in Afrika gesunken war. Jetzt sagt sich der Engländer: „Der Chamberlain ist doch ein famoser Kerl. Jedes Wort, das er sagt, wird im Auslande mit Andacht vernommen. Den Deutschen hat er es ordentlich gesagt. Seht nur, wie sie sich ärgern." Wäre es da nicht vielleicht weiser von den Protestkundgebungen abzusehen?'
Der Neubau der Reichsbankhauptstelle in München wurde heule Vormittag durch den Prinzregenten unter Führung des Präsidenten der Reichsbank Dr. Koch besichtigt. Mittags folgte die Einweihungsfeier, zu welcher sämmtliche Staatsminister, der preußische Gesandte Gras Monts, der Regierungspräsident Oberbayerns, beide Bürgermeister von München und Vertreter der dortigen Bank- und Handelswelt erschienen waren. Dr. Koch betonte in einer Ansprache, daß seiner Zeit gerade die bayerische Regierung für den Gedanken einer Reichsbank eingetreten sei. Der Verkehr der Münchener Reichsbank- Hauptstelle habe sich auf allen Gebieten ihrer Thätigkeit erweitert. Das Verkehrsleben mache jetzt eine schwierige Periode durch, doch dürfe man hoffen, daß diese bald ein Ende nehmen werde, denn deutscher Fleiß und Unternehmungsgeist seien nicht verloren gegangen. Wenn der Frieden erhalten werde, würde sich die Lage schon bessern, Dr. Koch schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und den Prinzregenten, deren unablässige Fürsorge auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei. Ferner sprachen Baurath Adelung, sowie der Direktor der dortigen Reichsbankhauptstelle Steinle, welchem anläßlich des heutigen Tages der Titel „Geheimer Regierungsrath" vom Kaiser verliehen wurde. Heute Abend wird zu Ehren des Präsidenten der Reichsbank ein Kellerfestabend im Salvatorkeller stattfinden.
Zur Errichtung eines Roon-Denknials veröffentlicht ein unter dem Protektorat des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig, stehendes Comitee den folgenden, vom 2. November d. I babirten Aufruf an das deutsche Volk: „Am 30. April 1903 werden hundert Jahre seit dem Geburtstage Albrecht von Roons verflossen sein und noch ziert kein Denkzeichen die Stadt, in welcher er als Kriegsminister unseres unvergeßlichen, großen Kaisers für das Wohl Deutschlands und Preußens unermüdlich geschafft und gearbeitet hat. Verdankt doch, nächst dem Kriegsherrn selbst, das Vaterland ihm und seiner nie rastenden Thätigkeit das gewaltige Rüstzeug, welches das Mittel zur Begründung deutscher Einheit und nationaler Selbstständigkeit geworden ist. In diesen Tagen, in welchem das Denkmal für den eisernen Kanzler enthüllt worden ist, in welchen das Heer zu gemeinsamem Streben sich verbunden hat, dem großen Feldherrn an der Stelle seines Wirkens ein Monument zu errichten, darf Roons nicht vergessen werden; es gilt eine Ehrenpflicht einzulösen, welche das geeinte Deutschland dem Organisator seines Heeres schuldet. So mögen denn die Deutschen aus Nord und Süd, ohne Rücksicht auf den Standpunkt der Parteien und den Zwiespalt der Meinungen, den unsterblichen Verdiensten Albrecht von Roons Gerechtigkeit widerfahren lassen und den Dank des deutschen Volkes durch Errichtung eines seiner vaterländischen Bedeutung würdigen Denkmals in der Hauptstadt des wieder erstandenen Reiches zum lebendigen und dauernden Ausdruck bringen !"
Die Einführung der Abiturienten« p r ü f u n g als Vorbedingung für das thierärztliche Studium wird nach einer Aeußerung des Kultusministers, welche die „Berl. thierärztl. Wochenschr." wiedergiebt, als ziemlich gesichert betrachtet. Die Mittheilung würde beweisen, daß die Verhandlungen zwischen den preußischen Ministerien im wesentlichen abgeschlossen sind und daß von einem grundsätzlichen Widerstände des Kultusministeriums nicht die Rede ist.
