesses war zum mindesten zweifelhaft, und Hertha fühlte instinktiv, daß Hans Ulrich mit aller Macht streben werde, sein Ziel zu erreichen.

Diese Sorgen bedrückten ihr Gemüth, so sehr sie auch dagegen ankämpfte; sie wurde reizbar und launenhaft.

Nach der heutigen Scene mit ihrem Verwalter war sie erregter denn je, und sie fühlte, daß sie zur Be­ruhigung und Ablenkung etwas Besondres unternehmen müßte.

Ein Ritt auf Kastor! Das war es, was ihr den Gleichmut!) ihrer Seele zurückgeben konnte. Es mußte eine Wonne fein, auf dem wilden Thiere dahinzujagen in ungezügelter Lust, dabei alles zu vergessen, was die

Seele beschwerte, und ihm, dem kühnen Warner, zu beweisen:Sieh, ich stehe keinem Manne an Kraft und Willensstärke nach, auch dir nicht!"

Dieser Gedanke belebte sie, und sie schritt schnell zur Ausführung, befahl, Kastor zu satteln, und machte Reittoilette.

Sie war eben fertig geworden und öffnete, um sich nach dem Schloßhof hinabzubegeben, die Thür nach dem Vorzimmer, als ihr ein junges, hübsches Mädchen ent« gegentrat, mit geröteten Wangen und noch ganz jathem- los vom schnellen Laufen. Es war Anneliese Hartmann, des frühern Verwalters Tochter und Herthas liebste und beste Freundin.

Die beiden Freundinnen' kannten sich seit der Kind­heit, der Zeit, da Hertha nach Wallerstein gekommen war. Sie hattenzusammen denselben Unterricht empfangen, dieselbe Luft geathmet und ergänzten sich in ihren Charakter-Anlagen gegenseitig. Annelieses Sanftmuth stand der oft schroffen, geraden Natur Herthas mildernd zur Seite, während der letzter» Charakterfestigkeit nicht ohne Einfluß auf die nur zu leicht lenkbare Anneliese blieben. Trotzdem ein inniges Verhältnis sie verband, blieb Hertha die Herrin, deren Anordnungen sich Anne­liese widerstandslos fügte, in der sie die Verkörperung alles Edel» und Großen erblickte und der sie mit fast schwärmerischer Liebe zugethan war. Hertha vergalt diese Liebe, was sich schon als Kind, freilich zuvörderst darin geäußert hatte, daß sie die kleine, schüchterne Ver- walterstochler beherrschte, ihrem Willen Unterthan machte, bis auf den heutigen Tag.