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Gratisbeilagen:IUtsftewter Ssn^tas^blatt" «.IK«ftervLe landwiethschaMchs 9«HaK*

St. M. IieilstW dti 1 Ze-tmier 1901.

VesLellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 10. August 1901.

Nach einer Anordnung der Herren Ressortminister sind Wettfahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Platzen in Zukunft Seitens der Lokal- und Provinzialbehörden nicht mehr zu gestatten.

Sollte ausnahmsweise Anlaß vorliegen, einem An­träge auf Genehmigung einer solchen Wettfahrt näher zu treten, so ist in jedem Falle die ministerielle Ent­scheidung einzuholen.

Eine entsprechende Vorschrift wird in die zu erlassende Provinzial-Polizeiverordnung ausgenommen werden.

Da jedoch bis zum Inkrafttreten derselben noch einige Zeit vergehen wird, ersuche ich die Nachgeordneten Behörden schon jetzt anzuweisen, keine Automobil-Wett­fahrten mehr zu genehmigen.

Der Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau, gez.: Z e d l i tz.

An den Herrn Negierungs-Präsidenten hier. Nr. 7170. *

Cassel, den 26. August 1901.

Abschrift zur Beachtung und Mittheilung an die unterstellten Polizeibehörden.

Der Regierungs-Prästdent. In Vertretung: Mauve. An den Herrn Polizei - Präsidenten hier, die Herren Polizei-Direktoren zu Hanau und Fulda und an die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 9274.

* *

*

Hersfeld, den 31. August 1901.

Wird den Polizeibehörden des Kreises zur Nach- achtung mitgetheilt.

4870. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Herzenskämpfe.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

Sie redet irre," dachte Jella angstvoll und wagte nicht, sich von ihrem Platze zu rühren. Ihr war un­heimlich zu Mute, sie saß da wie gelähmt.

Damals war ich jung und blühend," fuhr Tante Martha in demselben deutlichen Flüsterton fort,und die Leute sagten, ich sei schön--aber sie war doch noch schöner als ich sie, Lisas Tochter. Jella ist ja das Ebenbild ihrer Mutter von kleinauf und da wählte er sie, nicht mich.....Oh, der Jammer, den ich durchgemacht! Konrad starb aber sein Sohn lebte, sein Sohn Walter, der mir lieb war, als sei er mein eigen Kind. Gott im Himmel, können denn Menschen, dre man lange für gut gehalten, über Nacht schlecht werden grundschlecht? Herr, unser Vater, warum versündigt sich deine Kreatur gegen das siebente Gebot? Vater, vergieb ihm, die bösen Buben haben ihn verlockt, und die Welt, die gleißende. Vater, vergieb ihm vergieb Konrads Sohn seine Schuld . . ."

Die mageren Arme vorgestreckt, lag Martha von Greenhoff da. Noch einmal röchelte sie:Vater vergieb ihm!" dann wurde es plötzlich still, ganz still. Jella

Hersfeld, den 31. August 1901.

Die neu gegründete 2. Schulstelle in Heimboldshausen, mit welcher neben freier Wohnung ein Grundgehalt von 1000 Mk. verbunden ist, (der Einheitssatz der Alters­zulage beträgt 120 Mk.) soll besetzt werden.

Bewerber um dieselbe haben ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Ortsschul- inspektor Herrn Pfarrer Heßler in Philippsthal oder dem Unterzeichneten einzureichen.

Der Königliche Schulvorstand:

1. 4867. Freiherr von Sch leinitz

Geheimer Regierungs-Rath und Landrath.

Nichtamtlicher Theil.

Sedan.

2. September.

Einunddreißig Jahre sind verflossen, seit die Kunde von dem gewaltigen Siege der deutschen Heere bei Sedan und von der Gefangennahme Kaiser Napoleons III. durch die deutschen Lande brauste. Reinere Freude hat selten ein Volk empfunden als das deutsche in jenem geschichtlichen Augenblicke, und es dürfte in den damaligen Septemberlagen nur wenige gegeben haben, in deren innerstem Herzen nicht das Wort Emanuel Gsibels widerklang:Drum laßt die Glocken von Thurm zu Thurm durchs Land frohlocken im Jubelsturm! Des Flammenstoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes an uns gethan." Ehre fei Gott in der Höhe!

Was wir heute feiern und von Geschlecht zu Geschlecht vererben wollen, ist die Erinnerung, daß an diesem Tage das deutsche Reich in Macht und Herrlichkeit erstanden ist. Die Erinnerung an die Begründung des Reiches zu erneuern, ist der Vaterlandsfreund umso mehr verpflichtet, je eifriger der Internationalismus aller Schallirungen in der Herabsetzung dieser Feier bekundet, wie wenig ihm an der Erhaltung des Reiches gelegen ist.

Freudig erinnert sich der Patriot der großen Männer, die damals die in der frühern Zerrissenheit verzettelten Kräfte zu einer gigantischen Kraftleistung vereinigt und dem deutschen Volke die Gleichberechtigung unter den Kultur-Nationen verschafft haben. Vor allem gehört dieser Tag der Erinnerung an Kaiser Wilhelm, den weisen Monarchen, der, im Glänze des Thrones und des Ruhmes die That dem tönenden Worte voransetzend, allen an stiller Pflichttreue vorangefeiert und das monarchische Gefühl zu einem staatsbildenden und staats-

hielt den Atem an und schaute mit entsetzten, verstörten Augen, wie Tante Martha gleichsam müde den Kopf zur Seite neigte und die Arme schlaff niedersinken ließ.

