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langenden Münzsorten befanden sich Ende Juli noch für 4 Millionen goldene Fünfmarkstücke, für 6,3 Millionen Mark silberne und für 2,1 Millionen Ntckel-Zwanzig- pfennigstücke im Verkehr.

Eine Neubildung bei den Pionier- Truppen des deutschen Heeres wird infolge eines Reichstags-Beschlusses beim diesjährigen Militär- Etat zum 1. Oktober durchgeführt werden. Vier Pionier­bataillone des preußischen Kontingents treten je eine Compagnie ab, und aus diesen vier Compagnien wird ein neues Pionier-Bataillon gebildet, das nach Münden in Hannover in Garnison kommt. Durch vermehrte Rekruten-Einstellung im Oktober werden die ausgeschie- denen Compagnien bei den vier Bataillonen wieder er­gänzt. Die Formation des neuen Pionier-Bataillons soll in Cüstrin erfolgen.

Die polnische Nationalliga in Warschau hat an ihre Mitglieder und einzelne bekannte polnische Persönlich­keiten einen Aufruf versandt, worin die polnische akademische Jugend ermähnt wird, mit Rücksicht auf die gegenwärtig anstehenden Prozesse gegen polnische Studenten, Gymnasiasten u. s. w. wegen Geheimbündelei recht vorsichtig ihre Bestrebungen zu verfolgen. Nament­lich soll der Zusammenschluß und der Anschluß an Ver­einigungen vermieden werden, vielmehr soll nicht-öffentlich an den alten Bestrebungen festgehalten und weiterge­arbeitet werden. Dieser Vorgang beweist, was für Kenner der polnischen Verhältnisse nie zweifelhaft war, daß die polnischen Studenten-Vereine keineswegs so harmlose Vereinigungen waren, als man glauben machen will. Das Studium polnischer Litteratur und Geschichte gestaltet sich in Wahrheit als ein Studium revolutionärer Schriften.

Den Franzosen ist wieder einmal eine große Freude widerfahren. Der Zar wird sie besuchen, und zwar wird er nach den französischen Manövern an der Ost­grenze der Parade in Reims am 19. September bei­wohnen. Für die Männer, die jetzt an der Spitze der Republik stehen, bedeutet dieser neueste Freundschafts­beweis des mächtigen Gönners einen bedeutenden Erfolg. Ein Interesse Deutschlands wird durch diese Wendung nicht berührt, wie ja die Bestrebungen der deutschen Re« gierung, gute Beziehungen zu Petersburg zu pflegen, niemals ein Spitze gegen Frankreich gehabt haben. Alles, was zudem geeignet ist, die jetzige Regierung der Republik zu stützen, mit der die deutsche Politik trefflich ausgekommen ist, kann auch in Berlin willkommen sein. Ferner wird gemeldet: Zu dem im September be­vorstehenden Besuch des Zaren in Frankreich werden bereits umfassende Vorbereitungen getroffen. Das Programm des Besuchs erhält eine wesentliche Erweiterung dadurch, daß auch die Zarin nach Frankreich kommen wird. Wie man aus Paris telegraphiert, wird zunächst Nikolaus II. allein, von Danzig kommend, am 17. September in Dünkirchen eintreffen und mit dem Präsidenten Loubet einer Parade des Nordgeschwaders beiwohnen, dann folgt die große Revue bei Reims und darauf ein mehrtägiger Aufenthalt im Schlosse zu Compiögne, wo dann auch am 19. September Kaiserin Alexandra eintrifft. Beide Majestäten werden der Heer­schau in Reims beiwohnen, welche den Schluß der großen Manöver im Osten bildet. An diesen Manövern nehmen das L, 2., 6. und 20. Armeecorps Theil. Der Minister des Aeußeren Delcasss hat bereits die für das Kaiserpaar bestimmten Räumlichkeiten persönlich besichtigt.

Die türkisch-bulgarische Grenze ist ein heißer Boden. In den letzten Tagen ist es wieder zu einem Zusammenstoß zwischen türkischen und bulgarischen Grenzposten gekommen. Eine drei Mann starke Bulgaren­patrouille wurde von einer 80 Mann starken türkischen Abtheilung angehalten. Es wurden Schüsse gewechselt, wobei angeblich fünf Türken getödtet sein sollen. Die Bulgaren flohen und wurden von den Türken 3 km

