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Geatlrbettasen r^Uttftrtrtes Ss^ntagrbLatt ^ «.AUrtStrirLs landwirthschaftiche VeUsge »

Nr. 114. SwntiM i« 26. Stztmkr 1961.

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die Expedition.

Amtlicher Theil.

Rotenburg a. F., den 19. September 1901.

Unter dem Schweinebestande des Johannes Abhau zu Schwarzenhasel ist die Rothlaufseuche ausgebrochen.

Der Königliche Landrath Tuercke.

Herzenskämpfe.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

Der nächste Tag war außerordentlich heiß.

Jella ließ sich geduldig von Frau Anna aus einem Laden in den andern schleppen. Dann ging es zur Schneiderin, in ein Putzgeschäst, wo Anna zahllose Hüte aufprobierte, ehe sie sich endlich für einen entschied, dann in Parfümerien und Buchhandlungen, bis die junge Frau schließlich erschöpft vom vielen Aussuchen und Kaufen tief Atem holte und sagte:

So, nun haben wir alles besorgt, jetzt aber bin ich wolsshungrig!"

Sie winkte mit ihrem Sonnenschirm eine vorüber- fahrende Droschke heran und nannte dem Kutscher die Adresse des ersten Hotels der Stadt.

Dort im Speisesaal war es erquickend kühl.

Die Baronin forderte die Speisekarte und wählte lange. Jella bestellte rasch, ohne viel nachzudenken; sie war todmüde.

Sie saßen mit dem Rücken gegen die Eingangsthür. Ihr gerade gegenüber befand sich ein großer Spiegel.

Außer den beiden Damen waren nur noch etliche zeitungslesende Herren anwesend. Zwei Kellner durch­eilten leisen Schrittes den Raum, bemüht, die Gäste möglichst schnell und unhörbar zu bedienen.

Rotenburg a. F., den 19. September 1901.

Unter dem Schweinebestande des Maurers Conrad Kegel zu Jba ist die Rothlaufseuche ausgebrochen.

Der Königliche Landrath Tuercke.

Homberg, den 21. September 1901.

Unter der Schafheerde des Oberamtmanns Reinhard und des Schäfers Göbel zu Neuenstein ist die Räude ausgebrochen.

Der Königliche Landrath von Gehren,

Nichtamtlicher Theil.

Lehm M wirtWflliche« NickrWges.

Angesichts der Thatsache, daß sich Deutschland nach einem beispiellosen wirthschaftlichen Aufschwungs in einem Niedergangs der wirthschaftlichen Verhältnisse befindet, kann es der Volkswohlfahrt nicht dienen, daß man jammert und Schwarzseherei treibt, sondern man muß dem Miß­geschick mutig ins Gesicht sehen und das Uebel zu heilen suchen. Wie kann man der rückläufigen Bewegung Herr werden?

Zunächst ist es nothwendig, innerlich faule Unter­nehmungen zum Bruche gehen zu lassen, wie man das der Leipziger Bank, der Casseler Trebertrocknungs-Gesell- schaft und andern gegenüber vernünftiger Weise gethan hat. Das zweite Heilmittel ist die Auflösung überflüssiger oder entbehrlicher Unternehmungen. Zum dritten müssen gute und lebensfähige, nur in augenblicklicher Verlegen­heit befindliche Geschäftsbetriebe unterstützt werden. Vier­tens sind in den geschäftlichen Unternehmungen, wie im öffentlichen, im Familien- und Personal-Haushalt die vielfach außeracht gelassenen Grundsätze der Wirthschaft- lichkeit und Sparsamkeit wieder allgemein in verstärktem Maße zur Geltung zu bringen. Fünftens endlich damit kommen wir auf einen Hauptpunkt muß die Borgwirthschaft nicht bloß im Privatleben, sondern namentlich im Geschäftsleben eingeschränkt werden.

Es ist unglaublich, welche falschen Begriffe vom be­rechtigten Kreditwesen heutzutage in Handel und Wandel gelten! Während der Kredit, das Darlehen, von Rechts­wegen und naturgemäß nur zeitweilig ergänzend eintreten sollte, um ein geschäftliches Vorhaben, zu dem die Mittel des Unternehmers nicht ausreichen, zu ermöglichen, arbeiten zahllose Geschäftsleute jahrein jahraus mit Bank- und Warenkrediten in einem ihr eigenes Vermögen um ein 1

Plötzlich erhob Jella den Blick, der erschreckt und starr im Spiegel ihr gegenüber haften blieb.

Im Rahmen desselben erblickte sie ihren Stiefbruder Walter, der, eine Dame am Arm führend, soeben ein­getreten war.

Das Paar nahm am ersten leeren Tische neben der Eingangsthür Platz.

Sieh doch, Jella, Walter, wenn mich nicht alles täuscht," flüsterte Frau Anna und gab durch einen Ruck ihrem Stuhl eine Wendung, so daß sie Walter und seiner Begleiterin halb den Rücken zukehrte.

Beide Tische befanden sich übrigens ziemlich entfernt von einander.