Die Königliche Eisenbahndirektion zu Erfurt hat zur Durchführung des Erlasses des Ministers der öffentlichen Arbeiten, daß die Aushülssbediensteten und Arbeiter,
nicht alles richtig wäre zwischen Willibald und dir. Er kam mir gar zu oft hierher, und darum paßte es mir damals so besonders, daß der Onkel dich den Winter in Berlin behalten wollte. So lieb mir auch der Junge ist, als meines verstorbenen Bruders einziges Kind, unser Schwiegersohn hätte er doch nie werden können. Quälen thut er sich von früh bis spät und chat doch dabei kaum das liebe Durchkommen auf seinem Gute, weil so ein armer Landwirth, wenn er nicht einen Säckel Geld neben sich stehen hat, sich gar zu sehr plagen muß. Davon kann der Junge ein Lied fingen und wird fich's wohl selber schon gesagt haben, daß seine Zukünftige nicht nur ein braves, sondern auch ein wohlhabendes Mädchen sein müsse."
Hilde suchte krampfhaft nach einer dünnen Stelle in den Kinderstrümpfen, die sie in den Händen hielt, und konnte nicht den geringsten Schaden entdecken, obgleich ihr rosiger Finger gerade aus einem recht ansehnlichen Loch heraus bohrte.
Die Frau Oberförster!» hatte das Thema schon wieder fallen lassen und zog eifrig die Stopfnadel hin und her. Allerhand wirthschaftliche Anordnungen gingen ihr durch den Kops, deren Ergebnis sie sogleich in Worte faßte. „Höre, du könntest geschwind zur Mühle herunter laufen ! Die Liese muß morgen früh sechs Uhr zum Waschen hier sein."
Das junge Mädchen beeilte sich, dem Gebote Folge zu leisten. An der Thür wandte sie sich aber noch einmal um. „Wäre es nicht doch besser, ich bliebe bei euch, ich kann euch doch so manches hier abnehmen!"
„Thorheit, die Sache ist abgemacht!" entschied der
welche in Folge des Verkehrsrückganges entbehrlich werden, nicht aus dem Eisenbahndienste zu entlassen, sondern in geeigneter Weise anderweitig zu beschäftigen sind, Arbeits-Ausgleichstellen eingerichtet. Diesen haben die Dienststellen die bei ihnen entbehrlich werdenden Arbeiter wie den Bedarf an Arbeitskräften unmittelbar zu melden. So weit die Arbeits-Ausgleichstellen die ihnen als entbehrlich gemeldeten Arbeiter nicht unterbringen oder den Bedarf an Arbeitskräften nicht decken können, haben sie in Zeiträumen von je 10 Tagen einen Nachweis der bei der Direktion selbstgebildeten Central- Arbeits-AuSgleichstelle einzusenden, damit diese einen Ausgleich herbeiführen kann.
Wie aus Kiel gemeldet wird, nahmen Magistrat und Stadtverordnete gestern einstimmig die von der Staatsregierung gestellten Bedingungen betreffs Errichtung einer staatlichen höheren Schiff- und Maschinenbauschule an. Die Stadt gebe Grund und Gebäude, veranschlagt zu 750 000 Mk., her und leiste einen Jahreszuschuß von 20 000 Mk.
Auf Befehl des Kaisers von Rußland wird sich eine militärische Abordnung vom 39. Narwafchen Dragoner-Regiment nach Berlin begeben, um sich dem neuen Chef des Regiments, Kaiser Wilhelm II., vorzu- stellen. Die Abordnung besteht aus dem Regiments- Kommandeur, einem Stabsoffizier, dem Regiments- Adjutanten und dem Wachtmeister der Leibschwadron.
Die Unruhen in Barcelona machen der spanischen Regierung schwere Sorgen. Wie „Wolffs Bureau" meldet, ist der Rektor der Universität von seinem Posten enthoben worden, weil er die aus Anlaß der jüngsten Sludenten-Unruhen ergriffenen militärischen Maßnahmen einer abfälligen Kritik unterzogen hatte; von den Studenten wurde dem Rektor eine Huldigung bereitet. Unter den Studenten herrscht große Erregung, sie haben bei der Königin-Regentin telegraphisch Einspruch gegen die Absetzung des Rektors erhoben und Kundgebungen in den Geschäftsräumen einer Anzahl von Zeitungen veranstaltet, wobei sie für die Universität Autonomie verlangten.
. In Krieg in Masrika.
