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Aeilstag I« 15. Meter

Gratisbeilagen rIlinftrkrtes Sennta^sMatr* tu3Unf&irte lanbwirthschaftiche Beilage

Verteilungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jlluftrirte landwirthschastl. Beilage" für das IV. Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition

angenommen.

Die bereits erschienenen Nummern werden nach­geliefert.

Amtlicher Theil.

x III. 1637. H-rWd, ben 11. Okt-b-r 1901.

Im Kreise Hersfeld ist für die Steuerjahre 1902/1904 1/ nach § 46 des Gewerbesteuergesetzes vom 24. Juni 1891 FX die Wahl von je fünf Abgeordneten und einer j gleichen Anzahl Stellvertreter zu den Steueraus- L s ch ü s i e n d e r G e w e r b e st e u e r k l a s s e n 111 j u n b IV nötig.

tK ! Diese Wahlen finden in dem hiesigen oberen Rathaus- FX saal statt, und zwar für die Klasse III:

J Freitag den 25. Oktober d. I. vormittags 11 Uhr, FX für die Klasse IV:

J Freitag den 25. Oktbr. d. I. vormittags ll1^ Uhr. FX Hierdurch werden die Wahlberechtigten (Mitglieder der .4 betreffenden Gewerbesteuerklasse) hierzu eingeladen mit dem m Eröffnen, daß, falls die Wahl von der Steuergesellschaft 1 verweigert oder nicht ordnungsmäßig bewirkt wird, nach § 48 des Gewerbesteuergesetzes die dem Ausschusse zu- X stehenden Befugnisse für das Steuerjahr 1902 auf den / Vorsitzenden des Steuerausschusses übergehen.

Die Wahlen erfolgen nach relativer Stimmenmehrheit. M Wahlberechtigte sind solche zur Gewerbesteuer in Klasse

III bezw. IV veranlagte Gewerbetreibende des Kreises Hersfeld, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden.

Der Vorsitzende der Steuerausschüffe der Gewerbesteuerklaffen 111 u. IV:

Freiherr von Schleinitz.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 14. Oktober.

Einer ganzen Reihe kleiner Landwirthe im Kreise Colmar i. P. ist, wie die Blätter melden, eine große, unverhoffte Freude bereitet worden. Se. Majestät der K a i s e r hat nach voraufgegangener Prüfung angeordnet, daß von 260 kleinen Pächtern der Königlichen Guts- herrschaft Margoninsdorf, die einen Pachtzins von insgesammt 15 832 M. jährlich zu erlegen haben, 238 Pächtern ein bedeutender Pachtnachlaß gewährt werde, welcher sich auf durchschnittlich 54 v. H. belauft. Den Anlaß zu dieser Kaiserlichen Vergünstigung boten die diesjährigen mangelhaften Ernteergebnisse.

Gegenüber den Gerüchten, daß der E r b g r o ß - Herzog von Baden an Stelle des Großherzogs einen Theil der Regierungsgeschäfte übernehmen solle, kann die «Kölnische Zeitung" versichern, daß diese Aus­streuung jeder thatsächlichen Grundlage entbehrt. Der Großherzog bedürfe in keiner Weise einer Entlastung oder Unterstützung; ebensowenig denke der Erbgroßherzog daran, baß Kommando über das 8. Armeekorps aufzu- geben.

Den Bundesregierungen ist, Blättermeldungen zufolge, der Entwurf einer neuen Maß - und Gewichts­ordnung für das Deutsche Reich zur Begutachtung überwiesen. Damit würde dann eine Vorarbeit zum Abschluß gelangt sein, welche die zuständigen behördlichen Stellen schon seit Beginn der neunziger Jahre beschäftigt hat. Wenn in dem Entwürfe auch eine Ausdehnung des Aichzwangs auf Fäffer für Obstwein und Bier vorge­sehen sein würde, so wäre damit ein Theil der Vorlage der verbündeten Regierungen wieder ausgenommen, aus welcher seiner Zeit das Gesetz über die Bezeichnung des Raumgehalts der Schankgefäße vom Jahre 1881 hervor­gegangen ist. Die Vorlage enthielt u. A. eine Bestimmung des Inhalts, daß Fässer, in welchen Flüssigkeiten nach

