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Ar. 32. 6onnalienii in 15. März 18-2.
Erstes Blatt.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 27. Februar 1902.
Die Herren Ressortminister haben durch Erlaß vom M. d. J. l.b 3987 r , . . .. 10. d. Mts. ^ ^ ^ A. M. 14286 '^^^'"^ ^^ ue Standesbeamten von jeder Zählkarte über Sterbefälle, welche einen Selbstmord betrifft, Abschrift zu fertigen und diese dem Königlichen Kreisärzte zuzustellen haben, welcher hiernach die Vollständigkeit der Selbstmordzählkarten zu prüfen und etwa fehlendes von den betreffenden Behörden einzufordern haben wird.
Ich ersuche, die Standesbeamten in den Landgemeinden hiernach mit Anweisung zu versehen.
Der Regierungs-Präsident. I. A.: Schenk. An die Herren Landräthe des Bezirks. A. I. 1448.
Der Landrath/ Hersfeld, den 11. März 1902.
J. A. Nr. 751.
Vorstehendes theile ich den Herren Standesbeamten des Kreises znr Nachachtung mit.
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 8. März 1902.
Der Landwirth Wilhelm Schreiber zu Biedebach ist heute als Ortsschützer für den Bezirk der Gemeinde und Gemarkung Biedebach widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. 1238. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Politischer Wochenbericht.
Während der verflossenen Woche feierte Prinzregent Luitpold von Bayern seinen 81. Geburtstag. Die freudige Theilnahme, welche dieser Tag weit über Bayerns Grenzen hinaus in allen Gauen Deutschlands erregt hat, zeugt aufs neue von der Liebe und Verehrung, deren sich der greife Herrscher innerhalb seines engern wie weitem Vaterlandes erfreut. Möge der allzeit treue, milde und gerechte Landesvater, der wackere Schirmer und Hüter des Neichsgedankens, der hochherzige, verständnißvolle Förderer von Kunst und Wissenschast in unverminderter Frische des Körpers und Geistes noch viele Jahre über Bayern herrschen, seinem von ganzem Herzen dankbaren Volke zum Segen.
Im preußischen Abgeordnetenhaus« gab Staatsminister Freiherr von Nichthosen die definitive Antwort bekannt, welche von der englischen Regierung aus die Befürwortung der Eingabe des Buren-Hilss- komitees seitens des deutschen Auswärtigen Amtes ertheilt worden ist, und knüpfte daran weitere Ausführungen, die sich nach feiner eigenen Betonung an die Allgemeinheit wenden. Der Staatssekretär wies mit Nachdruck darauf hin, daß eine wirksame Liebesthätigkeit zu Gunsten der Buren nur mit Unterstützung und Hilfe der Engländer ausgeübt werden könne, und daß daher zur Sicherung dieses Zweckes thunlichste Schonung der englischen Empfindlichkeit geboten sei. Er empfahl ferner mit Wärme, eine etwas gerechtere Würdigung der Vorgänge in Südafrika eintreten zu lassen und Licht und Schatten gleichmäßiger zu vertheilen, als es bisher geschehen sei. Die Worte des deutschen Regierungs-Ver- lreters haben in England, wie zahlreiche dortige Preß- stimmen bekunden, äußerst sympathischen Widerhall gefunden.
Beiläufig gedachte Freiherr von Richthosen im Laufe seiner Erörterungen auch mit warmer Theilnahme der
Verwundung Lord Methuens, eines Mannes, der sich als ehemaliger englischer Militärattaches fn Berlin ein freundliches Andenken bei uns erworben hat. Die Verwundung ist mit dem jüngsten schweren Unglücksfalle verknüpft, welcher die Engländer in Südafrika betroffen hat. Lord Methuen wurde auf dem Marsche von Vryburg nach Lichtenburg von einer Burenstreitmacht unter Delarey kurz nach Tagesanbruch angegriffen. Die Engländer erlitten eine vollständige Niederlage, die zu den schwersten und niederschmetterndsten Schicksalsschlägen gehört, welche ihnen überhaupt während des ganzen bisherigen Verlaufes des südafrikanischen Krieges zu Theil wurden. Lord Methuen selber wurde verwundet und gefangen genommen, seine Geschütze und Bagage fielen in die Hände des Feindes.
