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ersselkr SreisMatt

Gratisbeilagen;AUnftrirtes Konneagsblatt" n.Aünßtrirte tandwirthfehaftliehe Veilage

Nr. 1b.

IomierslW Sei 30. Zaum

1902.

Bestellungen

auf daS- Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Wustrirtes Sonntagsblatt" und Mustrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 29. Januar 1902.

Zur Ausstellung einer Statistik über die Einwirkung der Herkunst und Beschäftigung der Militair-Gestellungspflich- tigen ist angeordilet wurden, daß gleich bei Aufstellung der Rekrutirungsstaminrollen die erforderlichen Feststellungen vorgenommen werden sollen. Insbesondere soll bei Aus- süllung der Spalte 8 der Rekrutirungsstammrolle künftig chets der hauptsächlichste Beruf des Militairpflichtigen an­gegeben werden.

Im Anschluß an die diesseitige Verfügung vom 2. d. Mts. I. ll. Nr. 1, im Kreisblatt Nr. 2, werden die Herrn Ortsvorstände des Kreises hiermit angewiesen, bei Anfstellung der Rekrutirungsstaminrollen pro 1882 genau der nach­stehend abgedruckten Anweisung entsprechend zu verfahren. Auch diejenigen der Jahrgänge 1880 und 1881 sind nach dieser Richtung entsprechend zu prüfen und eventuell zu berichtigen.

I. II. Nr. 247. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Anweisung für die Gemeindevorsteher.

1. Bei Ausfüllung der Spalte 8 der Rekrutirungs- ftammroHc (Muster 6 zu §§ 46, 47 und 48 der Wehrorduuug) ist künftig der hauptsächliche oder alleinige Beruf soweit angängig genau zu bezeichnen (z. B. landwirthschaftlicher Tagelöhner, Bäckergeselle, Zigarreuarbeiter, Handlungsreisender u. s. w.). Ins-

Die letzten Vestalinnen.

Erzählung von Emil Element.

(Fortsetzung.)

Gewandt, wie ProcopuS war, hatte er gleich begriffen, daß es jetzt nicht an der Zeit war, einen Auftritt herauf- zubeschwören, der möglicherweise unter den Vestalinnen selbst von übler Wirkung hätte sein können. Auch das Benehmen der übrigen Priesterinnen ließ ihn für seine Kampfeslust eine Gleichgiltigkeit ahnen, welche ihm nicht behagte.

Er sagte zu Flaminia, die, neben ihm herschreitend, eine Strafe für Claudia vorschlug:Es ist wohl nur eine vorübergehende Aufregung, die durch irgend eine Verleumdung entstanden ist. Ich bin überzeugt, daß Claudia in ihrer guten Gemütsart alsbald ihr Unrecht einfehen und von selbst sich zu entschuldigen trachten wird."

So sagte der gewandte, kaltherzige Priester; in seinem Innern aber gelobte er stch, an Claudia grausam sich zu rächen, sobald nur die Wogen der Ereigniffe, die jetzt sein Schiff hart bedrohten, sich gelegt haben würden.

Claudia hingegen bedauerte sehr, daß ihr der Ober­priester durch seinen schleunigen Rückzug die Gelegenheit genommen hatte, sich über das aussprechen zu können, was sie bewegte, und daß sie ihn nicht hatte auffordern können, Valeria ihrer Mutter zurückstellen zu lassen. Sie fühlte nun ihren Mut steigen, wie nur der erste Schritt schwer fällt auf einer ungewohnten Bahn.

besondere ist bei Arbeitern und Tagelöhnern derjenige Arbeits- oder Geschäftszweig anzugeben, in welchem sie ständig oder meistens arbeiten (ob in Landwirthschaft, bei Forst-, Garten-, Bau-, Eisenbahn-, Chaussee-, Hafen-, Kanalarbeiten u. s. w ).

2. Dabei ist derjenige Beruf anzugeben, welcher seit Ver­lassen der Schule die längste Zeit hindurch ausgeübt wurde. Wer beispielsweise mehrere Jahre hindurch in der Landwirthschast beschäftigt und nur das letzte Jahr oder die letzten Monate als HandwerksgAelle oder Fabrikarbeiter thätig war, ist mit der ersteren nicht mit der letzteren Beschäftigung nachzuweisen.

