Höchstdieselben im offenen Vierspänner begaben, escortirt von einer Escadron des Regiments Garde-du-Corps und gefolgt von den Damen und Herren der Umgebung. Heute Mittag werden Seine Majestät die Rapporte der Leibregimenter entgegennehmen.
Die Begegnung des Kaisers mit dem Zaren bei Danzig wird nach den neuesten Bestim- mungen erst am 11. September Vormittags erfolgen, und zwar entweder auf der Höhe von Hela oder, bet stürmischem Wetter, auf der Danziger Rhede.
Die Gerüchte, daß Kaiser Wilhelm mit dem Zaren in Fredensborg zusammentreffen wolle, werden in Kopenhagen offiziell dementirt.
Eine Deputation des Kaiser Franz Garde- Grenadier-RegimentS Nr. 2 hat sich nach Wien begeben, wo sie vom Kaiser Franz Josef in Audienz empfangen wird. Zweck der Audienz ist, den neuen Obersten dem Kaiser als Chef des Regiments vorzustellen.
Aus Kiel wird unterm 31. August gemeldet: Unter überaus reger Betheiligung fand heute Abend ein zu Ehren der Besatzungen der heimgekehrten Chinadivision von der Bürgerschaft veranstalteter Lampioncorso statt. Hunderte von geschmückten Ruderbooten, Motorbooten und Dampfern bewegten sich an den auf der Höhe von Bellevue verankerten Schiffen entlang, jedes einzelne mit Hurrah begrüßend.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Pflichtstundenzahl der Volksschullehrer ist fast überall eine unverhältnißmäßig hohe, namentlich auch auf dem platten Lande. Während die Zahl der von den Lehrern an den höheren Schulen wöchentlich zu ertheilenden Unterrichtsstunden allgemein auf 18 bis 22 Stunden, je nach dem Dienstaller, festgesetzt worden ist, müssen Volksschullehrer, die im Dienst bereits ergraut sind, auch in überfüllten Oberklassen fast regelmäßig 30 wöchentliche Unterrichtsstunden geben. So werden z. B. in Spandau auch die ältesten Volksschullehrer grundsätzlich zu 30 Pflichtstunden herangezogen. Um dies technisch möglich zu machen, werden einzelne Lehrer in ganz verschiedenen Schulen, die auch räumlich weit von einander getrennt liegen, beschäftigt. Die Schul- abtheilungen der Bezirksregierungen scheinen bisher solcher übermäßigen Inanspruchnahme der Volksschullehrerkräfte weiter keine Beachtung geschenkt zu haben. Daher ist es besonders bemerkenswerth, daß die Königliche Regierung zu Merseburg jetzt dieser Frage näher getreten ist. Sie hat die Pflichtstundenzahl der Volksschullehrer in folgender Weise geordnet: Die Lehrer bis zum 30. Lebensjahre bezw. 10. Dienstjahre haben in Zukunft in der Regel 30 Unterrichtsstunden wöchentlich zu ertheilen, während die Pflichtstundenzahl der älteren Lehrer ihrem Alter entsprechend auf 28, 26 und 25 zu ermäßigen ist. Vom 30. Dienstjahre ab sind die Lehrer nur mit 24 Wochenstunden unterrichtlich zu beschäftigen.
Unter den Gärtnern herrscht ein lebhafter Streit darüber, ob sie sich zu den Handwerkern oder zur Land- wirthschaft rechnen sollen. Gegen den Beschluß des „Verbandes der Handelsgärtner" in Dresden, 6. August 1901: „einer Unterstellung der Handelsgärtnerei unter das Handwerk und die Reichs-Gewerbeordnung, entschieden entgegenzutreten und sich ausschließlich als zur Landwirthschaft gehörig zu betrachten", nimmt der aus Gehülfen bestehende Allgemeine deutsche Gärtnerverein sehr scharf Stellung, indem er Petitionen unter den Gehülfen in Umlauf setzt, welche den Reichstag ersuchen sollen, unzweideutig zu erklären, daß alle im Kunst- und Ziergärtnereigewerbe thätigen Gehülfen, Lehrlinge, Betriebsbeamte (Obergärtner, Geschäftsleiter), Gartentechniker und Arbeiter als gewerbliche Arbeiter im Sinne des VII. Titels der Reichs-Gewerbeordnung angesehen und verwaltungstechnisch behandelt werden sollen.
Gewohnheit geworden, daß sie nun manchmal nicht wußte, was sie mit dem Ueberfluß an freier Zeit beginnen sollte.
