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GeatSsbettagen r „311 tistritte» SemtltagLbZatt" m» „3U«ftrirte landwirthschaftliche Vettage."
«r. SS. LoVtrAU in 22. Imt 1SS1.
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Amtlicher Theil.
Berlin, den 10. Juli 1901.
Das Gesetz, betreffend den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen vom 25. Juni 1887 (Reichs- Gesetzblatt S. 273) hat in Bezug auf die Metallbeschläge der Trinkgefäße bisher eine ungleichmäßige Auslegung gefunden, welche auch bereits zu mehrfachen Beschwerden Veranlassung gegeben hat.
Nach der einen Auffassung gilt das Verbot in dem § 1 Nr. 1 des Gesetzes nur für die mit dem Inhalte der Gläser und Krüge in unmittelbare Berührung kommenden Theile der Beschläge, während die anderen Theile aus einer Metalllegierung mit größerem Bleigehalt hergestellt werden dürfen. Nach einer strengeren Auffassung hat dagegen die bezeichnete Gesetzesbestimmung für sämmtliche Theile der Trinkgesäß-Beschläge Gilligkeit und ist demnach nicht blos für die Deckel, sondern auch für die Krücken, Scharniere und Gewinde die Verwendung einer Legierung von mehr als 10 Prozent Bleigehalt untersagt.
Um diese Rechtsungleichheit und die daraus er, wachsenden Unzuträglichkeiten zu beseitigen, bestimmen wir, daß in Zukunft bei der^ Ausführung des Gesetzes überall der strengeren Ausfaffung zu folgen ist.
Die Nachgeordneten Polizeibehörden sind demgemäß anzuweisen, bei der Ueberwachung der Herstellung und x des Vertriebes von Trinkgefäßen bei der Untersuchung dieser Gefäße auf ihre vorschriftsmäßige Beschaffenheit sowie bei der Einleitung von Strafverfahren die strengere Gesetzesauslegung zur Richtschnur zu nehmen.
Lebenskämpfe.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
Sie lachte wohl ein wenig über die „Kängeruh- Aermel" der altmodischen Hülle, war aber doch zu vernünftig, um sich der Gefahr auszusetzen, die Gliedmaßen zu erfrieren. Der Pelz gehörte ja auch nicht ihr, da mochte er immerhin unmodern sein; was ihr eigen war, mußte elegant sein, darauf gab sie viel.
Balltoilette wollte sie natürlich erst in W. machen. Das weiße Kleid wurde behutsam in einen großen Deckelkorb gepackt, den Tante Luise zur Verfügung stellte, und neben Jürri auf dem Bock untergebracht.
Als Thea, Frau Lindner und Odo bei Jella eintraten, waren Bingens bereits dort. Anna von Bingen, eine \ kleine, brünette, sehr lebhafte und etwas zur Fülle neigende Frau, musterte Thea mit unverhohlener Neugierde; Jeüa begrüßte die Braut ihres alten Freundes Odo mit großer < Herzlichkeit.
»Solch guten Geschmack hätte ich Odo garnicht zugetraut", flüsterte die Baronin ihrem Gatten, einer aristokratischen, männlichen Erscheinung, zu. „Diese Thea ist ja reizend! Aber die Schwiegermama als Zugabe — na, ich danke."
Allein im Laufe des Abends sühnte sich die kleine Baronin auch mit der „Schwiegermama" aus und fand diese schließlich ganz nett.
Frau Lindner verstand nämlich ungemein sachlich über
Von der Anwendung polizeilicher Zwangsmittel gegenüber Gast- und Schankwirthen rc., die sich auf Grund der bisher geübten milderen Praxis bereits im Besitze von Schankgefäßen befinden, die nach der in Zukunft zur Anwendung zu bringenden strengeren Auf- faffung der Beanstandung unterliegen, ist indeffen bis auf Weiteres Abstand zu nehmen.
Der Justiz-Minister. In Vertretung (Unterschrift.)
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. Im Auftrage: gez. Schmidtmann.
Der Minister des Innern.
In Vertretung: gez. Bi s ch o f f s h a u s e n. Der Minister für Handel und Gewerbe.
In Vertretung: gez. Lohmann.
An die Herren Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten hierselbst. Just.-Mimst. i. Nr. 4097. — M. d. g. Ang. M. Nr. 6480. — M. d. Jnn. Ha. Nr. 5251. — M. s. H. u. G. Hb. Nr. 5162.
* * *
Caffel, den 12. August 1901.
Abschrift zur Beachtung. Die Nachgeordneten Polizeiorgane find mit entsprechender Weisung zu versehen.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: M a uv e.
An die Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. II. 8482.
* * * Hersfeld, den 20. August 1901.
Vorstehendes theile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Nachachtung mit.
I. 4635. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 20. August.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen heute früh, wie aus W i l h e l m s h ö h e gemeldet wird, einen Ausritt.
Der Stapellauf des Linienschiffes G, der wegen des Todes der Kaiserin Friedrich verschoben war, ist am Montag in Wilhelmshaven in Gegenwart des Königs und der Königin von Württemberg vollzogen worden. Die Königin taufte das Schiff auf den Namen „Schwabe n". Der König von Württemberg betonte
die Wartung und Pflege kleiner Kinder zu plaudern, so daß sie dadurch der Baronin, welche nach der Art vieler junger Mütter fast nur über ihren Sprößling sprach, sympathisch wurde.
Nachdem Thea ein paar BegrüßungSworte mit Jella und deren Cousine gewechselt, sah sie sich plötzlich einer schlanken, eleganten Männergestalt gegenüber, welche gleichsam ganz unvermittelt aus dem Fußboden hervorgewachsen schien.
