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HersselSer Misblatt.
Gratisbeilagen * „IUnftrirtes Ssnnragsbiatt" «. „Allnftriste ian-Wirthschaftliche VeUage".
»r. IK. Lomerstag hn 11 Meuckr 1961.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 11. November 1901.
Die Schulstelle in R o t e n s e e wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers derselben vom 1. Dezember d. Js. ab frei.
Bewerber um dieselbe, deren Einkommen neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung besteht (der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.), wollen ihre MeldungSgesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Befähigungs-Zeug- Nissen bis spätestens zum 5. Dezember d. J. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Feyerabend in Hersfeld oder dem Unterzeichneten ein« reichen.
Der Königliche Schulvorstand: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath und Landrath.
I. I. 6295.
Hersfeld, den 9. November 1901.
Unter der Schafheerde des Peter Wolff dahier ist die Räude ausgebrochen.
1 6268. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Zugelaufen: ein weißer Hund mit schwarzbraunen Flecken, männlichen Geschlechts. — Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
Nichtamtlicher Theil.
Die Einbringung des Zolltarifs im Reichstage.
Nachdem die Ausschüsse des Bundesraths den Entwurf eines Zolltarif-Gesetzes nebst Zolltarif in ihren seit Anfang Oktober schwebenden Vorberathungen erledigt haben, ist am Montag das preußische Staatsministerium unter dem Vorsitz des Grafen Bülow zusammengetreten, um sich über die von den Bundesraths-Ausschüssen vorgeschlagenen Aenderungen und über die weitere Behand»
Hochflut.
Erzählung von A. von Lieliencron.
(Fortsetzung.)
Noch völlig verwirrt durch diese unerwartete Begegnung, fand Hilde nicht so schnell ein Wort der Aufklärung; ihr leises „mein Vetter", überhörte der Graf, denn eben trat der Baron Müller heran, der sich von seinem Freunde verabschiedet hatte, und nun die Nachzügler aufsuchte. '
»Graf Siegfried, ei der Tausend! Wo kommen Sie denn her?" wunderte er sich und schüttelte dem jungen Manne die Hand. „Ich glaubte Sie auf Ihren Gütern oder bei Ihrem Rennsport betheiligt!'
„Ich bin bei den Garde.Ulanen eingetreten, um mein abzudienen, denke aber diese Zeit noch etwas aus- zudehnen, denn es geht mir ganz vortrefflich hier, und der Königliche Dienst läßt mir noch freie Hand für das Vergnügen des edel» Sports," wurde ihm lachend er- widert. „Heute scheine ich verurtheilt zu sein, mich mmer demütigen zu müssen. Kaum hat dieser schöne Mund mir Absolution ertheilt, so zwingen mich die Ver- Haltnisse zu einer neuen Beichte. Mein Vater beauftragte ""ch, seinem alten Studiengenossen, dem Baron Müller, mne Grüße zu übermitteln. Ich war saumselig, der bleust Seiner Majestät, die Arbeit auf dem Rennplatz und die Freuden der Salons füllten meinen Tag so »u«, daß kein halbes Stündchen übrig blieb!"
„Verstehe das alles !" nickte der Baron gut gekannt.
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lung der Vorlage im Plenum des Bundesraths schlüsstg zu machen. Man darf annehmen, daß in den Ausschuß- Berathungen keine tiefgehenden Veränderungen an dem Entwürfe vorgenommen worden sind; insbesondere dürfte das neue Zollschema, sowie auch der für Getreide vorgeschlagene Doppeltarif im wesentlichen unverändert geblieben sein. Jedenfalls ist nicht zu erwarten, daß die Verhandlungen im Plenum des Bundesraths noch längere Zeit in Anspruch nehmen werden. Die Einzelregierungen haben die Zeit seit der Vertheilung des Entwurfs an den Bundesrath im vergangenen Juni benutzt, um in Fühlung mit den wirthschastlichen Jnteressen-Vertretungen ihrer Staaten eine sorgfältige Prüfung vorzunehmen. Die Entscheidung im Bundesrathe wird also in aller Kürze fallen.
