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Gratisbeilagen r „JUnftrirtes Ssnnragsblatt" rr. „Illaftrirte Lan-Wirthschastliche Veilage
Rr. U. AeOz in 15. Hril
1902.
Verteilungen
auf daS-
Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Der Sektionsvorstand.
A. I. 789.
Hersfeld, den 12. April 1902.
Den Herren Ortsvorständen derjenigen Gemeinden rc., welche gemäß dem Ausschreiben vom 15. März d. I., A. Nr. 789, (Kreisbl. Nr. 35) einen Wahlmann zurNeuwahl eines Vertreters rc. zur G e - nossenschaftSversammlung bis heute dahier nicht bezeichnet haben, wird hiermit eine Nachfrist b i s einschließlich d e n 17. d. Mts. gewährt.
Die nach diesem Tag etwa noch eingehenden Berichte bleiben unberücksichtigt.
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Der Vorsitzende der Veranlagungskommission.
Hersfeld, den 14. April 1902.
Die Vorstände der Landgemeinden werden an die sofortige Einreichung der S t a a t s st e u e r h e b e - l i st e n für 1902 (Muster B) erinnert.
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Fulda, den 8. April 1902.
Für den am 17. April 1902 in der Stadt Fulda stattfindenden Viehmarkt finden die unterm 13. Januar
Pieter Cafras und seine Familie.
Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren.
Von A. von Lilienkron.
(Fortsetzung.)
Eine Thräne verschleierte die großen blauen Augen der jungen Frau," ihre Finger streichelten das rosige Gesicht des kleinen Schläfers, aber sie sagte kein Wort.
„Red' ihr nicht drein, Pieter!" wehrte die Mutter. „Laß sie thun, wozu ihr Herz sie drängt! Louis und Sanna stehen überall in Gottes Hand, hier wie dort. Sein heiliger Wille geschehe. Ich werde den kleinen Pieter lieb haben und pflegen, wie mein leibliches Kind!"
„Hört mein Vater, was die Mutter verspricht?" fragte das junge Weib in freudiger Erregung. «Nun weiß er, daß unser Kleiner gut aufgehoben ist, besser als er es bei mir sein könnte. Mutter hat für uns Kinder gearbeitet, Tag und Nacht, sie tritt auch heute für ihre Tochter ein, die es ihr danken wird, so lange sie lebt. Nun kann ich getrost meinem Manne zur Seite bleiben."
Noch immer sah Pieter nachdenklich auf sein Kind. Ihr Entschluß kam ihm überraschend, und er konnte sich nicht ganz darin zurechtfinden.
Sanna trat an den Tisch, auf dem die große Familienbibel ihren Platz hatte, legte die Hand darauf und sagte:
«An dem Tage, als mein Vater mich dem Louis zum
d. I. im Kreisblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung. Mit dem Auftrieb darf um 6</2 Uhr begonnen werden.
Ich ersuche um entsprechende Bekanntmachung im dortigen Kreisblatt.
Der Königliche Landrath Steffens. An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
* * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 11. April 1902.
I. 2047. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Rotenburg, den 8. März 1902.
Der Schmied Karl Wilhelm Deiseroth aus Friedewald dortigen Kreises hat die am 27. Februar d. Js. zu Weißenborn stattgehabte Prüfung an der Hufbeschlag- Lehrschmiede bestanden.
Der Königliche Landrath.
An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld. J.-Nr. 2031. * . * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 11. April 1902.
L 2049. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Die Unruhen in Belgien.
Wohl in keinem Staate des europäischen Festlandes ist so viel revolutionärer Zündstoff aufgehäuft wie in Belgien. Die politischen, kirchlichen und sozialen Gegensätze sind jetzt dort wieder zu höchster Schärfe gediehen und haben böse Ausschreitungen zur Folge gehabt. Der Anstoß dazu ist durch den Kamps um das allgemeine Stimmrecht gegeben worden, das die Regierung nur unter Einschränkungen gewähren will, während die Sozialisten, von einem Theile der liberalen Partei unterstützt, diesmal mit ihrer Forderung Ernst machen wollen. Sie drohen zugleich im Falle der Verweigerung mit gewaltsamer Einführung der Republik. Der Sozialist van der Velde hat verkündet, daß nun die Gewalt den Vernunftgründen zu Hilfe eilen müsse. Infolgedessen ist nicht nur in Brüffel, sondern auch in einer Reihe
Weide gab, las er uns aus diesem heiligen Buche das Wort der Ruth vor: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch, dein Volk sei mein Volk und dein Gott sei mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben sein!" Ich habe mir das zur Richtschnur genommen und halte mich danach."
Pieter nickte. „Gut, Sanna, geh mit Gott!"
Dirk hatte voll Spannung und mit Herzklopfen dem Gespräche gelauscht. Vor allen andern Geschwistern gehörte seine unbegrenzte Liebe seiner Schwester Ruth, aber in diesem Augenblicke, wo Sanna sich so rückhaltlos bereit erklärte, in den Kampf für das Vaterland mit eintreten zu wollen, kamen seine Gefühle bedenklich ins Schwanken, und er fragte sich, ob nicht jetzt doch der ältern Schwester der erste Platz in seinem Herzen gebühre. Jedoch die Wendung, die das Gespräch nahm, machte ihn einigermaßen unsicher über Sannas Beweggründe.