3. Hiernach ist zunächst bei der Aufstellung der zum 15. Februar 1902 einzureichenden Rekrutirungsstammrolle des Jahres 1902 zu verfahren. Es sind aber auch die Angaben in Spalte 8 der zu dem genannten Ter­mine mit einzureichenden Rekrutirungsstaminrollen der Jahre 1901 und 1900 nachträglich zu prüfen und, soweit sie dieser Anweisung nicht entsprechen, zu er­gänzen oder zu berichtigen.

Nichtamtlicher Theil.

Reichsanleihe und preußische Staatsanleihe.

Die gesummte Preffe giebt der Ansicht Ausdruck, daß der Erfolg der Zeichnung auf die jüngste Reichsan­leihe und preußische Staatsanleihe ein außerordentlicher ist. DieBerliner Börsen-Ztg." schreibt:Das alles bisher Dagewesene übertreffende Ergebniß der Zeichnung ist zweifellos ein erfreulicher Beweis dafür, daß Anlage suchendes Kapital in großem Umfange vorhanden ist, und daß der Staatskredit Deutschlands und Preußens in der ganzen Welt vollberechtigter hoher Werthschätzung begegnet." DieKölnische Zeitung" äußert sich ähnlich, indem sie ausführt:Der Erfolg, den die Zeichnung auf 300 Millionen Mark Reichs- und Staatsanleihe er­zielt hat, übersteigt auch die weitestgehenden Erwartungen. Wir legen an sich auf die Höhe der Ueberzeichnung kein zu großes Gewicht, denn, da allseitig erwartet wurde, daß angesichts der großen Flüssigkeit des Geldmarktes eine starke Ueberzeichnung stattfinden würde, so war von selbst gegeben, daß zahlreiche ernste Zeichner, um wenigstens einen bestimmten Betrag zugetheilt zu erhalten, weit

Claudia begab sich in ihr Gemach. Doch nicht ruhend konnte sie sich darin verhalten. Das Traumhafte fiel plötzlich von ihr ab, das seit Wochen ihren Geist um­fangen gehalten hatte, als sie noch nicht begriff, was in ihren Gefühlen und Empfindungen recht und unrecht war, wo sie wie unsicher im Dunkeln umhertappend, nur litt, ohne eine Richtung zu erkennen, die ihr klar ihre Handlungsweise hätte vorschreiben können. So lange dieser Zustand angedauert hatte, fühlte sie das Bedürfnis, ruhig und stille und so viel als möglich ab­geschlossen zu vetbleiben.

Jetzt empfand sie einen Thatendrang, eine Kraft in sich erwachsen. Die Mauern ihres Gemaches schienen ihr zu enge zu werden, sie wußte nun, was sie zu thun hatte; eifrig von der Gewißheit dieser Ueberzeugung erfaßt, schritt sie in ihrem Gemach auf und ab; da öffnete sich die Thüre leise, und die Sklavin, die des Morgens mit Philippus gesprochen hatte, trat etwas unsicher ein, als hätte sie sich einer sehr heiklen Bot schaft zu entledigen. Das stand nun heute Claudia gar nicht an. Ihre sanfte geduldige Gemütsart schien sich wie unter einem Zauberschlage verändert zu haben.

Rasch, was habt Ihr mir zu sagen, Cassia?" fuhr sie die Sklavin an. Claudia vermeinte es mit einer Botschaft ihrer Vorsteherin zu thun zu haben.

Ich zögerte, weil ich nicht weiß, wie ihr das, was ich Euch auszurichten habe, aufnehmen werdet, Herrin!

Und deshalb meint Ihr, bedarf es einer Einleitung? Es ist also etwas recht Unangenehmes, alte Cassia?"

