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$r. 47.

Iitiistiz den 22. l»rH

1901

Amtlicher Theil.

Cassel, den 10. April 1902.

Von dem Herrn Ersten Staatsanwalt des Ober­landesgerichtsbezirks Cassel ist wiederholt darüber Klage geführt, daß die nach dem Erlasse des Herrn Ministers des Innern vom 14. Juli 1890 II 7531, mitgetheilt durch meine Rundverfügung vom 13. September 1890 A. II 7606, von den Ortspolizeibehörden über das Ab­leben bestrafter Personen zu erstattenden Anzeigen viel­fach nicht rechtzeitig eingehen und wegen verschiedener Ungenauigkeiten und Unvollkommenheiten zu häufigen Rückfragen Anlaß geben.

Euere Hochwohlgeboren ersuche ich deshalb die Orts­polizeibehörden Ihres Kreises die genauere Befolgung der fraglichen Vorschriften zur Pflicht zu machen und sie auf den Zweck und die Bedeutung der Anzeigen hinzuweisen.

Der RegierungS-Präsident. I. A.: Schenk. An die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 4873.

* *

Hersfeld, den 18. April 1902.

Indem ich Vorstehendes zur Kenntniß der Ortspolizei­behörden des Kreises bringe, mache ich denselben die mittelst meiner Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876 (Kreisbl. Nr. 114) angeordnete pünktliche Einsendung der Listen über das Ableben bestrafter Per­sonen bis zum 1. Februar und 1. August jeden Jahres an die Staatsanwaltschaft hiermit aufs neue zur Pflicht. -

I. 2187. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Hersseld, den 18. April 1902.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 23. März 1880 I. Nr. 3135, Kreisblatt Nr. 24, Aus­räumung der Fluthgräben, Ent- und Bewässerungs-An- lagen betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 26. d. MtS. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Ortsvorstände wird eine O r d n u n g s st r a f e von je 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrath, Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Pieter Cafras und seine familie.

Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren.

Von A. von Lilienkron.

(Fortsetzung.)

So war denn Dirk weggeritten. Hoffnungsfreudig und getrost machte er sich auf den Weg, bereit, den Fährlichkeiten des Rittes die Stirn zu bieten, und fest entschlossen, seine Aufgabe nach besten Kräften zu lösen. Er hielt jetzt Umschau, denn er hatte in Potschefstrom erfahren, daß, wenn er die Richtung auf Hoopstadt ein­halten wolle, er seinen Ritt bedeutend abkürzen könne, sobald er eine kleine Meile hinter Potschefstrom die große Straße verließe und den Richtweg quer durch den Wald über die Berge einfältige. Er würde dann den Waal Fluß nicht weit von einer Furt erreichen und in gerader Richtung auf die große Straße kommen, die von Reitzburg nach Hoopstadt führt.

™°n ^e?m &ügel, den Dirk erklommen hatte, sollte der Weg abführen, und nach diesem späte jetzt sein scharfes Auge aus. Richtig, etwa zweihundert Schritt vor ihm, therlten sich die Felswände und boten einen schmalen Eingang in die stille Bergwelt.

Der Knabe klopfte den glänzenden Hals seines Pferdes, das wohl klein war, aber von kräftiger Figur und fiöh- lich in den Morgen hineinwiehrrte.

. «äBaS meinst du, Renner, wollen wir in die Wild- niß hinein t1 fragte er, sorglos lachend. „Wir sparen

8trlt(U| M AntrcktchWllWli

Jn Abänderung der B *

1902 wird Folgendes befohlen:

vom 21. März

Mittwoch, 23. April 1902, 10™ Vorm.:

Kontrolversammlung in Unterhaltn, statt Dienstag 22. April 1902, 40 Nachm.

Mittwoch, 23. April 1902, 4<> Nachm.:

Kontrolversammlung in Hersfeld, statt Donnerstag 24. April 1902, 9° Vorm.

