Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag. k===========^^

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg.

Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

----- J

Rr. 113. AeiißW iltn 24. Se-tmber M

-

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 20. September 1901.

: Die Herren Bürgermeister der Schulorte des hiestgen Kreises haben mir bestimmt bis zum 28. d. Mts. berichtlich anzuzeigen, wie viel die gesammten laufenden Schul unter Haltungskosten vom Rechnungsjahre 1900/01 betragen haben.

L 5288. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 23. September 1901.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche die dies- itige Verfügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182, reisblatt Nr. 18, Einzahlung des Forstgeldes betreffend, ;6 heute nicht erledigt haben, werden mit Frist bis um 28. d. Mts. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Hünfeld, den 14. September 1901.

In der Gemeinde Großenbach, Kreis Hünfeld, ist die !aul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh ausgebrochen.

Der Kreisthierarzt Meyerstraße.

Nichtamtlicher Theil.

He toniflofltii unserer Wehrkraft.

Der ehemalige kommandierende General des 15.

rmee-Korps, General der Infanterie von Blume, hat )r längerer Zeit bereits unter dem TitelDie Grund­gen unserer Wehrkraft" eine Studie veröffentlicht, die ägemeine Beachtung verdient. Es handelt sich in dieser ichrift um den groß angelegten Versuch, eine Verbindung zwischen dem staatswiffenschastlichen und militärwiffen- ^chaftlichen Gebiete herzustellen.

General von Blume vertritt den Standpunkt, daß $ bei allem Streben, den Frieden zu erhalten, ein lebens- sählges Volk nicht freiwillig auf seine Unabhängigkeit, seine Eigenart und seine Ehre verzichtet. Ein auf­strebendes, sich fortdauernd vermehrendes und in ge­

Herzenskiimpfe.

Roman von H e d d a von S ch m i d.

(Fortsetzung.)

Eines Tages machte sie mit Jella einen Spaziergang, schob, da sie sich gern ein wenig schleppen ließ, ihren Arm in den ihrer Kousine und bat:

Nun erzähle, Jella! Mama sagt mir, du hättest es auf eurer Reise so vielen Männern angethan!"

Notgedrungen berichtete Jella, daß bereits in Nizza ein reicher Fabrikant und Großgrundbesitzer sich ihr ge­nähert.

Du weißt ja, Anna," schaltete sie hier ein,daß re Mutter, so steif sie sich auch Fremden gegenüber c zu Lande giebt, auf Reisen leicht neue Bekannt- isten ankuttpst. Sie dachte natürlich auch nicht im ferntesten daran, daß unser Nachbar an der Mittags- ^el in Nizza uns nach Meran folgen würde, mit einem elrechten Heiratsantrag für mich in der Tasche."

/^«Dann berichtete Jella so kurz und knapp, wie die rndigen Zwischenfragen ihrer Kousine es ihr nur ge- eten, daß es ihr unendlich peinlich gewesen, dem ane, den sie trotz ihrer kurzen Bekanntschaft bereits en gelernt, einNein" zu erwidern. Darüber sei Tante zuerst sehr aufgebracht gewesen und habe be- ptct,Jella verscherze durch ihre Weigerung ihr msglück." Vollends böse sei sie aber geworden, als a ihr den Vorschlag gemacht, sie ziehen zu lassen, sich selbst ihr Brot zu verdienen.

sunder Entwicklung begriffenes Volk hat überdies ein natürliches Ausdehnungs-Bedürfniß, verlangt Raum zur Bethätigung seiner Kräfte und zur Verbesserung seiner Lebens-Bedingungen.Findet es ihn nicht auf fried­lichem Wege, so durchbricht es die Grenzschranken mit Gewalt. Die schwache« und alternden Völker werden zurückgedrängt oder zu neuem Leben, wenn auch unter fremder Herrschaft und in veränderter Richtung, erweckt. Das ist der Ursprung und das Wesen der großen Staaten- Umwälzungen, die sich auf dem Erdball von Zeit zu Zeit unter schweren kriegerischen Zuckungen vollziehen."