Die Sklavin wurde mutiger.Nun nun nur

höhere Summen zeichneten, als sie thatsächlich zu er­werben beabsichtigten. Indes war bei solchen Schein­zeichnungen immerhin eine gewisse Grenze insoweit ge­geben, als jeder Zeichner eine Sicherheit von 5 v. H. des gezeichneten Nennbetrages zu hinterlegen hatte. Gleichwohl ist trotz aller dieser Verhältnisse zuzugeben, daß die Betheiligung an der Zeichnung einen ganz un­gewöhnlichen Umfang angenommen hat. Der Betrag an Reichsanleihe allein ist nicht weniger denn 60 mal über­zeichnet worden, und das will umso mehr sagen, als gleich bet der Ankündigung der Anleihe allseitig darauf hingewiesen worden ist, daß innerhalb Jahresfrist noch eine weitere Reichsanleihe von mindestens 150 Millionen Mark aufgelegt werden muß, nachdem der Reichstag die entsprechenden Kredite bewilligt haben wird."

Politische Nachrichten.

Berlin, 29. Januar.

Der Geburtstag des Kaisers ist im ganzen Reiche in begeisterter Weise gefeiert worden. Der Kaiser hat seinen Geburtstag zum Anlaß genommen zu umfangreichen Taufen von Regimentern, zu zahlreichen Veränderungen in den höchsten Kommandostellen der Armee, zu Ordens-Verleihungen, Berufungen in das Herrenhaus, sowie zur Verleihung eines Fahnenschmucks an 47 preußische Kriegervereine.

Ein gestern erschienenesArmee-Verordnungs-Blatt" bringt folgenden Armee-Befehl:

Ich habe Mein diesjähriges Geburtstagsfest gewählt, um in Ausführung einer lange gehegten Absicht in der Benennung der Truppentheile MeinesHeeres Aenderungen eintreten zu lassen. Eine größere Zahl derselben ent­behrte bisher einer selbstständigen Unterscheidung. Aber je größer eine Heeres-Organisation sich gestaltet, um so nothwendiger ist die individuelle Entwicklung ihrer einzelnen Theile; nur im Wetteifer derselben werden die Eigen­schaften und Kräfte lebendig, welche das Ganze auf eine höhere Stufe der Leistung zu bringen geeignet sind. In Meiner Armee vereinigen sich die Traditionen vieler DeutscherStämmeundLandestheile. DieseUeberlieferungen zu pflegen ist Mein Streben und Meine Pflicht. Heer und Volk sind bei uns eins; im Heere verkörpert sich die Geschichte meines Landes. Mögen die neuen Namen, die Ich hiermit verleihe, das Bewußtsein lebendig er-

nur für mich könnte es üble Folgen haben," sagte sie jetzt entschlossener.

Für Euch?" fragte Claudia, und wie ein Blitz durchfuhr es sie.Also eine Botschaft von außen?"

Von den Gemütsbewegungen, die Claudia heute er­lebt hatte, war das die größte, denn sie ahnte, von wem die Botschaft kam.

Die Sklavin nickte bejahend mit dem Kopfe und sprach leise das WortPhilippus" aus.

Die heftige Bewegung, die sich plötzlich auf dem schönen Gesichte Claudias zeigte, das noch soeben mit Uebermut und Kampfeslust sie angesehen hatte, ließ die Alte schnell fortfahren:

Er bittet Euch, ihn nur ein einziges Mal zu Euch einlassen zu wollen. Er meinte," setzte die Sklavin schnell hinzu, die außerordentliche Wirkung ihrer Mit­theilung benützend,eines Abends, wenn Ihr Euren Dienst im Tempel zu verrichten habt! er bat mich, ihn davon zu verständigen."

Claudia antwortete nicht. Sie blieb abgewendet von der Sklavin stehen. Diese blickte, der Antwort harrend, unverwandt nach ihr in gespannter Neugierde hin.

ES kam keine Antwort. Die Alte begriff. Claudia wünschte es selbst mit jeder Fiber ihres Seins. Es fehlte ihr die Kraft, ja oder nein zu sagen. Was die Alte wissen wollte, wußte sie nun.

Keine Antwort ist auch eine Antwort," murmelte sie nur, nachdem sich das Schweigen ungebührlich lange ausgedehnt hatte, und mit einem schlauen Lächeln, einen