Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. j Reklamen die Zeile 20 Pfg.
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Kersselder Aeisblatt.
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$r. 110. Aeisilig den 17. Zchtmber 1901.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 14. September 1901.
Die Schulstelle in Kerspenhausen ist in Folge Ab, leben« des bisherigen Inhabers vakant geworden und vom 1. Dezember d. Js. ab anderweit zu besetzen.
Das competenzmäßige Einkommen derselben beträgt neben freier Wohnung und einschließlich der Kirchen- dienstvergütung 1150 Mk. und der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Befähigungs-Zeugnissen bis zum 5. Oktober d. Js. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Hebel in Kerspenhausen oder dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand r
Freiherr von Schleinitz,
Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
I. I. Nr. 5163.
Hersfeld, den 16. September 1901.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche die diesseitige Verfügungen:
. 1. vom 8. September 1881 Nr. 10411, Kreisblatt
M Nr. 73, Körung der Zuchtbullen betreffend,
2. vom 20. August 1891 I. 8179, Kreisblatt Nr. 99, Einreichung der Nachweisung über vorhandene gewerbliche Anlagen betreffend, bis heute nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 20. d. Mts. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Aach der Zwei-Kaiser-Begegnung.
? Die Monarchen, Zusammenkunft in der Danziger Bucht i|P nadj dem Zeugniß aller Theilnehmer glänzend verlaufen. Sie gab Anlaß zu wechselseitigen werthvollen Kundgebungen persönlicher und politischer Freundschaft zwischen den beiden Kaisern und ihren Ministern. Namentlich die Haltung des Zaren ließ keinen Zweifel
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Hrrzeuskämpfe.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
Bald nachdem Frau von Wege fortgegangen, hatte Thea an Walter einen Brief gesandt.
Als ihm dieser überbracht iwurde, lag er gerade im icquetnen Hausrock auf einem mit kostbarer Decke befangenen Diva», blätterte in dem neuesten Roman von
3ola und rauchte dazu eine vorzügliche Cigarre.
Lässig streckte er die Hand aus nach dem Brief, den
Lässig streckte er die Hand aus nach dem Brief, den Eugenie liegt hoffnungslos an heftiger Lungenentzündung eine Auswärterin, eine dralle, hübsche Lettin, ihm hereiu. darnieder. Wirklich," fuhr er fort, „es hätte alles kaum
gebracht.
, „Hoffentlich ist's keine dieser ewigen Rechnungen," aurinelte er, „nein, eine Damenhandschrist! Ach, von Lheal"
Schnellen Blickes überflog er die Zeilen. Dann chnellte er mit einer elastischen Bewegung aus der iegenden Stellung empor.
• Sein Antlitz strahlte förmlich.
Vor dem großen Pfeilerspiegel, der sich zwischen den eiden hohen Fenstern des Gemaches breit machte, blieb c stehen und betrachtete mit einem sieghaften, trium- hierenden Ausdruck das Bild, welches das Glas ihm lrückstrahlte.
Jawohl, er war unstreitig eine schöne, interessante iäunererscheinung, etwas zu schmal vielleicht in den Hultern, aber aristokratisch und durchweg elegant vom cheitel bis zur Sohle.