Was Moltke vor dem deutschen Reichstage in die Worte kleidete:Ein großer Staat steht nur sicher auf sich selbst," das klingt auch bei Blume wieder in dem Ausspruch:Die beste Gewähr des Friedens findet der Staat nach wie vor in der eigenen Kraft. Sie erhöht den Werth seiner Freundschaft, verleiht seinen berechtigten Ansprüchen Nachdruck und hält kriegerische Gelüste der Nachbarn im Zaum." Auf die Dauer vermag ein Staat in der auswärtigen Politik nur solche Ziele er­folgreich zu verfolgen, zu deren Erreichung er die Macht­mittel besitzt. General von Blume folgert daraus, daß es eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Aufgabe des Staates sei, die Elemente der Wehrkraft in allem Wechsel der Zeiten gesund und kräftig zu erhalten. Als solche Grundlage kommt aber vor allem Zahl und Art der Bevölkerung in Betracht.

Was zunächst die Bevölkerungs-Zahl anbetrifft, so ist diese wiederum abhängig von der körperlichen Kraft und Gesundheit des Volkes, wodurch die Sterblichkeits­Ziffer sinkt und die Fruchtbarkeit der Ehen wächst. Abnahme der Neigung zum Heirathen sowie des Kinder­segens ist dem Verfasser keine unvermeidliche Folge der Kultur, sondern sie erscheint ihm vielmehr als ein Zeichen mangelnder sittlicher Widerstandsfähigkeit gegen die mit wachsendem Wohlstände verbundenen Versuchungen, als ein Sympton bereits eintretender Kultur-Entartung. Und die Folgen sind verhängnißvollster Art. Verlang­samt sich der Zuwachs von Jahr zu Jahr, bis endlich die Bevölkerungs-Ziffer wohl gar abnimmt, dann ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo das alternde Volk der, Knechtschaft eines lebenskräftigem verfällt, das berufen ist, bm durch jenes in Kultur gebrachten Boden vom Unkraut zu reinigen und neu zu bestellen.

Freilich bedingt nicht alles, was die Volks-Vermehrung fördert, ohne weiteres auch eine Förderung der Wehr­

Der Auftritt hatte schließlich damit geendet, daß Frau von Greenhoff, welche leicht gerührt ward, sich unter reichlichen Thränen bereit erklärte, JellaS Freier in möglichst zarter Form die ablehnende Antwort des jungen Mädchens zu übermitteln.

Vielleicht aber wärst du doch mit ihm glücklich ge­worden," meinte Anna nachdenklich, als Jella mit ihrem Bericht zu Ende war.Oder liebst du am Ende einen andern?

Jella fühlte, wie sie erblaßte einen Augenblick lang zögerte sie, dann aber sagte sie fest, doch mit klang­loser Stimme:

Nein!"

Es fiel ihr schwer, die Lüge auszusprechen; doch es mußte sein.

Anna von Bingen wäre die Letzte gewesen, welcher sie ihre Liebe zu Alfred anvertraut hätte.

Die Vergangenheit sollte und mußte begrabe» sein.

Anna fragte nicht weiter, dachte aber um so mehr an Jella und deren mutmaßlichen Herzenszustand.

Sie wollte der Sache auf den Grund kommen, vor allen Dingen aber in Erfahrung bringen, ob der Flirt zwischen ihrer Kousine und Alfred von Elmer, über den man im verflossenen Winter soviel zu reden gewußt, ernste Spuren in Jellas Herzen hinterlassen hatte.

Am Abend desselben Tages, als Jella sich in ihr Zimmer zurückgezogen und Mutter und Tochter im Schlaf­gemach der letzteren vor dem eleganten, von blauseidenen Vorhängen halbverhüllten Babpwagen faßen, sagte Anna plötzlich:

kraft und Kriegstüchtigkeit. Damit kommt General von Blume zu der Frage nach den menschlichen Eigenschaften, die der Krieg erfordert. In treffender und lichtvoller Weise werdendste Anforderungen dargelegt, welche der Krieg in körperlicher und moralischer Beziehung an den Einzelnen stellt.

Politische Nachrichten.