Nach Sanzen wollte sie nicht eher zurückkehren, als bis im Parkhause alles geordnet und Tante Jettchen irgendwo gut untergebracht worden. Auf das geistesschwache alte Wesen hatte der Tod der Schwester einen erschütternden Eindruck gemacht. In das sonst so nichtssagend lächelnde Gesicht war ein schmerzlicher Ausdruck getreten. Jettchen war scheu und ängstlich geworden und folgte Jella fast immer auf Schritt und Tritt. Es war, als ob sie fürchte, daß der Geist der Verstorbenen im Hause umgehe.
Jella selbst fühlte sich seelisch und körperlich recht heruntergekommen ; sie hatte das Bedürfnis nach ununterbrochener Beschäftigung. Bei steter Arbeit hoffte sie ihrer trüben Gedanken am ehesten Herr zu werden.
Gleich nach Tante Marthas Tode hatte sie den Schlüssel zum Pult der Blinden, den diese stets unter ihrem Kopfkissen oder in der Tasche ihres Kleides auf- zubewahren pflegte, an sich genommen Sie öffnet das Pult — aber das Geld ist verschwunden.
Mit bebenden Fingern durchwühlt sie die andern Schubfächer, allein ohne Erfolg.
Plötzlich blitzt eine unheimliche Ahnung in ihr auf — sie erinnert sich deutlich der wirren Reden, welche die Tante in ihrer Todesstunde geführt. Sie hatte von einer Hand gesprochen, welche nach dem Schlüssel getastet ... an dieser Hand befand sich ein Wappenring . . . . Konrads Wappenring . . . Konrad — so hatte Walters Vater geheißen. Und ihn hatte Tante Martha geliebt, er aber hatte ihr eine andere vorgezogen, Jellas Mutter . . .
Nun begreift Jella Tante Marthas Schwäche für
Auf einem kürzlich in Koblenz abgehaltenen Schneidertag der Rheinprovinz wurde angeregt, eine Genossenschaft zum gemeinsamen Bezug von Stoffen, Kleiderzuthaten u. s. w. zu gründen. Diese Anregung wurde nunmehr verwirklicht; es haben sich 22 Schneidermeister vereinigt.
Aus Gumbinnen wird gemeldet, daß die Nachricht, der zum Tode verurtheilte Marten sei auf Anordnung des Gerichtsherrn, commandirenden Generals Grafen Finck von Finckenstein, nach Danzig gebracht worden, eine irrige sei. Marten wird vielmehr bis zur Entscheidung des Reichsmilitärgerichtshofes in Berlin in Gumbinnen verbleiben. Die Ueberführung des Ver- urtheilten nach Königsberg soll der größeren Sicherheit halber ebenfalls in Betracht gezogen worden sein. Gestern wurde den Eltern des Marten gestattet, ihren Sohn im Gefängniß zu besuchen und unter strenger Aufsicht zu sprechen. Allen Militärpersonen ist in der Angelegenheit v. Krosigk bei Vermeidung von Arreststrafe strengstes Stillschweigen über Einzelheiten aus der Untersuchung auserlegt worden. Angeblich steht eine abermalige Verhaftung des Unteroffiziers Hickel bevor.
(Frankreich und die Türkei.) Konstantin opel, 31. August. Der Minister des Aeußern Tewfik-Pascha übermittelte gestern dem Botfchaftsrath Bapst eine Abschrift von Telegrammen, welche die Pforte an die türkische Botschaft in Paris gesandt hat und in denen sie die französische Regierung um Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen ersucht und eine befriedigende Lösung der schwebenden Frage zusichert.
Die Deutsche Turnerschaft umfaßt nach den soeben abgeschlossenen Erhebungen zur Zeit in 281 Gauen 6755 Vereine, 254 mehr als im Vorjahre, 18 dieser Vereine sind im Auslande. Die 6737 heimischen Vereine vertheilen sich auf 5723 Orte, 203 mehr wie im Vorjahre. In 728 Orten sind mehr als ein Verein. Die Gesammtsumme der männlichen Vereinsangehörigen beträgt 671266 oder 22 993 mehr wie im Vorjahre. Auf je 51 Einwohner kommt in den Vereinsorten ein Vereinsangehöriger. Frauenabtheilungen bestehen 959 mit 27 010 Mitgliedern gegen 816 mit 24135 im Vorjahre. Vereinseigene Turnhallen waren 578, 52 mehr als im Vorjahre vorhanden, Turnplätze 971, 17 mehr als im Vorjahre. Schulturnhallen wurden von 1545 Vereinen benutzt. 608 Vereine setzten während des Winters ihre Uebungen aus.
