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Aintlicher Theil.
Caflel den 4. Oktober 1901.
Nach einer Bekanntmachung des Königlichen Ober- präsidenten der Provinz Hannover (Weserstrombauver- waltung) wird die Werraschleuse bei Münden wegen Erneuerung der Unterthore in der Zeit vom 10. bis 31. Oktober d. Js. für den Schiffs- und Floßverkehr gesperrt werden.
Ich ersuche, wegen Veröffentlichung das Weitere zu veranlassen.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: M a u v e. An den Herrn Landrath in HerSfeld. A. III. Nr. 8765.
* * * HerSfeld, den 8. Oktober 1901.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath. y. 5656. I. V.: H e e g.
Nichtamtlicher Theil.
Englische Sorgen in Asien.
Zu den großen Fragen, die das britische Weltreich berühren, gehören die Machtverhältnisse am persischen Meerbusen und am arabischen Meer; hier befindet sich sein kostbarster überseeischer Besitz, Indien, und zugleich Wer empfindlichste Neibungspunkt mit dem russischen Reiche, das langsam aber sicher von Norden her über Persien um Afghanistan nach dem Meere vordrängt. Die gegenwärtige Zeit ist für große Aktionen dort so ungünstig wie möglich. Die englische Landmacht liegt vollständig in Südafrika fest, und noch ist nicht abzusehen, wie viele Opfer an Blut und Geld der Burenkrieg noch verschlingen wird. Es ist deshalb begreiflich, daß sich die Nachrichten von einer Besetzung Kuweits in der Nordwest - Ecke des persischen Golfes durch englische Matrosen bisher nicht bestätigt haben; selbst mit dem schwachen türkischen Reich wird England jetzt nicht ohne dringende Noth Händel suchen.
Nun kommt noch hinzu, daß die indischen Streitkräfte infolge des Todes des Emirs von Afghanistan an der Waldgrenze Indiens verwendungsbereit bleiben müssen. Die englische Presse beklagt in dem verstorbenen Ab- vnrrahman Khan einen treuen Bundesgenossen England» und hofft, daß der neue Emir in die Fnßtapfen feine» Vaters treten werde. Allein auch Rußland konnte mit der Regierung Abdurrahmans zufrieden sein, unter der es ihm gelungen ist, seine Macht bedeutend nach dem Müden vorzuschieben und einen starken Militärkordon an
den Nordgrenzen Afghanistans zu ziehen. Keiner der afghanischen Thronwechsel im vorigen Jahrhundert ist ohne heftige Stammes- und Familienkämpfe abgegangen, und ein afghanischer Herrscher, der ein zuverlässiger Bundesgenosse Englands wäre, soll erst noch gefunden werden. Auch Abdurrahman war es in Wirklichkeit nicht; konnteIjihm doch nachgesagt werden, daß er bei den blutigen Ausständen der Muhamedaner in Tschitral gegen die indische Regierung seine Hand im Spiele gehabt habe. Kommt es wieder zu wilden innern afghanischen Wirren, so ist von den beiden Nehenbuhlern, Rußland und England, jenes in der vortheilhäftern Stellung, weil es mit seinem natürlichen Schwergewicht viel stärker auf Afghanistan drückt als das durch schwierige Gebirgspässe von Afghanistan getrennte Indien.
Englische Blätter wollen in der Kuweitfrage hinter dem Widerstände des Sultans gegen ein Aufgeben seiner Souveränetät über Kuweit deutschen Einfluß suchen, als ob Deutschland selbst die Absicht hätte, sich im persischen Golfe festzusetzen. Noch naiver war der Gedanke französischer Blätter, es solle eine Vereinigung mit Deutschland an der Spitze gebildet werden, um England Halt zu gebieten. Verkehrteres könnten wir gar nicht unternehmen, als in dortigen türkischen und persischen Gebieten auf Land-Erwerb auszugehen. Die deutsche Politik denkt nicht daran und überläßt es auch als uninteressierter Zuschauer allein den Afghanen, den Pfuffer zwischen den beiden gegen einander arbeitenden Kräften, England und Rußland, abzugeben.
Politische Nachrichten.
Berlin, 10. Oktober.
Se. Majestät der Kaiser nahm am Dienstag im Jagdschlösse HubertuSstock den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus entgegen.
In der gestrigen Sitzung des Bundesraths wurde den Ausschußanträgen, betreffend den Zoll- und Salzsteuerverwaltungskosten-Etat für Bayern, Baden und Anhalt, die Zustimmung ertheilt, ebenso dem Ausschuß- berichte über den Antrag Preußens auf Erhöhung der Vergütungssätze für die Naturalverpflegung der Truppen während der diesjährigen Herbstübungen in den östlichen Provinzen und dem Ausschußberichte über die Vorlage vom 1. August d. I., betreffend Ergänzung des Schiffsbauregulativs, sowie dem Ausschußberichte über die Vorlage vom 26. September d. I., betreffend die zollamtliche Revision des Gepäcks der zurückkehrenden Mannschaften des ostasiatischen Expeditionskorps.