Am 26. d. Mts. nimmt der Reichstag seine Sitzungen wieder auf, bis dahin wird der Zolltarif als Reichstags- Vorlage fertig sein, und es ist sogar der Wunsch des Reichskanzlers, den Entwurf nebst der umfangreichen Begründung den Reichstags-Abgeordneten schon vor der ersten Reichstags-Sitzung zugehen zu lassen, damit die Plenar-Berathungen im Reichstage möglichst bald beginnen können, worin alle Parteien einig sind. Graf v. Bülow hat Anweisungen zu möglichster Beschleunigung des Druckes der Vorlage nach den Beschlüssen des Bundesraths ergehen lassen. Treten also nicht technische Hindernisse entgegen, so werden die Abgeordneten schon vor der ersten Sitzung des Reichstags in der Lage sein, die Vorlage zu studieren, und kann dann alsbald, jedenfalls noch vor Ablauf des Monats, die erste Lesung im Plenum beginnen.
Politische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag von 9 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Militär- kabinets Generalmajors Grafen v. Hülsen-Haeseler und daran anschließend diejenigen des Chefs des Admiralstabes der Marine Vizeadmirals v. Diederichs und des Chefs des Marinekabinets Vizeadmirals Freiherr» von Senden-Bibran. Um 123/4 Uhr nahm Se. Majestät militärische Meldungen entgegen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von der „Neuen freien Presse" gebrachteMeldung über einen für das kommende Frühjahr beabsichtigten Aufenthalt Ihrer
„Genieren Sie sich deshalb nicht, ich nehme die Grüße auch jetzt noch an l"
„Sie werden mir gestatten, daß ich in diesen Tagen das Versäumte nachhole I" bat der Graf. Mir liegt zugleich daran, mich nach dem Befinden Ihrer Jungen Schutzbefohlenen zu erkundigen, die mein Schimmel beim Passieren des Fahrdammes erschreckte!"
„Wenn Sie mit der Schutzbefohlenen dieses junge Menschenkind meinen, meine Nichte und Pflegetochter, so kann ich Sie beruhigen. Wir haben nicht so zarte Nerven und erholen uns bald von einem kleinen Schreck. Aber mir, scheint, ich muß das junge Kücken, das zum erstenmale in die Stadt kommt, selbst schützen, sonst kommt es mir doch noch unter die Räder," neckte er und bemächtigte sich ihres Armes.
Graf Herder empfahl sich mit einem fröhlichen „Also ich darf auf ein Wiedersehen hoffen?" — und Hilde sah, wie seine schlanke Gestalt sich elastisch auf den Wagen schwang.
Noch ein tiefer Gruß mit der Peitsche, die im eleganten Bogen fast den Erdboden berührte, dann trabte der ungeduldige Araberschimmel davon.
Die drei andern setzten ihren Weg schweigsam fort. Hildens Gedanken beschäftigte der Held Siegfried, und Willibald blickte finster vor sich hin, das vergessene Nosen- sträußchen in der Hand; nur der Baron warf ab und zu ein paar Worte hin, die aber selten Antwort fanden.
Erst als er sein Nichtchen nach dem Vorfall auf dem Straßendamm fragte, fanden die rosigen Lippen die Sprache wieder.
Majestät der Kaiserin in Abazzia wird uns von zuständiger Seite als unbegründet bezeichnet.
Am Donnerstag trifft derGroßfürstWladimir von Rußland in Berlin ein und begiebt sich nach dem Neuen Palais, um mit dem Kaiser nach Setzlingen zu fahren.
Reichskanzler Graf Bülow empfing heute den russischen Botschafter Gras Osten-Sacken, der gestern vom Urlaub nach Berlin zurückgekehrt ist, zu einer längeren Unterredung.
