verschließen und die erstmalige Besetzung durch Gehülfen, welche eine Dienstzeit von 10 Jahren hinter sich haben, vorzunehmen." Ferner: „Wenn in der Folge die Stellen den Militäranwärtern mit zugänglich gemacht werden müssen, daß Letztere mit den Gehülfen, welche 5 bis 10 Jahre beschäftigt sind, zu gleichen Theilen in die vor- handenen Stellen einrücken."
* Im Herzogthum Sachsen-Meiningen ist die ärztliche Untersuchung bet Schulkinder durchgeführt und hat eine Reihe schätzbarer Beobachtungen gezeitigt. Es ergab sich zum Beispiel, _ daß an Orten, wo die Lungentuberkulose unter Erwachsenen furchtbar grassirt, diese Krankheit bei Kindern verhältnißmäßig selten ist. Unter 11 835 waren kaum 50 von ihr befallen. Der Saalebzirk zeichnet sich durch bie Häufigkeit der Schwerhörigkeit aus, manche Orte zeigen 15 bis 18 pEt. In einem Kreis ergab sich, daß die Kinder vor dem Unterricht Morgens kein warmes Getränk, dagegen Alkohol genossen hatten. In der betreffenden Gegend ist die Skrophulose sehr verbreitet, zu der später bei Industriearbeitern meistens bie Lungentuberkulose tritt. Im Werrathal wurden häufig Herzkrankheiten (von 1462 Untersuchungen 98) beobachtet. Keine Er. klärung hat man für das häufige Vorkommen von Kröpfen am großen Gleichberg, nämlich 28 unter 93. In einzelnen Bezirken wird sehr über schlechte Zähne geklagt; an einer Stelle waren unter 303 Gebissen nur 3 gute. Bedenklich groß ist natürlich die Zahl der Sehstörungen in den höheren Schulen. Die Ergebnisse der Untersuchungen haben in Ausstattung der Schulgebäude und dergl. zu Verbesserungen geführt.
Her Krieg in Sühafrifn.
Am 11. Oktober waren, wie bereits gemeldet, zwei Jahre verflossen, seit der Krieg in Südafrika begann, und noch immer ist das Ende nicht abzusehen. Wiederholt haben die Engländer triumphierend verkündet, daß der Krieg thatsächlich zu Ende gehe, da die Buren geneigt seien, sich in das Unvermeidliche zu fügen. Der Krieg ist aus! hieß es in der Londoner Presse, als Lord Roberts Bloemfontein, die Hauptstadt des Oranjestaates, besetzt und die Einverleibung dieses Staates feierlich ausgesprochen hatte. Auf Grund ihrer einseitigen Be- richt-Erstaltung, die noch heutigen Tages die wirkliche Lage auf dem Kriegsschauplatze nicht erkennen läßt, glaubten schon damals die Engländer, daß die Buren angesichts der Unfähigkeit, die militärischen Operationen fortzusetzen, selber geneigt seien, die britische Herrschaft anzuerkennen. Als dann einige Wochen später Lord Roberts in Pretoria einzog, erscholl abermals der Ruf: der Krieg ist aus! und nahezu einstimmig, wenn auch mit beklommenem Herzen und unter Klagen, wiederholte diese Worte die europäische Presse. Fast niemand wagte mehr daran zu zweifeln, daß das Schicksal der südafrikanischen Republiken endgiltig besiegelt sei und die Buren ihre staatliche Selbstständigkeit verloren hätten.
Seitdem sind anderthalb Jahre vergangen, aber die bedingungslose Unterwerfung der Buren und die Herrschaft Großbritanniens in Südafrika sind keineswegs erzielt. Das Ansehen des britischen Reiches, das durch die Einnahme der Hauptstädte der beiden Republiken einigermaßen wieder hergestellt schien, erlitt durch die Niederlagen in dem zweiten Abschnitte des Krieges noch schwerere Erschütterungen als in dem ersten. Bevor Lord Roberts die Heimreise antrat, hatte er festgestellt, daß das, was jetzt allenfalls noch auf militärischem Gebiete zu thun bleibe, nicht mehr ein Krieg zu nennen sei, sondern nur noch ein Kesseltreiben gegen „plündernde Räuberbanden". Weit über ein Jahr betreibt die englische Armee dieses Kesseltreiben, aber der erwartete Erfolg bleibt aus. Obwohl Lord Kitchener mindestens alle acht Tage lange Berichte nach Hause schickt, in denen er
zusammenzählt, wie viele Ochsen, Pferde, Wagen, Gewehre, Patronen rc. erbeutet und wie viel Buren seit seinem letzten Geschäftsberichte verwundet, getödtet und gefangen genommen worden sind oder sich freiwillig ergeben haben, so ändert das nichts an der Thatsache, daß die Engländer immer neue Schlappen erleiden und bisher nicht einen einzigen der Burenführer, die in dem zweiten Theile des Krieges eine hervorragende Rolle spielen, überwunden haben. Ja die Verhängung des Kriegsrechts über die Kapkolonie ist das Geständniß Englands, daß die militärische Lage in Südafrika sehr bedenklich geworden und seine eigene Kolonie nur durch äußerste Mittel zu retten ist.