weit über die bulgarische Grenze verfolgt. Zwei bul­garische Compagnieen sowie der Stabschef von Philippopel sind an Ort und Stelle abgegangen. Die a l b a n i s ch e Gefahr greift jetzt auch ernstlich nach Montenegro über. Eine sehr bemerkenswerthe Meldung, deren Tragweite sich noch nicht übersehen läßt, wird demB. L." durch folgendes Telegramm übermittelt: Wien, 19. August. Die montenegrinische Regierung hat neuerdings Folgen­des zur Kenntniß der Pforte gebracht: Sie erfahre, daß die Albanesen, die in Stärke von 20 000 Mann in Rogova Jacovo Jpek versammelt seien, die Absicht haben, nicht nur Mokra sondern auch den auf montenegrinischem Territorium gelegenen Ort Skulani anzugreifen. Die Munition, mit welcher sie versehen seien, gehöre den türkischen Truppen. Die montenegrinische Regierung habe die Truppen angewiesen, die Angriffe der Albanesen zurückzuschlagen. Die Albanesen beabsichtigen jedoch, gleichzeitig die Kreise Gusinje Rogovo und andere zu brandschatzen, was die Pforte verhindern möge.

C^ina.

DieTimes" berichtet aus Peking vom 19. August: Der englische Gesandte Satow theilte den chinesischen Bevollmächtigten mit, daß, falls die gegen die Urheber der Metzeleien in Tschutschau beschlossenen Bestrafungen nicht sofort vollstreckt würden, England aufs Neue über­legen werde, ob es seine Truppen zurückziehen solle.

Aus Port Said wird vom Montage gemeldet: Der Dampfer des Norddeutschen LloydBayern" ist um 11 Uhr Vormittags wieder abgefahren, nachdem Prinz Tschun den Besuch eines Adjutanten des Khedive em­pfangen und erwidert hatte.

In Üritg in Südafrika.

(Ein sonderbarer Erfolg der Eng­länder bei Middelburg.) Wahrscheinlich um den schlechten Eindruck zu verwischen, den die Gefangennahme einer Abtheilung von Frenchs viel­gerühmten Kundschaftern bei New-BetheSda in der Kap- kolonie gamacht hat, berichtet jetzt Lord Kitchener von einemgelungenen" Ueberfall, den zwei englische Ab­theilungen auf ein Burenlager in der Nähe von Middel­burg vollführten. Schade nur, daß der schöne Erfolg schließlich mit dem Rückzug der Engländer, mit der schweren Verwundung eines AbtheilungsführerS und mit dem Verlust einer Anzahl Vermißter endete! Allem Anscheine nach ist es den Engländern zwar gelungen, eine Buren- abtheilung, die in gewohnter sträflicher Sorglosigkeit und Unterschätzung des Feindes lagerte, zu überrumpeln. Sehr bald aber müssen sich die Buren von ihrer Ueber- raschung erholt haben und den andringenden Polizei­truppen des Capitäns Wood und Morley gehörig heim­geleuchtet haben, wie dies aus der eignen Depesche des englischen Generalissimus aus Pretoria von gestern hervorgeht. Die Meldung lautet:

London, 19. August. Capitän Wood unternahm gestern früh mit einem Theil der Polizeitruppe und einer anderen unter dem Befehl des Capitäns Morley stehenden Abtheilung in Stärke von etwa 150 Mann von seiner Stellung südlich von Elands River aus eine Recognos- cirung gegen Bronkhorst Spruit und überraschte in der Nähe von Middelburg ein starkes Burenlager; 23 Buren wurden getödtet. Da der Feind bedeutend stärker war man schätzte ihn auf 600 bis 800 Mann war Capitän Wood nicht in der Lage, seinen Erfolg aus- zunutzen. Beim Rückzug hatte er einen Todten und sechs Verwundete, darunter Capitän Morley schwer verwundet; 14 Mann werden vermißt. Die Haltung aller war aus­gezeichnet ; der Feind muß mehr als 23 Todte gehabt haben.

Pretoria, 20. August. Zu dem am 18. d. Mt«.

in der Nähe von Bronkhorst Spruit ausgeführten An­griff auf ein Burenlager wird noch gemeldet, daß die Engländer eine Anzahl Buren gefangen nahmen, die ihnen jedoch von der sie verfolgenden überlegenen feind­lichen Abtheilung wieder abgenommen wurden.

Aas Provinz miii Aachdaraediet.

