Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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^fetter Kreisblatt.
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Mit dem s. April beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
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„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Zllustrirte landwirthschaftl. Beilage''
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntnis der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
DW^ Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.
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______die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 26. März 1902.
Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend bie Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb erhangenen Vorschriften zu über= wachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den OrtS- polizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Be- strasung nach § 368, 2 des Strafgesetzbuchs zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird thun, was ihre Pflicht ist.
Gleichzeitig erhalten die Herrn Bürgermeister den Auftrag, für thunlichste Verbreitung der hierunter ab- gedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweiß- lmge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahre fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.
F. 1. 1714. Der Königliche Landrath
Freiherr von Skhleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
* *
_ Die Bertilgung der Kohlweißlinge
-öeoce Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen Scharn, weisen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschie unu?? Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die ucuuarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel ver- rn>^? ^^B ausnahmslos gerade diejenigen des Kohlweiß n ®„ ^^"? Geschäft der Raupenvertilgung bleibt deshalb n™8^!^?61 menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese uns Oebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall eingrei^ unter Anwendung der richtigen Mittel ^i?^untlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. ^""Sen oft in großer Menge an Bäumen, Hecken, Mau L “n den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witter- mmen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. V rt8 ^nn ziemlich einzeln.
sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Meerrettia ^-^^ untern Seite kreuzblüthiger Gewächse (Raps rrettig rc.) Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Rüup-
chen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.
Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schnietterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Ge- neranon sind es, welche in warmen, mehr trocknen als nassen Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.
Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß sich diese erstrecken:
1. auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, auf der unteren Seite der kohlartigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.
2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate, besonders während des Januars und Februars, und ganz besonders
3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Den Männchen fehlen dieselben.
Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung der Jugend. Schaffe nur jeder Landwirth und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen prümiiren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.
Nichtamtlicher Theil.
O st r v n.
„Der Herr ist anfetfianben, er ist wahrhaftig auferstanden !" Das war einst am Osterfest in den jungen Christengemeinden der Gruß und Gegengruß der sich Begegnenden zum Zeugniß und Ausdruck der beseligenden Freude, mit welcher die Botschaft dieses Festes alle Herzen erfüllen sollte. Wir sagen: erfüllen sollte; denn leider ist der christliche Gehalt der Osterfeier vielen verloren gegangen. Tausende giebt es, die die Oster- botschast: „Christ ist erstanden I" auf die Einbildung und Vorspiegelung einer schwärmerischen Phantasie zurück- führen. Tausende wollen das Osterfest nur noch als das Fest des wiedererwachenden Frühlings gelten lassen. Und doch gründet sich der Osterglaube auf die Thatsache, die, wie nur irgend eine in der Geschichte bezeugt und beglaubigt ist, daß der Heiland, den wir am Charfreitag am Kreuze sterben sehen, als das lebendige Haupt seiner Gemeinde, die er sich auf Erden gegründet, fort- lebt und fortwirkt und durch die Macht und Fülle seines geistigen Lebens die Welt erneuert und umgestaltet hat; er gründet sich auf den Siegeslauf, den das Christenthum, den die Predigt von dem Gekreuzigten und Auf- erstandenen durch die Jahrhunderte in der Welt und über die Welt genommen hat und der bis auf den heutigen Tag dauert.
Zum Unterschied von allen andern Gräbern, auch der größten und geistesgewaltigsten Männer, von ' denen die Geschichte zu erzählen weiß, ist allein Christi Grab aus einer Stätte der Vergänglichkeit und der Verwesung zu einer solchen geworden, aus der sich Ströme eines neuen Lebens in die Welt ergossen haben. Nicht der Verstand, der Forschungsdrang des wissenschaftlichen Er- kennens schöpfen aus diesem göttlichen Brunnen. Das würde ihn wenig unterscheiden von der fruchtbaren
Hinterlastenschaft anderer, die durch Thaten, die sie vollbracht, durch neue Bahnen, die sie auf den mannigfachen Gebieten des Könnens und Wissens eingeschlagen, ihren Namen unsterblich gemacht haben. Hier sind' es das Herz, der Wille, das Gemüth, die aus der Betrachtung des vom Glänze des Auferstehungsmorgens umleuchtenden Christusgrabes seit fast zweitausend Jahren den Antrieb zu einer neuen, dem Alterthum unbekannten Welt- und Lebens-Anschauung gewonnen haben: sittliche Stärke, weltüberwindende Kraft, verklärte Freudigkeit in den Drangsalen des Lebens. Aus Christi Grab ist die Neugestaltung aller Rechtsordnungen des Lebens in Ehe und Familie, in bürgerlicher und staatlicher Gemeinschaft erstanden ; aus ihm die alle umfassende, helfende, heilende Nächstenliebe, aus ihm der Berge versetzende Glaube an das Walten einer sittlichen Weltordnung und einer ewigen Gottesliebe.
