lichte neue Geschäftsanweisung für die katholischen Kirchenvorstände pp. vom 4. Februar 1902 wird hiermit hingewiesen.
I. 1527. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Karfreitag.
Der Karfreitag ist der heiligste Tag des Jahres. Mit dem auf Golgatha errichteten Kreuz des Herrn ladet er, wie kein anderer zu stiller Einkehr. Aber wie tief auch die Feier dieses Tages in dem Herzen des Volkes gewurzelt ist, so wird man doch nicht behaupten können, daß dasselbe mit der Erkenntniß der Heilsnothwendigkeit des Kreuzes der Fall ist. Dieser Mangel an Verständniß für die Bedeutung des Kreuzestodes Christi ist nicht immer auf religiöse Gleichgiltigkeit zu- rückzuführen ; auch wird man in ihm nicht ohne weiteres das Zeichen eines bewußten Unglaubens sehen dürfen. Wohl ist ja das Kreuz auch heute noch vielen, wie in den Tagen der Apostel eine Thorheit und ein Aergerniß; häufig indeffen beruht jener Mangel an Verständniß darauf, daß die geschichtliche Betrachtung des Leidens und des Sterbens Jesu Christi, die jedes unbefangene Gemüth in feiner innersten Tiefe ergreifen muß, nicht zu ihrem Rechte kommt. Ueber den göttlichen Rath- schluß zur Erlösung und Versöhnung der Welt wird der geschichtliche Verlauf der Ereignisie auf Golgatha vielfach aus den Augen gelassen. Statt in den Urhebern des Todes Christi Menschen zu sehen, sündige Menschen, die ein grausiges Werk vollführen, sieht man in ihnen allzuoft nur Werkzeuge in der Hand des Weltlenkers, der durch sie seinen von Ewigkeit her gefaßten Rathschluß ausgeführt hat.
Für eine geschichtliche Betrachtung dagegen entfaltet sich die Leidensgeschichte als eine Heerschau der Sünde, wie sie kaum jemals an irgend einer Stätte auf Erden so offenbar geworden ist, wie an dieser. Die falsche, heuchlerische Frömmigkeit, die in der Beobachtung äußerer gottesdienstlicher Formen ihre Gerechtigkeit sucht, geht voran, Habsucht reicht ihr die Hand, die Untreue schlägt ihren eigenen Herrn, die allzeit willige Lüge bietet ihre Dienste an, der Wankelmuth hilft, die Menschenfurcht verurtheilt, und die Schmähsucht träufelt ihr Gift in die Wunden, die die Roheit geschlagen hat. Und der Herr hängt am Kreuze und läßt alle die Sünden geduldig über sich ergehen. Aber wenn wir eins wissen von ihm, so ist es das: nicht wider seinen Willen hat er sich von der Sünde überwältigen lassen, sondern in ireiwilliger Liebe hat er sich ihr gestellt, um sterbend ihre Macht zu brechen, die er lebend nicht zu überwinden vermochte. Seinen Leib und sein Leben giebt er der Sünde preis. Sie soll an ihm in ihrer ganzen Niedrigkeit offenbar werden. Fürs erste besiegt, will er dennoch die Sünde auf die Dauer niederzwingen.
So in seinem geschichtlichen Verlauf betrachtet, kann und muß das Kreuz auf alle, die es ernst ins Auge fassen, eine gewaltige, sich gegen die Sünde richtende Wirkung üben. Aber es offenbart sich in dem Kreuz auch die Liebesmacht des Vaters. Wer solches wider die Sünde für die Sünder gethan hat, sollte dessen Liebe nicht alle Sündenschuld vertilgen können! Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott auch ohne Genugthuung Gnade gewährt, wo ihm durch den Glauben an die gekreuzigte Liebe die Bürgschaft einer nachhaltigen Abkehr von der Sünde gegeben ist.
Hier haben wir die Antwort auf die Frage: „Warum war der Tod des Sohnes Gottes nöthig für die Sünder?" Der Kern der christlichen Lehre ist und
bleibt doch die Erkenntniß, daß es dem Wesen des heiligen und gerechten Gottes widersprechen würde, Sünde zu vergeben und Sünder in Gnaden anzunehmen ohne die Bürgschaft einer reuigen Abkehr von der Sünde und einer aufrichtigen Besserung. In Christus, dem erhöhten Haupt der Gemeinde, der die Schuld der ganzen Menschheit auf sich genommen und innerlich, obwohl er ohne Sünde war, mitempsunden und getragen hat, als wäre es seine eigene, ist ein Bürge für die Besserung und sittliche Veränderung aller derer vorhanden, die sich im Glauben an ihn unter seinen erziehenden Einfluß stellen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 25. März.
