Oberst Shelton Ookiep übergeben solle. Oberst Shelton erklärte, bis aufs äußerste aushalten zu wollen. Es ist aber eine Entsatzkolonne nothwendig, wenn der Platz ge- rettet werden soll, da Oberst Shelton für drei Wochen Proviant hat und 6000 Menschen verpflegen muß. Es gelang dem englischen Kommandanten, die Besatzungen von Nesklip und Nababeep mit ihren Waffen und aller Munition nach Ookiep zu retten. Nababeep ist seitdem geplündert worden. Springpok • Fontein (etwas südlich Ookiep) mußte sich nach tapferer Vertheidigung und einem Verlust von vier Todten und sechs Verwundeten ergeben. Die Buren haben meilenweite Strecken der Eisenbahn zerstört und die Schwellen verbrannt. In Garrakop, acht Meilen von Ookiep, erbeuteten sie Dynamit, welches sie zur Zerstörung der Blockhäuser benutzen, indem sie das Dynamit von den Kopses auf die Dächer der Blockhäuser fallen lassen. Oberst White und seine Kolonne sind bei oder in Gassies verschanzt, und die Kolonne kann nicht herauskommen. Anenous, Kockfontein, Stein- kop, Ooboop und alle weiter entfernt liegenden Stationen sind geräumt worden."
Himmelfahrt.
Jesus ist durchs Thal der Leiden In sein ew'ges Reich gegangen, Ihn, den erst das Grab umschlossen, Hat der Himmel jetzt umfangen; Zu der Rechten seines Vaters Thront er über ird'schen Thronen, Und sein Auge blickt auf alle, Die im Staub der Erde wohnen.
Jesus ist jetzt von den Seinen Wohl getrennt, doch nicht geschieden, Aus der Höhe giebt er ihnen Seinen Geist und seinen Frieden; Und ist einer krank und müde, Tröstet ihn sein Mund so gerne: „Hoffe nur auf meine Stunde, Halte aus, sie ist nicht ferne."
Jesus weiß wohl, was uns ängstet, Hat doch in den Erdentagen Er gleich uns gezagt, gezittert Und des Areuzes Last getragen. Da er auf dem Thron der Ehren Sitzt und herrscht im ew'gen Leben, Will er uns aus seiner Fülle Alles, was uns mangelt, geben.
Jesus ist durchs Thal der Leiden In sein ew'ges Reich gegangen, An ihm, dem von Gott Erhöhten, Sollen unsre Blicke hangen; Vor ihm beugen wir die Kniee, Und zuletzt an unserm Ende Legen wir die müde Seele Still in seine treuen Hände. E. F.
Aus Protiiz null WbargM.
* In einem Erlaß an die Eisenbahn-Direktionen bezeichnet der Minister der öffentlichen Arbeiten es für zweckmäßig, eine Abänderung in der Form der Rückfahrkarten eintreten zu laffen. Der Minister fordert alle Direktionen, denen Fahrkarten-Druckereien unterstehen auf, Ermittlungen anzustellen, ob der Her- stellung doppelseitiger Rückfahrkarten maschinentechnische Schwierigkeiten im Wege ständen und worin diese bestehen.
* Daö preußische Abgeordnetenhaus hat die Petition des DetaillistenverbandeS für Hessen und Waldeck um Aufhebung der hessischen Verordnung, betreffend das Verhüllen der Schaufenster an Sonntagen, nach dem Commissionsantrag der Regierung als Material über# wiesen.
* Aus Gießen wird gemeldet: Das für einen Truppenübungsplatz für das XI. und XVIII. Armeekorps bestimmte Gelände der Gemeinden WermerthS- Hausen (Kreis Marburg) und Rüddingshausen (Großh. Provinz Oberheffen) wurde in den letzten Tagen von Vertretern des Kriegsministeriums und den Kreisräthen von Gießen und Alsfeld besichtigt und die vorbereitenden Schritte zur Einleitung des Enteignungsverfahrens gethan. Beide Dörfer werden niedergelegt. Die in das UebungSgelände führende, bei Lollar von der Main- Wefer-Bahn abzweigende Eisenbahn wird voraussichtlich am 1. Juni d. I. eröffnet.
