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GratirbeUagen r „Illuftvirtes SonntagrbLatt " «. „^Kuftrirtt tandViVthschaftliche Vettage
Rr. 18. Donnerstag den IX Februar
1882.
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" - „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Kiel, Dezember 1901. Wilhelmshaven, Dezember 1901.
Im Herbst 1902 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatzung von Kiautschou zur Einstellung gelangen.
Ausreise: Frühjahr 1903, — Heimreise: Frühjahr 1905,
Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner u. s. w.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider u. s. w.) werden bei der Einstellung bevorzugt.
Die dienstpflichtigen Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung und Verpflegung eine Theuerungszulage von 0,50 Mk. täglich, die Kapitulanten eine Ortszulage von 1,50 Mk. täglich.
Militärdienstpflichtige Bewerber von kräftigem und mindestens 1,67 m großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1883 geboren sind, haben ihr Einstellungs- gesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautenden Meldeschein entweder:
dem II. Seebataillon in Wilhelmshaven: zum Diensteintritt für das III. Seebataillon und die Marine- seldbatterie, oder
der III. Matrosenartillerie-Abtheilung in Lehe: zum Diensteintritt für die Matrosenartillerie Kiautschou (Küstenartillerie)
Die letzten Vestalinnen.
Erzählung von Emil Element.
(Fortsetzung.)
Ambrosius hatte das bemerkt. „Ich will nicht« weiter, als mir von euch die Versicherung verschaffen, daß Mar- tinus in der Nacht des Mordes nicht das Haus der Ve- stalinnen betreten hat!"
Julia begann unverzüglich darzulegen, was ihr in jener Nacht begegnet war. Sie erzählte, daß Martinus sie in den ersten Stunden nach Mitternacht an das Haus der Vestalinnen gebracht hatte, wo auf einen leisen Pfiff von Martinus das Thor ein wenig sich aufthat, um nur sie einzulaffen. Er hatte ihr gesagt, daß er auf sie warten würde, und blieb am Forum.
„Das Thor," so fuhr Julia fort, hatte sich hinter mir geschloffen, und ich blieb allein mit einer Sklavin, die mich in eine Schlaskammer geleitete, welche sich unweit des Thores befand. Da fand ich auf dem Bette schlafend mein geliebtes Kind. O Ambrosius, kein Wort vermag Euch zu fchildern, was ich empfand, als ich meine süße kleine Valeria wieder in meine Arme nehmen konnte. Und wie sie, ihre Augen öffnend, in Jubelrufe aus- drechen wollte, wie ich ihren Mund mit meinen Lippen Wiesen mußte, um zu verhindern, daß ihre Freude uns Verderben bringen könnte. Die alte Sklavin halte sich mit dem Bedeuten entfernt, daß sie Claudia von meinem Eintreffen verständigen wollte.
Kaum hatte sie uns verlassen, so ließ sich ein heftiges
möglichst bis Ende Februar 1902 spätestens zum 1, August 1902 einzusenden.
Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie, der Marineartillerie.
Nichtamtlicher Theil.
PrsktiWPelitik.
Die Generalversammlung des Bundes der Lanbwirthe hat die Zolltarifvorlage der verbündeten Regierungen für unannehmbar erklärt. „Sollte es nicht gelingen, — so heißt es in dem Beschluß — derselben in den Berathungen des Reichstags eine Gestalt zu geben, welche den berechtigten Forderungen der deutschen Landwirthschaft entspricht, so erwartet der Bund der Landwirthe die Ablehnung derselben." Der Landwirthschaft ist damit kein guter Dienst geleistet. Nach der Erklärung, die Graf Bülow im deutschen Landwirthschaftsrath abgegeben hat, war kein Zweifel mehr möglich, daß eine Erhöhung der Getreidezölle über die Sätze des Entwurfs hinaus ausgeschloffen ist. Wenn also der Bund der Landwirthe trotzdem auf seinem Widerstände beharrt, so beweist er nur, daß er es noch nicht versteht, praktische Politik zu treiben.
Der einzige Weg, wie die schwierige Aufgabe gelöst werden kann, den Zolltarif zustande zu bringen und damit der Landwirthschaft in den Handelsverträgen die größtmögliche Verstärkung ihres Zollschutzes zu sichern, hat der Reichskanzler selbst vorgezeichnet. Graf Bülow hat in derRede an denLandwirthschaftSrath die schutzzöllnerische Mehrheit des Reichstags ermähnt, sich unter sich zu einigen und vertrauensvoll mit den verbündeten Regierungen zum Zustandekommen der Zolltarifvorlage zusammen zu wirken. Namentlich die folgenden Worte, können nicht genug beherzigt werden: „Für denjenigen, der nicht die Verantwortung für das ganze trägt, ist es leicht und bequem, den starken Mann zu spielen mit der Parole: Alles oder nichts! Aber der leitende Staatsmann muß sich gegenwärtig halten, daß wir nicht in einem isolierten, auch nicht in einem rein agrarischen Staate leben und daß die Dinge im Leben häufig und sogar meistens nicht so oder so, sondern so und so sind. Daß ich an diese alte Wahrheit erinnere, und sie jenem radikalen aut — aut (entweder — oder) entgegenstelle,
Geschrei vernehmen, das aus dem'Jnnern des Hofraumes zu kommen schien. Es war eine Männerstimme, die eindringlich Leute herbeirief. Gleich darauf vernahm man einen entsetzlichen Fluch und den Fall eines schweren Gegenstandes, dann erfolgte vollkommene Stille. Meine Angst war grenzenlos, ich dachte, daß man meinen Eintritt in das Haus bemerkt hätte, und meiner Valeria und mir nun Uebles bevorstand. Ich drückte mein süßes Kind weinend an meine Brust, den Herrn um Hilfe anflehend. Ich fürchtete, daß man sie mir sofort wieder nehmen würde.
