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Nr. A.

Dienstag üt» 11 März

M.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 4. März 1902.

Zu Ostern l. I. können taubstumme Kinder in die Taubstummen-Anstalt zu Homberg neu ausge­nommen werden. Aufnahmefähig sind Kinder, die taub- oder schwerhörig, über 6 und unter 12 Jahre alt, körper­lich gesund und bildungsfähig sind.

Die Höhe der Unterhaltungskosten für die Zöglinge richtet sich nach den Vermögensverhältnissen der Eltern; unbemittelte Kinder werden unentgeltlich ausgenommen.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir alle in den Gemeinden vorhandenen taubstummen Kinder obigen Alters unverzüglich namhaft zu machen. Fehlan­zeige ist nicht erforderlich.

I. 1132. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 8. März 1902.

Die Herren Bürgermeister der Schulorte des Kreises werden davon in Kenntniß gesetzt, daß für die Zahlung der nach dem Gesetz vom 3. März 1897 an die Ge­meinden zu leistenden StaatSbeiträge und widerruflichen Staatsbeihülfen höheren Orts neueQuittungs- f o r m u l a r e vorgeschrieben sind.

Die Königliche Kreiskasse hat sich erboten, diese Formulare zum Selbstkostenpreise an die Gemeinden zu verabfolgen, auch zu deren vorschriftsmäßigen Ausfüllung die erforderliche Anleitung zu geben. Es sind daher die Herren Gemeinde-Rechner anzuweisen, sich dieferhalb mit der Königlichen Kreiskasse in unmittelbare Verbindung zu fetzen.

I. 326. Der Königliche Landrath.

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 10. März 1902.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche die dies­seitigen Verfügungen:

1. vom 20. Februar d. Js. I. II. Nr. 399, Kreisblatt Nr. 23, Bekanntmachung des diesjährigen Ersatz- Geschäftes betreffend,

2. vom 31. Mai 1881, Nr. 6276, Kreisblatt Nr. 45, Revision der Lokale, in welchen Nahrungs- und

Die zweite ^ran.

Erzählung von G. von Schlippenbach (Herbert Rivulet).

(Fortsetzung.)

Ich habe nie begriffen, wie man ein Tagebuch schreiben kann, und jetzt habe ich selbst angefangen, meine Erlebnisse aufzuzeichnen. Ich habe das Be- bürhüB nach dieser Art von Mittheilung, nachdem auch Dora, meine beste Freundin, mich nicht mehr ver­steht. Seit ich verheicathet bin, tadelt sie mich in ihren Briesen- und ich habe keine Lust, mich dem weiter aus- zusetzen; meinem Herzensväterchen war alles recht, was ich that. / W H |

Mein Mann ist bis Mittag in der Wirthschaft be­schäftigt, er steht sehr früh auf. Ich versuchte es an- sänglich auch, aber es machte mich ganz krank, ich bin es nicht gewöhnt und gähnte so erbärmlich, daß mein guter Flitz mich bat, den Morgenschlaf nicht seinetwegen ab- zukürzen. Den Kaffee, den ich zu machen versuchte, konnten wir nicht trinken, ich verbrannte mir die Finger, und mein Mann brächte es nicht über sich, seine Tasse auszutrinken.

Zum Glück sind hier alte, gut eingeschulte^ Leute. Ich habe natürlich daS Wirthschafsgeld in den Händen, aber ich überlasse alles den Dienstboten, denn ich ver­stehe ja von dem Treiben hier rein gar nichts. Das praktische Leben hat bisher keine Anforderungen an mich gestellt, die Hausdame meines Vaters besorgte alles, ich brauchte mich nur dem Vergnügen zu widmen und

Genußmittel sowie Verbrauchsgegenstände feilgehalten werden betreffend, bis heute nicht erledigt haben, werden mit Frist b i S zum 15. d. M ts. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 6. März 1902.