Aus Paris meldet die „Agence Havas": Einer Petersburger Depesche zufolge ist die Ankunft des Kaisers und der Kaiserin von Rußland jetzt auf den 18. September festgesetzt worden. Die Majestäten werden aus der See bei Dünkirchen mit dem Präsidenten der Republik zusammentreffen. Das Programm für den Aufenthalt des Kaisers und der Kaiserin in Frankreich bleibt in seinen Hauptzügen so bestehen, wie es früher aufgestellt wurde. Der letzte Tag der großen Manöver ist auf den 19. September verschoben worden, und die Truppenschau wird am 21. September stattfinden. Man weiß noch nicht, ob die Majestäten am 20. September, für welchen Tag im Programm keine Bestimmungen getroffen worden sind, nach Paris kommen werden.
In Belgrader Hoskreisen wird behauptet, König Alexander von Serbien habe den jüngsten Bruder der Königin Draga, Leutnant Nikodem Lunheviza, zum Thronfolger designirt.
Lhina.
Der „Times" wird gemeldet: In einem hier ein« gegangenen Berichte über die Strafen, welche aus Anlaß des Gemetzels von Chuchan verhängt worden sind, heißt es, der Hauptmann, welcher die Wache hatte,
. Walter; sie erinnert sich auch, daß letzterer dabei ge- 1 wesen, als sie sich den Schlüssel zum Pult erbeten, um die eben von der Post empfangenen 350 Rubel einzu- schließen.
Am Fußende des Krankenlagers sitzend, hatte Walter alles mitangesehen; es war an einem der Tage gewesen, an welchem die Blinde das Bett gehütet.
„Walter ist ein Dieb . . ."
Mit greller, furchtbarer Deutlichkeit standen diese Worte vor Jellas Seele. Und Tante Martha war daran gestorben, daß der Sohn des Mannes, den sie einst geliebt, sich nächtlicherweise eingeschlichen, um das Geld zu entwenden.
Jella malt sich blitzesschnell in ihren verstörten Gedanken die ganze Lage aus.
Die Blinde, durch das Geräusch neben ihrem Bette erwacht, hatte gefühlt, wessen Hand es war, welche die Schlüssel genommen. Sie hört, wie die Geldschieblade, welche beim Aufziehen einen leise knarrenden Ton von sich giebt, geöffnet wird, fühlt, daß die Schlüssel wieder behutsam auf ihren alten Platz geschoben werden, und weiß plötzlich, daß ihr vergötterter Liebling sie auf niedrige Weise bestohlen hat.
Und die furchtbare Gemütserschütterung, die Folge dieser Gewißheit, wird zur unmittelbaren Ursache ihres jähen Todes.
Dann besinnt sich Jella darauf, daß die Sterbende vom siebenten Gebot gesprochen und gefleht hatte: „Vater, vergieb ihm —*
Jella schwindelt es.
Ihrer Mutter Sohn ein Dieb! Pfui, wie gemein, wie abscheulich!
Es wird ihr schwarz vor den Augen. Die seelische Qual, welche sie seit jener letzten Zwiesprache mit Alfred
sei am 25. August enthauptet worden, und der Gouver. »r, neur sei bereit, noch 24 andere, weniger Schuldige streng zu bestrafen. Der Provinzial-Schatzmeister Dung- LJ tsching und der Taotai Pao, die in erster Linie Schul- digen, hätten kürzlich Hangtschau verlassen, ohne degradirt worden zu sein; Letzterer befinde sich dem Vernehmen nach aus der Reise nach Singanfu. Man glaube übrigens nicht, daß eine strengere Strafe, als Verlust des Amtes, werde verhängt werden. '
5« Kriez in MafM. g
Die heute vorliegenden englischen Nachrichten aus ni< Südafrika bewegen sich in dem gewohnten Gleise. Es wird die britische Kriegsbeute zusammengezählt. Ein He Telegramm meldet:
London, 31. August. Aus Klerksdorp wird vom
24. August gemeldet: Die Abtheilung unter Oberst Dl Williams machte in einem Moment den Marsch von zei Klerksdorp nach TaungS und zurück. Sie hatte mehr. malS Zusammenstöße mit Buren. Die Engländer Sl nahmen dabei 25 200 Schafe, 4060 Rinder, 184 Wagen Vc und Karren, 100 Pferde und Maulthiere und 47 Ge. wehre weg. Vier Buren wurden getödtet, acht ver- hä mundet und 16 ergaben sich. Mehrere tausend Sack Kl Getreide wurden vernichtet. Di