Die Jnsertions^ betragen für den Raum einer Spaltzeile

10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender

Rabatt.

dem Raumgehalt zum Verkauf gelangen, dem Aichzwangs unterliegen sollten. Diese Vorschrift wurde jedoch vom Reichstage nicht genehmigt. Bald stellte es sich heraus, so erinnern dieB. P. R.", daß gerade in den Kreisen der Brauereien, sowie der Gastwirthe großer Werth da­rauf gelegt wurde, daß die Bierfässer dem Aichzwangs unterworfen würden. Allgemein wurden die Mißstände, die auf diesem Gebiete eingerissen waren, beklagt, und der Reichstag selbst hat in den neunziger Jahren mehr­fach Gelegenheit gehabt, sich mit Petitionen zu beschäf­tigen, welche die Ausdehnung des Aichzwanges auf Bier­fässer verlangten. Allerdings wurde von anderen In­teressentenkreisen der Aichzwang für Fässer mit anderen Flüssigkeiten als unzweckmäßig und lästig verworfen. So hat sich noch vor nicht langer Zeit fast die Gesammtheit der Handelskammern bei einer Erhebung gegen den Aichzwang der Spiritus-, Petroleum- u. s. w. Fässer ausgesprochen.

Im Monat August d. I. sind auf den deutschen Eisenbahnen ausschließlich der bayerischen 8 Entgleisungen auf freier Bahn (darunter 5 bei Per- sonenzügen, 18 Entgleisungen in Stationen (davon 5 bei Personenzügen), 2 Zusammenstöße auf freier Bahn (davon 1 bei Personenzügen), 27 Zusammenstöße in Stationen (davon 7 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 2 Bahnbedienstete getödtet, 32 Reisende, 13 Bahnbedienstete und 2 fremde Personen verletzt.

Nach den amtlichen Berichten der vier amerikanischen General-Konsulate in Deutschland Berlin, Frankfurt, Dresden und Koburg belief sich die G e s a m m t - A u s - fuhr Deutschlands nach den Vereinigten Staaten im dritten Quartal d. Js. auf 24,7 Mill. Dollars, 858 662 Dollar mehr als in derselben Zeit des Vorjahres. Auch im folgenden Quartale ist die Ausfuhr- Bewegung ungewöhnlich stark, sodaß mit Sicherheit darauf gerechnet wird, daß das Jahr 1901 das Vorjahr übertreffen werde.

Eine Petition der Gehülfen im mittleren Eisenbahndienst an das Abgeordnetenhaus schließt mit der Bitte, zu beantragen:Die Gehülfen im mittleren Dienst gleich den weiblichen Bediensteten (Fahrkarten- Verkäuferinnen, Telegraphistinnen und Abfertigungs- beamtinnen) diätarisch anzustellen und für alle diensiälteren Gehülfen etatsmäßige Stellen zu schaffen, wenn auch nur als Assistenten zweiter Klaffe, und diese Stellen, gleich­wie bei den Telegraphisten, den Militäranwärtern zu

Herjeusitiimpfe.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

XXVIII.

Von einer Ausfahrt zurückgekehrt, blieb Thea auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung stehen. Die Fahrt durch die frische Luft, hatte sie doch mehr erschöpft, als sie ; sich einzugestehen wagte. Der Portier war gerade nicht unten gewesen, als Thea an seiner Loge vorüberschritt, sodaß der Hartungsche Diener durch kein Glockenzeichen von der Rückkehr seiner Herrin benachrichtigt worden war.