London, 16. November. Aus Kapstadt kommt die Meldung, daß am 16. October 200 Mann von Smuths Kommando unter van der Venter, Karsten und Botha einen englischen Posten bei Doornbusch in der Nähe von Sommerset-Case angriffen, der von 50 Mann der berittenen Sommerset-Truppen vertheidigt wurde. Kapitän Thornton von der Kappolizei kam mit 130 Mann derselben berittenen Distrikttruppen zum Entsatz herbei, war aber nicht im Stande, die nach kurzem Widerstände erfolgte Uebergabe zu verhindern. In seinem Bericht meldet Thornton, daß er eine ziemlich starke Stellung besetzt hielt, daß die Leute unter seinem Kommando sich aber, nachdem sie den größten Theil ihrer Munition verfeuert hatten, als der Feind nur noch 2000 Ellen entfernt war, weigerten, noch weiter aus die Buren zu schießen. Seine Soldaten begründeten dies damit, daß sie, wenn sie gefangen genommen, erschossen werden würden und ergaben sich, obwohl nur ein Mann leicht verwundet war, es fielen 180 Mann und 190 Pferde in die Hände der Buren.
London, 16. November. Lord Kitchener hat über die freiwillige Uebergabe von englischen Truppen in Südafrika einen Bericht eingesandt, welcher den Behörden große Besorgnisse einflößt. Die Buren bezeichnen die englischen Soldaten nur noch mit dem Spottnamen „Handop", Hände hoch!
In Marseille traf vorgestern ein Sendbote Louis B o t h a s ein ; derselbe ist ein Deutscher, Namens Meyer, und Träger wichtiger Briefe an den Präsidenten Krüger. Er erklärt, die Lage der Buren sei besser als je. Sie
Vater, von seiner Zeitung aussehend. „Du weißt, daß ich mich stets gegen jedes Almosennehmen von dem reichen Schwager wehre. Aber diese freundliche Einladung für dich muß man jedenfalls annehmen!"
Flinken Fußes trippelte Hilde über den gefrorenen Boden ihrem Ziele entgegen, in ihrem Kopfe schwirrte es von verschiedensten Eindrücken. Vetter Willibard in seinen hohen Reiterstiefeln, selbst hinter dem Pflug hergehend, und ihr Mütterchen, vor einem großen, großen Stopskorbe sitzend, der sich garnicht überwältigen ließ, das beschäftigte sie zuerst. Doch nun kam ein Bild, alles andere verdrängend, das war Held Siegfried auf tänzelndem Goldfuchs, strahlend in Jugend- und Mannesschönheit. Da lachten ihre Augen bei solcher Erinnerung, und leise summten die Lippen: „Vereint sind Liebe und Lenz!"
Die Bestellung war besorgt und der Heimweg an« getreten, als sie ein rascher Schritt überholte. Sie hatte, auch ohne sich umzusehen erkannt, wer es fein mußte, unb nun begrüßten sie einander, die Gespielen aus der Kinderzeit, die jetzt als erwachsene Menschen noch immer nicht den rechten Ton mit einander finden konnten. Er fragte sie hastig dies und jenes und vertraute ihr, daß er gegen Abend in das Waldhaus kommen würde, denn er müsse die letzten Stunden ausnutzen, so lange sie noch da sei, und sie — zurückbebend vor diesem gefährlichen Alleinsein — suchte nach einem gleichgiltigen Thema, um ihn an einer Aussprache zu hindern. Bewundernd begann »sie von der jungen Schonung zu plaudern, die sich am Wege entlang hinzog.
Er nickte zerstreut, dann aber wies er auf die Bergspitze ihnen zur Seite, die noch in Schnee und Eis starrte.
seien 15 000 Mann stark, gut bewaffnet und kampsez- freudig, während die offensiven verfügbaren England« kaum 40 000 Mann stark seien. Kitchener gehe äußersi grausam vor und lasse rücksichtslos alle Verdächtigen erschießen, auch Deutsche und Franzosen.
In verschiedenen Londoner Clubs wurde berichtet, daß Lord Kitchener angesichts seines Gesundheits, zustandes Südafrika verlassen werde, sobald General Hamilton in Südafrika eingetroffen ist.
