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Grati-be«agen r „SUnfirtrtts Ssnntagrblatt" «. „AUrrftristr LandWirthschafilichO VeUage".
St. 137.^icnftat ta 18. NsveylKr 1801.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 11.November 1901.
Die Herrew Ortsvorstände haben mir bis zum 5. Dezember d. I s. zu berichten, wieviel
I. Quittungskarten von Formular A (gelb),
2. „ „ « B (grau),
3. Quittungsformulare sürJnvaliden-Renten-Empfänger,
4. „ „ AlterS-
5. „ „ Unsall- „ „ (der
land- und forstwirthschaftl. BerusS-Gen.) für das Jahr 1902 voraussichtlich erforderlich sein werden.
Hierbei wird bemerkt, daß die QuittutigSkarte B nur für solche freiwillig Versicherte auszustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund versicherungspflichtiger Thätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind und daß diejenigen Personen, welche einmal dem VersicherungsZwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich freiwillig weiterversichern wollen.
V. 1052. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.
Steckbrief.
Gegen den unten beschriebenen Rekruten Valentin Knoth, geboren am 3. Juni 1877 zu Rohrbach, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Fahnenflucht verhängt.
Es wird ersucht, ihn zu verhaften und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Königliches Bezirkskommando I. Dortmund.
Nichtamtlicher Theil.
Zolltarif und Bundesrath.
Der Bundesrath hat, wie bereits gemeldet, die Berathung des Zolltarifs beendet und dessen Drucklegung soll mit der größtmöglichen Beschleunigung erfolgen, so- daß der Reichstag in der Lage sein wird, sich mit der hochwichtigen Vorlage nach seinem Zusammentritt sogleich
Hochflut.
Erzählung von A. von Lieltencron.
(Fortsetzung.)
IV.
Der Sommer war vorüber gerauscht, der Herbst verflogen, und der Winter breitete nun seine weiße Decke über Wald und Flur.
In dem eingeschneiten Jägerhäuschen saß Hilde am Fenster und stichelte eifrig. Jetzt hob sie den blonden Kops. „Weißt du, Väterchen, daß ich ordentlich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich wieder fort soll, um wich zu amüsiren?" wandte sie sich an den alten Herrn, der in eine Zeitung vertieft am andern Fensters saß. ..Euch vergeht ein Tag wie der andere, Ihr habt alle Hände voll zu thun und mich gebt ihr fort, nur um wir eine Freude zu machen."
„Nimm das Vergnügen mit, Kind, du hast dich hier dsav getummelt!" lobte sie der alte Herr. „Ich gönne wr den sorglosen und anregenden Aufenthalt bei den sieben Verwandten in Berlin, und wer weiß, ob du nicht tn der Ferne dein Glück machst!"
Hilde beugte sich tief über ihre Arbeit, eS sollte nie- "°"d sehen, wie heiß ihr bet den Worten des Vaters geworden war. Der aber stand auf, und, an sie heran- ^"end, zog er ihren Kopf an feine Brust: „Hilde, der "iel hat mir f0 agxrhand verraten von der Zeit in r 111 und von einem gewissen Jemand, der meinem
zu beschäftigen. Der Zolltarif hat innerhalb des BundeS- raths weder grundsätzliche noch auch sonst einschneidende Veränderungen erfahren, es hat sich vielmehr gezeigt, daß die Vertreter der Einzelstaaten wie die vorarbeitenden Reichsinstanzen völlig darin einer Meinung sind, daß sich die Zollpolitik des Reiches auf einer mittlern Linie zu bewegen habe, auf der allein ein möglichst gleichmäßiges Gedeihen aller wirthschaftlichen Kräfte des Volkes zu erreichen ist. Der Zolltarif der verbündeten Regierungen, wie er nunmehr dem Reichstage vorgelegt wird, hält sich von jedem Extrem fern; er bedeutet einen maßvollen Schutzzoll, wie ihn die Lebens-Jnteressen der für unser gesammtes nationales Leben unentbehrlichen deutschen Landwirthschaft fordern, doch dieser Schutzzoll hält sich in solchen Grenzen, daß er den Abschluß der für Industrie und Handel, also gleichfalls für unser wirthschaftliches Leben nothwendigen Handels-Verträge ermöglicht. Ein Beispiel mag zeigen, wie sich auch die vom Bundesrath beschlossenen Abänderungen durchaus auf dieser mittlern, jedem Extrem abholden Linie bewegen. Der Bundesrath hat, den dringenden Wünschen der westlichen Landwirthschaft entgegenkommend, Zollfreiheit für Kleie, Reisabfälle und feste Rückstände fettiger Oele, die wichtige Futtermittel därstellen, gewährt; Pro- ducte, für die ursprünglich 1 Mark Zoll auf den Doppel- centner veranschlagt war. Nach den letztjährigen Einfuhrsziffern bedeutet das einen Zollnachlaß von über 800000 Mark jährlich. Hierbei aber ist der Bundesrath stehen geblieben, und die weitergehende Forderung gewisser landwirthschaftlicher Kreise, alle Futtermittel, also auch Hafer, Gerste und Mais zollfrei zu lassen, hat er nicht berücksichtigt.