Der deutsche Handelstag hat wiederum eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in welcher er zwecks Herstellung voller Einheitlichkeit im A i ch w e s e n für das ganze Deutsche Reich um Festlegung der Aichgebühren auf den niedrigeren bayerischen Satz bittet.
Der preußische Finanzminister hat eine Umfrage an die Zoll- und Steuer-Direktionen gerichtet, um Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildung derZoll-und Steuer-Beamten zu erlangen. Der Rheinische Provinzial-Verband des Allgemeinen deutschen Verbandes der technischen Zoll- und Steuer-Beamten verlangt die Einrichtung besonderer Fachschulen für die Zoll-Beamten, bei deren Besuch die Vorbildung eines Ober-Realschul- Abiturienten vorausgesetzt werden soll. Außerdem sollen bei den Hauptämtern einsemestrige Abendkurse von wöchentlich acht Repetitions-Stunden eingerichtet werden.
Hinsichtlich der Frage der Vermehrung der Spiritus- brennereien'ist in einer Vorstandskonferenz der preußischen Landwirthschaftskammern der Beschluß gefaßt worden, die landwirthschaftlichen Kreise mit Rücksicht auf die übermäßige Steigerung der Spiritusproduktion vor der Errichtung neuer Brennereien zu warnen. Obwohl eine solche Warnung schon vor längerer Zeit ergangen, ist eine wesentliche Unterbrechung in der Neu- anlage von Brennereien nicht eingetreten, so daß dadurch die Lage des Spiritusmarktes in steigendem Maße ungünstig beeinflußt wird. In den Organen der Land- wirthschastskammern wird jetzt die Mahnung von Neuem an die betreffenden Kreise gerichtet, in Bezug auf den Bau von Brennereien die äußerste Vorsicht walten zu lassen, da es sonst zu einer verhängnißvollen Krisis im Brennereigewerbe kommen müsse.
Hinsichtlich des Titelwesens der Medizinalbe- amlen ist bestimmt worden, daß auch die Gerichtsärzte, soweit sie am 18. Juni 1901 (dem Tage, von dem ab die Titel der Kreisärzte geändert wurden) den Titel
„Gute Nacht, Onkel Otto — Gute Nacht, Hilde! Uebermorgen abend fahre ich zurück nach Sternfelde," unterbrach Willibald die Erzählung seines Väschens. „Ich werde hier nach Hause gehen!"
„Gleich, gleich, mein Junge!" nickte der alte Herr. „Leiste nur noch mal einen Augenblick deiner Cousine Gesellschaft! Ich muß hier notwendig den Portier sprechen, bin aber gleich znrück!"
Das junge Mädchen schaute ihren verstimmten Gefährten an. „Warum siehst du denn aus wie sieben Tage Negenwetter?" scherzte sie mit ihrem sonnigen Lächeln.
Er nahm ihre Rechte und vergaß, ihre Hand wieder freizugeben. „Ich bemühe mich, auch für mich einen Herzenswunsch zusammenzustellen, und es quälte mich, ob der auch vergebens sein könnte," lautete seine Antwort.
Jnteressirt hob sie das Köpfchen. „Verrate mir, was ist es?" schmeichelte sie.
Er zögerte, und ihr wurde heiß unter dem sestsamen Blick, mit dem er sie anschaute. „Ich wollte," meinte er langsam, „ich könnte dich in dem alten Hause mit den Hirschgeweihen festhalten. Der Wa^ld sollte dich nicht ohne Erlaubnis frei gebe», bis die Stunde schlägt, wo dich ein starker Arm hinaus holt und ins eigene Nest trägt!"
Verwundert schauten ihn die dunkeln Mädchenaugen an, doch er nahm sich keine Zeit, eine Antwort abzu- warten. Stumm drückte er feinem Bäschen die Moos- rosen in die Hand, winkte dem Baron, der eben erschien,