Ein tiefer Seufzer zitterte über die welken Lippen . . der letzte . . . Martha von Greenhoff war todt.--

Jella halte Walter noch am selben Abend die Todes­nachricht depeschiert; gegen Morgen kam die Draht­antwort :

Bin erkrankt am Kommen verhindert höchster Grad Influenza."

Da waren es denn Odo und der Onkel aus Sanzen, welche Jella die Sorge um das Begräbnis und die sonstigen Formalitäten, welche ein Todesfall nach sich zieht, abnahmen.

Thea und ihre Mutter waren inzwischen heimgereist, Odo konnte sich daher ausschließlich, das heißt, so weit es seine Wirthschaft ihm erlaubte, Jella zur Verfügung stellen.

Daß das Parkbaus sobald als thunlich verkauft werden müsse, stand von Anfang an fest. Die Zinsen der paar tausend Rubel, welche das Baarvermögen der Schwestern Greenhoff ausmachten, sollten dazu verwandt werden, Jettchens Pensionsgeld zu bestreiten. Diese sollte in einer achtbaren Familie als Pensionärin unter« gebracht werden.

Jella kehrte natürlich nach Ganzen zurück.

erhaltenden Faktor gemacht hat. Dieser Tag gehört weiter der Erinnerung an den Fürsten Bismarck, den großen Staatsmann, der, gestützt auf das unerschütterliche Vertrauen seines Königs, die ihm durch sein Amt auf­erlegte Verantwortung zu jeder Stunde lebendig und sichtbar bethätigte.

Der Tag gehört schließlich der Erinnerung an das heldenmüthige Heer, das zum erstenmale aus Nord und Süd geeint unter dem Oberbefehl des erlauchten Bundes­feldherrn focht und den deutschen Namen für ewige Zeiten helleuchtend in die Tafeln der Geschichte eintrug; ein Heer, das vorbildlich an Tapferkeit, Treue und Disziplin in opferreichem Ringen den Grundstein zu der Höhe legte, auf der Deutschland heute steht.

Der 2. September ist aber nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein Tag der Einkehr. Von einer Sedanfeier zur andern soll unser Volk sich prüfend fragen, ob es seiner großen Vergangenheit werth und treu geblieben ist. Die Staaten werden nur durch die Kräfte erhalten, durch die sie aufgebaut sind. Darum müssen wir bleiben, wie unsere Väter waren, wenn wir nicht dem Niedergänge verfallen wollen. Nach wie vor gilt es, dafür zu sorgen, daß unsere Rüstung zu Lande und Wasser keine Lücke hat; dann werden unsere Gegner Achtung vor uns haben. Aber auch die sittlichen Kräfte unseres Volkes müssen geschult, jenes echte deutsche Wesen muß erhalten werden, an dem nach einem prophetischen Dichterworte dereinst die ganze Welt genesen soll. Unsere Mission ist noch nicht erfüllt; das Deutschthum hat Ziele, zu deren Erreichung es seiner ganzen Kraft bedarf.

So möge denn jeder, soviel er kann, an der Be­wahrung der Güter der Nation mitwirken, dann wird das deutsche Volk an jedem Sedantage frohen Auges rückwärts auf die Bilder seiner ruhmreichen Vergangen­heit blicken können und fähig bleiben zu jeglicher großen That.

Politische Nachrichten.

Berlin, 1. September

Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Stellvertreters des Staatssekretärs des ReichS-Marineamts, Admiral Büchzel, und des Chefs des Marinekabinets, Gci raladjutanlen, Admirals Freiherr» v. Senden-Bibran.

Heute Morgen um 10 Uhr wohnten Ihre Ma täten der K a i ser und die K a i s e r i n der Einweihung der neuen Capelle des Militär-Waisenhauses bei, wohin sich Mer-

Jn W. halte man neuerdings soviel über den Tod und die Beerdigung deralten Greenhoff" zu reden, daß die Ständchenaffaire und die hinterher ausgebliebene Verlobung Jellas und Alfreds ganz in den Hintergrund getreten waren.

Nachdem die Siegel von dem Mobiliar der Toten entfernt worden und der Nachlaß in Schubfächern und Schränken geordnet werden konnte, ging Jella eines Tages an diese Arbeit. Das Geld, welches für die Bestreitung der Beerdigungskosten notwendig gewesen, hatte der Onkel sofort flüssig gemacht. Jella hatte den An­ordnungen zur Bestattung nichts zu thun gehabt ; für die täglichen Ausgaben besaß sie noch Geld in der Winh- schaftSkasse, so hatte sie die Summe, welche zur Reparatur des Daches bestimmt war, auch nicht angerührt, da eine dringende Notwendigkeit hierzu nicht vorgelegen.

Das Dach mußte jedoch repariert werden, einerlei ob das Haus verkauft wurde oder nicht. Es regnete an einigen Stellen bereits gründlich durch. Ein Haus mit schlechtem Dach wür^e auch niemand kaufen wollen.

Jella band sich ein^Neinene Wirthschastsschürzs vor und machte sich daran, in den Schränken und Kommoden der Tante zu sichten und zu ordnen.

Ganz wehmütig ward ihr dabei zu Sinn.

Sie hatte die selige Tante Martha ja nicht gerade geliebt, aber die Pflege derselben war ihr derart zur