* (Fabrikant und Handwerker.) Die gefttzliche Unterscheidung des Begriffs Fabrikant und Handwerker ist nach einer Entscheidung des Reichsgerichts folgende: Fabrikant ist derjenige, besten Arbeiter nur einen Theil des Werkes anfertigen und bei dem infolge- besten mehrere Arbeiter an einem Werke thätig sind. Handwerker ist derjenige, dessen Arbeiter allein ein Werk ferligstcllen.
* Nach einer Bekanntmachung des Unterrichtsministeriums findet eine nach der Prüfungsordnung vom bH Januar dieses Jahres abzuhaltende Prüfung ' är Zeichen lehrer u. Zeichenlehrerinnen in diesem Jahre in Cassel am Montag, den 16. Juni, Vormittags 9 Uhr, und au den folgenden Tagen in der gewerblichen Zeichen, und Kunstgewerbeschule daselbst statt.
V) Hersfeld, 9. Mai. Die „C. A. Z." schreibt
unterm 6. d. M. Die unter dem Namen „Verband der Geflügelzuchtvereine in Niederhessen" zu einem Verband zusammengeschlossenen Geflügelzuchtvereine Hersfeld, Rotenburg, Sontra und Werrathal hatten bei der Land- wirthschaftskammec für den Reg.-Bez. Castel beantragt, ihnen dieselbe Stellung aus dem Gebiete der Geflügelzucht einzuräumen, wie sie der Verein zur Beförderung der Bienenzucht auf letzterem Gebiet inne hat (zum mindesten für Niederhessen) und Aufnahme eines Verbandsvertreters in die Geflügelzuchtkommission. Letztere hat sich jedoch in ihrer vor Kurzem in Castel stattgehabten Sitzung gegen jene Anträge ausgesprochen.
0 Hersfeld, 7. Mai. Dem gestrigen V i e h - markt waren 229 Rinder zugetrieben. Der Handel war nicht besonders lebhaft und die Preise hielten sich in ihren Grenzen. — Dem Schweinemarkt waren 519 Schweine aufgebracht. Hier war der Handel lebhafter und die Preise ziemlich hoch. — Der nächste Viehmarkt findet am 28. d. MtS. statt.
Sebbeterode, 5. Mai. Auf ganz eigenartige Weise verunglückte ein hiesiger Einwohner. Derselbe lud Holz ab und als er ein Scheit vom Wagen werfen wollte, blieb letzteres in seiner Weste, wo es sich festhakte, hängen und Betreffender wurde durch die Wucht des Fortwerfens derartig vom Wagen geschleudert, daß er sich beim Fallen ganz erheblich verletzte und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
Cassel, 6. Mai. Auf der am 6. und 7. Juni d. I. in M a r b u r g stattfindenden Hauptversammlung des »Hessischen St äd leta g e s" wird auch die Gründung eines Hessischen Städtebund-TheaterS zur Besprechung gelangen. Als Berichterstatter fungirt Herr v. Boden- hausen-Cassel.
Frantenberg, 5. Mai. Auf eine schreckliche Weise verunglückte der Handelsmann M. aus Bromskirchen im benachbarten Rödderau. Derselbe wollte auf einen mit Pferden bespannten Wagen Schweine laden, als plötzlich die Pferde anzogen und durchgehen wollten. Bei dem Versuche, die Pferde zurückzuhalten, wurde M. gegen die Mauer geschleudert, wodurch er einen Schädelbruch erlitt und auf der Stelle starb.
Marburg, 2. Mai. Seit vorigem Jahre hat bekanntlich Herr Geh. Prof. von Behring die Tuberkulose- Tilgungöversuche von Neuem wieder ausgenommen. Dem Gelehrten war es gelungen, durch eine Reihe von Versuchen die Rinder immun gegen Tuberkulose zu machen. Nachdem nun in vielen Orten des Kreises durch Herrn Dr. Römer vom hygienischen Institut hierselbst, in Gemeinschaft mit Herrn Kreisthierarzt Dr. Melde etwa 1400 Rinder mit Tuberkulin vorgeimpft waren, haben die beiden Herren im nahen Wehrda kürzlich mit den Jmmuniflrungs-Jmpfungen den Anfang gemacht. Sie werden zunächst in dem hiesigen und dann in den Kreisen Frankenberg und Kirchhain fortgesetzt. Es wird gehofft, daß sich die Versuche in der Praxis bewähren und somit zur Einschränkung und Tilgung dieser gefährlichen Seuche, die der Landwirthschaft Preußens allein jährlich 6 Millionen Mark Schaden bringt, wesentlich beitragen wird. Ueber die bis jetzt gewonnenen Resultate berichtet Herr .Geh.-Ralh von Behring demnächst in einem im Buchhandel erscheinenden Werke. (C. T.)