Berlin 22. September.

Se. Majestät der Kaiser traf gestern gegen 2 Uhr, von Danzig kommend, in Marienburg ein und fuhr, ohne den Zug an der zum Empfange aufgestellten Rampe anhalten zu laffen, direkt nach dem Bahnhöfe durch. Von hier aus begab Sich Se. Majestät zu Wagen nach den neuen Festungswerken und besuchte darauf die Marienburg, wo er Sich etwa i Vt Stunden aushielt. Kurz vor 6 Uhr reiste Se. Majestät mit Sonderzug über Elbing nach Cadinen weiter.

Aus Petersburg wird gemeldet: Der Kom­mandeur des 39. (Narwaschen) Dragonerregiments erhielt am 13. September nachstehende Depesche des Kaisers Nikolaus:Ich habe gestern Se. Majestät den Deutschen Kaiser, König von Preußen, Wilhelm II. zum Chef des Ihnen anvertrauten Regiments ernannt. Ich bin über­zeugt, daß die Narwaer in Befolgung ihrer alten Traditionen dieses neue Zeichen Meines Vertrauens recht­fertigen werden. Nikolai."

Se. Majestät Kaiser Wilhelm sandte folgendes Telegramm an den Kommandeur:Se. Majestät Kaiser Nikolai hatte die Gnade, Mich zum Chef des Narwaschen Dragonerregiments zu ernennen. Durch diesen Freund­schaftsbeweis Sr. Majestät, Mich an die Spitze des Regiments zu stellen, das lange die Ehre hatte, als seinen Chef zu nennen den General-Admiral Großfürsten Kon­stantin Nikolajewitsch, bin Ich sehr erfreut. Seine Majestät drückte sich bei einem Gespräch, in welchem er die Geschichte und Verdienste des Regiments hochschätzte, über dasselbe als ein hervorragendes der russischen Armee und der Garde ebenbürtig aus. Ich beglückwünsche Mich und das Regiment zu diesem gnädigen Urteil seines obersten Führers. Ich bin überzeugt, daß dieses neue Band, das Mich mit der ruhmgekrönten russischen Armee verknüpft, zur Aufrechterhaltung und Festigung der alten Traditionen der Waffenbrüderschaft zwischen unseren

Mama ich glaube, daß Jella nur deshalb deinem Günstling einen Korb ertheilt hat, weil sie in Alfred von Elmer verliebt ist."

Mein liebes Kind, du weißt, ich habe nie auf irgend welchen Stadtklatsch Gewicht gelegt. Alfred ist ein Wind­beutel; durch sein abgeschmacktes Ständchen verdarb er es, soviel ich es beurtheilen kann, mit Jella ganz und ßß^*

Ach was, Mama, er hatte einen Rausch. Kurt hat mirs erzählt. Die Studenten, Alfred und noch einige andere haben bis zum Hellen Morgen Champagner ge. trunken. Aus einem Gespräch, das heute zwischen Jella und mir stattgefunden, habe ich meine besonderen Schlüsse gezogen. Alfred ist jetzt keine schlechte Partie, Odo hat ihm seine Existenz vollkommen sicher gestellt, und wenn letzterer sich noch mehr zu einem Toggenburg ausbildet, was augenscheinlich zu erwarten steht, so verschwött er ohne Zweifel das Heirathen auf ewig. Dann ist Alfred Majoratserbe, wenn Odo stirbt."

Ich bitte dich, Anna, welche weitgehenden Ver­mutungen ! Uebrigens ist Jella ehescheu. Der Aufenthalt im Parkhause hat sie ganz verändert. Ihre Erkrankung ließ sich leicht durch ihre angegriffenen Nerven erklären. Kein Wunder, die Umgebung, in der sie sich so lange befand, hat schädlich auf ihr Gemüt gewirkt. Martba war in meinen Augen immer etwas verdreht, und Jettchen ist ja leider ganz unnormal. Aber laß uns leiser reden, der Kleine regt sich im Schlaf. Ich glaube, es ist auch schon recht spät."

Anna von Bingen spann, bevor sie einschlief, ihre