Donnerstag, 24. April 1902,11° Vorm.:

Kontrolversammlung in Niederaula, statt Mittwoch 23. April 1902, 110 Vorm.

Donnerstag, 24. April 1902, 3» Nach.:

Kontrolversammlung auf dem neuen Kontrolplatz in Kirchheim, für die Leute aus den Orten: Kleba, Kirchheim, Gershausen, Allendorf, Reimbolds- Hausen, Kemmerode, Willingshain, Gersdorf, Frielingen und Heddersdorf mit Ausnahme derjenigen Leute, die bereits bei der Kontrolversammlung in Obergeis sich gestellt haben.

Die Bürgermeisterämter werden ergebenst ersucht, ihren Ortseinwohnern in zuverlässiger Weise hiervon sofort Kenntniß zu geben.

Königliches Bezirks-Kommando Bersfeld.

Nichtamtlicher Theil

Se. Majestät der Kaiser traf mit Sr. Kaiser­lichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen, Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich, der sich Freitag Nachmittag von Kiel nach Bremerhaven begeben hatte, dem Admiral Thomsen, dem Staatssekretär des Reichsmarineamts Vizeadmiral von Tirpitz Sonnabend früh 9 Uhr von Bremerhaven in Meppen ein und wurde am Bahnhof vom Wirklichen Geheimen Rath Krupp empfangen. Nach kurzem Aufenthalt erfolgte die Weiterfahrt nach dem Schießplatz. Nach der Ankunft des Kaisers begann» das Schießen um 9</2 Uhr. Zu­nächst wurde aus leichteren Kanonen, dann aber aus ganz schweren Schnellfeuer-Schiffsgeschützen auf Scheiben geschossen und zwar auf eine Entfernung bis zu 16

Kilometer. Die Länge der Schußbahn beträgt 24 Kilo- Girokonto berichtigt und 13 604 Posten wurden bei den meter. Hinter den Geschützen befand sich der Kaiser milder Auszahlung betrauten Königl. Kassen und Reichsbank-

etliche Meilen, und was sollen uns die Bestien da drinnen anhaben? Du bist flink und ich habe mein Ge­wehr ! Außerdem sind wir vor Abend aus den Bergen heraus!"

Renner spitzte die Ohren, warf den Kopf zurück und antwortete mit einem lauten Wiehern, als wollte er seine freudige Bereitwilligkeit versichern.

Der Knabe schwenkte den Hut. „Vorwärts, Renner, der nächste Weg ist der beste! Wir wagens mit Gott!"

Dahin flogen die beiden und bogen gleich darauf in die thorartige Felsenüberdachung ein, die sie auf einen schmaleren Weg brächte.

In Zickzack-Windungen führte der Pfad zwischen Büschen und Gestein immer weiter. Oft stiegen hohe, spitze Felsen, wie Türme düster empor, und das tiefe Schweigen der Wildniß wurde nur durch das Grunzen einzelner Paviane unterbrochen, die den Reiter in der Ferne begleiteten und mit großen Sätzen von Baum zu Baum sprangen.

Obgleich der Weg schmaler und schmaler wurde, und oft kaum zu erkennen war, so fand sich Renner doch mit großem Geschicke durch das an manchen Stellen fast undurchdringliche Dickicht und vermied sorgsam die stachlichen Büsche der Kaktus- und der Giraffen- Akazien.

