Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
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„Jllustrirtes Sonntagsblatt" um „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das IV. Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenomnien.
Arntlicher Theil.
Mainz, den 26. September 1901.
Es wird ergebend ersucht den dortigen Landwirthen in geeignet erscheinender Weise bekannt geben zu wollen, daß die Verwaltung Angebote in gelben Kocherbsen und weißen Rund- und Langbohnen aus der letzten Ernte entgegennimmt.
Die Angebote sind entweder an die Fabrik direkt oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Proviant- Amt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann. Den Angeboten sind Proben von ungefähr </2 Ltr. beizufügen.
Zur Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abroll- gebühren vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Pfg. für 100 kg betragen und vom Verkäufer zu tragen sind.
Die Vermittlung der Abfertigung auf dem Bahnhöfe hierselbst, die Verauslagung der Fracht- und Ansuhrkosten übernimmt die Verwaltung, wie sie auch auf Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke zur Uebersendung der Hülsen- früchte zur Verfügung stellt.
Königliche Verwaltung der Armee-Konserven-Fabrik.
Wieselbach. Kosänke. I. V.: Jacob i.
An das Königliche Landraths-Amt in Hersfeld.
• _ *
Herzenskiimpfe.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
„Endlich finde ich Sie, Elmer, ich suche Sie eine geschlagene Viertelstunde wie eine Stecknadel I Wenn ein Mensch auf Gottes Erdboden Pech hat, so bin ich es! Es hat alles seine Richtigkeit. Mein Jockey hat sich gründlich den Arm verstaucht, an Reiten ist für ihn nicht zu denken. Ich komme nun, Sie an ihr Versprechen zu mahnen. Werden Sie den Aigle steuern?"
»Aber natürlich, da ich es versprochen," versichert Alfred, der im geheimen seinen Grobüttener Gastfreund ins Pfefferland wünscht.
Er hätte ebenso gut sagen können:
»Hat ein Mensch auf Gottes Erdboden Pech, so bin ich es. Im Begriff, mein Urtheil von den Lippen des ge- lrebten Mädchens zu vernehmen, hindert mich dieser ungebetene Störenfried daran. So ungelegen wie nur denkbar schneit er mit seinen Rennkümmernissen herein."
; Gedanken sind bekanntlich zollfrei. Was Alfred dachte, belfielt er für sich und versicherte als höflicher Mensch nochmals, daß er herzlich gern die Führung des Aigle übernehmen werde.
Dann stellte er den Dicken, der ihm erfreut dankte und fast die Hand aus dem Gelenk schüttelte, Jella vor: „Baron Lomitz—Grobütten."
* * *
Als die kleine Gesellschaft auf dem Rennplatz, der
Hersfeld, den 27. September 1901.
Vorstehendes haben die Herren Ortsvorstände des Kreises in den Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
I. 5412. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ziegenhain, den 26. September 1901.
Die unter den Schafen zu Riebelsdorf und Holzburg ausgebrochene Räudekrankheit ist erloschen.
Der Landrath. von Schwertzell.
An den Herrn Landrath in Hersfeld.
* *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 27. Septbr. 1901.
I. 5413. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Ahnmissm.
Jas tot -er
Prinz Tschun, der Sühneprinz, hat am Sonnabend Deutschland verlassen, um sich in Genua nach seiner
chinesischen Heimath einzuschiffen. Er hatte in der letzten Zeit industrielle Werke in Essen und an der Saar besichtigt und wäre wohl gern noch länger in Europa geblieben, um seinen Wissensdurst zu befriedigen. Indessen lag ihm nicht eine Studienreise ob, und es mußte vielmehr darauf gehalten werden, daß seiner Reise der Charakter einer Sühnemission gewahrt blieb. Deshalb erhielt er von seinem kaiserlichen Bruder und der Kaiserin-Regentin im Einverständniß mit der deutschen Regierung den Befehl, sich nicht weiter, wie der aufgeweckte junge Mann wohl gewünscht hätte, in Europa umzusehen, sondern sich nach Erfüllung seiner Aufgabe ohne Aufenthalt in andern europäischen Ländern auf die Heimreise zu begeben. Damit ist den Chinesen der Versuch abgeschnitten, der Reise eine Auslegung zu geben, durch die ihre Bedeutung als Sühne für ein schweres, an den Vertreter Deutschlands in China verübtes Verbrechen verdunkelt worden wäre.
Wie jetzt chauvinistische Geister in Frankreich versuchen, die außerordentlich schwierige militärische Auf«
eine Strecke außerhalb des Städtchens sich befand, angekommen war und auf einer der ersten Bankreihen Platz nahm, näherte sich Alfred den Damen.
Er steckte im „dress“, das ihm der Grobüttener in aller Geschwindigkeit zu verschaffen gewußt.
Der arme Lomitz war beispiellos aufgeregt, während Alfred ganz kaltblütig schien.
Er dachte kaum ans Rennen, alle seine Gedanken weilten bei Jella. Was würde sie ihm auf sein kühnes, unvermitteltes Geständnis antworten? Zürnte sie ihm etwa gar?
Anna erkundigte sich bei ihm nach dem Aigle, er gab ihr zerstreut Bescheid.