Das sittliche Ergebniß des zweijährigen Ringens steht schon fest: es ist für die Engländer so ungünstig wie nur denkbar. Auch wer nicht die Auffassung theilt, daß alles Recht in diesem Streite auf Seiten der Buren und alles Unrecht auf Seiten der Briten sei, vermag sich der Erkenntniß nicht zu entziehen, daß England durch die Art, wie es sein wirkliches oder vermeintliches Recht durchzusetzen bemüht ist, sich der menschlichen Gesittung gegenüber ins Unrecht gesetzt hat. Daß England schweigend zusieht, wie seine Söldnerheere gegen das freie, christliche Volk der Buren wüthen, wie die Farmen der Vertheidiger ihrer Unabhängigkeit niedergebrannt, ihre Frauen und Töchter geschändet, Tausende wehrloser Weiber, Greise und Kinder zusammengetrieben und dem Hunger und den Seuchen preisgegeben werden, — daß die englische Nation diese entsetzlichen Dinge geschehen läßt und mit ihrer Flagge deckt, das wird ewig ein Schandfleck auf ihrem Namen bleiben.
Die einzige gedeihliche Lösung der südafrikanischen Frage liegt in einer Verständigung, wobei den Buren ihre Freiheit gelassen wird, Heute wehrt sich England noch gegen jedes Zugeständniß und verharrt bei dem Programme Chamberlains und Salisburys, wonach von der Unabhängigkeit der Buren kein Fetzen übrig bleiben dürfe. Allein wenn es den Buren gelingt, den Krieg hinzuziehen, dann wird sich die im Rechnen so überaus tüchtige britische Nation endlich doch fragen müssen, ob sie um der Rechenfehler ihrer gegenwärtigen Lenker willen es wirklich darauf ankommen lassen soll, sich zu verbluten. Ueberall, wo Englands Interessen auf dem Spiele standen, hat es, so lange es in Südafrika festliegt, an Ansehen eingebüßt. Südafrika, Mandschurei, Nikaragua-Kanal, Afghanistan, Irland — das find die Glieder einer Kette, von der man noch nicht weiß, wie sie schließen wird. Von Südafrika geht eine Erschütterung des britischen Weltreiches aus. Wird ihr nicht Einhalt geboten, so kann die Prophezeihung des Fürsten Bismarck, Südafrika werde das Grab der englischen Größe sein, zur Wahrheit werden.
Middelburg,11. Oktober. Kommandant Lotter ist heute früh hingerichtet worden.
Kapstadt, 12. Oktober. In Barkly West wurde ein zum Tode verurtheilter Farmer zu zehn Jahren Zwangsarbeit begnadigt, bei einem Farmer in Jacobs- dal wurde die Todesstrafe in Deportation umgewandelt. Ein früherer Feldkornet in Vryburg war zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurtheilt worden; die Strafe wurde auf 3 Jahre herabgesetzt. Die über einen Farmer in Vry- burg verhängte Todesstrafe wurde in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt. Zwei junge Farmer, die zweimal zum Feinde übergegangen waren, wurden heute früh in Vryburg durch den Strang hingerichtet. In Worcester wurde ein Farmer zu einer Geldstrafe von 100 Pfund Sterling bezw. 9 Monaten Hast verurtheilt, weil er auf seiner Farm Lebensmittel für mehr als sieben Tage hatte.
