Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeil« 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größere» Aufträgen entsprechender Rabatt.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postausschlag.
Gratisbeilagen! „3Uuftrirt<s Ksnnragsblatt" «. „Illnftrirte lan-Wirthschaftliche Veilage".
K. 142.
den 30. November
1901.
feste Statt.
Bestellungen
auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Mustrirte laudwirthschastl. Beilage" für den Monat Dezemver werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenomnien.
Amtlicher Theil.
Diejenigen Herrn Bürgermeister der Landgemeinden der Kreises Hersfeld, welche in Gebäudesteuer-Angelegenheiten bis jetzt noch nicht auf dem Katasteramt vorgesprochen haben, werden ersucht dieses schleunigst nach- zuholen, da die Sachen abgeschlossen werden müssen.
Hersfeld, den 28. November 1901.
Königliches Katasteramt.
Schweißer.
Nichtamtlicher Theil.
Advent.
1. Dezember.
Das alte Kirchenjahr ist dahin; der Klang der Todtenglocken vom letzte» Sonntage ist verhallt. Ein neues Kirchenjahr beginnt heute. Diese Thatsache wird nicht lärmend, wie der Anbruch des neuen bürgerlichen Jahres, gefeiert, ist aber deshalb nicht weniger bedeutungsvoll, denn im Kreislauf eines neuen Kirchenjahres soll wieder die alte, aber doch nicht veraltete Wahrheit des Evangeliums mit feinen Gedanken voll Kraft, Licht und Leben verkündet werden.
Bald zwei Jahrtausende sind im Zeitenstrome vertuscht und noch immer schlagen dem König im Reiche des Geistes, dem göttlichen Stifter unserer Religion, auf dsisen Geburtsfest sich die Christenheit wiederum rüstet, di° Herzen warm und begeistert entgegen, als hielte der Wunderthäter zum ersten Male seinen Einzug in diese Welt. Auch von der Erlösung gilt, was Goethe im --Faust" so schön und tiefsinnig sagt: »Die unvergleichlich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag." Wie die Jahrtausende alte Sonne an jedem Morgen mit hellleuchtender Pracht durch Nacht und Nebel hindurch- luvkelt, wie nach den rauhen Winterstürmen immer Lieder das Erwachen des Lenzes mit ewig frischer Freude "egrüßt wird — so klingen an diesem Sonntage mit "fvem, hellem Jubel die Adventslieder zum Preise des Käuigs, dessen Kommen im Geiste die Kirche festlich h-geht.
Der Unterschied zwischen Christenglauben und Un- ^vben tritt uns dabei deutlich entgegen. Der Unglaube sich, neu, modern, zeitgemäß zu sein. Er ist von Auk greisenhaft alt; aber seine Altersschwäche ver- lvut er durch modische Schminke beim Materialismus, . Pluralismus und wie die Bezeichnungen alle sind, die / verschiedenen Seiten des Unglaubens ausdrücken — °"l>elt es sich nur um künstlich belebte Anschauungen, J$e schon im Alterthum bestanden und namentlich von /" griechischen Philosophen viel glänzender und phan- ^vereicher ausgesprochen wurden, als von den „Realisten" ^/ Gegenwart. Die Angriffe des Unglauben hat das n^llenthum wiederholt überwunden und auch aus den "v>pfen der Gegenwart wird der Sieg des Glaubens
wie ein Stern aus den Wolken hervortreten. Der Unglaube ist vielen Modesache; aber nie wird die Menschheit in ihm ihr Glück finden, wie sie es auch früher darin nicht gefunden hat. Wenn aber die Wogen des Zeitstroms einst die Gebeins des letzten Gottesleugners bedecken, dann wird erhaben über allem Wandel und Wechsel das majestätische Bekenntniß ertönen: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe in alle Ewigkeit."