Ihre Kaiserlichen Majestäten besuchten gestern Nachmittag das Atelier des Pros. Eberlein und unternahmen darauf eine Promenade im Thiergarten. An der Abendtafel nahmen die hier anwesenden Prinzen- Söhne Theil. — Heute Morgen sprach Se. Majestät der Kaiser bei dem Botschafter v. Szögyeny-Marich vor, unternahm darauf den gewohnten Spaziergang im Thiergarten und hatte eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Von 10 Uhr ab hörte Se. Majestät die Vorträge des Präsidenten des Reichs- Militärgerichts, Generals der Infanterie Frhrn. von Gemmingen, des Chefs des MilitärkabinetS, des Chefs des Admiralstabes und des Chefs des Marine- kabinets.
Auf Bestimmung des Kaisers sind aus den für 1901 fälligen Zinsen der anläßlich der 50jährigen Dienstjubelfeier Kaiser Wilhelms I. gegründeten, ursprünglich für unbemittelte Inhaber des Eisernen Kreuzes für 1813/15, jetzt für solche des Militärehrenzeichens bestimmten Stiftung 36 Inhaber des Militärehrenzeichens mit Ehrengeschenken von je 60 Mk. bedacht worden; aus den für 1901 fälligen Zinsen einer von dem Königlichen Hoflieferanten, Kommissionsrath Hoff zu Berlin gegründeten Stiftung sind 16 Kriegsinvaliden Geldgeschenke von je 15 Mk. und aus den für 1901 fälligen Zinsen der von dem verstorbenen Geh. Kommerzienrath Salomon Lachmann in Berlin gegründeten Stiftung 25 Kriegsinvaliden Geschenke von je 45 Mk. bewilligt worden. Alle diese Geschenke sind den Empfängern am Geburtstage Kaiser Wilhelms I. auSgezahlt worden.
Der Reichskanzler Graf Bülow hat den Ehren- vorsitz über das Deutsche Central-Komitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke übernommen. Das Central-Komitee, welches unter dem Protektorat der Kaiserin steht und im Jahre 1895 vom Fürsten zu Hohenlohe-Schillingssürst ins Leben gerufen wurde, hat, wie der Staatssekretär des Innern, Graf von Posadowsky, im Reichstage ausführte, feine Aufgaben auf dem Gebiete der Tuberkulose - Bekämpfung erweitert und widmet seine Thätigkeit nicht allein der Errichtung von Lungenheilstätten, sondern auch andern der Fürsorge für Tuberkulose dienenden Einrichtungen.
Die Einnahme an Zöllen und Verbrauchssteuern hat in den ersten 11 Monaten des laufenden Etatsjahres 748,3 Millionen oder 8,7 Millionen Mark mehr als in derselben Zeit des Vorjahres ergeben.
Auf die vom Vorstandebes Deutschen Fleischerverbandes an Se. Majestät den Kaiser gerichtete Jmmediateingabe wegen Abänderung der Verordnung vom 27. März 1899 über die Hauptmängel und Gewährfristen beim V i e h h a n d e l ist, wie die „Allgemeine Fleischer- zeitung" mittheilt, die folgende Antwort ergangen: „Auf die an Se. Majestät den Kaiser und König gerichtete, zur Bescheidung hierher gelangte Eingabe vom 20. Februar d. I., betreffend die Abänderung der Verordnung vom 27. März 1899 über die Hauptmängel und Ge
währfristen beim Viehhandel, theile ich dem Vorstände des Deutschen Fleischerverbandes ergeben!) mit, daß die in der Eingabe berührten Punkte bei den Beobachtungen, welche sich auf die praktische Anwendung der Verordnung beziehen, Berücksichtung finden werden. Der Staatssekretär. In Vertretung: Gutbrod.
Das Gesetz, betr. die Feststellung des Reichshaushalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902 ist gestern amtlich publizirt worden. Es ist vom 20. März datirt.
