von Queenstown angeordnet und bestimmt wirb, daß alle Güter, welche für den Feind möglicherweise von Nutzen sein könnten, in gewisse, genau bezeichnete Städte zu schaffen sind. Ein anderer Befehl verbietet die Annahme von Vorräthen, welche Civilpersonen gehören, bei den Stationen der Ostbahnlinie, mit Ausnahme ge- wisser besonders bezeichneter Stationen. Den Be- wohnern des Landes ist verboten, mehr Lebensmittel zu besitzen, als für eine Woche erforderlich ist.
Es ist wohl noch nicht dagewesen, daß eine Regierung im eigenen Lande der Bevölkerung in dieser Weise Handel und Verkehr unterbindet, ja die Sicherheit des Lebensunterhaltes gefährdet. — Dem unbefangenen Beobachter wird die Sachlage nun ganz klar. Jene östlichen Districte des Kaplandes — Queenstown liegt an der Ostbahn, etwa halbwegs zwischen dem Oranjefluß und dem Ocean — sind außerhalb der Bahnlinie gänzlich in der Macht der Buren, und die Bevölkerung unterstützt sie, theils freiwillig, theils vielleicht gezwungen, mit Vorräthen. Den Feind durch militärische Mittel zu vertreiben, ist die englische Heeresleitung unfähig. Daffelbe Bild bieten sicherlich auch weite Gebiete im Westen und in der Mitte der Kolonie; die vorübergehende Verdrängung des einen oder anderen CommandoS ändert daran im ganze« nichts, wenn es sich dabei nicht überhaupt um freiwillige Bewegungen handelt, wie kürzlich bei dem famosen „Rückzug" der Buren auf das nun von ihnen eingeschloffene Barkly East. Die Kapholländer gehen, wie nach gerade auch englischerseits zugestanden wird, in hellen Haufen zu den Republikanern über, und England ist in der Kolonie nicht mehr Herr der Lage als in den Freistaaten.
Das ibeste Mittel, den Buren weitere Streitkräfte aus den Reihen der Afrikander zuzuführen, wählen die englischen Behörden selbst durch Maßregeln wie die eingangs erwähnte. Selbst der loyale Bauer, wird jetzt, wo er durch die eigene Regierung in Erwerb und Nahrung bedroht wird, lieber die Flinte hervorholen und bei passender Gelegenheit zum nächsten Burencommando hinüberreiten, um auf dieser Seite seinem Heimatlande den Frieden erkämpfen zu helfen, den ihm England nicht verschaffen kann.
Auch die blutige Henkersarbeit wird von Lord Kit- dienet mit Eifer fortgesetzt. Nach einer Meldung aus Pretoria wurde dort am Mittwoch ein in der Kapkolonie geborener Mann Namens Upton als „Spion" erschossen. Upton und drei andere zu einem Burencommando gehörende Personen hatten sich ergeben, sollen dann aber versucht haben, die englischen Linien zu passiren. Die drei Kameraden UptonS wurden als Kriegsgefangene zurückbehalten.
Kapstadt, 24. August. Die Buren dringen in der Kapcolonie nach Süden vor. Eine Streitmacht unter Scheepers bedroht Qudtshoorn.
London, 24. August. Nach amtlicher Meldung betrugen die Verluste am 20. d. Mts bei einem Kampfe in der Nähe von Uniondale, 30 Meilen von der Süd. küste der Kapcolonie entfernt, vier Husaren todt, 11 verwundet, 4 vermißt.
Aus Provinz und RnDurzebiet.
* Die Litewka ist nunmehr, nachdem die Trageversuche mit derartigen Dienströcken ein günstiges Ergebniß geliefert haben, auch für die Beamten der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung endgültig als Dienstbekleidung eingeführt.
* Die allgemeine Verfügung vom 17. März 1885 über die Pensionirung von I u st i z b e a m t e n ist durch den Justiz- und Finanzminister wie folgt abgeändert worden: Bei Feststellung der Pension eines Beamten, welcher infolge eines strafgerichtlichen Urtheils oder eines Disciplinarerkenntnisses fein früheres Amt verloren hatte, ist, wenn derselbe nach erfolgter Wieder» anstellung im unmittelbaren Staatsdienst aus dem neuen Amte ausscheidet, in Zukunft auch die vor dem Verluste des früheren Amtes im Zivildienste zurückgelegte Dienstzeit als pensionsfähige Dienstzeit anzurechnen. Das Gleiche gilt im Falle der Dienstentlassung aufGrund vorbehaltenen Kündigungsrechts, auch wenn die Entlassung zur Strafe an- geordnet war.
