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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 30. Oktober 1901.

Nachstehend veröffentliche ich die Nachweisung über die Ergebnisse der Herbstkörung der Zuchtbullen im Kreise.

Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gen- darmerie haben strengstens darüber zu wachen, daß die zur Körung nicht vorgeführten und die für untauglich befundenen Bullen zur Nachzucht nicht verwendet werden.

Zuwiderhandlungen gegen die Polizeiverordnung vom

17. Januar 1879 Kreisblatt Nr. 8 sind unnach- sichtlich zur Bestrafung zu bringen.

I. 5970. Der Königliche Lanbrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nachweisung über die Körung der Zuchtbullen im Herbst 1901.

's

c

Gemeinde.

Anzahl der

Bullen.

Namen der Eigenthümer.

Datum der

Körung.

Resultate der Körung.

Bemerkungen,

Alter und Race der Bullen.

Nähere Bezeich­nung der Bullen nach Farbe und Abzeichen.

Resultat der Körung.

A. Körungsbezirk Hersfeld.

1 Gittersdorf

1

Landwirt Johs. Schmidt II.

19. Oktbr.

1 / Jahre Simmenthaler Kreuzung

Rotschack

nicht tauglich

2 Mecklar

1

Gastwirt Claus

P/4 Jahre Franken-Race

Gelb

brauchbar

3 Obergeis

1

Valentin Reiffert

P/4 Jahre Simmenthaler

Gelbschack

4 Oberhaun

1

Johann Peter Dehnhard

li/4 Jahre Simmenthaler

kk

ff

5 Wippershain

1

Landwirt Johs. Eidam II.

!/, Jahre Simmenthaler

ff

I,

6 Unterhaun

1

Peter Jacob

2 Jahre Simmenthaler .

ff

ff

7 Hilperhausen

1

WittwejdesWhilipp Altmüller

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

Rotschack

n

1 Frielingen

1

Gutspachter Carl Eschstruth

11. Oktbr.

B. Körungsb«ztrk Siede

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

raula.

grauschäckig

tauglich

2 Kerspenhausen

1

Landwirt I. I. Schenk

1 Jahr Simmenthaler Race

gelbschäckig

m

3 Kirchheim

1

Gutspachter Wilh. Hold

1' /, Jahre Simmenthaler Kreuzung

gelb mit Blesse

H

1

Derselbe

P/4 Jahre Simmenthaler Race

hellgelb

gut

Nicht erschienen.

4 Reimboldshausen

5 Solms

1

1

Landwirt Johs. Bornemann

Landwirt Friedrich Horn

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

weißgelb

tauglich

C. Körungsbezirk Friedewald.

1

Friedewald

1

Gutsbesitzer Heinr. Hoßbach

22. Oktbr.

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

gelb

gut

Muß nochmals vorgeführt werden.

2

Herfa

1

Landwirt Adolf Westermann

1'4 Jahre Simmenthaler Krenzung

Weißschack

noch zu jung

3

Harnrode

1

Landwirt Gustav Theune

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

Rotschack

gut

Nicht erschienen.

4

Wölfershausen

1

Gutsbesitzer Georg Gliemeroth Gemeinde Heringen

Rotschack

5

Heringen

1

2 Jahre Bern er Race

gut

FürHeringen derZuchtrace wg. ungeeign.

6

1

Landwirt Mansius

2 Jahre Franken-Kreuzung

rotgelb

unbrauchbar

D. Körungsbezirk Schenklengsseld.

Nicht erschienen.

1

Conrode

1

Landwirt George Altmüller

17. Oktbr.

2

Lampertsfeld

1

Landwirt Johs. Wolf

1'/» Jahre Simmenthaler Kreuzung

Gelbschack

gut

Nicht erschienen.

3

Philippsthal

1

Landwirt Adam Kropp

4

Unterweisenborn

1

Gutsbesitzer Adolf Reinhard

ff

P/4 Jahre Simmenthaler

Rotschack

gut

5

1

Burghard Rüger

2 Jahre Simmenthaler

ff

If

6

Hillartshausen

1

Bürgermeister Hahn

P/4 Jahre Simmenthaler Kreuzung

Erst vom 1. Febr. 1902 ab sprungfähig.

7

Wehrshausen

1

Georg Mohr

"

1 Jahr Simmenthaler

Gelbschack

"

Hochflut.

Erzählung von A. von L i e l i e n c r o n.

Langsam senkte sich der Vorhang im Opernhaus« zu Berlin, ein Beifallssturm brauste durch den hohen Raum und wuchs immer ungestümer, bis der Geseierte des Abends Held Siegfried sich noch einmal dem be­geisterten Publikum zeigte, an seiner Hand Brunhtlde, das schöne bezwungene Weib führend.

Der hochgewachsene junge Mann in der Eckloge des ersten Ranges klatschte so nachdrücklich und unermüdlich, daß es schien, als müsse er für jedes andere Geräusch taub bleiben, und doch vernahm er da» tiefe Aufathmen an seiner Seite.