Da that sich die Thüre der Kammer auf, und die alte Sklavin erschien; sie hieß mich, Valeria in meine Stola hüllen und ihr folgen, wenn wir nicht entdeckt werden wollten. Sie führte uns hinaus und ließ uns an einer Stelle stehen, wo viele Bäume ihre dunkeln Schatten warfen, da sollten wir auf ihre Rückkunft warten. Bald darauf kam sie mit einer vermummten Frau zurück, in der ich später Claudia erkannte. Laufend führte uns die Sklavin sodann längst einer Mauer hinan bis zu einer Stelle, wo eine Leiter sich befand. Diese hieß sie uns, so schnell wir konnten, ersteigen, um uns an der andern Seite an einer Strickleiter hinabzulaffen in die darunter laufende Gasse. Die Sklavin folgte uns und führte uns, vom Dunkel der Nacht beschützt, an das Haus, das ich ihr bezeichnete. So waren wir nach kurzem hier bei meinen Freunden angelangt und gut ausgenommen. Im Haufe der Vestalinnen habe ich sonst nichts bemerkt.
Ambrosius, der sich auf einen Stuhl niedergelaffen
das die goldene Mittelstraße verschmäht, mag nicht auf allgemeine Zustimmung aus Ihren Reihen zu rechnen haben. Aber ich verhehle auch nicht, daß mich bei der freimüthigen Darlegung des Standpunktes der Regierungen die Hoffnung leitet, zu verhindern, daß von den Vertretern und Freunden der ländlichen Interessen das Bessere zum Feind des Guten gemacht, d. h., daß die Verabschiedung der Tarif-Vorlage durch unannehmbare Mehrforderungen, wie die auf Vermehrung und Erhöhung der Minimalzölle vereitelt werde."
Während diese Gefahr von den Vertretern der extremen Forderungen der Landwirthschaft noch nicht in ihrer ganzen Größe gewürdigt wird, mehren sich aus konservativen Kreisen die Stimmen, welche das Wünschens- werthe zu Gunsten des Erreichbaren zurücksetzen wollen. So betont die „Kreuzzeitung," indem sie der Zuversicht Ausdruck giebt, „daß sowohl der Herrscher als auch sein Kanzler den festen Willen haben, der deutschen Landwirthschaft den für ihre Existenz nothwendigen Schutz zu gewähren," die Nothwendigkeit, eine Einigung her- beizuführen. Auch das Organ der konservativen Partei, die „Konservative Korrespondenz," giebt dem Grafen Bülow ein Vertrauens-Zeugniß, in dem es heißt: „daß seit dem Abgänge des Fürsten Bismarck kein Reichskanzler in solcher Weise die konservativen Aufgaben unsers Staatswesens gefördert hat, wie Graf Bülow und daß sein Scheiden vom Amte ein Unglück sein würde." Die „Konservative Korrespondenz" tritt ebenfalls dafür ein, „das Erreichbare sicherzustellen und die Kräfte nicht im Erstreben unannehmbarer Wünsche zu zersplittern. Diese Aeußerungen laffen, da der Reichskanzler ausdrücklich als die Grenze des Erreichbaren die Zollsätze der Regierung bezeichnet hat, daraufZfchließen, daß die Konservativen als praktische Politiker sich schließlich hiermit begnügen werden. Die wahren Freunde der Landwirthschaft würden ihnen dafür dankbar sein.
Politische Nachrichten.
Berlin, 11. Februar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern nach der Familien-Frühstückstafel mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Heinrich einen Spaziergang im Thiergarten und wurden dabei von dem Hofmarschall a. D. Frhrn. von Egloffstein begleitet. —
hatte, war aufmerksam der Darstellung der Julia gefolgt. Er verblieb, als sie geendet, einige Augenblicke in Nachdenken vertieft. Darauf wandte er sich an Claudia und sagte zu ihr beinahe mit einem Toy der Bitte: Wollt Ihr mir jetzt erzählen, was Euch in jener Nacht ausgefallen ist?"
Claudias Bewegung war sichtbar. Sie war offenbar unschlüssig, was sie sagen sollte. Sie zögerte mit der Antwort, wie jemand, der bedacht ist, nicht zu viel zu sagen. Endlich sprach sie unsicher:
„Auch ich habe die Hilferufe vernommen, wie Julia."
Hier hielt Claudia etwas inne. Dann setzte sie mit zögernder Stimme hinzu:
„Cassia, die Sklavin, kam in Hast zu mir gestürzt, als ich in großer Angst beim Altare im Tempel stand. Sie führte mich zu Julia. Das Uebrige wißt Ihr," setzte sie rascher hinzu.
„Wie kam es, daß ihr Euch so rasch zur Flucht ent- schlossen hattet?" fragte Ambrosius, dem nichts im Wesen Claudias entgangen war.
„Ich nahm mir nicht die Zeit zur Ueberlegung. Ich glaube, es war die Furcht vor dem, was mir bevorstand, wenn man Julias Anwesenheit und deren Zusammentreffen mit ihrem Kinde bemerkt hätte."
„Also weiter mißt Ihr nichts?" Der Ton in Am- brosius' Stimme und die Weise, wie er das sagte, bekundeten deutlich, daß er noch anderes vermutete.
Claudia verblieb schweigend. Sie senkte blos den Kopf auf ihre Brust herab und schien mit sich zu kämpfen.