* (Postverkehr der deutschen Truppen inOstasiennachAufhebungdesFeldpost- d i e n st e s.) Aus Anlaß der jetzt erfolgenden Rück- führung und Auflösung des Ostasiatischen Expeditions­korps stellt die deutsche Feldpost mit Ablauf des Monats August ihre Thätigkeit ein. In Folge dessen kommen vom 1. September ab die für die Truppen in Ostasien bisher gewährten Portofreiheiten und Portoermäßigungen in Wegfall; nur an solche Truppen des Expeditions­korps, die auf Transportschiffen erst später in Deutsch­land eintreffen, können Briese und Postkarten als Feld- postsendungen wie bisher ohne Portozahlung abgeschickt werden, müssen aber vom Absender mit dem Vermerke: Durch das Marine-Postbüreau in Berlin" versehen sein. Feldpostsendungen nach China werden vom 1. Sep. tember ab nicht mehr zur Beförderung angenommen; auch findet eine Nachsendung von im Postwege bezogenen Zeitungen gegen Entrichtung einer Umschlaggebühr nicht mehr statt. Briefe, Postkarten, Drucksachen, Waaren- proben, Geschäftspapiere und Postanweisungen im Ver­kehre mit den Truppen der Ostasiatischen Besatzungs- brigade und der Besatzung von Kiautschou unterliegen ebenso wie gewöhnliche Briefe, Postkarten, Drucksachen und Geschäftspapiere sowie Postanweisungen im Verkehre mit den Besatzungen der deutschen Kriegsschiffe in Ost­asien vom 1. September ab den für den Verkehr inner­halb Deutschlands festgesetzten Porlosätzen und Gewichts- grenzen mit der Maßgabe, daß 1. für Briese von mehr $ als 20 bis einschließlich 60 g, die an nicht im Osfi- ziersrange stehende Angehörige des Heeres und der Marine gerichtet sind oder von ihnen herrühren, das Franko nur 10 statt 20 Pf. beträgt; 2. auch Drucksachen und Geschäftspapiere im Gewichte von mehr als 1 bis 2 kg gegen eine Gebühr von 60 Pf. zugelassen sind; 3. Postanweisungen an die unter 1. bezeichneten Personen (d. i. von, Feldwebel und Wachtmeister einschließlich abwärts) bis zum Betrage von 15. M. gegen eine Gebühr von 10 Pf. befördert werden. Ueber die Taxen und Versendungsbedingungen für Packele, Werthbriese, Kästchen mit Werthangabe u. s. w. nach Ostasien geben die Postanstalten Auskunft. Die an Angehörige der Ostasiatischen Besatzungsbrigade und der Besatzung von Kiautschou gerichteten Sendungen müssen außer der ge­nauen Bezeichnung des Empfängers nach Name, Dienst­grad und Truppentheil fortan auch den Garnisonort in der Aufschrist enthalten. Ferner sind die an , Mann­schaften der Ostasiatischen Besatzungsbrigade gerichteten, 5 nur mit 10 Pf. frankirten Briefe im Gewichte von mehr als 20 bis 60 g, ebenso alle dienstlichen Briefsendungen an die Besatzungsbrigade oder deren Truppentheile bis auf Weiteres mit dem VermerkeDurch das Marine» Postbüreau in Berlin" zu versehen.

* Gegen Kochs neueste Theorie, über die wir bereit» berichteten, nimmt nunmehr auch einer der be­deutendsten Forscher auf dem Gebiete der Thiertuber­kulose, Obermedizinalrath Dr. Johne, Professor der pathologischen Anatomie an der Thierärztlichen Hochschule zu Dresden, in dem jüngst erschienenen Hefte der Rund­schau auf dem Gebiete der Fleischbeschau, des Schlacht- unb Viehhofwesens Stellung. Professor Heller-Kiel stellte bekanntlich fest, daß fast in der Hälfte aller Fälle von Tuberkulose bei Kindern sich Tuberkulose der Gekrös- Drüsen, also jener Abschnitte des LymphappacateS findet, die von Keimen, welche vom Darm aus in den Körper dringen, in erster Linie passirt werden müssen. In

Aber Odo, wir werden doch nicht ewig auf der Scholle lieben ?

Für's erste doch wohl, mein Lieb. Ich trage mich mit verschiedenen neuen, meine Wirthschaft betreffenden Plänen, die meine stete Anwesenheit zu Hause unbedingt erfordern werden. Während dieses Jahres, da« jetzt begonnen, darf ich nicht daran denken Elmershort hie und da länger als auf einige Tage zu verlassen".

Die Wirthschaft und immer wieder diese langweilige Wirthschaft!" schmollte Thea.Wenn sie in Frage kommt, dann bin ich gar nicht mehr für Dich vorhanden."

Aber Thea, um Gottes Willen, wie kannst Du nur so etwas vorausfetzen!" widersprach Odo erschreckt und mit zärtlichem Blick.Du bist mein Liebstes, das ich auf der Welt besitze! "

Wirklich Dein Liebstes? " forschte Thea schnell.