Auch in diesem Jahre werden nach einer Mittheilung des Central-AusschusseS zur Förderung der Jugendspiele in Deutschland zu Görlitz Lehrer- und Lehrerinnenkurse in den Volks- und Jugendspielen abgehalten werden, ebenso finden Unterrichtskurse in dem deutschen Lehrer­seminar zu Leipzig in der erziehlichen Knaben - Hand- arbeit statt.

Personen, welche an diesen Kursen sich zu betheiligen beabsichtigen, können im Geschäftslokal des LandrathS- omtes nähere Auskunft erhalten.

I. 1171. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 6. März 1902.

Die zweite Schulstelle in Widdershausen wird vom 1. April d. JS. ab vacant. Das Einkommen derselben beträgt neben freier Wohnung 1000 Mk. und der Ein­heitssatz der Alterszulage 120 Mk.

Bewerber wollen sich b i s z u m 28. d. M t S. bei dem Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Jungmann in Obersuhl oder dem Unterzeichneten melden.

Namens Ves Schulvorstandes: Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

J. I. Nr. 1184.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 9. März.

Se. Majestät der K a i s e r kehrte vorgestern am frühen Nachmittag aus Potsdam nach Berlin zurück, verweilte Abends beim Staalsminister v. Podbielski, wohnte gestern Vormittag Reitübungen bei den hiesigen Kavallerie- Regimentern bei und nahm das Frühstück beim Okfiziec- korps des 2. Garde > Ulansnregiments ein. Ihre

vermisse das jetzt schmerzlich. Ach, nur eine Theater- Vorstellung! Die Abende sind so lang und öde, Fritz ist mit seinen Wirthschaftsbüchern beschäftigt, oder er raucht und ist müde, die Unterhaltung stockt, denn ich interessiere mich nicht für Kühe und Schafe, für Roggen und Weizen. Dazwischen liest mein Mann mir vor, aber es sind Bücher, die ich recht langweilig finde, nichts Unterhaltendes, sondern Reisebeschreibungen, Klassiker oder GeschichtS- werke. Ich sticke ein wenig, und lege bald die Arbeit fort, die meine ungeschickten Finger ermüdet. Um 1 Uhr ist das Mittagsessen, dann schläft Fritz eine Stunde, und ich versuche, ins Freie zu gehen. Nur die nächste Um­gebung vor dem Hause ist für mich zugänglich, wie grundlos sind die Landwege um diese Jahres­zeit ! Waldau muß im Sommer recht hübsch sein, jetzt stimmt mich alles traurig; die große Wiese vor dem Hause ist meist ein graues Nebelmeer, entsetzlich ein­förmig und öde.

Neulich war ich am Abend allein, Fritz war nach Z. zu einer Skatpartie eingeladen. Ich weinte mich in den Schlaf und war sehr unglücklich. Nicht einmal ein richtiger Roman steht mir zu Gebote; in der Leihbibliothek zu Z. sind nur altmodische, langweilige Bücher und ich lese nur die modernen. Mit Heißhunger stürze ich mich auf die Berliner Zeitungen; Politik interessiert mich nicht, dagegen fesseln mich die Hofnach- richten, Theater- und Konzert-Anzeigen und der Anzeigen- theil meine Aufmerksamkeit.

Mein kleiner Stiefsohn ist ein recht verwöhntes und von der Wärterin verzärteltes Kind. Ich hatte es nicht