Witzenhausen. Die gegenwärtige Frequenz der Colonialschule hierselbst beträgt 53. Wegen Platzmangels blieben viele Anmeldungen unberücksichtigt. Im Frühjahr wanderten 8 Herren nach Ostafrika und Südamerika.
Frankfurt a. M., 5. Mai. Die Hauptwache, jenes historisch interessante und werthvolle Gebäude, das jeder Besucher Frankfurts kennt, soll jetzt an die Stadt übergeben werden, welche dem Militärfiskus dafür ein Gelände für den Bau eines Commandanturgebäudes überläßt. Der Werth der Hauptwache wird auf 540 000 M. geschätzt. Die Stadtverordneten werden sich in der nächsten Sitzung mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben.
Vermischtes.
— Leipzig, 6. Mai. Der Prozeß gegen die Direktoren und AufsichtSräthe der Leipziger Bank wird, wie das „Leipziger Tageblatt" meldet, Mitte Juni vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt werden. Die Anklage lautet gegen Exner und Gentzsch auf betrügerischen Bankerott, Betrug und Untreue, gegen die Mitglieder des Aufsichtscaths auf Vergehen gegen den § 314 des Handelsgesetzbuchs, gegen Dodel, den Vorsitzenden des AussichtSraths, außerdem auf Untreue.
— Die Zolltarifkommission nahm nach längerer Debatte Pos. 237 Mineralöle (Petroleum u s. w.), wonach Schmieröle 10 M., andere Mineralöle
6 M. bezahlen, in der Fassung der Regierungsvorlage an, sowie drei Anmerkungen des Entwurfs unter Ablehnung der gestellten Anträge, herunter des Antrages Heyne, welcher bezweckt, wenigstens die Raffinerie von Petroleum nach Deutschland zu verlegen, um dadurch das Monopol des Rockefeller'schen Petroleumringes zu brechen. Die Commission nahm gleichzeitig die Resolution Gamp an, welche die Regierung ersucht, schleunigst zu erwägen, ob nicht durch Einschiebung verschiedenen Zollsatzes auf Koch-Petroleum und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer inländischen Raffinerie > Industrie möglich sei und einen diesbezüglichen Gesetzentwurf im Reichstage vorzulegen.
— Hamburg, 5. Mai. Durch Ausstiömen von GaS erstickte in der letzten Nacht in einem Haufe am Hammersteindamm eine aus vier Personen bestehende Familie.
— Newyork, 6. Mai. Eine Nachricht aus St. Thomas meldet, der Ausbruch des Vulcans Montpelee auf Martinique dauert an; die Lava zerstörte die ungefähr zwei Meilen von Saint Pierre liegenden Fabriken. Es heißt, daß etwa 150 Personen das Leben eingebüßt haben. In Saint Pierre herrscht große Panik.
— Blitz schlüge. In Mutzschen erschlug am 3.
d. M. der Blitz den 19jährigen Sohn des Ziegeleibesitzers Schade bei der Arbeit auf dem Felde; ein Knecht wurde betäubt. — In Burkartshain wurden dem Gutsbesitzer Guckland bei der Feldarbeit zwei werthvolle Pferde vom Blitze erschlagen. Guckland, dem der Stiefel vom rechten Fuß abgerissen wurde, und zwei Mägde wurden betäubt.
— Paris, 24. April. (Selbstmord eines Hundertjährigen.) Hundert Jahre alt zu werden und dann endlich zu bemerken, daß das Leben voll von Bitterniffen und Enttäuschungen ist, das ist doch gewiß nicht alltäglich. Der in der Vorstadt Belleville wohnende Herr Martin Cosnard hatte vor einigen Monaten das 100. Lebensjahr erreicht uud erfreute sich eines trefflichen Befindens. Er war in seinem Viertel sehr bekannt und beliebt, hatte aber «ine zänkische und böswillige Tochter, die auch bereits 78 Winter überstanden hatte, aber mit jedem neuen unausstehliger wurde. Vater und Tochter hatten daher fast täglich stürmische Auseinandersetzungen. Die griesgrämige Alte konnte es dem Greise nicht verzeihen, daß er noch immer an des Lebens Freuden hing, gemächlich sein Pfeifchen schmauchte und aus der Schänke spät heimkehrte, während sie von Magenbeschwerden und Gliederreißen geplagt wurde. Schließlich übten indessen die unaufhörlichen Vorwürse auf den Charakter des Hundertjährigen doch einen niederdrückenden Einfluß aus und er wurde von Tag zu Tag verschlossener und mißmuthiger. Am Dienstag fand man ihn in seinem Zimmer erhängt.