Ein englischer Farmer aus der Kap, kolonie berichtet der „Morning Post" über das Verhalten eines Burenkommandos auf seiner §arm. Nachdem er beschrieben hat, wie die Buren an das Gehöft herangeritten kamen und nach freundlicher Begrüßung daran gingen, sich aus den Vorräthen der Farm Speisen zu bereiten, sagt er: „Ein Bedenken, daß die Frucht langer Jahre durch die Buren zerstört werden könnte, wurde dahin beantwortet, daß sie nicht das Verlangen hätten, ohne Zweck zu zerstören, so lange man ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg lege und sie nehmen könnten, was sie an Nahrungsmitteln gebrauchten. Wir bemerkten zu unserer großen Beruhigung, daß der Kommandant eine fast eiserne Zucht über seine Leute aus- übte. Er war ein ernstblickender Mann, und wenn « auch höflich sprach, so hatte doch sein Wesen das Charakteristische einer durch lange Gewohnheit angenommenen Neigung zu befehlen. Viele der Buren betraten unser Haus. Einige nahmen Kaffee von dem unberührten Frühstückstisch, andere baten um die neuesten englischen Zeitungen und lasen sich mit der größter Kaltblütigkeit die Artikel über die Buren vor. Wieder Andere entdeckten die Speisekammern und Lagerräume und nahmen sich Lebensmittel; kein Einziger aber betrat unsere Schlafzimmer. Viele der Burenkommandanlen sind in dieser Beziehung sehr rückstchtsvoll." Als eine Nichte des Farmers die Befürchtung aussprach, daß man zu viel Vieh tödte, erhielt sie die Antwort: „Oh, wir lassen unsere Leute nicht hungern, aber wir tobten nur, um Fleisch zu haben." Vor dem Abmarsch des Kommandos machte der Burenkommandant darauf aufmerksam, daß jede Mittheilung von seiner Anwesenheit an die Engländer verboten sei und daß jeder Hottentotte, der eS wagen werde, Nachrichten an die Engländer zu überbringen, damit rechnen könne, daß man ihn erschießen würde.
Aus Prollill! unb Achbargediel.
* Der in Aquidanana (Matto Grosso) in Brasilien als Auswanderungsagent thätige Carlos Rottenberger hat sich unter verlockenden Vorspiegelungen an auswanderungslustige Personen in Deutschland gewandt, um sie zur Auswanderung nach Brasilien zu bestimmen. Nach einer aus zuverlässiger Quelle stammenden Mittheilung muß dem Rottenberger mit dem größten Mißtrauen begegnet werden; es erscheint daher angebracht, vor einer derartigen Auswanderung zu warnen.
* Eine kleine Verbesserung hat die Reichspost- Verwaltung eingeführt: Die Formulare der Postanweisungen werden auf der Trennungslinie zwischen Anweisung und Abschnitt mit einer Schlitzdurchlochung versehen.
* Der Vorstand desDeutschenKriegerbundes hat an die Kriegervereine folgendes Rundschreiben er1 lassen: „Zahlreiche, von Verbänden, Vereinen und einzelnen Kameraden an uns gerichtete Zuschriften sprechen ihre Verwunderung aus, daß der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes oder der Vorstand des Preußischen Landes- Kriegerverbandes noch keine Protesterklärung gegen die Aeußerung des englischen Ministers Chamberlain erlassen hat, und sie drücken die Erwartung aus, daß eine solch« erfolgt. Der Vorstand des Preußischen Landes-Kcieger-
„Wenn das da oben sehr plötzlich taut, kann es schlimm werden, denn sobald die Wasser hier herunterstürzen, kommen sie mit elementarer Gewalt, daß sie den Boden zerwühlen, und dann müssen die armen Pflänzlein daran glauben, die jetzt so fröhlich dem Lichte entgegen streben "
„Kann man denn die jungen Schonungen nicht schützen?" erkundigte sich Hilde.
„Es sind alle möglichen Vorsichtmaßregeln getroffen- Doch wer weiß, ob sie imstande sein werden, das Geringste zu helfen! ES ist ein schlimmes Ding um solche Hochflut da draußen und hier in des Menschen Brust," fügte er mit einem eigentümlichen Lächeln hinzu. „Die Wasser bohren sich in die Tiefe, knicken die Blüte», die sich eben erschließen wollten und können ein ganzes LebenS- glück zu Grunde richten. Du hast so etwas noch nie erlebt, Hilde, und in deinem friedlichen Herzen ahnst du nichts von den Zerstörungen, die solche Hochflut anrichten kann, wenn sie über bie Seele fortgeht.
Das junge Mädchen war bleich geworden. „Gott behüte einen jeden vor so stürmischen Erfahrungen! hörte der junge Mann sie seufzen.
Da knackte es in den Büschen unb der braungefleckt« Hühnerhund des Waldhauses steckte seinen klugen Kopl durch das Gezweige. Gleich darauf trat auch der Ober« förster aus dem Dickicht, der feinem Töchterchen entgegen gegangen war. Als guter Jäger hatte er sich ci'' scharfes Auge für allerhand Fahrten bewahrt, und auch heute war er nicht irre gegangen. Was er gesucht, hatte er gesunden, und was er gewollt, erreicht, den Lippen, die jetzt in Enttäuschung zuckten, war das Wort abgeschnitten, das besser »»gesprochen blieb.
(Fortsetzung folgt.)