Majestäten der Kaiser und die Kaiserin machten heute Nachmittag einen Spaziergang im Thiergarten und wohnten heute Abend einem in der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche als Gedenkfeier des Todestages weiland Sr. Majestät Kaiser Wilhelms des Großen vom Bach- Verein (Prof. Dr. Reimann) veranstalteten geistlichen Concert bei. Mit dem Bach-Verein wirkte da» Berliner Tonkünstler-Orchester zusammen, die Orgel hatte Herr Leupold, die Soli die Damen Küttner und Leydhecker und die Herren Walter und König übernommen. Auf dieTrauermusik für Orchester" von Mozart folgten Chöre von Bach und Mozart und Bachs Trauerarie (Alt) Schlage doch gewünschte Stunde". Den Beschluß machte MozartsRequiem". Die Kirche war gefüllt; die Damen und Herren des Hofes, zahlreiche Vertreter der obersten Zivil- und Militärbehörden mit ihren Damen waren an­wesend.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kron­prinz traf gestern Abend «/a9 Uhr in Straßburg ein. Zum Empfang auf dem Bahnhof waren anwesend der Statt­halter von Elsaß-Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langen- bürg mit seinem Adjutanten, der Kommandeur des 15. Armeekorps General der Infanterie Herwarth von Bittenfeld, der Gouverneur Generalleutnant v. Sick und Polizeipräsident Dall. Nach der Begrüßung begab sich der Kronprinz nach dem Palais des Statthalter».

Prinz Heinrich ist von seiner Rundreise durch die Vereinigten Staaten über Boston, Albany und West­point am Sonnabend wieder in New-Aort eingetroffen. Ihren Höhepunkt erreichte die Reise in Boston, wo Prinz Heinrich zum Ehrendoktor der Harward-Universität ernannt wurde. In Westpoint besichtigte Prinz Heinrich die Militär-Akademie. Am 11. März tritt der Prinz an Bord derDeutschland" die Heimreise an.

Mehreren Blättern wird aus New-Dork berichtet, Prinz Heinrich habe durch den Kapitän z. S. von Müller die Erklärung abgeben lassen, daß er von der Reise höchst befriedigt sei; er wisse wohl, daß er nur einen sehr kleinen Landestheil ganz oberflächlich kennen gelernt habe; er habe aber doch eine Idee von der Größe des Landes und seinen Hilfsquellen bekommen. Mehr als die Neiseeindrücke, erklärte Kapitän v. Müller ferner, schätze der Prinz das herzliche Willkommen, da» ihm überall bereitet worden sei, und durch welches die Be­völkerung gezeigt habe, daß sie die Absicht, welche Kaiser Wilhelm bei der Entsendung des Prinzen hatte, versteh

----------......................... ^-e für möglich gehalten, daß mir bei Udos Erziehung und Pflege solche Schwierigkeiten erwachsen würden. Der Knabe hängt mit großer Liebe an Hanna, die ein wider­wärtiges Frauenzimmer ist. Allen meinen Anord­nungen stellt sie einen mürrischen hartnäckigen Unge­horsam entgegen. Ich fürchte, sie hat in dem Herzen des Kleinen die Angst vor der bösen Stiefmutter ge­weckt, er ist scheu gegen mich, trotz aller Mühe, die ich mir gebe, sein Zutrauen zu wecken und seine Liebe zu gewinnen.

Wenn der Junge ungezogen ist und Strafe verdient, weiß Hanne es immer zu verhindern, oder sie beklagt das weinende Kind. Neulich bat ich Fritz, einmal selbst durchzugreifen. Er that es, aber bald daraus entdeckte ich, daß die Wärterin dem Kleinen Naschwerke gegeben hatte, um ihn zu trösten. Wie kann bet solcher Unver­nunft von Erziehung die Rede sein? Ich möchte gern meine Pflicht erfüllen, habe aber einen schweren Stand; bin ich doch jung und unerfahren, und das Leben hat mir bisher seine Lichtseiten gezeigt, während ich jetzt seine Schatten kennen lerne. Mir ist sehr bange ums Herz.

Wir haben das Städtchen Z. in der nächsten Nach­barschaft, und vor einigen Tagen machten wir dort unsere Besuche, zu denen ich mich nach Berliner Be­griffen kleidete. Ich fragte Fritz, ob ich ihm gefalle, und mein Mann war ganz stolz auf seine kleine Frau und sehr lieb und zärtlich - in solchen Augenblicken bin ich glücklich. Warum äußert Fritz so selten seine Liebe zu mir.