Ist es schön, Hilde ?' wandte er sich an seine jugend­liche Nachbarin, deren strahlendes Auge noch an der Bühne hing.

Wie aus einem Traume erwachend, schaute sie ihn an, und nun erst gewahrte er die leuchtenden Tropfen an den dunkeln Wimpern.Herrlich!" flüsterten ihre Lippen, um die es verräterisch zuckte.

Kinder, wo bleibt ihr 1" tönte aus der Logenthür, und die ältere Dame im dunkeln Seidenkleide wandle sich ungeduldig zurück.Willibald, nimm dich deiner Cousine etwas an! Das Kind ist ganz benommen von all dem Neuen, was sie gesehen und gehört hat I Ihr müßt eilen, die andern sind schon in der Garderobe 1"

Nur zögernd folgte das junge Mädchen der mütter- lichen Ausforderung, und die zierliche Gestalt reckte sich gerade, als der Onkel jetzt lachend ihren Arm nahm und behauptete, wer so frisch au» der Pension käme, müsse die Siegsriedssage sicher am besten wissen, und da

I möchte sie ihm nun einmal verraten, ob alles sich wirklich so verhielte, oder ob man dabei ein bißchen geflunkert habe.

Empört darüber, daß man sie so unbarmherzig aus ihrer Stimmung riß, wollte sie sich nun aber durchaus nicht wie ein Pensionskind benehmen, sondern sehr weise antworten. Doch weil ihr so schnell nicht» Kluges ein- fiel, schwieg sie lieber still und begnügte sich damit, das spitzenumhüllte Köpfchen etwas höher zu tragen.

Die elegante Equipage des reichen Rentiers Baron Müller hielt an dem Portal des Opernhauses, und Onkel Ottos Prachtrappen wie Hilde sie nannte knirschten bereits ungeduldig an ihren Stangen. Doch heute bot eine Wanderung unter dem Sternenhimmel mehr Reiz für die junge Dame, als die Aussicht, sich in dem Lan­dauer in raschem Trabe durch die Straßen führen zu lassen. Der Onkel, der sein hübsches Nichtchen genau kannte, klopfte ihr freundlich auf die Schulter:

Was meinst du, Töchterchen," schlug er vor,wenn ich dazu rate, daß wir die beiden Mütter nachhause fahren lassen und wir drei jungen Leute schwärmen noch ein bißchen im Mondschein und schnappen dabei frische Luft, je nach Belieben!"

Hilde hatte längst vergessen, daß sie sich sehr weise und würdevoll benehmen wollte, sie hing sich wie ein fröhlicher Kind an den Arm des alten Herrn und ver­traute ihm flüsternd an, daß er der allerbeste Onkel von der Welt sei.

Ein herzhaftes Lachen antwortete ihr, und der Ge­schmeichelte versicherte, er würde sein Töchterchen noch öfter der Mama entführen, denn für ein Paar so neu­gierige Augen, wie sie aus ihrem Gesicht herausschauten, seien in der Großstadt tausend Dinge zu sehen,und,"

fügte er wichtig hinzu,dafür werde ich schon zu sorgen wissen, daß sich unser Püppchen prachtvoll amüsirt!"

Er war eben im besten Zuge, ein Bild der Herrlichkeit entwickeln zu wollen, die das hübsche Nichtchen in seinem Hause erwarten sollte, als ein Bekannter ihn begrüßte und sich ihm anschließend, lebhaft die Unterhaltung an sich riß.

Gelangweilt von einem Gespräch, dem sie nicht folgen mochte, blieb Hilde hinter den beiden Herren zurück und wanderte nun an der Seite des Better», dem kein Wort, kein Blick des jungen Mädchens entgangen war und der jetzt, sich zu ihr beugend, fragte:Möchtest du wirklich einmal für Monate hier in Berlin fein?"

Gespannt hingen dabei seine Augen an ihren Lippen, und als diesen nur ein kurzesich weiß nichtI* ent­schlüpfte, da fragte er mit sichtlichem Umgestüm weiter: Ist es denn nicht viel tausendmal schöner bei euch in euerm Walde, in dem epheuumrankten Hause mit den Hirschgeweihen, wo des Oberförsters ältestes Löchterlein sich mit der Geschwisterschar tummeln kann? Möchtest du das alles verlassen

Er hatte lebhaft gesprochen, und die frischen Züge des jugendlichen Antlitzes drückten die Wärme seines Ge­fühls aus.

Doch feine reizende Gefährtin hatte noch nicht das Gleichgewicht ihrer Seele wiedergefunden; sie zuckte un­mutig die Schultern.Quäle mich doch nicht mit deinem möchtest du möchtest du!" zürnte sie.Ich weiß selbst nicht, was ich will, und muß immer noch an den Recken Siegfried denken, den ich nicht vergessen kann! Ich meine, von solchem Helden bezwungen zu werden und dann alle» hinzugeben da» das muß doch etwas Großes sein!"