Nachdem die Wahrnehmung gemacht ist, daß ein nicht unerheblicher Theil der an den Güterwagen vorkommenden Beschädigungen auf die unsachgemäße Behandlung der Wagen auf Privatanschlußgleisen, namentlich auf die Verwendung unzweckmäßiger Bremsvorrichtungen, wie Grubenhölzer, starke Holzklötze u. dergl. zurückzu- führen ist, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Eisenbandirektionen veranlaßt, in die Prüfung der Frage einzutreten, ob die Anschlußwerke ihrer Bezirke zur Beschaffung von Bremsschuhen anzuhalten sind.
In der preußischen Eisenbahnverwaltung wird gegenwärtig der Entwurf einer neuen Dienstanweisung für Wagenwärter einer Erörterung unterzogen. Die Direktionen sind zu gutachtlichen Aeußerungen aufgefordert worden.
Die französische Deputiertenkammer hat eine halbe Million Francs für die Reise des Präsidenten Lo ubet nach Rußland ohne Debatte mit 469 gegen 32 Stimmen bewilligt.
Die Bekämpfung des Anarchismus in Amerika hat einen wichtigen Schritt vorwärts gethan. Der Senat hat mit 52 gegen 15 Stimmen den Gesetzentwurf über den Schutz des Präsidenten und die Unter« drückung verbrecherischer Anschläge gegen die Regierung angenommen.
In Australien soll nunmehr die Gründung der Bundes-Hauptstadt vor sich gehen. Am 11. Februar verließ eine aus 50 Personen, Mitgliedern des Parlaments, Geologen, Baumeistern u. s. w., bestehende Kommission Melbourne mit einem Sonderzuge, um die in Vorschlag gebrachten Oertlichkeiten, 17 an der Zahl, in Augenschein zu nehmen und die Entscheidung zu treffen.
Set Krieg in Südafrika.
Zu den Verhandlungen der Burenführer mit Lord Kitchener sind folgende Mittheilungen zu verzeichnen: London, 24. März. Die Regierung lehnt es ab, irgend eine Auskunft über den Zweck des Besuches der Burenführer in Pretoria zu geben.
London, 24. März. Unterhaus. Auf eine Anfrage Campbell-Bannermans theilt Brodrick mit: Vor 14 Tagen gab Schalk-Bürger den Wunsch kund, daß ihm Kitchener S freies Geleit durch unsere Linien und zürück gewähre^ I um mit Steijn die Möglichkeit von Friedensvorschlägen zu besprechen. Kitchener willfahrte der Bitte mit Zustimmung der Regierung.
London, 25.März. „Daily Chronicle" erfährt, daß, während die Unterhandlungen vor sich gehen, die Feindseligkeiten völlig eingestellt werden, d. h. alle Offensiv- bewegungen seitens der englischen Trupprnabtheilungen gegen de Wet, Delarey und Botha werden unterbrochen, während die drei Burenführer ihrerseits sich dazu verstanden haben, einen Waffenstillstand einzuhalten und alle Angriffsoperationen bis zur Rückkehr der Buren- delegirten zu den Truppen der Buren zu unterlassen. „Daily Mail" erfährt dagegen, es sei von einem Waffenstillstand keine Rede, und die militärischen Operationen, welche seit Kurzem gegen Delarey begonnen wurden, würden energisch und ohne Unterbrechung fortgesetzt werden.
Pretoria, 24. März. Die Mitglieder der Regierung
Vater lieben, von Doktor Friesen, der meinen Gatten seit Jahren kennt — war er doch schon Hausarzt bei Meinen Schwiegereltern.
Und ich allein war blind und habe mich an mancher rauhen Außenseite gestoßen, ich habe den Kern nicht erkannt, den die Schale barg. Es sind bittere Gedanken, die mich quälen.
20. Februar.
Es scheint fast, als ob es schon Frühjahr werden will. Tauwetter ist plötzlich eingetreten, und die Schnee- massen schmelzen; dabei regnet es Tag und Nacht. Der Fluß ist angeschwollen und droht über seine Ufer zu treten. Man ist besorgt, daß es Hochwasser giebt, und daß, wie vor einigen Jahren, eine Ueberschwemmung die niedrig gelegenen Hütten der armen Leute fortreiße. Der Verwalter, den mein Mann für die Zeit seiner Abwesenheit in Waldau eingesetzt hat, sprach mit mir. Er sagte, es wäre richtig, wenn den zunächst gefährdeten Familien schon jetzt ein andres Unterkommen verschafft würde. Ich holte mir Rat bei Friesens; wir haben beschlossen, das Nebengebäude, in dem der Verwalter und die Hosknechte wohnen, für die Aufnahme derjenigen bereit zu machen, die dicht am Fluß leben. Wenn alle etwas zusammenrücken, findet sich Raum, und im Herrenhaus« selbst ist noch die große Gesindestube frei. Ich bin froh, datz ich noch die 500 Mark hatte, die mir mein Vater zu Weihnachten schickte, wir haben Lebensmittel und das Nötigste für die erste Zeit eingekauft. Seit heute früh steigt der Fluß mit schreckenerregender Geschwindigkeit.