Damit kommen die Engländer natürlich keinen Schritt wc weiter, ebenso wie die Maßregel der Concentrationslager ah für die Buren und ihre Familien nicht zum Ziel geführt nv hat. Wie dem Standard gemeldet wird, befinden sich mi in den Concentrationslagern Transvaals im ganzen sie 62 479 Personen, darunter 10 000 Männer, über 23 000 D, Frauen und 28 000 Kinder im Alter von einem bis in zu zwölf Jahren. Bis Ende Juli waren 1067 Personen au gestorben, darunter 860 Kinder. sie
Nach langer Zeit kommt wieder eine Kriegsmeldung Kr aus dem Nordosten Transvaals, die beweist, daß be auch dort die Buren noch an der Arbeit sind. Die für (1 die Engländer nichts weniger als günstig klingende üb Meldung lautet: Pi
London, 31. August. Lord Kitchener meldet vom no heutigen Tage aus Pretoria: An der nördlichen Eisen- S bahnlinie zwischen Waterval und Hamanskraal wurde er! ein Zug in die Lust gesprengt. Eine Abtheilung von de etwa 250 Buren eröffnete sofort Feuer auf den Zug ste und steckte ihn in Brand. Oberstleutnant Vandeleur G von der irischen Garde wurde getödtet; über etwaige D weitere Verluste ist noch nichts gemeldet worden. de
Offenbar ist in dieser Meldung vieles, wahrscheinlich ge das Schlimmste, verschwiegen. Es wird der Tod eines f t Oberstleutnants erwähnt, aber über den Verbleib der übrigen Insassen des Zuges schweigt sich Lord Kitchener ge aus. Nach der gründlichen Arbeit, die die Buren an an dem Zuge verrichtet haben, ist wohl' mit Sicherheit än- N zunehmen, daß die Mannschaften des Zuges entweder he getödtet oder gefangen sind. Kitchener wird jedenfalls ba mit der Wahrheit noch weiter herausrücken müssen. W -^^- llM-M-».-—-—-................ -^L_J------ — fÜ
Aus Provinz nn) Aachbargebitl.
• Ueber den Begri ff des „Unfalles im je! Betriebe" hatte sich kürzlich das Neichsversicherungs- ab amt in einem Streitfälle zu äußern. Ein Maurergeselle se erlitt dadurch einen Unfall, daß er auf der Arbeitsstelle eb nach beendigter Arbeit von einem Stallboden, auf dem ur er schlafen wollte, herabstürzte und sich das Bein verletzte. V Er erhob Anspruch auf Unfallrente, weil er wegen der th großen Entfernung seiner Wohnung von der Arbeitsstelle br genöthigt, der Betrieb also die Veranlassung des Unfalls re gewesen sei. Der Anspruch ist vom Neichsversicherungs- W amt zurückgewiesen worden, weil das Uebernachten der ni
unausgesetzt erduldet, die Aufregungen, welche der Todes- fall mit sich gebracht, machen ihre Rechte geltend — Jella verliert das Bewußtsein. ..
Jettchen, die sich im Nebenzimmer befindet, vernimmt einen dumpfen Laut. Als sie herbeieilt, sieht sie Jella gänzlich regungslos vor dem offenen Pult am Fußboden et liegen.
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XV. P
Seit zwei Tagen ist Thea in Riga.
Sie wohnt nicht bei ihrer Tante, sondern bei Frau m von Wege.
Die lebenslustige Frau hatte dem jungen Mädchen m dann und wann geschrieben und es sich nun ausgebeten, ^ ihr beim Einkauf ihrer Aussteuer behilflich zu sein. tr
Frau Lindner hatte freudig zugestimmt, denn Frau &g von Wege, eine geborene Nigaerin, kannte die Quellen, Iq wo man am billigsten kaufte. P
„Theachen," sagt Frau von Wege, als sie ihren Schützling vom Bahnhof abgeholt und ihn, zu Hause @ angelangt, prüfend betrachtete, „wissen Sie, mein Herz, ;
so schaut eine glückliche Braut nicht aus!"
„Aber ich bin es doch," widersprach Thea mit mattes« @ Lächeln. m
„Nun erzählen Sie, Kleine I Vor allen Dingen ju wie geht es ihm, dem Herrlichsten von allen?" ' w „Ich danke, gut. Er ist eben viel mit GutS-Am gelegenheiten seines Vetters Alfred von Elmer beschäftig g{ Schönheide soll unter den Hammer kommen." bc (Fortsetzung folgt.) W
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