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Amtlicher Theil.
Auszug aus den Aufnahme-Bestimmungen für das Milttär-Knaben-Erziehungs-Jnstitut in Annaburg.
1. Das Militär-Knaben-Erziehungs-Jnstitut in Anna, bürg mit den Zweiganstalten in Erfurt, Boele, Grünhof, Breslau, hat die Bestimmung, Soldatensöhnen evangelischer und katholischer Konfession bis zur Konfirmation oder dem vollendeten 15. Lebensjahre unentgeltlichen Lebensunterhalt, Erziehung und schulwissenschaftliche Ausbildung zu gewähren und ste für den Uebertritt in eine Unterosfiziervorschule, die Schiffsjungenabtheilung oder einen bürgerlichen Beruf vorzubereiten.
2. Aufnahmefähig find:
I. ) Die Söhne der Unteroffiziere und Gemeinen des Heeres und der Marine, die dem Frieden-stand« angehören oder im aktiven Dienst gestorben find.
Ha) die Söhne der Unteroffiziere und Gemeinen des Heeres und der Marine, die Juvalidenverforgung erhalten (als Jnvalidenversorgung gelten Pension, Pensionszulagen, Zivilverforgungsschein, Aufnahme inJnvalideninstitute.VerwendungimGarnisondienste), b) die Söhne der Unteroffiziere, die nach stjährigem
Herzenskiimpfe.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
Bald aber glättete sich die Falte auf seiner Stirn, ein leichtsinniges Lächeln umspielte seinen Mund, als er mit flüchtigen Federstrichen die Antwort aus das Billet warf.
Gegen Abend fuhr er von Hause fort und kehrte erst mit dem Morgengrauen heim.
Davon wußte Thea nichts.
Walter hatte, feit sie leidend war, sich das Fremdenzimmer als Schlafgemach einrichten lassen, um, wie er sagte, seine Frau nicht zu stören, wenn er zu vorgerückter Stunde nach Hause käme oder des Morgens früh auf- stände.
Letzteres kam übrigens niemals vor. Walter war es jedoch bequemer, zu gehen und zu kommen, wann es ihm beliebte, ohne von feiner Frau kontrolliert zu werden.
Die angebliche Fürsorge für ihre Ruhe war nur ein Vorwand. Walter dachte in erster Linie immer an sich.
Thea erfuhr auch nichts davon, was die beiden Schreiber und die Dienstboten leise flüsterten und laut beredeten. Sie liebte e« nicht, mit ihren Untergebenen mehr als das Notwendigste zu sprechen. Sonst hätte sie vielleicht erfahren, daß ihr Gatte sich nur selten in seinem Arbeitszimmer aufhielt und fast Nacht für Nacht außerhalb des Haufe» war.---
aktiven Militärdienst bei der Schutzmannschaft oder Gendarmerie dienen,
c) die Söhne von Inhabern des Forstversorgungsscheines, die diesen Schein vor oder bei ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst erhalten haben.
3. Die Aufzunehmenden dürfen in der Regel nicht unter 11 und nicht über 12 Jahre alt sein. Die Anmeldung darf frühestens erfolgen, wenn der Knabe 10 Jahre alt geworden ist.
4. Es können nur Knaben ausgenommen werden, die von wesentlichen körperlichen Fehlern oder Anlagen zu chronischen Krankheiten frei sind.
5. Anmelde-Muster und Einzel-Bestimmungen verabfolgt auf Antrag das Kommando des Instituts.
Nichtamtlicher Theil.
S e. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher gestern Vormittag um 11 Uhr von Rominten abgereist war, traf abends 7'/4 Uhr mit Sonderzug in Langfuhr ein, um bei den Osfizierkorps der Leibhusarenbrigade das Diner einzunehmen. Se. Majestät trug die Uniform des 1. Leib-Husarenregiments Nr. 1. Zum Empfange war nur der Brigadekommandeur, Generalmajor v. Mackensen, auf dem Bahnhöfe anwesend. Chargirte des I. Leib- Husarenregiments Nr. 1 ritten dem Kaiserlichen Wagen voraus. — Trotz des kalten Herbstwetters hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt, welche Se. Majestät , den Kaiser lebhaft begrüßte. — Um 10 Uhr 30 Min. ! reiste Se. Majestät sodann nach Hubertusstock ab.
Wie der „Staats-Anzeiger für Württemberg" meldet, hat Se. Majestät der Kaiser Sr. Majestät dem König Wilhelm von Württemberg zu dessen 10jäh- rigem Regierung-jubiläum folgendes Telegramm zugehen lassen: «An dem heutigen Tage gedenke ich Deiner mit herzlichen Wünschen. Ich erinnere mich dankbar der Freundschaft, mit der Du während Deiner zehnjährigen segensreichen Regierung zum Heile unseres gemeinsamen deutschen Vaterlandes neben mir gestanden hast, und hoffe zu Gott, daß Dir noch viele Jahre glücklicher Regierung beschieden fein mögen.* — Se. Majestät der König von Württemberg erwiderte: „Tief gerührt durch Dein gütiges und warme« Gedenken des heutigen Gedächtnistages spreche ich Dir meinen herzlichen Dank aus wie für dieses so für die freundschaftlichen Gesinnungen, welche
Die Konversationsstunden hatten begonnen. Madame Murchat, welche aus den ersten Blick wie ein Backfisch aussah mit ihrer zierlichen Gestalt, zu der das verkümmerte Gesichtchen eigentlich niM paßte, war der jungen Frau sehr sympathisch.
In der ersten Stunde erfuhr sie, daß die Französin Mutter von fünf Kindern war, und daß Monsieur Murchat die Stelle eines Lehrers in einem reichen gräflichen Hause bekleidete.