darüber, daß er in den deutschen Gewässern nicht bloß nach dem Gebot der internationalen Höflichkeit einen Pflichtbesuch abflatlen, sondern durch besonders herzliches Entgegenkommen die alten vertrauensvollen Beziehungen seiner Dynastie zum Hause Hohenzollern neu besiegeln wollte. Auch zu ernsten politischen Unterredungen fand sich mehr Zeit, als hier und da, namentlich an gewissen Stellen im Auslande, erwartet wurde. Manche Worte sind gesprochen, manche Gedanken ausgetauscht worden, um eine deutsch-russische Annäherung weiter zu fördern. Die wirthschaftliche Politik, die der Reichskanzer zu Gunsten der deutschen Landwirthschaft eingeleitet hat, soll aber darunter nicht leiden. In den Handels- und Zollfragen will Graf Bülow einen für uns annehmbaren Ausgleich zwischen deutschen und russischen Bedürfnissen nur auf der Grundlage der Gegenseitigkeit herbeiführen. Er wird die Wünsche des großen Nachbarreiches ohne Voreingenommenheit an sich herankommen lassen, aber keineswegs, wie gesagt worden ist, den Russen nachlaufen oder auf die Geltendmachung deutscher Gegen- wünsche verzichten. Der kürzlich von agrarischer Seite erhobene Vorwurf eines übertriebenen deutschen Liebes- werbens um Rußlands Freundschaft schwebt völlig in der Luft. Man kommt der Wahrheit näher, wenn man annimmt, daß der größere Eifer für die Annäherung eher auf russischer Seite zu finden war. Die deutsche Politik hat in den Zwei-Kaisertagen Liebenswürdigkeiten empfangen und erwidert, aber nicht aufgedrängt. ZeitungsVorlesungen über Bismarckische Staatskunst in der Behandlung unseres Verhältnisses zu Rußland oder zu England sind gerade für den gegenwärtigen Kanzler, der diese Kunst praktisch übt, entbehrlich.
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Die bereits im Laufe des Donnerstag eingetretene kritische Wendung im Befinden des Präsidenten der Vereinigten Staaten hat in der Nacht zum Sonnabend zur Katastrophe geführt. McKinley ist, wie bereits durch Extrablatt berichtet, Sonnabend früh 2 Uhr 15 Minuten verschieden.
Wahrhaft tragisch hat sich das Geschick eines der hervorragendsten Präsidenten Amerikas erfüllt. McKinleys Amtsführung fiel mit einer seltenen Zeit politischer Macht- steigerung und wirthschaftlichen Aufschwungs der Vereinigten Staaten zusammen. Wenige Nachfolger George
Kein Wunder, daß die kleine Provinzialin Thea sich sterblich in ihn verliebt hatte.
Seit Thea in seinen Gesichtskreis getreten, hatte er sich mit einem bestimmten Plan getragen. Zuerst hatte ihn die Schönheit des jungen Mädchens gefesselt. Er hatte den Wunsch gehabt zu siegen, und nun sah er sich bereits früher, als er je zu hoffen gewagt, am Ziel.
Der Zufall gleichsam hatte Thea gestern in seine Arme geführt.
„Gerade zur rechten Stunde!" hielt Walter, vor dem Spiegel stehend, ein kleines Selbstgespräch. „Tante
günstiger für mich stimmen können. Anch daß Kollege Keilmann damals die Geschichte in die Hand bekam und nicht ich, ist vortheilhaft für mich unter den obwaltenden Umständen. „Wissen ist Macht", heißt es. — „Geld ist Macht", sage ich. Na, auf die Freude, welche meine Verlobung mit Thea in mir wachgerufen, kann ich Leonie das Saphirarmband, das sie sich so glühend wünscht, zu Füßen legen. Kleine Hexe, ich werde ihr nachher einen Besuch machen. Da meine Braut mich nicht eher wieder- zusehen wünscht, als bis die zukünftige Schwiegermama eingetroffen, so bin ich fürs erste aller Bräutigams- pflichten noch ledig. Schreckliche Zugabe, diese Schwiegermutter, die wollen wir uns hübsch vom Halse halten. Aber erst nach der Hochzeit, versteht sich — vorher, lieber Walter, sei ja gegen Frau Lindner der aufmerksamste Schwiegersohn, den Sonne und Mond je beschienen!"