In Wirklichkeit war Walter von Härtung aus dem niedrigen Sitz eines Faulenzers, der halb verborgen hinter einem Salonschirm stand, emporgetaucht.
„Ah — Herr von Härtung I* rief Odo überrascht, „Sie hier?"
Er und Walter verkehrte» recht förmlich miteinander.
Eine tiefe Verbeugung von Seiten Walters, ein Kopsneigen Theas beschloß die gegenseitige Vorstellung.
Nun wurden die Tanten „vorgeführt" — so wenigstens drückte sich Thea nachher in ihren Gedanken aus, als sie in der Erinnerung die Theestunde bei Jella durchging.
Fräulein Martha hatte heute ihren guten Tag; sie war schmerzfrei. Sie trug eine getollte Haube aus weißem Mull; die armen, kranken Augen waren von einem grünen Schirm überschattet.
Tante Jettchen beantwortete jede an sie gerichtete Frage mit verlegenem, kindlichen Kichern.
Frau Lindner in ihrer Gutmütigkeit und ausgesprochener Sympathie für alle Leidenden widmete sich alsbald der armen Blinden.
in der Taufrede, er und seine Gemahlin seien gern der Aufforderung des Kaisers, die Taufe des Schiffes vor- zunehmen, nachgekommen. Tief im Binnenlands sei ein hohes Jntereffe für das Wachsen der Marine vorhanden, das er und die Königin durch ihr Erscheinen bekundet hätten. Die Rede schloß folgendermaßen: «Eine besondere Bedeutung gewinnt der Name, welchen Se. Majestät der Kaiser dem neuen Linienschiffe gewählt hat, dadurch, daß einst in grauer Vorzeit die Wiege der Hohenzollern auf schwäbischem Boden gestanden, und ich erkläre im Namen des ganzen Stammes, daß wir allezeit treu und fest stehen wollen zu Kaiser und Reich. So rufe ich denn in dieser weihevollen Stunde: Se. Majestät der Kaiser Hurrah!"
Dem Vernehmen der „Köln. Ztg". nach hat sich das Bedürfniß herausgestellt, für die Marine eine alsbaldige Vermehrung der Kriegsgerichtsräthe eintreten zu lassen und inzwischen wieder junge Richter, die zum Uebertritt in den Justizdienst der Marine Neigung haben, zunächst als Hülfsrichter zu beschäftigen. Nach einer Probedienstzeit von höchstens sechs Monaten erfolgt in der Regel feste Anstellung mit einem Anfangsgehalt von 2400 Mk. und Wohnungsgeldzuschuß. Bewerber, die Offiziere des Beurlaubtenstandes find, dürften auch diesmal auf Bevorzugung rechnen können. Während der Probezeit werden monatlich die üblichen 200 Mk. als Entschädigung gewährt. Das Dienstalter rechnet vom Tage der Ernennung zum Kriegsgerichtsrath ab. Für Gerichtsassestoren, die diese Laufbahn einzuschlagen sich entschließen, eröffnet sich also hier aufs Neue die Aussicht auf baldige Berücksichtigung; sie mögen daher nicht zögern, ihre Bewerbung unmittelbar an den Staatssekretär des Reichs-MarineamtS zu richten.
Der Kon gieß deutscher Kriegsveteranen, der in Dessau tagte, beschloß eine Eingabe an den Reichstag zu richten, daß bei Vertheilung von Beihülfen anderweitige Bezüge von Unfall« und Pensionskassen bis zur Höhe von 30 Mk. kein Hinderniß bilden sollen, ferner daß der Ausdruck „gänzlich erwerbsunfähig", aus dem Gesetz gestrichen werden soll.
Auf den deutschen Münzstätten find im Monat Juli für 10194 660 Mk. Doppelkronen, für 3 573 540 Mk. Kronen, für 123 500 Mark silberne Fünfmarkstücke, für 1071400 Mk. Zweimarkstücke, für 414 688,50 Mk. Zehnpfennigstücke und für 173 596,05 Mk. Zweipfennigstücke geprägt worden. — von den zur Einziehung ge«
Jettchen strich unaufhörlich an den Falten ihres braunen Cheviotkleides herunter und machte ein immer verlegenere« Gesicht. Sie war daran gewöhnt, mit Doktors Dorchen zu verkehren, jeder andere Umgang beengte sie und schüchterle sie ein.
„Und mit diesen beiden bedauernswerthen Wesen lebt Jella Greenhoff Tag um Tag zusammen," wandle sich Thea leise an Odo.
„Ja," erwiderte dieser, „und sie sorgt in wahrhaft rührender Weise für ihre beiden Pflegebedürftigen. Sie verläßt fast nie das Haus, seit das Leiden der alten Dame sich immer mehr verschlimmert. Sie hält das ganze kleine Hauswesen zusammen. Ich wette, daß es der Baronin Bingen einen Aufwand von Ueberredungs- kunst gekostet, ehe Jella eingewilligt, heute den Ressource- ball zu besuchen".
Thea schüttelte sich leise.
„Furchtbar," sagte sie, „lieber wollte ich sterben, als mich so lebendig — geistig begraben. Ich hasse jede Einsamkeit und Einförmigkeit, in mir sprudelt das Leben! Ich will genießen, jeder Tag soll mir Abwechselung bringen, neue Anregung und Lebensfreude!"
Theos Wangen glühten — sie sah wunderhübsch aus, während sie diese Worte leise, jedoch leidenschaftlich hervorstieß.
Odo schaute sie voller Entzücken an. Dann zog >r ihre Hand heiß an seine Lippen und sprach:
„Herzblatt, wird es Dir aber auch bei solchen Grundsätzen in ElmerShort gefallen?"