Aber," fuhr Anna flüsternd fort,das ist doch nicht Thea Lindner feine Frau, wollte ich sagen. Wen hat er denn da aufgegabelt! Hübsche Person allerdings, nicht wahr, Jella ? Süperbe Figur, aber etwas zu kecker Gesichtsausdruck. Und dann dieses Eigentümliche in der Toilette ach, und der Puder! man meint ihn bis hierher zu riechen. Schauspielerin vermutlich, aber jeden­falls zweiten oder dritten Ranges. Ja, wie lange ist der Walter denn eigentlich verheiratet etwas über zwei Monate denke ich? Netter Junge, das muß ich sagen! Und seine eigene Frau ist doch eine Schönheit! Ich hätte ihm dergleichen kaum zugetraut."

Ich bitte dich, Anna, laß uns schnell fortgehen," bat Jella.Du begreifst, es ist mir furchtbar peinlich, Walter in solcher Gesellschaft zu treffen. Und er wäre

vielfaches übersteigendem Umfange. Dadurch wird nicht allein die Grundlage des gesunden Geschäfts-Verkehrs verschoben, indem das Wagnis des Unternehmers that­sächlich nicht der Unternehmer, sondern der Geldleiher trägt, es wird auch durch eine solche Gewohnheit die Geschäftsmoral geschädigt. Pflichtgefühl, Sorgfalt, Ueber- legung, kurz, alle Eigenschaften, die der gute Geschäfts­mann neben den besondern Kenntnissen und Fähigkeiten, die der Beruf erfordert, haben muß, werden durch die unangemessene Kredit-Gewährung nach und nach vernichtet, und es bleibt schließlich nur ein waghalsiger, gewinn- und genußsüchtiger Unternehmer auf Kosten des Banquiers oder des Warenlieferanten übrig.

Das allgemeine Streben der Kaufmannschaft und der Industrie muß also darauf gerichtet sein, ihre Betriebe mit der Absatzfähigkeit der Artikel und Erzeugnisse in Einklang zu bringen, selbst wenn dazu Opfer nötig sind. Es muß wieder eine gesunde Grundlage in jedem einzelnen Geschäft geschaffen, wirthschaftlich gearbeitet, eingeschränkt und gespart werden.

Der Nachtheil des langen wirthschaftlichen Aufschwungs war, daß man zu teuer arbeitete, zu üppig wurde, zu hohe Preise für die Waren verlangte und wegen der Selbstkosten oft verlangen mußte. Werden wieder durch allgemeine Herabsetzung der Entstehungskosten, durch sparsamern, wohlseilern Betrieb, durch mäßigere Gewinn- Ausschläge auf die Waren diese billiger, so steigt die Kaufkraft im Volke. Lebt man in der Geschäftswelt mehr nach dem altbewährten Grundsatzklein, aber mein", statt des jetzigengroß, aber auf Pump", so wird wieder mehr Zuverlässigkeit und Genügsamkeit im Handels- und Gewerbestand einkehren. Mit einem Wort, die alt­bewährten wirthschaftlichen Tugenden des sorgsamen Haus­vaters und reellen Geschäftsmannes müssen wieder all­gemeiner zu Ehren kommen, dann wird die Krisis ver­hältnismäßig schneller und leichter überwunden und ihre baldige Wiederkehr verhindert werden.

Politische Nachrichten.

Berlin 24. September.

Se. Majestät der Kaiser begab sich am Montag Nachmittag zu Pferde und in der Uniform seines russischen Grenadier-Regiments nach dem Grenzstädtchen Wyschtyten, welches am 26. August zum großen Theile durch Feuer zerstört worden war. An die auf dem Marktplätze zu- sammengeströmte Bevölkerung hielt der Kaiser eine An-

imstande, uns anzureden und uns die aufgeputzte Person vorzustellen! Ich kenne ihn, er thäte es mit Freuden, nur, um uns Unangenehmes zu bereiten ! Er hat niemals Rücksichten genommen und wird dies jetzt erst recht nicht thun. Ich möchte es um nichts in der Welt zu einer Erkennungs- und Begrüßungsscene zwischen uns kommen lassen "

Natürlich," stimmte die Baronin bei.

Sie schlürfte den Rest aus ihrem Madeiraglase und winkte den Kellner herbei, um zu zahlen.

Laß uns den Umweg um jene Blumengruppe nehmen," bat Jella,so kommen wir am ehesten ungesehen an Walter vorüber."

Im Vorbeigehen hörten sie, wie Walter, der mit höchster Eleganz gekleidet war und sich nachlässig in seinen Stuhl zurücklehnte, seine Begleiterin fragte:

Also Sekt, Leonie? Gut, du sollst ihn haben!

Kellner, die Weinkarte!"

Nun hört aber Verschiedenes auf," sagte Anna, als sie und Jella sich auf der Straße befanden.

Diese erwiderte hierauf keine Silbe.

Nach einem Blick auf das blasse, angegriffene Gesicht ihrer Kousine schwieg auch die junge Frau über die eben stattgefundene Begegnung und sprach von gleichgiltigen Dingen.

Als sie endlich im Wagen saßen, sagte Jella leise: Arme Thea!"

Ja, da hast du recht," entgegnete Anna;an dir