Das Christenthum, obwohl als „alt" verspottet, ist in Wahrheit das Ewig-Neue und immer Verjüngende. Eine lhatfrohe Begeisterung giebt es nur, wenn wir unsere Herzen bem Evangelium erschließen und Jesus Christus wieder in unser Volk einzieht. Friede im Herzen und zwischen den einzelnen Ständen, zugleich aber edle K am p fe s -Frend igkeit für das Gute und Kamps gegen das Schlechte: diesen scheinbaren Gegensatz, der sich indes in eine sittlich-religiöse Harmonie auflöst, vermag nur der zu bieten, dessen Bild uns vor Augen steht, wie er in der einen Hand das Schwert des Geistes, in der anderen die Palme des Friedens trug. Und wie im Heliand, dieser altsächsischen christlichen Helden- Dichtung, die deutschen Fürsten und Stämme dem Heiland gleichsam als ihrem Volksführer zujauchzten, so erhebe auch das christliche Deutschland der Gegenwart in der Adventszeit den alten und doch ewig jungen Jubelruf : „Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn. Hosiannah in der Höh!"
Politische Nachrichten.
Berlin, 28. November.
Se, Majestät der Kaiser begab sich gestern Vormittag, wie aus Kiel gemeldet wird, an Bord des Kreuzers „Theils". Allerhöchstderselbe wurde am Fallreep vom Kommandanten, Fregattenkapitän van Semmern, empfangen. Se. Majestät schritt die Front der Besatzung ab und hielt eine Ansprache. Im Anschluß hieran ließ Se. Majestät mit bem Oifizierkorps und der Besatzung eine photographische Aufnahme machen. Als Se. Majestät das Schiff verließ, brächte der Kommandant ein dreifaches Hurrah auf Allerhöchstdenselben aus. Kurz vor 11 Uhr verließ Se. Majestät das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." und begab sich mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich zum Bahnhof. Uni dieselbe Zeit traf Ihre Majestät die Kaiserin von Plön in Kiel ein, worauf beide Majestäten um 11 Uhr die Rückreise nach PotSdam antraten.
Heute Morgen um 8 Uhr trafen Ihre Kaiserlichen Majestäten wieder in Wildpark ein und begaben sich nach dem Neuen Palais. — Se. Majestät der Kaiser hörte die Vorträge des Kriegsministers, Generals der Infanterie v. Goßler, des Chefs des Generalstabes, Generaladjutanten Generals der Kavallerie Grasen von Schliessen und des Chefs des MilitärkabinetS, Generalmajors Grasen v. Hülsen Haeseler. Um 11 Uhr 35 Min. empfing Se. Majestät auf Station Wildpark Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit den Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich-Este und begab sich mit demselben nach dem Neuen Palais, wo Frühstückstasel stattfand.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unterm 27. Novbr.: Der hiesige „Lokal-Anzeiger" veröffentlichte gestern Morgen eine Drahtmeldung aus Kiel, die mit dem Anspruch austrat, die „bedeutsamsten Wendungen" der von Seiner Majestät dem Kaiser und Könige bei der Vereidigung der Marinerekruten gehaltenen Rede wiederzugeben. Wir sind zu erklären ermächtigt, daß diese Meldung über den Inhalt der Allerhöchsten Ansprache in den Hauptpunkten vollkommen erfunden ist. Insbesondere hat Seine Majestät der Kaiser und König des Krieges von 1870/71 mit keinem Worte gedacht.
Aus Kiel, 27. November, wird geschrieben: Die beiden gestern von Sr. Majestät dem K ä i s e r hier besichtigten P a n z e r k r e u z e r „Prinz Heinrich" und „Prinz Adalbert" nähern sich ihrer Vollendung. Diese Schiffe und der noch etwas größere „Fürst Bismarck"
sind die ersten modernen Kreuzerbauten, welche in der Wasserlinie einen rings um das Schiff laufenden Panzergürtel tragen. „Prinz Heinrich" ist bereits am 22. März 1900 vom Stapel gelaufen und soweit fertig gestellt, daß er im kommenden Frühjahr mit den Probefahrten beginnen kann. Der am 22. Juni d. J. vom Stapel gelaufene „Prinz Adalbert" wird erst im Jahre 1903 zum aktiven Dienst in der Flotte verwendet werden können; gegenwärtig wird an dem Einsetzen der Panzerthürme, der Vervollständigung der Panzerung und am Ausbau der Geschützpforten gearbeitet. Beide Schiffe sind 8868 Tonnen groß, erhalten eine Fahrgeschwindigkeit von 20—21 Seemeilen in der Stunde und 523 Mann Besatzung. „Prinz Adalbert" wird etwas stärker armirt als „Prinz Heinrich" und auch als Führerschiff eines Divisions- bezw. Geschwaderverbandes eingerichtet. Ein weiteres Schiff dieses Typs befindet sich auf der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg im Bau.