23. Februar.
Es fiel schwer, die armen Leute von ihren Hütten
zu trennen, groß und klein lief durcheinander, es war eine entsetzliche Verwirrung. Alle schleppten und trugen ihre Habe, das Vieh brüllte in den Ställen, Kinder schrien und Greise jammerten. Die Nacht brach an, und der Regen, der einige Stunden aufgehört hatte, fiel mit verdoppelter Stärke. Gottlob, kein einzige» Menschenleben ist verloren, sie sind alle glücklich unter Dach und Fach. Ich war eben drüben im Verwalterhause und überzeugte mich, daß alle Speise und Trank bekommen und die Streu bereits einige Müde ausgenommen. Hier habe ich die Mütter und die Kinder untergebracht, es sind einige ganz kleine darunter, auch ein kaum acht Tage altes Wesen. Dieses hielt ich in den Armen und blickte voll Interesse in das rote Gesichtchen und machte mir allerhand Gedanken.
23. Februar.
ES ist furchtbar, welche Verheerungen das Wasser anrichtet. Jetzt ist die große Wiese überschwemmt, wie ein See wogt und wallt es darauf. In reißendem Strudel treiben Balken und HauSgeräth vorbei; wie weggefegt sind alle die Häuschen und Hütten, die noch vor kurzem die Heimstätte vieler Familien waren. Ich habe vollauf zu thun und anzuordnen. Man fürchtet, daß das ZerstörungSwerk weiter um sich greift und auch das Pächterhaus jenseits des Flusses vernichtet.
Ach, wäre doch mein Mann hier! Seine Ruhe und Besonnenheit thäte not. Wird er nicht endlich wiederkehren — nach fünf Monaten der Abwesenheit.
(Fortsetzung folgt.)
— Paderborn, 24. März. Der Rottenarbeiter Joh. Bade wurde wegen Leichenberaubung auf der Stätte
des Altenbekener Eisenbahnunglücks von der Strafkammer zu 3 Jahren Gefängniß und 4 Jahren Ehrverlust verurtheilt und sofort verhaftet.
— Ueber die Lage der durch Erdbeben zerstörten StadtSchemacha im Kaukasus wird der „Düna-Ztg." geschrieben: Bis heute (15. März) sind gegen 3000 Leichen geborgen worden. Obwohl man die verstümmelten Körper vor der Beerdigung mit ungelöschtem Kalk übergossen hatte, herrscht doch in der ganzen Stadt ein entsetzlicher Leichengeruch. Nicht einmal die ziemlich starken Fröste haben es vermocht, die Luft zu reinigen. Noch immer sind die mohamedanischen Todten- gräber an der Arbeit; gilt es doch noch mindesten« 1000 Leichen auSzugraben und zu beerdigen. Selbstverständlich läßt sich der Sachschaden noch garnicht übersehen ; man wird erst abwarten müssen, bis aus der ganzen Umgegend genaue Angaben über die Verluste an Hab und Gut eingelaufen sind. Während der Anwesenheit des Generalgouverneurs hat man versucht, die einschlägigen Ziffern für Schemacha selbst annähernd festzustellen, und man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, daß die Stadt allein an zerstörten Grundstücken, Mobilien und sonstigem Eigenthum einen Gesammtverlust von etwa 20 Millionen Rubel erlitten hat. Kenner der Verhältnisse behaupten, daß bei der eigenthümlichen Art, in der die Bevölkerung ihre Ersparnisse auszubewahren j pflegt (die nicht unbeträchtlichen Spargelder werden fast ausnahmslos in irgend einem Winkel des Hauses verborgen), der Verlust an Baargeld allein eine Anzahl von Millionen ausmache. Bei den augestellten Nachgrabungen sind auch wirklich viele halb versengte Banknoten und geschmolzene Goldstücke gefunden worden.