Habe ich es Dir denn nicht schon tausendmal be­theuert ? Deine Liebe macht mich unendlich reich. Was ich für Dich fühle, Thea ich vermag dies vielleicht nichtmit rechten Worten zu schildern, ich bin kein rede­gewandter Mensch: doch das beste Gefühl, welches ich in mir trage, das ist meine grenzenlose Liebe zu Dir! Um mir ein unverdientes Glück zu schenken, hat Gott mich auf Deinen Weg geführt, damit dieser sich mit dem meinen eine!"

Also Odo, wenn Du mich so sehr liebst, wie Du sagst Wirst Du mir dann auch in Zukunft keinen einzigen Wunsch abschlagen?"

Gewiß nicht, sofern es in meiner Macht stehen sollte, Dir denselben zu erfüllen, und er sich nicht im Wider­spruch zu meiner Ueberzeugung befindet. Das setze ich aber nicht voraus!"

Also doch ein Vorbehalt", murmelte Thea gekränkt.

Sie straft ihn noch eine kleine Weile durch hart­näckiges Schweigen.

Thea, es ist Zeit, Dich zum Ball anzukleiden."

Mit dieser Mahnung tritt Frau Lindner zum Braut­paar heran.

Thea erhebt sich hastig und verläßt Odo in schmollender Stimmung. Bestürzt blickt er ihr nach. Es ist das erste Mißverständniß zwischen den beiden. Odo« ruhige, phlegmatische Art hat Thea schon hin und wieder nervös gemacht, seit sie in Elmershort täglich mit ihm zusammen ist. Jetzt jedoch zürnt sie ihm ernstlich.

Odo überkommt plötzlich die Lust, sich selber zu ohr­feigen.

Wie hat er doch nur TheaS Frage ernsthaft nehmen können! Er hat sie gekränkt, sie, sein Kleinod, seine süße, reizende Braut, wie soll er'S nur wieder gut­machen? Ein rechter Tölpel ist er gewesen, der'S noch garnicht versteht, mit solch' einem zarten, schönen Ge­schöpf, wie Thea, umzugehen.

Odo machte sich die bittersten Vorwürfe.

Was würde sie denn am Ende großes von ihm er­bitten? Hübsche Kleider, kostbaren Schmuck darin gipfeln ja die Wünsche der meisten Frauen. Nun, dazu hatte er'S ja, Gottlob! Er kann seine Frau in Sammet und Seide kleiden und sie mit Brillanten schmücken. Den prachtvollen Schmuck seiner seligen Mutter würde er Thea am Hochzeitstage schenken das soll eine Überraschung für sie sein.

Während Odo darüber nachgrübelt, wie und wodurch er Thea am schnellsten versöhnen könnte, macht diese in Jella« Schlafstube Toilette.

Jella hat für sich und ihre Kousine ein andere« Ankleidezimmer hergerichtet und dem fremden, jungen Gast ihre hübsche, ganz mit weiß und blau dekorirte Stube zur Verfügung gestellt: Ein schneeweiß bezogene« Bett, eine mattblaue Ampel, mit geblümtem Stoff über­zogene Puff«, ein Toilettetisch mit weißem Spitzenstoff aus blauem Futter garnirt, vor dem ovalen Spiegel eine Anzahl Löschen und Büchschen, alle aus einer stlberähnlichen Masse und mit JellaS hübschgravirtem Monogramm versehen.

Das Zimmer, so einfach seine Einrichtung im Grunde war, hatte dennoch einen gewissen Chic. JellaS ganze Erscheinung paßte in diesen Rahmen.

Thea beneidete die Jugendfreundin ihres Verlobten um die Sicherheit ihres Auftretens, um den Takt, der ihr angeboren schien, um die graziöse Art, in welcher sie zu plaudern verstand. Sie gelobte sich's heimlich, es ihr in allen Dingen nachzuthun, ja, möglichst diese noch zu übertreffen. Nicht lange würde es währen, dann prangten auf ihrem, Thea«, Toilettentisch ebenso zierliche, monogrammgeschmückte Büchschen nur aus schwerem Silber.

In Thea« Natur lag ein Durst nach Luxus und Glanz, und doch, wenn sie an Elmershort dachte, an Elmershort, welches ihr alle« so heiß Begehrte bieten sollte, dann fröstelte es sie. Diese ewigen WirthschaftS- gespräche dort, diese entsetzliche Genauigkeit und Pedanterie in allen Dingen wozu waren denn Verwalter, Haus­hälterinnen, Diener, kurz, der ganze Schwärm der Guts­leute, wenn Odo und Tante Luise überall selbst nach dem Rechten sehen mußten?

(Fortsetzung folgt.)