Die Familie Murchat lebte eigentlich ganz voneinander getrennt.
Die Not, die bittere Armut hatte Monsieur gezwungen, die Stelle bei dem Grafen anzunehmen. Die drei ältesten Kinder befanden sich bei Verwandten in Frankreich, das jüngste, ein Säugling, hatte man in Kost und Pflege zu einer Bäuerin geben müssen.
Die Mutter hätte ja keine Stunden außerhalb des Hauses erteilen können, solange der Klein« bei ihr war.
Das vorjüngste Kind, ein vierjähriges Mädchen, befand sich bei der Mutter.
Solange diese abwesend war, ihre mühsam errungenen Stunden gab, nahm eine taube, alte Zimmernachbarin die kleine Madelon unter ihre Obhut.
Als Madame Murchat Thea all' dieses berichtet, in ihrer lebhaften Art, unter vielen Gesten, aber in tadellosestem Französisch, da war die junge Frau ganz entsetzt über derartig traurige Familienverhältnisse.
*
Thea» Zustand brächte es mit sich, daß sie anfing ihre Schönheit und Frische einzubüßen. Worüber ein
Du mir vom ersten Tage an entgegengebracht. Möge mir Gott beistehen, allezeit mitzuwirken zum Wohl« unseres geliebten deutschen Vaterlandes, was in meinen Kräften steht, treu zu Kaiser und Reich."
Das deutsche Schulschiff „Charlotte", mit Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Adalbert an Bord, ist Montag Nachmittag von Palermo nach dem Piräus abgegangen.
Kaiser Wilhelm hat dem Präsidenten Loubet die deutsche Chinamedaille verliehen. Die Verleihung soll von einem sehr warmen Schreiben begleitet gewesen sein. Dem Zaren hat der Kaiser die Chinamedaillen während dessen Anwesenheit in Danzig persönlich überreicht. Auch die übrigen Souveräne der an dem Feldzuge gegen China betheiligten Mächte haben das deutsche Erinnerungszeichen an diese Zeit gemeinsamer Waffenbrüderschaft erhalten.
Ein Dankgottesdienst für Kaiser Wilhelm und den Zaren wurde, wie Königsberger Blätter melden, am Freitag in der evangelischen Kirche zu Wystiten durch den Superintendenten Wernitz-Suwalki und dessen Sohn, den Pfarrer Wernitz -Wyaszini, abgehalten. Für die römisch-katholische Gemeinde ist bereits am Dienstag ein Dankgottesdienst für beide Kaiser abgehalten worden. Von der christlichen wie von der jüdischen Gemeinde in Wystiten ist die Bestimmung getroffen worden, alljährlich am 10. September russischen Stils — als dem Tage der Anwesenheit Kaisers Wilhelms in Wystiten — ein Dankgebet abzuhalten.
DerGeneral-FeldmarschallGra fWalder - s e e ist von seinem Beinleiden so weit wieder hergestellt, daß er am 12. Oktober von Lautenbach bei Reckarsulm nach Hannover abreisen zu können hofft. Am 17. Oktober gedenkt Graf Waldersee an dem in Berlin stattfindenden China-Erinnerungsfest theilzunehmeu.
Der Unterstaatssekretär des Reichs- Postamts Fritsch hat ein Abschiedsgesuch eingereicht. Der Kaiser hat da» Gesuch unter Verleihung des Prädikats Excellenz bewilligt. Excellenz Fritsch wird Ende dieses Jahres aus dem Amte scheiden, nachdem er schon längere Zeit beurlaubt ist. Unterstaatssekretär Fritsch hat nahezu 40 Jahre im Dienste der preußischen und später der deutschen Reichspost gestanden.
Der BundeSrath nahm am Mittwoch seine Sitzungen wieder auf, deren wichtigsten BerathungS-Gegen- stand der Entwurf zum neuen Zolltarife bilden wird.
anderer, wahrhaft liebender Mann hinweggesehen hätte, das verletzte Walters Schönheitssinn.
Er hatte Thea nie mit dem Herzen geliebt, nun, wo sie kraftlos und elend fast den ganzen Tag hindurch auf dem Ruhebette lag, fühlte sich Walter förmlich abgestoßen durch den Anblick feiner Frau.
Er versuchte anfangs, ihr dies zu verhehlen, allein Thea empfand trotzdem, daß ihr etwas Erkältendes, Gleichgiltiges aus dem Wesen ihres Mannes entgegen- wehte.
Noch bezwäng er sich ja und spielte äußerlich den besorgten, wenn auch nicht gerade zärtlichen Gatten. Aber Thea wußte, daß sie ihn jetzt, wo sie leidend war, nicht mehr fesselte.
Zuerst hatte sie geweint, in bitterem, brennendem Weh, als sie die für sie so schmerzliche Ueberzeugung gewonnen. Eine Aussprache mit Walter hatte sie jedoch nicht veranlaßt, denn sie wußte genau, daß dies zu nichts führen würde.
Walter haßte alles, was einer Scene ähnlich sah; vor Thränen empfand er, wie er ihr oft versichert, einen Abscheu, und schließlich hätte er für die gerechten Vor- würfe seiner Frau nur einige nichtssagende Redensarten gehabt.
Thea kannte ihren Mann jetzt besser, als vor einem Monat, wo sie noch zu ihm ausgesehen, wie zu einem Wesen höherer Art.
Trotzdem glaubte sie Walter noch zu lieben.
.Aber,* sprach es in ihr, .ich bin zu stolz, um seine Zärtlichkeit zu erbetteln wie einen Almosen.*