* Der Minister hat die Regierungspräsidenten ersucht, die Einrichtung und Beschaffenheit der ArbeitSräume de» Fleischereigewerbes zu prüfen und, soweit sich dabei Mißstände herausstellten, deren Beseitigung zu veranlassen und zu überwachen.
* Wem gehört da» überfallende Obst? § 911 der Bürgerlichen Gesetzbuches besagt hierüber: ^Früchte, die von einem Strauche auf ein Nachbargrund, stück herüberfallen, gelten al« Früchte dieses Grundstück«. Die Vorschrift findet keine Anwendung, wenn das Nach, bargrundstück dem öffentlichen Gebrauche dient."
* Die letzte Feldbriefpost nach China geht von Berlin am nächsten Freitag den 30. August ab. Sie erreicht am 1. September in Brindisi einen Dampfer der „P. and 0.“, der sie am 3. Oktober dem deutschen Postamt in Shanghai übergiebt. Diese letzte Feldpost befördert nur Briefe und Feldpostkarten. Mit dem Anfang dcs Monats September hört die Feldpost und damit die Porto, freiheit des Briefverkehrs der ostasiatischen Truppen auf. j * In der noch andauernden Periode der Wespen« plage ist es von Interesse, zu wissen, wie man sich der Plagegeister erfolgreich und ohne Gefahr erwehren kann. Die meisten Wespen sind Erdwespen, welche in kopsgroßen Hohlräumen in lockerer Erde ihre ebenso großen Nester anlegen, in denen 500 und mehr aus
gebildete Insekten neben ebenso vielen Larven und Puppen Hausen können. Die erste Bedingung für eine erfolgreiche Bekämpfung besteht nun im Ausfindigmachen des Fluglochs, welches etwa 2 bis 3 Zentimeter Durchmesser zu haben pflegt und durch das lebhafte Aus- und Einfliegen der Insekten bald verrathen wird. Es wäre thöricht und gefährlich, bei Tage hier etwas unternehmen zu wollen. Man muß warten bis in der Abenddämmerung die ganze Gesellschaft schlafen gegangen ist. Dann gießt man — es muß dunkel sein, daß man kaum noch das Loch sieht — etwas 20 Gramm (ein Schnapsglas voll) Schwefelkohlenstoff, der in jeder Drogenhandlung erhältlich ist, in das Loch und wirft eine bereitgehaltene Schaufel Erde darauf, die man festtritt. Am anderen Tage schwirren höchstens noch einige Nachtschwärmer, die am Abend nicht rechtzeitig heimgekehrt waren, um die Grabstätte herum. Durch Nachgraben kann man sich über, zeugen, wie viele der lästigen Thiere man mit einem Schlage vertilgt hat.
* Der preußische Kriegsminister hat verfügt, daß den Landleuten zur Abhülfe des in verschiedenen Landestheilen eingetretenen landwirthschaftlichen Nothstandes eine Unterstützung dadurch gewährt werden soll, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, Kleie, Abfälle u. s. w. bei den Proviantämtern nach Bedarf freihändig zu kaufen. Damit soll dem vielfach vorhandenen Futtermangel abgeholfen werden. Der Preisberechnung sollen die in der zuletzt erfolgten Versteigerung von Kleie und Abfällen erzielten Durchschnittsgebote zu Grunde gelegt werden.'
* (Saaten stand in Preußen Mitte August 1901.) Für den Saatenstand in Preußen Mitte August sind nach der Zusammenstellung des Kaiserlichen Statistischen Amts die Noten folgende: (Nr. 1 bedeutet die Erwartung einer sehr guten, Nr. 2 guten, Nr. 3 mitt- leren, Nr. 4 geringen, Nr. 5 sehr geringen Ernte; die Zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet): Winterweizen 3,7 <Juli 3,7), Sommerweizen 3,0 (2,9), Winterspelz 2,4 (2,4), Winterrogen 3,1 (3,1), Sommerroggen 3,2 (3,1), Sommergerste 2,8 (2,8), Hafer 3,0 (3,0), Kartoffeln 2,7 (2,7), Klee 3,7 (3,8), Luzerne 3,5 (3,6), Wiesenheu 3,6 (3,4).
§ Hersfeld, 26. August. Zuverlässigen Nach» richten zufolge hat ein gewisser C o l s o n mit der chilenischen Regierung ein Abkommen wegen Einführung von Kolonisten nach dem südlichen Chile abgeschlossen. Seinem Unternehmen muß mit dem größten Mißtrauen begegnet werden. Gleiche Vorsicht ist gegenüber einem in Paris gedruckten Flugblatt geboten, durch das in Deutschland wohnende Landwirthschast betreibende Personen zur Auswanderung nach Chile veranlaßt werden sollen. Vor einer unüberlegten Auswanderung nach Chile wird dringend gewarnt.