Die Uebersicht der Ergebnisse des Heeres- E r g ä n z u n g s g e s ch ä s t s für das Jahr 1900 ist dem Reichstage zugegangen. In den alphabetischen und Restantenlisten wurden geführt 1 645 846 Mann. Davon sind zurückgestellt 573 799, ausgeschlossen 1171, ausgemustert 39 345, dem Landsturm überwiesen 102 723, der Ersatzreserve überwiesen 80 986, der Marinereserve überwiesen 1130, ausgehoben 223 459, überzählig geblieben 1276, freiwillig eingetreten in das Heer 25 175, in die Marine 1209, anderwärts gestellungspflichtig geworden 425 489, ohne Entschuldigung ausgeblieben 97 819, als unermittelt in den Restantenlisten geführt 62 265 Mann, im Ganzen also 1 646 846 Mann. Von den Ausgehobenen sind in das Heer eingetreten zum Dienst mit der Waffe 222 667, zum Dienst ohne Waffe 4608, in die Marine aus der Landbevölkerung 3307, aus der see- und halbseemännischen Bevölkerung 2877 Mann. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden 135 168 Mann verurtheilt, noch in Untersuchung befinden sich 13 055 Mann.
Im Reichstag ist die Verhandlung im Anschluß an die Interpellation des Abgeordneten Bassermann über den Jnsterburger Zweikampf befriedigend verlausen; durch die bündigen Erklärungen des preußischen Kriegsministers ist einem weitern Ausbauschen der Angelegenheit ein Riegel vorgeschoben. DaS deutsche Volk kann darnach überzeugt sein, daß der feste Wille, die Duelle auf ein Mindestmaß zu beschränken, an der maßgebenden Stelle besteht, ebenso aber auch, daß die Beseitigung der Zweikämpfe nur allmählich wird erfolgen können, zumal da die Anschauungen des Offizierkorps sich immer decken werden mit den Anschauungen der Stände, aus denen es hevorgeht.
Kürzlich ist der Bericht über die Ergebnisse der Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung während der Etats- Jahre 1896—1900 erschienen. Dieser Bericht bietet eine Fülle hochinteressanten Materials dar und gewährt uns einen fesselnden und belehrenden Einblick in eines der wichtigsten und gewaltigsten Arbeitsgebiete moderner Kultur. Auch während der Berichtszeit hat in allen Zweigen des deutschen Post- und Telegraphen-Wesens eine aufsteigende Bewegung stattgefunden. Hierfür zeugt in erster Linie das Wachsthum des Verkehrs. So ist die Zahl der im Reichspost-Gebiet- jährlich beförderten Post, sendungen von 3428 Millionen auf 5100 Millionen gestiegen, der Betrag der vermittelten Geldsendungen von 22 auf 26«/4 Milliarden Mark. Die Zahl der beförderten Telegramme ist um 8 Millionen gewachsen und hat im Jahre 1900 42«/» Millionen betragen. Der reine Ueberschuß der Verwaltung aber hat in den letzten fünf Jahren die Höhe von rund 151'/, Millionen Mark erreicht.
Der Verein deutscher Melasse-Spiritus-Fabrikanten hat dem Reichstage eine Petition, betr. Abänderung des Branntweinsteuergesetzes, eingereicht. Der Verein saßt seine Ausstellungen an der Gesetzgebung, insbesondere auch an der dem Reichstage zur Zeit vorliegenden Novelle dahin zusammen, daß alle in den Branntweinsteuergesetzen bestehenden, bei den verschiedenen Brennerei-