In heiterster Stimmung kleidete Walter sich um. Er
Washingtons genossen auch außerhalb Amerikas persönlich und politisch ein ähnliches Ansehen. Kaiser und Könige haben McKinley durch Kundgebungen ihrer Freundschaft geehrt, und während der letzten Tage blickte die ganze zivilisirte Welt theilnahmevoll nach seinem Schmerzens- lager. Die bloße Thatsache, daß er der erste Beamte seines Landes, der erwählte Vertreter des amerikanischen Volkes war, hat hingereicht, um auch gegen dieses Oberhaupt eines freiheitlichen Staatswesens die Mordsucht zu entfesseln, die sich zur Schande unserer Zeit unter den Trägern der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung in den Kulturländern immer neue Opfer auswählt.
Erschüttert durch den Ausgang seines heldenmütigen Todesringen stimmen wir mit dem Volk und der Regierung der Vereinigten Staaten in die Trauer um den vortrefflichen Mann ein, der an einer Glanzstätte amerikanischer Kultur, als er sich vertrauensvoll unter seinen Mitbürgern bewegte, von der Kugel des Meuchelmörders getroffen wurde. Es schmerzt uns tief, daß die stammverwandte große Republik abermals das nationale Unglück eines Präsidentenmordes in voller Schwere empfinden muß. (Nordd. Allg. Ztg.)
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Danzig, 14. Septbr. Se. Majestät der Kaiser richtete die nachstehenden Telegramme nach Wuffalo:
An den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Buffalo Amerika.
Tief bewegt durch die Nachricht über den vorzeitigen Tod des Präsidenten McKinley eile Ich, Ihnen die tiefste und herzlichst gefühlte Sympathie des deutschen Volkes für die große amerikanische Nation auszudrücken. Deutschland trauert mit Amerika um den edlen Sohn Amerikas, der in der Erfüllung seiner Pflicht gegen sein Land und Volk sein Leben verlor.
Wilhelm I. R.
Frau McKinley, Buffalo:
Ihre Majestät die Kaiserin und Ich selbst bitten Sie, den Ausdruck unserer aufrichtigsten Trauer bei dem Verlust entgegenzunehmen, den Sie durch den Tod Ihres von ruchloser Mörderhand gefallenen geliebten Gatten erlitten haben. Möge Gott, der Ihnen so manche Jahre des Glücks an der Seite des Dahingeschiedenen schenkte, Ihnen Kraft geben, um den schweren Schlag zu verwinden, mit dem er Sie heimgesucht hat.
Wilhelm I. R.
gab viel auf seinen äußeren Menschen und hatte stets den besten Schneider. Dann fuhr er erst zu einem Juwelier, wo er drei Viertel eines Hundertrubelscheins gegen ein blitzendes Saphirarmband umsetzte, und begab sich dann zu Fräulein Leonie, einer Choristin, die sich gern als Künstlerin betrachten ließ, obgleich sie noch auf der untersten Stufe der Leiter stand, welche zur Höhe des Ruhms führt.
Dank dem Armbande wurde Walter von Leonie besonders zärtlich empfangen.
Da heute keine Oper, sondern irgend ein modernes Salonlustspiel auf dem Spielplan des Stadttheaters stand, hatte Leonie einen freien Abend, den sie gern ihrem großmütigen Freunde schenkte.
Zur selben Zeit, als in dem kleinen, mit^allerhand billigem, mehr oder minder geschmackvollem Tand vollgepfropften Zimmerchen der blonden Choristin der Sekt in den Gläsern perlte, und Leonie sich anschickte, auf Walters Bitte einige Kouplets zum besten zu geben, hielt Thea Lindner den VerlobungSring, den sie einst stolz und hoffnungsfreudig Odo gegeben, in den Händen.
Frau von Wege saß dem jungen Mädchen gegenüber und sah ernst und traurig aus.
„Sie sind nun frei, Thea. Erlassen Sie mir jedoch die Mittheilung, wie Herr von Eimer Ihren Wortbruch ausgenommen. Soviel aber kann ich Ihnen sagen: Er ist ein lauterer, goldtreuer Charakter, und Sie haben es wahrlich nicht verdient, daß dieser Mann seine selbstlose Liebe an Sie verschwendete. Gott helfe ihm das Leih verwinden, welches Sie ihm zugefügt!"