Wie aber die Osterbotschaft über das Grab des Herrn ein verklärendes Licht verbreitet, so auch über das Dunkel, das über unsern eignen Gräbern lagert. Die Auferstehung des Herrn verbürgt uns die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode und verwandelt unsere Gräber aus Stätten des Moders und der Verwesung in Ruhestätten, in denen wir eines neuen Ostermorgens harren dürfen. Dieser Glaube allein vermag unserm irdischen Leben einen über diese Zeit hinausreichenden Werth und Inhalt zu geben. Ihn dürfen und wollen wir uns durch den Materialismus einer nur am Sichtbaren und Diesseitigen haftenden Zeitrichtung nicht nehmen und verkümmern lassen.
Politischer Wochenbericht.
Die Pause, welche mit den Osterferien des Reichstages in den Zolltarif-Verhandlungen eingetreten ist, wird von der sozialdemokratischen und freisinnigen Presse eifrigst benutzt, um den von Bebel offen eingestandenen Zwecke der Aufhetzung gemäß aus dem Brotwucher-Geschrei fortgesetzt parteipolitisches Kapital zu schlagen. Zugleich macht sich in den Spalten dieser Presse unverhohlener Jubel über die agrarischen Mehrforderungen und die dadurch dem Zustandekommmen des Zolltarifs erwachsenden Schwierigkeiten bemerkbar. Das sollte allen Freunden der Landwirthschaft wie der nationalen Arbeit überhaupt zu denken geben. Es läßt sich hieraus mit vollkommener Deutlichkeit entnehmen, daß überspannte Forderungen nur dazu dienen, die Geschäfte jener Parteien zu besorgen, welche dem Schutze des heimischen Wirthschaftslebens abgeneigt sind und in der Schädigung der landwirthschaftlichen Interessen ihre politische Hauptaufgabe erblicken. Hoffentlich verhelfen derartige Erwägungen schließlich doch noch einer besseren Einsicht bei der Mehrheit der Volksvertretung zum Siege und lassen die Einigung aus der Grundlage und Mittellinie des Regierungs Entwurfes gelingen.
In Ungarn ist während der verflossenen Woche Koloman von Tisza gestorben. Mit ihm ist die letzte monumentale Gestalt aus der Zahl der Männer dahingeschieden, denen Ungarn sein staatliches Sein und die Basis seiner Zukunft zu danken hat. Fünfzehn Jahre hat Koloman von Tisza unter überaus schwierigen und vielfach wechselnden Verhältnissen die Geschicke Ungarns geleitet, und auch, nachdem das Staatsruder andern Händen anvertraut war, blieb sein Einfluß noch immer in hohem Grade maßgebend. Auch in den politischen Kreisen Deutschlands hat der Tod Tiszas warme und herzliche Theilnahme wachgerufen. Die Verdienste, die sich Koloman von Tisza um die Pflege der Bündniß- Beziehungen Oesterreich-UngarnS zu Deutschland erworben hat, werden unvergessen bleiben. Mit aufrichtigen Gesinnungen schließen wir uns daher der nationalen Trauer unserer ungarischen Bundesgenossen an.
Das englisch-japanische Bündniß hat zur Folge gehabt, daß nunmehr auch der russisch-französische Z w e i b u n d eine Ausdehnung auf O st a s i e n erfahren hat. Nachdem sich Japan für den Fall kriegerischer Verwickelungen einen Sekundanten in England gesichert