So ging eL eine Weile bergab, bis sich vor ihnen ein Felsenthal öffnete, in dessen Grunde ein Büchlein rieselte. Allerhand mächtige, aber wunderlich gebildete

nebst Gefolge. Mittags wurde ein Gabelfrühstück in einem Zelte auf dem Schießplatz eingenommen. Nach­mittags soll aus schweren Geschützen auf Panzerplatten geschossen werden. Das die Schießbahn umsäumende Nadelholz ist von einer dichten Kette von Gensdarmerie und Feuerwehrleuten der Firma Krupp umstanden, durch die Niemand Zutritt erhält. Um 2 Uhr Nachmittags begann das Schießen mit schweren Schiffsgeschützen nach Scheiben. Nach jedem Schuß wurde das Ergebniß fest­gestellt. Es sind nur 16 Schüsse abgegeben worden. Der Kaiser äußerte zu Krupp seine große Befriedigung. Um 5 Uhr fand ein Diner im Kaiserpavillon statt, dann erfolgte die Fahrt zum Bahnhof und um 7 </q. Uhr die Abfahrt des Kaisers nach Hannover. Bei der Abfahrt wurde ein Salut von 35 Schüssen abgegeben.

Auf eine 25jährige Dienstzeit im aktiven Seedienste kann Admiral Prinz Heinrich von Preußen in diesem Monat zurückblicken. Der Prinz wurde am 21. April 1877 zur Marineschule kommandirt und trat damit in den praktischen Dienst ein. Die Beförderung zum Leutnant zur See erfolgte am 14. August 1872, anläßlich seines 10. Geburtstages.

Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen ist gestern Nachmittag von Darmstadt nach Italien abgereist.

(S t a a t s s ch u l d b u ch.) Das Preußische Staats­schuldbuch ist auch in dem Ende März d. I. abgelaufenen Geschäftsjahre seitens der Besitzer von Schuldver. schreibungen der konsoldirten Staatsanleihen lebhaft in Anspruch genommen worden. Die Zahl der eingetragenen Konten betrug Ende März 1900: 26 102 über 1 385 316 900 Mark Kapital, 1901: 28 909 über 1 466 168 250 Mark Kapital, sie ist bis Ende März 1902 auf 30 337 über 1 577 323 650 Mark gestiegen. Von diesen Konten entfallen 82,2 v. H. auf Kapitalien bis zu 50 000 Mark und 13,8 v. H. auf größere Kapi- talsanlagen. Für physische Personen waren Ende März 1902 18372 Konten über 717 527 000 Mark, für juristische Personen 5515 Konten über 584 669 850 Mark einge­tragen. Die Zahl der Konten für Bevormundete oder in Pflegschaft Stehende beträgt 1901. Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 17 666 Posten von der Staatsschulden-Tilgungskasse in Berlin durch Werthbrief oder Postanweisung direkt zusenden, 5017 Posten wurden durch Gutschrift auf Reichsbank-

Steine faßten den Weg von beiden Seiten ein. — — Renner wie sein Herr erquickten sich hier an dem klaren Wasser des Baches und stärkten sich an dem Brote, das Dirk mitgenommen hatte.

Aber Zeit zum Rasten blieb dem Knaben nicht. Er wußte, daß noch eine gute Strecke Weges vor ihm lag, ehe er wieder in eine bewohnte Gegend kam, und es galt, diese noch vor Anbruch der Dunkelheit zu er­reichen.

Renner, das kluge Thier, das jedem Zurufe seines Herrn folgte, jagte vorwärts, so rasch es der enge und schwierige Weg gestattete.

Allmählich fanden sich immer mehr Paviane ein, die den einsamen Reiter angrinsten, die Mäuler vor. streckten oder die Stirnhaut emporzogen, kurz, entschieden den Eindruck machten, als ob sie nicht übel Lust hätten, einen Angriff zu wagen.

Renner wurde die Sache ungemüthlich, er schnob unruhig und sah sich scheu nach allen Seiten um. Das verstärkte entschieden die Unternehmungslust der Paviane. Sie fletschten die Zähne, fingen an zu schnattern und laut zu rufen, so daß, wie auf Kom­mando, von allen Seiten wohl an hundert Paviane herbeiliefen.

Jetzt empfand auch Dirk das Unbequeme seiner Lage. Wohl besaß er ein ausgezeichnetes Martini-Henry Ge- wehr, aber er wußte genau, daß, wenn er einen dieser Affen verwundet hatte, die andern ihn in Stücke gerissen