Gaffel, 26. August. Ihre Majestäten der K a i s e r und die Kaiserin kehrten am Sonnabend Abend von Schloß Wilhelmsthal, wo im Parke zu Abend gespeist worden war, gegen 9 Uhr nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. Einen Theil des Rückweges hatten die Majestäten mit dem Gefolge zu Fuß zurückgelegt. Am gestrigen Sonntag Vormittag wohnten der Kaiser und die Kaiserin dem Gottesdienste in der Schloßkapelle bei. Die Predigt hielt Herr Pfarrer Armbröster. Am Nachmittag nach 5 Uhr unternahmen die Majestäten mit dem gesammten Gefolge in acht Wagen eine Ausfahrt in den Habichtswald und nach dem Baunsberg. Im ersten Wagen hatte das Kaiserpaar mit den Prinzen Joachim und der Prinzessin Victoria Platz genommen. Die Rückkehr erfolgte gegen 9 Uhr. — Wie verlautet, soll die Abreise des Kaiserpaares von Wilhelmshöhe nicht heute, sondern morgen Nachmittag erfolgen.
Gaffel, 24. August. Am 23. d. M. entsprang kurz vor der Station Saalhausen bei Fredeburg i. W., während der Zug noch in voller Fahrt begriffen war, ein Transportgefangener, der von Cassel nach Fredeburg transportirt werden sollte. Derselbe benutzte den Augenblick, in welchem der Schaffner die Thür öffnete, um durch dieselbe hinauszuspringen. Er überschlug sich, stand aber anscheinend unverletzt wieder auf und eilte dem nahen Walde zu. Der Transporteur sprang ihm sofort nach, kam aber zu Falle und verletzte sich erheblich. Die Verfolgung des Flüchtlings wurde sofort ausgenommen und steht zu erwarten, daß derselbe sehr bald wieder dingfest gemacht werden wird.
Eschwege, 23. August. In einem Anfall von Geistesstörung machte gestern Morgen die Tochter eines früheren Fabrikanten einen Selbstmordversuch. Nur noth- dürftig bekleidet, sprang sie aus dem Fenster ihres im dritten Stock belegenen Schlafzimmer» in den Hof und trug erhebliche Verletzungen davon. Man brächte die Unglückliche in'» Landkrankenhaus, wo ihr sofort ein Bein amputirt werden mußte. Heute Morgen ist sie ihren Verletzungen erlegen.
Dchlüchtern. In da« hiesige Pfarrhaus bei der Kirche wurde zur Nachtzeit eingebrochen, und sind dem Superintendenten Orlh ca. 100 Mk. gestohlen worden.
Worms, 23. August. Seit vorigen Mittwoch wird hier der Hauptmann Kathreiner vom 118. Regiment, ein Sohn des Siegers von Chambord, vermißt. Alle Nachforschungen nach ihm blieben bis heute erfolglos. Sein Vater, der in demselben Regiment gedient hatte, verübte im Jahre 1871 Selbstmord, indem er sich erschoß.
Brilon, 25. August. Auf der hiesigen Bahnstation stürzte heute ein Dachdeckerlehrling von hier so unglücklich vom Dache herab, daß er auf der Stelle todt blieb. Er war mit Reparaturarbeiten beschäftigt und wurde bei der Hitze plötzlich vom Schwindel erfaßt.
$ t r m i f di 11 §.
—Leipzig, 23. August. Auf dem Grundstück Bayerischestraße 87 erschoß heute früh der Pantoffel- Händler Wernicke, 48 Jahre alt, seine 27jährige Frau und dann sich selbst. Das Ehepaar lebte in stetem Unfrieden, iso daß Frau Wernicke vor Kurzem von ihrem Mann wegzog. Neuerdings war sie jedoch wieder zu ihm zurückgekehrt, und nun ereignete sich die gemeldete Blutthat, die auch zum Theil aus mißliche Vermögensverhältnisse des W. zurückzuführen sein dürfte.
— B e r l i n, 23. August. Der sträfliche Leichtsinn, Hunde, die auf Holzplätzen zur Nachtwache ausgesetzt sind, zu necken, hat einen Unglücksfall herbeigeführt, bei dem ein Menschenleben zu beklagen ist. Gestern Abend in der elften Stunde kam der 28jährige Kaufmann Hugo Rettig aus Rummelsburg in Begleitung des 26jährigen Buchdruckers Schmidt von Köpenick in animirter Stimmung die Treptower Landstraße entlang. An einem Holzplatze kamen die beiden jungen Leute auf die Idee, die sehr bissigen vier Hunde zu necken, kletterten auf den Zaun und schlugen nach den Thieren, verloren aber das Gleichgewicht und stürzten hinab. Rettig wurde derartig von den Hunden bearbeitet, daß er auf der Stelle verstarb, während der andere junge Mann so schwer verletzt wurde, daß er nach dem Krankenhause am Friedrichshain geschafft werden mußte.