Aus Provinz nnii Anchtnrgetiet. ' ;
* Das Graben im Herbste — das leider in i « vielen Gärten gänzlich unterbleibt — ist von der größten t Wichtigkeit. Ganz verkehrt ist es jedoch, wenn, wie es häufig geschieht, im Herbst ebenso gegraben wird wie im e Frühjahre. Im Herbst muß alles Gartenland g^z c grob umgegraben werden, man darf es auch nicht M ? hacken, damit Frost, Schnee, Luft und Regen leicht in t den Boden eindringen können. Das zu feine Umgraben im Herbste ist nicht viel besser, als wenn es garnicht i geschieht, denn das Land wird dadurch, wenn feuchtes ‘ und regnerisches Wetter eintritt, eher fester als locker. j Die Erde verkittet und erschwert dem Frost, dem Locker- 1 und Fruchtbarmacher, den Eintritt. Gräbt man aber große Stücke und Schollen, so liegt die Erde hohl und i verbröckelt im Winter, und die Winterfeuchtigkeit kann i tief in den Boden dringen. Ein anderer Vortheil des i richtigen Grabens im Herbste ist noch der, daß das Land i im Frühjahr schneller trocken wird und daher ein früh- , zeitiges Bearbeiten ermöglicht. f
* Den Rekord für „Zugaben" an Häuser hat jetzt der Inhaber eines Schuhwaarenhauses in Stettin aufgestellt, wo das Zugabeunwesen in hoher Blüthe steht. Es erhalten bei einem Einkauf von 4,25 Mk. an; der erste Kunde einen Regenschirm, der fünfte einen Huh der zehnte ein Paar Hausschuhe, der 20. ein Paar Hosenträger, — Alles „elegant" — der 30. eine frisch geschlachtete Gans im Gewicht von 10 Pfund, der 40. einen frisch geräucherten Schinken, der 50. fünf Centner Steinkohlen frei Keller, der 75. fünf Zentner Kartoffeln, der 100. ein Kaffeeservice, der 200. Kunde einen lebenden Ponni! I
() Hersfeld, 14. Oktober. Mit dem heutigen Tage i hat die geräuschvolle Lulluswoche ihren Anfang genommen. Gegen 12 Uhr sah man eine große Zahl Volks, Jung und Alt, dem Marktplatz zustreben, auf dem mit dem Glokenschlag 12 unter lauten Bruder-Lolls- i Rufen die ersten Flammen des Lullusfeuers emporloderten. Die ganze für jeden Hersfelder hochwichtige Scene wurde auch diesmal wieder durch einen Photographen festgehalten. Auch die uralte Lullusgloke, die alljährlich nur bei dieser Gelegenheit geläutet wird, ließ ihre Töne vom Stiststhurm herab erschallen.
Cassel, 11. Oktober. Die Landwirthschaftskamnm für Kurheffen hatte in einer früheren Sitzung beschlossen, zur Hebung und Besserung der einhei- mischenPferdezucht einen Betrag von 3000 W!| aus ihren Mitteln zum Ankauf von Raffefohlen zu bewilligen. In Folge dessen hat die Pferdezuchtkommisston, eine Anzahl der schönsten belgischen Fohlen angekaust,- im Ganzen 32 Thiere. Der Anschaffungspreis der Fohlen war einschl. Transport-rc. Kosten insgesammt 16 584 Mk, während die erzielten Preise auf der Auction im Ganzen 15 030 Mk. nur erbrachten. Einschließlich des oben bewilligten Zuschusses von 3000 Mk. ergiebt das 18 030 Mk., es bleibt also ein Rest von 1445 Mk. von jenen 3000 Mk. noch übrig, dieser Rest wurde gleichmäßig auf die Ersteigerer der Pferde vertheilt, und zwar ben art, daß auf jede Mark, die das Fohlen kostet, 10 Pfennig »ertheilt werden; gewiß eine recht annehmbare Saj! für den Fohlenbesitzer, welche die Thiere mit dem ansehnlichen Preise von 450—600 Mark erstanden haben.
Kassel, 14. Oktober. Der Verein k u r h e s s i sch ei T h t e r ä r z t e wird seine diesjährige Generalversamni- - lung am 27 Oktober hierselbst im „Caffeler Hof" abhalten.
Kassel, 14. Oktober. Zum Vorsitzenden der nächste" Schwurgerichtsperiode wurdeHerrLaudgerichtS- Director B a r k h a u s e n ernannt.
Sontra, 11. Oktobee. Gegen 11 Uhr Mittags enb stand in einem Hause der Seitengasse der Bahnhof straße Feuer. Dasselbe griff mit solcher Schnelligkeit M
Thea ergriff ihn.
Auch ihm hastete jener ihr so entsetzlich dünkende Dust an. Der Umschlag war, wie es schien, eilig und daher nur nachlässig zugeklebt. Ein Ruck mit dem Falzbein mußte den kleinen, klaffenden Spalt mühelos erweitern.
Einige Sekunden zögerte die junge Frau — sie wußte ja, daß sie ein Unrecht beging, wenn sie einen fremden Brief öffnete.
In der nächsten Sekunde hatte Thea das Kouvert geöffnet.
Ein mit feiner, krauser, nicht gerade unschöner Schrift bedeckter Bogen fiel ihr entgegen. Thea las stehend, ihre Hände zitterten so stark, daß das Blatt knisterte und die Buchstaben ihr vor den Augen tanzten.
„Mein geliebter Walter!