Reu herzuströmende Rennplatzbesucher trennten ihn von den Damen. Er wandte sich zum Gehen.
Da tönte es plötzlich leise, kaum vernehmbar an sein Ohr:
„Alfred."
Er fuhr herum.
Es war Jella, die ihm gefolgt.
„Sie werden den Aigle reiten, Alfred?" begann sie stockend. „Ich hörte vorhin, es sei ein störrisches, unsicheres Pferd. Um Gotteswillen, seien Sie nicht tollkühn, Alfred, versprechen Sie es mir!"
Es leuchtete sonnenhell auf in seinen Blicken.
„Darf ich aus Ihrer Besorgnis um mich einen Schluß ziehen, wie die Antwort, welche sie mir noch schulden, ausfallen wird?" fragte er mit vor Erregung bebender Stimme.
Sie blickte ihn an — strahlend, glückselig.
gäbe, die dem Grafen Waldersee als Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen in China zugefallen war, zu verkleinern, so giebt es auch bei uns noch Leute, die kein Augenmaß für die erzielten diplomatischen Erfolge haben und meinen, mit dem großen militärischen und diplomatischen Kraftaufwand sei zu wenig erreicht worden und die Chinesen würden schließlich doch in ihrer dünkelhaften Ueberhebung aus den erlittenen Niederlagen keine Lehre ziehen. Das deutsche Reich hatte nach der Ermordung seines Gesandten eine Ehrenpflicht zu erfüllen, und es hat sie mit Ehre erfüllt, — das steht, nun einmal von vornherein fest. Es ist aber auch falsch zu glauben, die Chinesen würden das alte Spiel wieder von vorne anfangen. Ja, daß ein Volk mit einer so alten erstarrten Kultur dem Eindringen abendländischer Civilisation noch viele Widerstände entgegensetzen wird, ist unbestreitbar. Allein wie der Chinese die Züchtigungen seiner Boxerbanden nicht so bald vergessen kann, so sind durch das Friedensprotokoll eine Reihe bleibender Zeichen aufgerichtet worden, die ihn vor neuem Uebermuth abschrecken. Es ist von europäischem Standpunkt aus leicht, Konzessionen, wie die, daß die Examina auf 5 Jahre unterdrückt, daß die fremden Gesandten künftig in einer Mittelhalle der verbotenen Stadt empfangen werden, daß anstelle des Tsuggli-Namen ein Ministerium des Aeußern mit Vorrang vor allen andern Ministerien tritt, gering anzuschlagen oder gar zu belächeln. Es kommt aber darauf an, wie der Chinese darüber denkt, und in dessen Augen sind es ganz unerhörte Zugeständnisse, zu denen er sich hat bequemen müssen. Das gilt natürlich erst recht von der Entsendung des Bruders des Kaisers von China an den Hof des deutschen Kaisers zur Sühne für den an den Freiherrn v. Ketteler begangenen Mord. Und wer hätte im vorigen Winter nicht Zweifel darein gesetzt, daß wir vollen Ersatz für unsere materiellen Opfer erlangen würden?
Man muß sich also im Gegensatze zu der bei uns leider so leicht eintretenden Nörgelstimmung darüber wundern, daß bei den vielfach auseinanderstrebenden Interessen der Mächte so viel in Frieden unter ihnen erreicht worden ist. Der Kunst des Grafen Bülow ist es gelungen, uns glücklich aus den chinesischen Schwierigkeiten herauszubringen. Sie hat nicht nur wesentlich dazu beigetragen, alle Spekulationen der Chinesen auf die Uneinigkeit der Mächte zu vereiteln und ihnen eine wirklich fühlbare Sühne auszuerlegen, sondern sie hat
Eine Welt von Liebe und Hingebung lag in ihren Augen.
Dann zog sie eine blaßrote Rose aus dem Gürtel und reichte sie ihm.
„Dein!" sprach sie leise und innig.
Es war gut, daß das Orchester eben mit einem laut schmetterndem Galopp einsetzte, so wurde das jubelnde: „Jella — endlich, endlich mein!" welches sich Alfreds Lippen entrang, übertönt.
Menschengruppen verdeckten das Paar den Blicken Frau Annas.
Sie sah nicht den Handkuß, mit dem Alfred, unbekümmert um einige neugierige Blicke der umstehenden fremden Menschen, von Jella Abschied nahm.
Er mußte zum Start.
„Sei ruhig, mein Liebling, meine süße, kleine Braut, mir wird nichts zustoßen! Ich bin sattelfest und habe eine sichere Hand. Ich fühle es, heute werde ich siegen!
Und er siegte.
Aigle, ging als erster durchs Ziel. Sein, Besitzer Baron Lomitz, vergoß darob beinahe Thränen der freudigsten Rührung und brach unzähligen Sektflaschen den Hals, um den Triumph seines schlanken braunen Renners gebührend zu feiern.
Bingens kehrten noch vor eingetretener Dunkelheit nach Kemmern zurück.
„Morgen wollen wir es den andern sagen," hatte Jella Alfred zugeraunt, als er nach beendetem Ritt an ihre Seite trat.
„Ich bin so stolz auf dich und so glücklich — ach, so glücklich!" hatte sie hinzugefügt.