Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abonncinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Gratisbeilagen:SHaftrirtes Ssnntassblatt" «.^Unftrirte landWirthschaftlichr Vettage

Nr. M.

Iomerstaz den 12. Stjtanhr

Amtlicher Theil.

Berlin, den 14. August 1901.

Nach den in jüngster Zeit über das Treiben der Händler der fremden Staatslotterien mir erstatteten Be­richten scheint es nicht allgemein bekannt zu sein, daß schon die bloße Uebersendung von Prospekten pp. der im preußischen Staatsgebiete nicht zugelassenen Lotterien zur Bestrafung der im Gebiete des Deutschen Reiches _ (wenn auch außerhalb Preußens) wohnhaften Loose- ^händler nach dem Gesetze vom 29. Juli 1885 genügt, '^ohne daß es eines wirklichen Erfolges der Anpreisung, inb. h. des Absatzes eines Looses bedarf. Euere Hoch- wohlgeboren ersuche ich ergebenst, die Nachgeordneten ^Polizeibehörden bezw. Beamten gefälligst hierauf hinzu- c weisen und zum entsprechenden Einschreiten zu veran- _ lassen.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß in )enjenigen Fällen, in denen trotz der Untersagung des Gewerbebetriebes die ursprüngliche Firma fortgeführt - wird, die Führung des Nachweises von Bedeutung er- ! scheint, daß der angebliche Nachfolger des bestraften Firmeninhabers nur dessen Strohmann ist, um daraufhin m Zwangswege behufs Einstellung des Gewerbebetriebs sorzugehen oder auf Grund der §§ 35, 147 der Gewerbe­ordnung eine Bestrafung des eigentlichen Firmeninhabers Aerbeizuführen.

Der Minister des Innern.

In Vertretung: gez. von Bifchoffshausen. An den Herrn RegierungS-Präsidenten in Cassel.

Cassel, den 31. August 1901.

Abschrift zur Beachtung und Mittheilung an die unterstellten Polizeibehörden und Polizeiorgane.

Der Regierungs-Prästdent. I. V.: Schenk. An die Herren Landräthe des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 9. September 1901.

; Vorstehendes theile ich den Ortspolizeibehörden und ber^ K. Gendarmerie des Kreises zur Nachachtung mit. 5027. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Roth.

Hersfeld, den 9. September 1901.

Der Bürgermeister Peter Hildebrand zu Rohr­bach ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter für den B^irk der Gemeinde und Gemarkung Rohrbach widerruflich be­stellt und eidlich verpflichtet worden.

I. 4901. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Johannes von Miguel ^.

In der Nacht vom 8. zum 9. dieses Monats ist, wie bereits berichtet, derStaatsministerJohannes vonMiquel amHerzschlage gestorben. Wie der Reichskanzler Fürst Hohenlohe bald, nach­dem er die Last seines Amtes niedergelegt hatte, die irdische Ruhe mit der ewigen vertauscht hat, so hat auch jetzt das an Arbeit und an Erfolgen reiche Leben Miguels plötzlich und unerwartet seinen Abschluß gefunden, kurz nachdem die schwere und verantwortungsvolle Arbeit von seinen Schultern ge­nommen worden war.

Mit Johannes von Miguel ist einer der hervorragendsten Männer des neuen deutschen Reiches und insbesondere Preußens dahingegangen. In seiner Studienzeit hat er einst politisch radikalen und socialistischen Tendenzen angehangen und hieraus auch später niemals ein Hehl gemacht. Nur der Haß der Socialdemokratie aber kann diese Thatsache benutzen wollen, um den großen Todten zu verkleinern und verlästern. Miguel hat jene jugendlichen Verirrungen rasch überwunden und in einer langen gesegneten Wirksamkeit für Monarchie und Vaterland reichlich gesühnt. Er gehörte, wenn irgend einer, zu jenen Männern, von denen das Wort des Dichters gilt:Das find die Weisen, die durch Irrthum zur Wahrheit reisen, die im Irrthum verharren, das sind die Narren."