— In einem Hotel zu Münster erschoß sich am 21. d. M. eine Ordonnanz des dortigen Kürassierregiments. Dem als eifrig und pflichttreu geschätzten Soldaten war eine größere Geldsumme anvertraut worden, von der er 400 M. auf seinem Botengange verloren hatte. Der Unglückliche nahm sich den Verlust so zu Herzen, daß er zur Waffe griff. Das verlorene Geld war inzwischen von Passanten gefunden worden.
— Hamburg, 24. August. Dem hiesigen Juwelier Silberberg wurden für 18 000 M. Brillanten und Goldwaaren gestohlen.
— Wilhelmshaven, 24. Aug. Vom Divisionsboot O 2 ist die eiserne S ch i f f s c a s s e mit etwa 10 000 Mark Inhalt gestohlen worden.
— Madrid, 24. August. In den Provinzen BurgoS und Saragossa verursachten wiederholte Unwetter großen Schaden. Die Eisenbahnzüge erleiden bedeutende Verspätungen. Im Jilocafluß ertrank eine Person.
— New-Aork, 24. August. In Jersey City hat ein heftiger Orcan Kirchen, Theater und Wohnhäuser umgeweht. Viele Menschen wurden hierbei getödtet und verletzt.
— Geschickter Abonnentenfang. Der DurchschnittS-Amerikaner ist ein sehr eifriger Zeitungsleser, und wer es irgend möglich machen kann, der hält sich sein „Paper". Um Abonnenten anzulocken, verfahren die Verleger, namentlich im wilden Westen, nach mitunter recht eigenartigen Ideen. So rückte, wie „Der Zeitungs-Verlag" mittheilt, ein Zeitungsmann, dessen Leser zumeist Farmer waren, vor Beginn der Frühjahrsbestellung folgende Ankündigung in sein Blatt: „Da der Landmann während de« Sommers mit seinen Feldarbeiten vollauf zu thun hat und keine Zeit erübrigt, um sich mit Zeitungslesen zu beschäftigen, so wird für diese Periode nur das Allerwichtigste auf der ersten Seite meiner Zeitung gebracht werden, die anderen drei Seiten bleiben frei und werden anstatt de» Lesestoffe» mit F l i e g e n g i f l bestrichen. Durch diese Maßnahme raube ich meinen geehrten Lesern keine Zeit und entschädige sie andererseits durch da» gelieferte Mittel zur Vernichtung de» fatalen Insekt», das sich in der mit Vieh gesegneten Landwirthschaft besonders stark bemerkbar zu machen pflegt." Der Mann machte auf diese Weise ein glänzende» Geschäst; denn die Kosten für das Gift betrugen nicht den zehnten Theil des Setzerlohne», der während dieser Zeit erspart wurde. Ein anderer Verleger ließ während des Sommers nur die erste und vierte Seite der Zeitung bedrucken, die beiden inneren aber frei. Die» begründete er dadurch, daß der Landmann in der schweren Arbeitszeit sich gewöhnlich sein Frühstück säuberlich in ZeitungSpapier gewickelt mit aufs Feld nehme, wodurch Leben und Gesundheit der Betreffenden ernstlich gefährdet würden, denn die Druckerschwärze enthalte einzelne Bestandtheile, die der Gesundheit des Menschen entschieden nicht dienlich seien. Um nun nicht die körperliche Wohlfahrt seiner Leser zu gefährden, seien die innern, zur Aufnahme des Frühstücks bestimmten Seiten weiß geblieben.
— New - Z) ork, 22. August. Ein heftiges Unwetter wüthete in den letzten Tagen in Sanct Vincent. Mehrere Schiffe und die Hafenanlagen bei Sanct Vincent sind vernichtet.
Schlachtbericht des städtischen Schlachthauses für den Monat Juli 1901.
Es wurden geschlachtet: 39 Ochsen, 14 Kühe, 18 Rinder, 205 Schweine, 159 Kälber, 47 Hämmel und 79 Schafe.
Tuberkulose wurde festgestellt bei 1 Ochsen und 7 Schweinen, Finnen bei 1 Ochsen. 1 Kuh und 1 Rind.
Wegen Tuberkulose wurden 4 Schweine theilweise beanstandet.
Au» andern Gründen wurden theilweise beanstandet: 1 Kuh und 1 Schwein.
Hersfeld, den 20. August 1901.
Thierarzt Friederich, Schlachthofverwalter.