P r i n z H e i n r i ch von Preußen hat den gastlichen Boden der Vereinigten Staaten von Nordamerika wieder verlassen und an Bord des Dampfers „Deutschland" die Heimreise angetreten. Seine Reise galt keinem bestimmten politischen Zwecke. In der Bekräftigung überlieferter Freundschafts-Gesinnung zwischen zwei großen kraftvollen und hoffnungsreichen Nationen, der Erneuerung alten Vertrauens, der Bezeugung des lebendigen Verständnisses, das die Eigenart der Amerikaner gerade in demjenigen Lande Europas findet, welches der großen Republik so viele wackere Bürger geschenkt hat, ruht die Bedeutung der Mission des Prinzen Heinrich. Der glückliche Verlauf dieser Mission läßt das deutsche, wie das amerikanische Volk mit reiner Befriedigung auf die nun der Geschichte angehörenden festlichen Tage zurückblicken.
In Frankreich ist man bereits eifrig beschäftigt, Vorbereitungen für die Reise des Präsidenten Loubet nach Rußland zu treffen. Als Zeit für die Reise wurde die zweite Hälfte des Monats Mai in Aussicht genommen.
Der neueste agrarische Verliefe»
Die Aufnahme, welche der Antrag Graf Limburg und Genossen betreffend Verstärkung des Zollschutzes für die Landwirthschaft über die Zolltarifvorlage hinaus in der Presse gefunden hat, läßt keinen Zweifel darüber, daß man von Seiten der Gegner des Zustandekommens der Zolltarifvorlage demselben, wie wir annehmen, sehr gegen die Ausfassung wenigstens einer sehr großen Zahl der Antragsteller und Unterzeichner des Antrages die Absicht unterstellt, die verbündeten Regierungen, welche den sogenannten Kompromißantrag in der Zolltariskommission für unahnnehmbar erklärt haben, zu brüskiren. Man verspricht sich von dieser Unterstellung offenbar eine den freihändlerischen Plänen auf Vereitelung der Verabschiedung der Zolltarifvorlage günstige Wirkung. Auch nach einer anderen Richtung wird der Antrag als für die Gegner der Zolltarifvorlage günstig in jener Presse angesehen. Man nimmt dort an, daß der Antrag geeignet sei, einen größeren Theil der schutzzöllnerischen Mehrheit des Reichstages in dem Ver. harren auf Beschlüssen zu bestärken, für welche die Zustimmung des Bundesraths völlig ausgeschlossen ist, sodaß die Vorlage entweder wegen mangelnden Einverständnisses zwischen Bundesrath und Reichstag, oder durch die Ablehnung seitens einer aus Freihändlern und dem äüßersten agrarischen Theile der Schutzzöllner zusammengesetzten Mehrheit scheitern müßte. Es kommt hinzu, daß, wie nunmehr klar ist, auch ein beträchtlicher Theil derjenigen Elemente, welche im Reichstage zu dem Kompromißantrage in der Zolltarifkommission mitgewirkt haben, im Abgeordnetenhause sich von dem Anträge fern hält, so daß er auch in Bezug auf die schutzzöllnerische Mehrheit nicht eine einende, sondern eine trennende Wirkung ausübt. Schon aus diesen Gründen ist es erklärlich, daß auch in den maßgebenden Kreisen der Regierung dieser Vorstoß zu ernsten Bedenken Anlaß giebt und daß man von ihm statt einer Förderung eine Erschwerung des Zustandekommens der Zolltarifvorlage befürchtet. Es wird daher einer überaus vorsichtigen und geschickten Behandlung der An
gelegenheit unter dem Gesichtspunkte, alles zu vermeiden, was dem Zustandekommen der Zolltarifvorlage hinderlich sein könnte und der vollen Wahrung der den Verbündeten Regierungen gebührenden Rücksicht bedürfen, wenn eine ungünstige Einwirkung auf den weiteren Verlauf der Verhandlungen über die Zolltarifvorlage vermieden werden soll.