Früh schon hat Btiquel die Nothwendigkeit der nationalen Einigung Deutschlands unter Preußens Führung begriffen, und die Ueberzeugung von dieser Nothwendigkeit bestimmte ihn zu jener fieberhaft werbenden Thätigkeit für diepreußische Spitze", wie er sie in der ersten Hälfte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit seiner hinreißenden Beredsam­keit im Nationalverein betrieben hat. Seit jener Zeit kennt das deutsche Volk den Namen Miguel als den eines der krast- I vollsten und treuesten Vertreter des nationalen Gedankens, ; und dieser Gedanke ist allezeit der Leitstern für sein Thun und Lassen gewesen. Was ihn in den letzten Jähren am ! schwersten bedrückte, war die Befürchtung, daß die geschicht- ! liche Erbsünde unseres Volkes, der Mangel an einem tiefernsten i Nationalgefühl, an starkem Staatssinn, allmählich wieder zum Zerfall des so schwer errungenen Reiches führen könnte.

Als preußischer Finanzminister hat Miguel vor allem das große Werk der preußischen Steuer-Reform vollbracht. Durch dieses Hauptwerk seines Leben ist er einer der bedeutendsten

Finanzminister geworden, die Preußen und Deutschland je besessen hat. Sein Steuersystem, durch welches die Gedanken der größtmöglichen Gerechtigkeit und Billigkeit in der Ver- theilung der Steuerlasten ihre Verwirklichung gefunden haben, wurde vielfach vorbildlich für andere Staaten. Er hat die Finanzen Preußens in einer Weise geordnet und festbegründet, daß sie dem Staate auch in den schwersten Zeiten ein starker Rückhalt sein werden, und seit den Zeiten Friedrichs des Großen ist Preußen niemals in einer so glänzenden Finanz­lage gewesen, wie zu dem Zeitpunkte, als Miguel nach elf Jahren das Ministerhotel am Kastanienwäldchen in Berlin wieder verließ.

Seine Wirksamkeit beschränkte sich aber nicht auf sein Ressort, das er mit souveräner Sicherheit beherrschte; als Vicepräsident des preußischen Staatsministeriums wußte er vielmehr auf den Gang der innern Politik überhaupt einen maßgebenden Einfluß auszuüben. Mit rastlosem Eifer hat er besonders an der Annäherung von Industrie und Landwirth- schast gearbeitet, um so die unerläßliche Vorbedingung einer erfolgreichen Sammlung aller staatserhaltenden Elemente zu schaffen. Er hat ferner in der Polenpolitik wieder die alt­bewährten Bismarck'schen Tradittonen des feften, zielbewußten Kurses zur Geltung zu bringen verstanden. In Verbindung mit dieser Politik fand sodann die große Hohenzollern-Jdee der innern Kolonisation an Johannes v. Miguel ihren eifrigsten und thatkräftigsten Förderer. Landwirthschaft und gewerblicher Mittelstand endlich haben dem Todten außer­ordentlich viel an Erleichterungen und Unterstützungen, an Maßnahmen gesetzlicher und administrativer Fürsorge zu verdanken.

Johannes v. Miguel starb, als er noch hoffen mochte, einen fteundlichen Lebensabend zu genießen und rückblickend auf die Erfahrungen eines reichen Lebens sich jener Muße erfreuen zu dürfen, der allein das Bewußtsein, stets seine Pflicht gethan zu haben, das rechte Behagen verleiht. Trauernd steht das nationale Deutschland an seiner Bahre. Ein wirklicher Patriot, ein Staatsmann von seltenen Anlagen und ein un­ermüdlicher Arbeiter für Deutschlands Wohlfahrt ist mit dem Todten dahingegangen. Sein Andenken wird in der Geschichte Preußens und Deutschland unvergänglich fortleben.

Politische Nachrichten.

Berlin, 10. September.

In Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin sowie der Prinzen des Königlichen Hauses fand am 9. September, Vormittags 10 Uhr, die feierliche Einweihung der unter dem Protektorat der Kaiserin erbauten ni gin Luise-G e da ch tniß- Kirche in Königsberg statt. Die Geistlichkeit, die obersten Hof- und Staatswürdenträger, das Konsular­korps, Vertreter der städtischen Behörden, der Universität, der Kaufmannschaft, sowie der Kirchengemeinde nahmen

HU

Herzeuskümpfe.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

spät Ent»

XVII.

M Als Thea nach unruhigem Schlummer ziemliq

4 am Morgen erwachte, erhob sie sich mit dem festen _____ schluß, Odo gleich heute zu schreiben und ihr ihm ver- ^pfändetes Wort zurückzufordern.