Er schlich sich an ihre Seite und zupfte sie am Aermel. „Du, Sanna," raunte er ihr zu, „gehst du mit, weil du für das Vaterland kämpfen willst, oder weil du den Louis so lieb hast?"
Sie mußte lächeln. Er aber wurde ärgerlich. „Weißt du, mir ist nicht zum Spaßen I" erklärte er. „Antworte mir vernünftig!"
„Ich kann dir das nicht sagen, ich weiß das selbst nicht," gestand sie ein. „Ich weiß nur, daß ich da sein muß, wo mein Mann ist, und daß ich tapfer kämpfen werde."
von anderen Städten Blut geflossen, und mit jedem Tage werden die Zusammenstöße zwischen den VolkZ- maffen mit der bewaffneten Macht bedenklicher. Wie ernst die sozialistischen Drohungen diesmal gemeint find, geht aus der Thatsache hervor, daß der Generalrath der belgischen Arbeiter für bieten Montag den allgemeinen Ausstand verkündet hat. Es soll also der politische Kampf durch den wirthschaftlichen unterstützt werden.
Die Brüffeler Regierung giebt sich auch über die Größe der Gefahr keiner Täuschung hin, sie bereitet sich vielmehr auf die Möglichkeit des Bürgerkrieges vor und scheint entschlossen zu sein, ihren Platz mit allen Mitteln zu behaupten. In die bekannten Industrie- Centren sind Truppen entsandt worden, und auch die Bürgergarden werden mobilisiert. Es handelt sich, wie man wohl ohne Uebertreibung sagen darf, für das bisherige konstitutionelle Königthum um Sein oder Nichtsein, uud es ist daher anzunehmen, daß auch das liberale Bürgerthum sich bei einem ernsten Konflikt auf die Seite der Krone stellen wird, unter deren Schutz das Land sich seit 70 Jahren eines lebhaften Aufschwunges und materiellen Gedeihens erfreut hat. In letzter Reihe wird es von der Haltung der Truppen und der National- garde abhängen, ob die bestehende Macht auch diesmal das Heft in Händen behalten wird.
Das Auftauchen fremder Republikaner in Belgien beweist, daß auch auswärtige Agitatoren am Werke sind, das Feuer zu schüren. Es ist eine Thatsache, daß vor allem französische Einflüsse und auch wohl französisches Geld bei der revolutionären Bewegung im Spiele sind. Eine belgische Republik würde sich neben der französischen nicht behaupten können, sondern für die „Angliederung" reif sein. Während der revolutionären Zuckungen der letzten Jahre sah die radikale französische Preffe mit ihrer reichen Einbildungskraft die Dynastie bereits gestürzt und für Frankreich den Augenblick gekommen, ein« zugreifen, um im Trüben zu fischen.
Es ist gut, sich ins Gedächtniß zurückzurufen, daß die belgische Revolution von 1830 wesentlich von Paris aus gefördert worden ist; der französische General Mellinet organisirte und führte damals die Revolutions- truppen gegen den Prinzen Friedrich der Niederlande. 1840 kam dann das Verlangen nach einer Zoll-Union mit Belgien, und die Absichten Napoleons III. auf das benachbarte Königreich sind aus dem Jahre 1870 in frischer Erinnerung. Noch im Jahre 1872 hatte Thiers
Der Knabe war nicht ganz befriedigt von der Erwiderung. Wenn Ruth mitzog, dann würde sie keinem andern als dem Vaterland zu Liebe kämpfen. Das wäre doch noch etwas anderes, überlegte er. Aber Ruth mußte ja hierbleiben, um mit der Mutter für die Kleine» zu sorgen, die Arbeit zu thun und die Farm zu vertheidigen, wenn die Feinde anrückten.
Weiter kam er nicht in seinen Gedanken, denn der Vater hatte die Bibel zur Hand genommen, um mit den Hausgenoffen die letzte Abendandacht zu halten. Langsam blätterte er im Psalter, blickte noch einmal über die Seinen und las dann:
«Wie die Pfeile in der Hand eines Starken, also gerathen die Knaben. Wohl dem, der seinen Köcher derselben voll hat. Die werden nicht zu Schanden, wenn sie mit ihren Feinden handeln im Thor."
Bald nach der Andacht trennte man sich zu einer kurzen Nachtruhe, denn am folgenden Morgen mußte zeitig aufgebrochen werden.
Ruth brächte die Schwester mit Mann und Kind in das Stäbchen, das immer für sie bereit stand. Dann wollte sie noch einmal in Dirks Kammer huschen, doch sie fand seine Thür verschlossen.
Alle hatten das Wohnzimmer verlassen, nur die Mutter räumte dort noch dieses und jenes weg, und der Hausvater stand am Fenster. Er prüfte wohl das Wetter und überließ sich dabei feinen Gedanken, während er zum Sternenhimmel aufblickte.
Da legte sich eine Hand auf die seinige; und Frau Hanna stand neben ihm.