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Amtlicher Theil.
Berlin, den 12. August 1901.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe II. Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirlen 3 "/gigen Staatsanleihe von 1891 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1911 nebst Erneuerungsscheinen (Anweisungen auf die folgende Reihe) werden vom 2. September 1901 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94, geöffnet Vormittags von 9 bis 1 Uhr mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungs-Hauptkassen sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskaffe zu beziehen.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzu- legen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei
Herzenskämpfe.
Roman von Hedda von Schmi.d.
(Fortsetzung.)
Alfred trat ein und grüßte stumm. Schweigend erwiderte Jella seinen Gruß.
Eine peinliche Pause entstand; dann trat Alfred zu Jella, welche unbeweglich am Fenster verharrte, heran.
„Fräulein Jella, eine wichtige, über unser beider Geschick entscheidende Angelegenheit führt mich zu Ihnen. Darf ich sprechen, wie es mir umS Herz ist? Darf ich alles sagen, was sich schon längst gewaltsam auf meine Lippen drängt?"
Jella erhob die Hand, wie um ihm Schweigen zu gebieten. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Auf eine solche Aussprache hatte sie sich nicht gefaßt gemacht. Nein, Alfred durfte um keinen Preis reden, durfte keine Geständnisse machen, welche sie um seinetwillen nicht an* hören konnte.
„©err von Elmer," sagte sie leise aber fest, „ich ahne, was Sie mir sagen wollen, aber ich bitte Sie um Ihrer selbst willen — reden Sie nicht weiter! Die Wünsche, welche Sie hegen, sind aussichtslos."
„Für jetzt nur aussichtslos!" rief er heftig. „Doch Jella, wenn ich auch als ein Bettler vor Ihnen stehe — denn ein solcher bin ich in jeder Beziehung, ich bettle ja um Ihre Liebe, Jella! — wenn ich auch den ererbten Besitz, mein Schönheide, verlieren sollte, so wird doch vielleicht einst die Zeit kommen, in der ich Ihnen ein
der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrolle nicht einzusenden.
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Erneuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichnisse ein« zureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzu- liefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. Unterschrift.
* *
Cassel, den 19. August 1901.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen RegierungS-Hauptkasse und den Kreiskassen unseres Bezirks verabreicht werden.
K, 1759. Königliche Regierung. Unterschrift.
Nichtamtlicher Theil.
Falsche Alarmgerüchte vom Balkan.
Seitdem eine Begegnung unsers Kaisers mit dem Zaren als sicher bevorstehend gemeldet worden ist, wird von Wien und Pest aus ein Theil der deutschen Presse mit Zuschriften überschwemmt, die sich in gereizter Tonart über angebliche Umtriebe Rußlands an der untern Donau verbreiten und scharfe Gegenmaßnahmen Oesterreich- Ungarns in Aussicht stellen. Es fehlt bloß noch, daß ein Konflikt zwischen dem Zarenreiche und der Habsburgischen Monarchie als unvermeidlich bezeichnet und Kaiser Wilhelm aufgefordert wird, in seinen Unter
Heim bieten darf, das Ihrer würdig ist. Ich will ar* beiten für unser zukünftiges Glück, ich will alles baran, fetzen, dich zu erringen, Jella, du mein Liebstes, Einziges ! Verachte mich nicht, schilt mich nicht einen Thoren, einen Wahnsinnigen, ich weiß, ich habe den Zeitpunkt meiner Werbung ungünstig gewählt, ich stehe als ein taktloser Mensch da in Ihren Augen, aber ich bitte, ich flehe Sie an, geben Sie mir einen Schimmer von Hoffnung. Jella! * rief er in plötzlich leidenschaftlich ausbrechendem Gefühl, „Jella, werde mein!"
Wie einen Strom, den nichts einzudämmen vermag, hatte Jella Alfreds Worte über sich ergehen lassen; ein süßes, unendlich süßes Gefühl hatte sie dabei erfüllt. Aber nur sekundenlang — dann zeigte die Vernunft ihr die Verhältnisse in ihrer fürs erste nicht zu ändernden, trüben Gestalt.
Alfred lag vor Jella auf den Knieen. Er hatte sich ihrer Hände bemächtigt, die er mit Küssen bedeckte.
Sein Herz, seine Leidenschaft hatte ihn fortgerissen, er hatte willenlos dem, was ihn beherrschte, Ausdruck verliehen.
Jella hat ihm ihre Hände, die sie ihm zuerst in halber Bewußtlosigkeit überlassen, entzogen und ringt nun nach Worten.