Da Du Dich gestern und vorgestern nicht hast blicken lassen, trotz Deines Versprechens, bei mir zu soupieren, so suchte ich Dich heute in Deinem sogenannten „Arbeitszimmer" auf. Leider vergeblich. Wie viel Du dort ar« beitest, weiß ich am besten. Es ist auch viel richtiger und amüsanter, daß Du Deine Zeit meist in meiner Gesellschaft verbringst, anstatt bei Deinen Pandekten oder gar bei Deiner Frau, die Deiner Schilderung nach der Typus weiblicher Langeweile sein muß. Deshalb, mein Bester, finde ich Deinen Vorschlag, mich ihr für die Sommermonate als Gefährtin eines öden Landaufenthaltes zuzugesellen, einfach lächerlich. In mir erwacht die Vermutung, daß Du am Ende meiner überdrüssig geworden und nun danach strebst, mich für einige Zeit los zu werden. Zwar widerspricht dem der Umstand, daß, falls Du wirklich derartiges
gegen mich im Schilde führst, Du Dich hüten würdest, mich in die unmittelbare Nähe Deiner hochgeschätzten Frau Gemahlin zu bringen. Denn für so naiv hälft Du mich hoffentlich nicht, daß Du glaubst, ich würde aus Großmut schweigen und Deinen Verrat an meiner Liebe demütig einstecken, anstatt Frau Thea eines schönen Tages zu entdecken, daß ihr Herr Gemahl, nachdem er schon vor seiner Verheirathung eine tiefe Neigung — drücken wir uns poetisch aus — zu einer gewissen stimmbegabten, jungen Künstlerin gefaßt, daß ferner der Herr Gemahl die bewußte junge Dame noch vor Schluß seiner Flitterwochen aus — wollen wir annehmen „alter, süßer Gewohnheit" — auf seiner Durchreise in Riga aufgesucht. Damit aber, mein lieber Walter, war das Band zwischen uns, wie Du wohl weißt, aufs neue geknüpft. Und ich schwöre es Dir, leichten Kaufes gebe ich Dich nicht auf I Ich bin Dir hierher gefolgt und beabsichtige, mich auch fernerhin hartnäckig an Deine Fersen zu heften. Vielleicht ist es bei mir „wilde Leidenschaft", welche mich dazu treibt. Man hat mir hier bereits mehrere vorteilhafte Anträge gemacht — doch ich will Dir Glauben schenken und möglicherweise mich sogar bereit finden lassen, die Gesellschaftsdame Deiner Frau zu werden, vorausgesetzt, Du besuchst uns, so oft Deine „viel in Anspruch genommene Zeit" es erlaubt und sorgst dafür, daß wir in einer amüsanten, belebten Gegend unsern Landaufenthalt nehmen.---
Ich habe nun fast zwei Stunden hier auf Dich ge- wartet und muß jetzt nach Hause — oder eigentlich zu meiner Modistin. Solltest Du heute Abend oder spätestens morgen Vormittag nicht bei mir vorsprechen, so werde ich täglich wiederkommen, um endlich von Deinen Lippen zu hören, daß die Vermutungen, mit denen ich mich heute
und gestern gequält, nur Hirngespinste sind. Ich weis ja doch, daß Du niemals untreu werden wirst
Deiner Dich über alles liebenden
Leonie."
Theas Hand krampfte sich über dem verhängnisvolle Blatt zur Faust.
Der Inhalt dieses Briefes erfüllte sie mit Zorn, Beschämung und Abscheu.
In welch' wegwerfender Weise mußte Walter vo« ihr zu seiner elenden Geliebten gesprochen haben — "
Und diesen Menschen hatte sie geliebt, ach, so grenze"- los geliebt!
Mit trocknen, brennenden Augen starrt die unM liche Frau vor sich hin.
Nun ist alles aus!
Welch ein Ende ihres seit Monden langsam aW stetig schwindenden Eheglücks---
Jetzt konnte sie, das empfand Thea deutlich, eh'1 Aussprache mit Walter nicht mehr vermeiden. Und ihrer an Verzweiflung grenzenden Empörung glo^" dennoch in einer Falte ihres gequälten Herzens die w Hoffnung, daß er vielleicht doch nicht so ganz schuld sei, wie er es dem Wortlaut des verhängnisvollen Bri^ nach zu sein schien.
Einen jeden Angeklagten verurtheilt man ja erst bann, wenn man seine Vertheidigung vernommen hat.
(Fortsetzung folgt.)_____________
— Hamburg, 11. Oktober. Bei einem Sielba" wurden acht Arbeiter von den einstürzenden Sanbmoil1 verschüttet. Drei derselben wurden getödtet, einer 111 leicht verletzt.