1| Mit der Selbstsucht aller Verliebten, die bisweilen U'sogar an Grausamkeit streift, sagte sie sich:Wenn Odo mich wirklich so heiß liebt, wie er es so oft versichert, .wenn ihm mein Glück einzig und allein am Herzen liegt: so muß, so wird er mich freigeben, weil ich nicht mit ihm, sondern nur mit Walter glücklich werden kann." ll«, , Es traf sich, daß Frau von Wege gerade heute Vor» mittag einige unaufschiebbare Besuche zu erledigen hatte. ^So blieb Thea für eine Weile sich selber überlassen und Mbenutzte die Zeit, um den Brief, der sie von ihrem Ver- ,x lobten lösen sollte, zu versassen.

* ®8 Het ihr schwerer, als sie sich's vorgestellt. Mehrere Bogen zerriß und verbrannte sie, ehe eine Epistel, deren Inhalt ihr gut dünkte, zustande kam.

Ein paar Mal tropften auch einige heiße Zähren 0Hlf das Briesblatt hinab.

Den Schluß des Briefes bildete die wiederholte Bitte i- im Verzeihung.

0 Als der Deckel des grünlackierten Briefkastens herum» tappte, war es ihr, als fei ein dichter Vorhang vor

einen Abschnitt ihres Lebens gefallen. Das Kapitel Odo" undElmershort" hatte nun fein Ende erreicht.

Thea atmete erleichert, wie von einem schweren Druck erlöst, auf sie fühlte sich dem geistigen Tode, der ihr in den kleinstädtischen Verhältnissen und an der Seite eines ungeliebten Mannes gedroht, glücklich entronnen.

Auch kam sie sich ein wenig als Heldin vor es ist doch, bei Lichte betrachtet, keine Kleinigkeit, einen steinreichen Majoratserben auszuschlagen und, zwar dem Zuge des Herzens, aber dafür einem unbemittelten Manne zu folgen---

Doch was that das!

Thea glaubte fest, daß Waller eine glänzende Zu­kunft bevorstand. Er, mit feinen hervorragenden Geistes­gaben, würde bestimmt Karriere machen und einer der gesuchtesten und berühmtesten Rechtsanwälte werden. Wenn das auch nicht der Fall wäre, wenn Thea sich an seiner Seite einschränken müßte: geistig darben würde sie trotzdem nicht. ,

Von diesen Gedanken getragen, eilte das junge Mädchen nach Hause.

Da, etwa zwanzig Schritt von der Wegeschen Haus­thür entfernt, steht Thea vor dem Hause eine Droschke I halten, der ein Herr entsteigt.

Sie bleibt wie angewurzelt, ihren Augen kaum trauend, stehen.

Es ist Odo, der mit seiner ganzen ihm zu Gebote stehenden, ihr so grenzenlos verhaßten Gemächlichkeit den : Droschkenkutscher ablohnt und alsdann, ohne Thea zu! bemerken er schaut nicht nach der Seite der Straße

hin, wo seine Braut in halber Erstarrung vor seinem Anblick steht im Hause verschwindet.

Thea hat die unmittelbare Empfindung, daß sie fliehen müsse.

Um nichts in der Welt möchte sie jetzt mit Odo zu- sammentreffen und feinen zärtlichen Begrüßungskuß dulden jetzt, nachdem Walters Lippen heiß auf den ihren geruht.

Und nimmermehr könnte sie ihm das sagen, was ihr Brief ihm gestanden I

Sie fürchtet den klaren Blick seiner treuen Augen ja, sie schämt sich, obzwar sie ihre Handlungsweise keineswegs bereut.

Wohin aber soll sie sich wenden, um ein Zusammen­treffen mit Odo zu vermeiden?

Am liebsten führe sie auf der Stelle nach W. in ihr Elternhaus zurück. Lieber den Eltern alles gleich einge­stehen, wenn es fein müßte, auch einen Sturm aushalten, Vorwürfe über ihre Wortbrüchigkeit über sich ergehen lassen alles, alles würde sie lieber ertragen, als Odo Auge in Auge gegenüberstehen. Aber so ohne weiteres nach W. zurückkehren, da« ging doch nicht, allein

Ueber Thea kam eine plötzliche Erleuchtung.

Zu Tante Eugenie wollte sie, dort konnte sie sich etwas sammeln, von dort auS Walter schreiben, mit ihm sich beraten und endlich Frau von Wege rückhaltslos eine Beichte ablegen.

Tante Eugenie sollte jedoch fürs erste nichts von ihrem Schritt erfahren.