„Verzeihung," wiederholt er, „Jella, zürnen Sie mir nicht, um Gotteüwillen! Geben Sie mir Hoffnung, nur einen blaffen, blassen Schimmer!"
„Ich kann nicht," sagt sie, und eine trostlose Ent- sagung klingt aus ihrer Stimme. „Es hieße sie in Ihr Unglück treiben, wenn ich mich in Ihr Leben drängen
redungen mit Nikolaus II. die angeblich so wohlbegründeten Beschwerden der Wiener und Pester Berichterstatter zur Sprache zu bringen. Die ganze Geschichte erinnert lebhaft an den jetzt verstummten Preßlärm in der albanischen Frage, wo ebenfalls, und zwar gegen Italien besondere Schritte der österreichisch-ungarischen Politik angekündigt wurden. Es ergab sich aber bald, daß die Regierungen in Wien und Rom die Vorkommnisse in Albanien durchaus in bundesfreundlichem Einvernehmen behandelten. Und ebenso werden auch gewisse Zwischen- fälle an den Donau-Mündungen von Kaiser Franz Josef und seinen Ministern keineswegs tragisch genommen oder gar zum Gegenstand amtlicher Beschwerden in St. Petersburg gemacht. Richtig ist allerdings, daß Fahrzeuge der russischen Kriegsmarine sich kürzlich im Kila- Arm des Donau-Deltas unter Umständen gezeigt haben, die mit den Bestimmungen des Artikels 52 der Berliner Kongreß-Akte schwer zu vereinen sind. Aber die dadurch in erster Linie berührte rumänische Regierung hat absichtlich diesen Zwischenfall nicht auf die diplomatische TageS-Ordnung gesetzt, weil ihr bekannt ist, daß vor den russischen Schiffs-Bewegungen auch zwei zur rumänischen Kriegsflotte zählende Kanonenboote ebenfalls in vertragswidriger Weise in der Kilia stromaufwärts gefahren find. Möglicherweise führen diese kleinen Unregelmäßigkeiten zu freundschaftlichen Erörterungen unter den unmittelbar interesfirten Mächten, zu denen übrigens Deutschland nicht gehört. Auf keinen Fall aber können solche Dinge dazu berechtigen, noch rasch vor der Danziger Zweikaiser-Begegnung eine große Balkankrisi» mit russisch-österreichischen Verstimmungen und FriedenS-Gefahren leichtfertig an die Wand zu malen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 27. August.
Ihre Majestät« der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Abend 7'/^ Uhr auf der Station Wildpark ein und begaben fich nach dem Neuen Palais. Zum Empfang« auf dem Bahnhof war Seine Königliche Hoheit Prinz Eitel Friedrich anwesend.
Die großen Herbstübungen der Flotte in der Ostsee begannen kürzlich mit dem Auslaufen der gesammten Flotte aus dem Kieler Hafen. In Kiellinie
wollte. Sie müssen frei sein, um sich eine Existenz zu sichern, um Ihrer jungen Schwester Schutz und Versorger zu sein! Sie dürfen gegen mich keinerlei Verpflichtung haben, es würde Sie nur zu sehr in Ihrem Fortkommen hemmen. Um mir schneller ein Heim bieten zu können, würden Sie nach der ersten besten auskömmlichen Versorgung, die sich Ihnen böte, greifen. Das geht nicht, Sie dürfen und sollen sich in Ihrem Leben höhere Ziele stecken."
„Jella, Jella," unterbrach er sie erregt, „wenn Sie —
„Hören Sie weiter," fuhr sie, mit jeder Silbe ruhiger werdend, fort. „Sie handeln eben unter dem Banne des Augenblicks. Sie haben gestern eine Unüberlegtheit begangen, @fe glauben es mir nun schuldig zu sein, mir Ihre Hand zu bieten".
„Mein Gott, Jella, ich liebe Sie ja bis zum Wahnsinn!"
„Alfred, eine Ehe zwischen uns beiden wäre Wahnsinn."
„Sie sind hart, Jella, maßlos hart."
„Ich bin vernünftig".
„Ist dies Ihr letztes Wort? Sie glauben mir nicht, nicht an die Echtheit meiner Gefühle für Sie? Sie müssen es doch längst empfunden haben, was Sie mir sind!"
„Ja," sagte Jella mit Anstrengung, denn seinen ver- zweifelten, flehenden Blick zu ertragen, ging fast über ihre Kräfte, „aber ich habe mir auch zugleich gestanden, daß alles aussichtslos sei."
„Für mich?" rief er, „oder für uns beide?"