Politische Nachrichten.
Berlin, 13. März.
Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, ist das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord gestern um 3 Uhr Nachmittags unter dem Salut der Geschütze und in Begleitung des Kreuzers „Hela" und zweier Torpedoboote nach Helgo« land in See gegangen. Abends 6 Uhr 30 Min. ist das Linienschiff mit dem Kreuzer „Hela" und zwei Tor. pedobooten in Helgoland eingetroffen und auf der Süd, rhede vor Anker gegangen. — Die Batterie feuerte den Salut — Das Wetter war herrlich. — Wie aus Helgoland berichtet wird, hat Se. Majestät der Kaiser die Landung an der Düne, sowie den beabsichtigten Besuch der Insel überhaupt wegen des starken Südostwindes und des schweren Seeganges aufgegeben. Die Schiffe haben, nachdem sie Helgoland umkreist hatten, Kurs nach der Weser genommen.
Wie aus New-Iork gemeldet wird, hat Se. Majestät der Deutsche Kaiser an den Präsidenten Roosevelt nachfolgendes Telegramm gesandt:
„Jetzt, da Mein Bruder die gastlichen Gestade der Vereinigten Staaten verlassen hat, empfinde Ich es als Meine angenehme Pflicht, Ihnen auszusprechen, wie tief dankbar Ich und das ganze Deutsche Volk sind für den Glanz der Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Auf. nähme, welche dem Prinzen Heinrich von allen Klaffen des amerikanischen Volkes bereitet wurde. Meine aus. gestreckte Hand wurde von Ihnen mit festem, männlichem und freundschaftlichem Griffe erfaßt. Möge der Himmel unsere Beziehungen mit Frieden und Wohlwollen zwischen den zwei großen Nationen segnen. Meine besten Empfehlungen und Wünsche an Alice Roosevelt."
Präsident Roosevelt antwortete:
„Der Besuch Ihres Bruders in unserem Lande hat viel dazu beigetragen, die Tiefe der freundlichen Gesinnungen zu erweisen, welche zwischen den beiden Nationen bestehen, und war in jeder Beziehung außerordentlich glücklich. Ich hoffe, daß Sie mir gestatten werden, Ihnen zu der bewundernSwerthen Art und Weise Glück zu wünschen, in welcher er sich gezeigt und die echteste und herzlichste Sympathie und Hochachtung Aller sich erworben hat. Wir haben ihn um seiner eigenen Person willen willkommen geheißen, aber noch herzlicher als Ihren Vertreter und den des mächtigen deutschen Volkes. Ich danke Ihnen im Namen be» amerikanischen Volkes für das, was Sie gethan haben, und danke Ihnen außerdem persönlich für die huld« volle Form, in der sich Ihre Kurtoise geäußert hat."
Am Mittwoch, 19. d. Mts, tritt das Herrenhaus Nachmittags 2 Uhr zu feiner 3. Plenarsitzung zusammen. Es stehen 13 meist schon vom Abgeordneten- Hause erledigte Gesetzentwürfe auf der Tagesordnung, wozu die Berichterstatter sämmtlich unveränderte Annahme beantragen
Die amtliche Zusammenstellung der Reichstagsbeschlüsse über den R e i ch s h a u S h a l t S - E t a t pro 1902 in zweiter Lesung ist ausgegeben worden. Die fortdauernden Ausgaben betragen nach dem Etatsentwurf (mit dem Minderansatz im Etat für den Reichstag 160 Mark) 1 960 455 808 Mark. In zweiter Berathung sind 11 072 015 Mark zugesetzt, die fortdauernden Ausgaben belaufen sich auf 1 971 527 823 .Mark. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats betragen nach dem Etatsentwurf 191 073 113 Mark. In zweiter Berathung sind 10 685 926 Mark abgesetzt, die einmaligen