— Paris, 6. Mai. Ein aus Mouscron (Belgien) kommender Eisenbahnzug, in welchem sich Pilger, die sich nach Lourdes begeben wollten, befanden, ist aus nicht festgestellter Ursache zwischen Amiens und Compiegne bei Moyenneville auf offener Strecke entgleist. Ingenieure und Aerzte begaben sich an die Stätte des Unglücks. Neun Personen wurden getödtet, elf verletzt.
— Der im Mordprozeß Krosigk freigesprochene Dragoner Marten ist zur Verbüßung des Restes der ihm wegen Fahnenflucht auferlegten einjährigen Freiheitsstrafe von Gumbinnen nach dem Festungsgefängnis in Danzig gebracht worden. Marten, welcher von einem Sergeanten und einem Gefreiten begleitet wurde, trug die Kleidung der Festungsgefangenen. Er wird, wie wir bereits meldeten, am 16. Juni ds. Js. entlassen werden.
— Aus Braun schweig wird berichtet: Der Spargelkrieg ist jetzt beendet, Konservenfabrikanten und Spargelzüchter haben sich geeinigt, und zwar auf folgender Grundlage: Es wird gezahlt für Rohrspargel Prima 40 Pf. pro Pfund (im vorigen Jahr 58 Pf.), Sekunda 25 Pf. (45 Pf.), Tertia, sog. Suppen- spargel, 10 Pf. (25 Pf.).
— R ew - 2) ork, 3. Mai. Ein 450 italienische Auswanderer nach Pitsburg führender Eisenbahnzug stieß auf einen Güterzug und entgleiste. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die meisten der mit Auswanderern gefüllten Waggons umstürzten und diese unter die Trümmer zu liegen kamen. Trotzdem gab es nur verhältnißmäßig wenig Todte, aber zahlreiche lebensgefährliche Verwundungen, während die übrigen Insassen des Zuges fast sämmtlich durch Holz- und Glassplitter oder durch das Umstürzen der Waggons leichter verletzt wurden.
— Der „M iethsthaler" scheint sich im bürgerlichen Leben auch nach dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs behaupten zu wollen. Seit dem 1. Januar 1900 ist aber gleich anderen auch der Gesinde- vertrag im deutschen Reiche von jeder Form befreit. Jedes Beweismittel ist auch in dieser Hinsicht statthaft und ausreichend. Nirgends mehr bildet Geben und Nehmen des Miethsthalers eine nothwendige Voraussetzung für die Giltigkeit des Dienstvertrages selbst.
— (Auszeichnung) Gast (dem wiederholt hartes Fleisch vorgesetzt wurde): „Wenn Sie so fortmachen, Herr Wirth, werden Sie gewiß noch zum Ehrenmitglied des Vereins der Zahnärzte ernannt!"
— (Der Singula r.) Dame: Warum fixieren Sie mich? Herr (verlegen): Ich bemerke eben, daß Sie schon viele Falten im Gesicht haben. Dame (pikiert) : Da sind Sie allerdings besser dran, Sie sind nur einfältig! (Maien g r u ß.)
Ich hört' etwas klappern und dachte, das sei Der Storch, der so klappert, da war es der Mai. Der Mai ist gekommen in schneidendem Ost Und reibt sich die Hände und klappert vor Frost. Wie sollt' er nicht frieren? Gar schlimm ist er dran Einher geht er barfuß, hat wenig nur an.
Der Mai ist gekommen — Karline, heiz' ein Und koch' für ihn Kaffee und ruf' ihn herein!
("Kladderadatsch.")
Kirchliche Nachrichten. Evangelischer Hottesdienst.
Donnerstag den 8. Mai.
Am Kimmelfahrtsfest.
Vormittags: Herr Pfarrer Schröder.
Nachmittags: Herr Pfarrer Wagner.
S^T Hierzu eine Beilage.