Extreme Forderungen sind von den Interessenten hüben wie drüben zum Zolltarif bei den Verhandlungen gestellt worden, nicht nur von den Landwirthen; mancher Industrielle, der als Mitglied des Handelsvertrags-Vereins sich für den absoluten Freihandel begeistert, hat für die Erzeugnisse seiner Industrie Zollschutz, ja einen extrem hohen gewünscht. Die vorarbeitenden Instanzen und der Bundesrath sind im Interesse des allgemeinen Wohls auf etwaige extreme Wünsche, von welcher Seite sie auch immer laut wurden, nicht eingegangen; am Reichstage wird es nun sein, denselben objectiven, maßvollen Standpunkt einzunehmen und eine geschlossene Mehrheit für den vorgelegten Zolltarif zu bilden. Nur so kann es gelingen, die hochwichtige Vorlage zu einem für alle
Töchterlein knicht gleichgiltig sein soll und der selbst starke Absichten zeigt."
„O Väterchen, Väterchen, so weit ist es noch lange nicht!" wurde er unterbrochen. „Ich habe manchmal gedacht, gehofft — gewünscht! Aber was geht so einem jungen, dummen Ding alles durch den Kopf!" und sie verbarg ihr glühendes Gesicht an des Vaters Schulter.
Zärtlich streichelte er ihre Wangen. „Der Onkel weiß ihn nur zu loben und scheint selber vernarrt in den hübschen Jungen zu sein, da wollte ich dir, ehe du wieder mit ihm zusammen kommst, nur sagen, Hilde, daß du unsern Segen mit dir nehmen kannst. Weiß Gott, Kind," fuhr er mit tiefem Ernste fort, „meine Aelteste von euch fünfen sicher geborgen zu wissen in einem schönen, glücklichen Nest, das nehme mir einen Sorgenstein von der Brust, und da liegt so mancher, der mich drückt."
Das Mädchen hob den Kopf und schaute ängstlich in das umdüsterte Antlitz des Vaters. Sie kannte es von Kind auf nicht anbei 6, als daß man sich »inrichten mußte, und war ihr das auch nie schwer geworden, denn sie meinte in ihrem Frohsinn, alles zu haben, was das Herz begehren könne. In dem einfachen Haushalt einer zufriedene» Familie war auch selten eine Klage laut geworden, und nun schnitt es ihr ins Herz, diesen sorgenvollen Zug in dem geliebten Antlitz zu sehen, und schüchtern fragte sie: „Seitdem wir alle größer geworden sind, ist wohl das Durchkommen auch viel schwerer?"
Der Oberförster war eine Willensstärke Natur, der es nicht ertragen konnte, den Blick seines Töchterchens
wirthschaftlichen Stände und damit für das allgemeine Volkswohl ersprießlichen Ende zu führen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 16. November.
Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher vorgestern Nachmittag 3 Uhr 5 Min. von der Station Wildpark nach Jävenitz abgereist war, ist am Abend wohlbehalten im Jagdschloß Letzlingen eingetroffen. Wie gestern, hält Se. Majestät auch heute in den dortigen Forsten große Hofjagden ab. — Ihre Majestät die Kaiserin ertheilteZheuteMittag um 12 Uhr im Neuen Palais dem persischen Gesandten Mahmud Khan Kadschar die erbetene Audienz.
Bei der heutigen Hofjagd in Letzlingen wurden zurIStrecke gebracht: 890 Stück Damwild und 236 Hauen. Die Sonderstrecke Sr. Majestät des Kaisers betruglböZSchaufler und 18 Sauen.
Aus Darmstadt wird berichtet: Der „Darmstädter Zeitung" wird von wohlunterrichteter Seite mitgetheilt, der Großherzog habe den dringenden Wunsch geäußert, daß unfreundliche Bemerkungen über die Groß- Herzogin, wie sie in letzter Zeit vielfach in der Presse geäußert worden seien, unterlassen werden sollten.
Zu den deutschenProtestkundgebungen gegen Chamberlain erhält die „Conservative Correspondenz" von hervorragender Stelle aus der Partei die folgende Zuschrift: „Die Protestkundgebungen gegen die Cham- berlainsche Beleidigungen gegen die deutsche Armee entspringen einem berechtigten Unwillen und entsprechen dem in ganz Deutschland herrschenden Gefühl. Indessen ist zu besorgen, daß diese Kundgebungen in England die entgegengesetzte Wirkung von dem, was man beabsichtigt, hervorbringen werden. Englische Minister pflegen Ge- wohnheitsreden zu halten, welche der Gesinnung und dem Geschmack der Zuhörer angepaßt sind, und es ist unzweifelhaft, daß in England gepfefferte Angriffe auf Deutschland gern gehört werden. Jglwrirt man solche Aeußerungen, so werden sie nach wenigen Tagen vergessen. Bespricht man sie aber und protestirt eifrig dagegen, dann thut man dem Herrn Chamberlain den größten Gefallen. Weit entfernt davon, ihn in den Augen seiner Landsleute als Berläumder zu brandmarken, erhöht man sein Ansehen, das in letzter Zeit wegen der Mißerfolge
getrübt zu sehen. Er erwiderte daher lächelnd: «Wenn wir unsere Aelteste glücklich und gut versorgt wissen, dann ist schon ein Anfang gemacht zum Aufatmen, und allmählich findet sich auch das andere."
Den Korb voll AusbesserungSwäsche in beiden Händen tragend, suchte jetzt die Frau Oberförster in die Thür Hereinzugelangen. Sie hatte des Gatten letzte Worte gehört, und als Hilde zusprang, um ihr zu helfen, nickte sie ihr freundlich zu: „Das Glück kommt niche alle Tage! Wenn'S aber der liebe Gott einem Menschen bescheren will, so soll der herzhaft zugreifen. Doch thue es nur dann, Töchterchen, wenn dein Herz auch fröhlich „ja" dazu jagen kann! Das war's, waS der Vater und ich dir noch klar machen wollten, ehe wir dich fortgaben. Und nun sieh noch schnell mit mir einmal die Wäsche durch! Die Jungens reißen jetzt alle Strümpfe entzwei, da ist kein Haltens mehr."
Frau von Barby hatte ihren Fensterplatz eingenommen, und Hilde holte aus dem Korbe immer wieder kurze und lange Strümpfe, die alle den Stoßseufzer der Mutter rechtfertigten und den Beweis dafür lieferten, wie munter die Jungens ihre Füße brauchten.
„Wenn ich doch wenigstens die AusbesserungSwäsche nach Berlin bekäme, damit ich dir etwas abnehmen könnte," schlug Hilde zaghaft vor.
„Unsinn, das kommt nicht vei dem Porto heraus; Die Grete muß jetzt mehr heran, dann können wir beide schon ganz gut damit fertig werden!" entschied die resolute Mama. „Ja,was ich dir aber noch sagen wollte, Kind, es war mir im vorigen Jahre einmal, als ob