Thea wollte eben die elektrische Hausthürklingel be­rühren, als aus dem Eingang auf der gegenüberliegenden Seite des Treppenabsatzes eine hohe Frauengestalt trat. M Hinter derselben ward die etwas schlotterige Figur des Bürauschreibers Stefan sichtbar.

»Bitte, vergessen Sie nicht, Herrn von Härtung auf den auf seinem Schreibtisch liegenden Brief aufmerksam zu machen," sagte die Unbekannte, sich nach dem langen, ä sommersprossigen Menschen, hinter deffen rechtem Ohr ^HÄhn ein Bleistift steckte, umwendend.

Der Schreiber verbeugte sich zustimmend und heftete an der Fremden vorüber einen verlegenen Blick auf die ürau seines Prinzipals.

Diese lehnte mit dem Rücken gegen das Treppen« 5 -elünder und ließ die fremde Dame dicht an sich vor­übergehen.

Sie bekam fast nie jemanden von Walters Klienten oder Klientinnen zu Gesicht.

Er hatte ihr gesagt, daß er es nicht wünsche, von seiner Frau unversehens in seinem Arbeitszimmer über­fallen zu werden.

Die Fremde, eine imposant schöne Gestalt in kostbarer Toilette, starrte die junge Frau dreist an, während sie den Fuß langsam auf die erste Treppenstufe setzte.

Plötzlich erhob Thea unwillkürlich ihr Battisttaschen- tuch und preßte an Mund und Nase ein widerlich süßliches Parfüm umwehte sie.

Wo nur und wann hatte sie diesen Geruch bereits einmal verspürt?

Sie preßte die Hand gegen die Stirn und strengte ihr Gedächtnis an.

Richtig in jener Nacht war'» gewesen, wo sie sich so krank und elend gefühlt, und wo Walter sich über sie geneigt hatte---

Sie hatte früher nie bemerkt, daß er ein solche» Parfüm gebrauchte.

Ein jäher Verdacht zuckte in ihr auf.

Wirklichen Grund zur Eifersucht hatte sie bis jetzt nicht gehabt, oder vielmehr nicht zu haben geglaubt.

Walters Urteil über die meisten Frauen lautete stets scharf und absprechend.

Thea fieberte in ihren Zweifeln sie mußte sich um jeden Preis Gewißheit verschaffen.

Der Brief, von dem die schöne, dreiste Person so un­vorsichtig in Thea« Gegenwart gesprochen sie ahnte wohl nicht, wer die verschleierte Frau, die so kraftlos am

Treppengeländer gelehnt, gewesen der Brief mußte die ersehnte Aufklärung gewähren.

Ohne sich weiter viel zu besinnen, schritt Thea zum Büreaueingang und schellte energisch.

Der Schreiber öffnete und wich verwundert zurück als die Frau seines Prinzipals ohne weiteres an ihm vorüber« ging.

Im Begriff, sich in Walters Arbeitskabinett zu be- geben, fragte sie, über die Schulter zurückblickend:

Um welche Zeit wollte mein Mann zu Haufe fein?*

Gnädige Frau verzeihen ich weiß das nicht mit Bestimmtheit zu sagen," erwiderte der Schreiber mit einer linkischen Verbeugung.

Schön, ich werde meinen Mann in seinem Zimmer erwarten."

Letzteres war hell erleuchtet.

Beim Eintritt in den komfortablen Raum fühlte Thea sich in dichten Wellen von dem starken Parfüm, das sie nun verabscheute, umwogt.

Einer der Sessel war weit ins Zimmer hineingerückt auf ihm mußte die Unbekannte Walters geharrt haben. Schließlich mochte sie die Geduld zu längerem Warten verloren und das, was sie mündlich sagen wollte, dem Papier anvertraut haben.

Thea legte Mantel, Hut und Schleier ab und näherte sich, die Handschuhe nervös von den schlanken Fingern zerrend, dem Schreibtisch.

Dort lag der Brief, von dem die Fremde gesprochen, in der Mitte der großen grünen Platte, so recht ins Auge fallend.