In einem vor einigen Tagen in der „Post" und dem „ReichSboten" aus der „Dirschauer Zeitung" unter der Ueberschrift: „WirthschaftlicheS aus den Kaisermanöver- Provinzen" veröffentlichten Artikel wurde behauptet, daß sich das Eisenbahnnetz der Provinzen West, und Ostpreußen bei der Heimbeförderung der Truppen vom K a i s e r m a n ö v e r als unzureichend erwiesen habe und deshalb fast alle Truppen aus dem Manövergelände nach ihren Garnisonen hätten marschiren müssen. Daß dies thatsächlich falsch und das Gegentheil richtig war, ist schon in der „Post" berichtigend mit« getheilt worden. In Wirklichkeit wurden nach dem Schluß des Kaisermanövers am 19. und 20. September d. Js. etwa 60 000 Mann und mehr als 5000 Pferde aus dem Manövergelände mit der Eisenbahn heim befördert. Berücksichtigt man dabei, daß der Abtransport in letzter Stunde noch eine Verschiebung erfuhr und überdies mit der Beförderung großer Manövertransporte in West- und Süddeutschland zusammenfiel, wodurch das Heranziehen der Betriebsmittel sehr erschwert wurde, und daß ent- gegen dem sonst üblichen Verfahren diesmal auch ein großer Theil der berittenen Truppen mit der Eisenbahn nach ihren Garnisonen zurückkehrlen, so kann die Heim- beförderung der Truppen von den westpreußischen Manövern nur als wohlgelungen und als eine besonders gute Leistung der Eisenbahn bezeichnet werden. Dieser
Auffassung hat auch, wie die „N. A. Z." hört, die oberste Militärbehörde in anerkennendster Weise der Staatseisenbahnverwaltung gegenüber Ausdruck gegeben.
Die Berliner „Politischen Nachrichten" führen aus, daß weitere Wünsche betreffend die Ermäßigung des Eisenbahnpersonentarifes nicht auf Erfüllung rechnen dürfen.
Am 1. April 1902 soll die Auskunftsstelle der deutschen Colonialgesellschaft für Auswanderer in's Leben treten, sofern der Reichstag hierfür die erforderlichen Mittel bewilligt.
Gegen die ungeschickte Handhabung der Luftdruckbremse seitens der Lokomotivführer richtet sich, der „Frkf. Ztg." zufolge, ein Erlaß des Eisenbahnministers, in welchem unter Hinweis auf vorgekommene Unfälle vor dem wiederholten, schnell aufeinander folgenden Anstellen der Bremsen gewarnt wird. Durch dies in den Dienstvorschriften für den Gebrauch der Luftdruckbremsen verbotene Verfahren werde de^Druck in den HülfS-Luft- behältern häufig so stark vrimindert, daß eine nennen», werthe Bremswirkung überhaupt nicht mehr zu ermöglichen fei. Der Minister ersucht die Eisenbahndirektionen, mit allem Nachdruck dahin zu wirken, daß die Verstöße gegen die Bedienungs-Vorschriften der Bremseinrichtungen nicht mehr vorkommen.
Mit Ende September war die Frist abgelaufen, in welcher die durch das Münzgesetz vom Jahre 1873 ins Leben gerufenen und nur bis 1879 thatsächlich zur Ausprägung gelangten goldenen Fünfmarkstücke noch bei den zuständigen Kassen eingelöst wurden. Gegenwärtig sind sie nicht mehr eine Münze, die für Zahlungen in Verwendung kommen kann, auch keine mehr, deren Werth 5 Mk. gleichkommt. Insgesammt waren von den goldenen Fünfmarkstücken für rund 28 Mill. Mark zur Ausprägung gekommen; schon früher hatte man angenommen, daß etwa ä/? dieser Summe nicht zur Einziehung gelangen würde, weil die entsprechenden Münzen in Sammlungen zurückbehalten würden, zu Schmuckstücken oder Gebrauchsgegenständen verwendet wären u. s. w. Der Abschluß der Einziehung der goldenen Fünfmarkstücke hat gezeigt, daß diese Annahme richtig gewesen ist. Es sind rund 24 Mill. Mk. zur Einziehung gelangt, so daß für 4 Mill. Mark goldene Fünfmarkstücke sich in privatem Besitz befinden und darin nunmehr auch bleiben werden.
Aus Manila wird vom 10. Oktober gemeldet: Eine Abtheilung amerikanischer Infanterie stieß mit einer 300 Mann starken Schaar von Aufständischen zusammen, welche in der Nähe von Lipa stark verschanzt war. Auf amerikanischer Seite fiel ein Leutnant; ein Mann wurde verwundet. Nach einem zweistündigen Gefecht zogen sich die Amerikaner zurück, um Verstärkungen zu erwarten. — Eine Polizeitruppe von Catanag in der Provinz Tayabas, 11 Mann stark, wurde von Jnsurgenttn aufgehoben.
Irr Stieg in Mafrik«.
(Das dritte Kriegsjahr.)
Gerade zwei Jahre dauert jetzt der „Spaziergang nach Pretoria", den die Engländer in drei Monaten zu beenden gedachten, während er sich unterdeß zu einem Marsche entwickelt hat, bei welchem den Engländern der Athem auszugehen droht. Am 9. Oktober 1899 hatte die Regierung der Transvaal-Republik ihre letzte Note an die englische Regierung gerichtet, wonach ein Schiedsgericht eingesetzt werden und England seine Truppen zurückziehen sollte, widrigenfalls die Transvaal-Regierung vom 11. Oktober, Nachmittags 5 Uhr, an den KriegS- zustand als eingetreten ansehen werde. Die Antwort Englands war eine schroffe Ablehnung, und damit hatte am 11. Oktober 1899, Nachmittags 5 Uhr, der süd- afrikanische Krieg offiziell begonnen, den die Buren am 12. Oktober mit dem Einmarsch in Nalal eröffneten.
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London, 10. Oktober. Eine Durbaner Drahtung der „Times" vom 7. Oktober besagt, daß Lyttelton»