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Dienstag

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 16. August 1901.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden hierdurch auf die im Kreisblatt Nr. 95 abgedruckte Verordnung des Herrn Regierunge-Präsidenten vom 4. August d. I. I. A. III, Nr. 8601, die Geflügelcholera betreffend, hin- gewiesen und noch besonders auf die ihnen obliegenden Pflichten aufmerksam gemacht.

I. 4570. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Zur Zweikaiser-Begegnung.

Noch vor der Beisetzung der verewigten Kaiserin Friedrich tauchte in der Preffe die Behauptung auf, durch den Trauerfall im deutschen Kaiserhause werde die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren unmöglich. Zuerst erschien diese Ankündigung in österreichischen Blättern, und vielleicht ist dabei ein klein wenig der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Die Verbreiter der irreführenden Ausstreuung haben aber übersehen, daß eine Zweikaiser-Begegnung mit glänzendem äußeren Beiwerk überhaupt nie ins Auge gefaßt war. Festliche Veranstaltungen werden allerdings durch die Trauer um die entschlafene Mutter unseres Kaisers ausgeschloffen. Aber ein einfaches Zusammentreffen der Kaiser Wilhelm und Nikolaus mit ganz kleinem Gefolge und eine manche ernste Dinge berührende persönliche Aussprache ist, wenn nicht, was aber unwahrscheinlich ist, ein anderes Hinderniß da­zwischen tritt, mit der Trauer unseres Herrschers keines­wegs unvereinbar. Die wehmüthige Erinnerung an die Kaiserin Friedrich, die ja auch dem russischen Kaiser keine fremde war, würde die Unterredung der beiden Monarchen nur herzlicher gestalten. Politisch hat der Reichskanzler, wie jetzt von Rußland durch eine außeror­dentliche Ehrung des General-Feldmarschalls Grafen von Waldersee bekräftigt worden ist, alle Anlässe zum Grollen und Schmollen zwischen Berlin und St. Petersburg beseitigt. Das chinesischeAbenteuer" schließt zur Ent­

Herzenskinnpfe.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

Verzeih', Thea," entschuldigte sich Odo hastig,aber die neue Fuchsstute es wäre doch zu schade um das Thier. . . da muß ich gleich selber nachsehen. Geht nur immer nach oben, ich komme nach I Der alte Tiebert sieht oft Gespenster."

Laß dem Thier doch Schießpulver mit warmer Milch eingeben, Odochen," rief Tante Luise dem Davon- etlenden nach.Dieses Mittel," erläuterte sie, zu Thea gewandt,hat unser verstorbener, alter Schäfer, der viel von Thierkrankheiten verstand, oft mit Erfolg verordnet."

Während die alte Dame als Beleg für ihre Be­hauptung einige Beispiele zum besten gab, schritt sie Thea voran die schmale Treppe hinauf.

Droben mündeten vier Thüren in einen ziemlich Hellen Korridor.

Tante Luise schloß eine nach der andern auf.

Große Leinwandballen, meist Handgewebe, seiden« Steppdecken, Kissen und Teppiche quollen aus der Truhe, in welcher Tante Luise nach einem Stück Leinwand suchte.

Die scheidende Nachmittagssonne warf ihr rotes Licht auf die breiten Wandbretter, auf denen werthvolleü altes Tafelgeschirr stand. Ferner gab es Blumenvasen und Krüge, Porzellan-Fruchtkörbe mit durchbrochenen Rändern, kurz: manches kostbare und altertümliche Stück, das schon

täuschung mancher Leute in Deutschland und anderwärts ganz solide mit einem Saldo in unsern Beziehungen zu Rußland ab, daß nur bei sorgsamer und geschickter Buchführung heraus kommen konnte. Für die wirth- schaftlichen Streitfragen aber ist vielleicht eine Be­sprechung zwischen den Oberhäuptern beider Reiche von guter Vorbedeutung.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r empfing am Sonnabend in Wilhelmshöhe im Laufe des Vormittags den Vertreter des Auswärtigen Amts, Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff zum Vortrag. Nachmittags unternahmen Ihre Majestäten mit dem ganzen Gefolge einen fast dreistündigen Spaziergang in den Habichtwald.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Deutsche Kronprinz ist Freitag früh auf der Viktoria-Station in London eingetroffen. Zum Empfang waren auf dem Bahnhöfe Mitglieder der deutschen Botschaft erschienen. Se. Kaiserliche Hoheit stattete im Laufe des Tages mehrere Besuche rein privaten Charakters ab und be­sichtigte den Tower und die Westminsterabtei.

Unter dem Vorsitz des Grafen Schwerin-Löwitz ist gestern der ständige Ausschuß des Deutschen Land­wirthschaftsraths zur Besprechung des Entwurfes eines Zolltarifgesetzes zusammengetreten. Zu dieser Konferenz sind eingeladen worden: die Vorsitzenden der preußischen Landwirthschaflskammer und der offiziellen landwirthschaftlichen Vertretungen in den süddeutschen Bundesstaaten und im Königreich Sachsen, die Vorsitzen­den des Bundes der Landwirthe und der größeren Bauernvereine, die landwirthschaftlichen Mitglieder des wirthschaftlichen Ausschusses. Der Vorsitzende gab zu­nächst ein ausführliches Referat über den Entwurf des Zolltarifgesetzes.

Feldmarschall Graf Waldersee hat vom Kaiser einen sechswöchigen Urlaub bewilligt erhalten. Er gedenkt sich nach Ordnung sener privaten Verhält­nisse zunächst von Hannover nach Holstein und von dort nach BerchteSgaden zu begeben. Später wird der Feld­marschall, einer Einladung des Fürsten Henkel v. Donnersmarck folgend, auf dessen Güter nach Ober­schlesien reisen.

In Emden sind die Denkmäler für den Großen Kur­

seit Generationen diesem Zweige der Familie von Elmer gehörte.

In einer Ecke bemerkte Thea eine sehr altmodische, braunpolierte Wiege.

Durch einen leisen Stoß setzte sich das schwerfällige Möbel in Bewegung.

Odochens Wiege," sagte Tante Luise in zärtlichem Ton,darin hat auch sein Vater seine Kinderträume geträumt. Es ist doch so etwas eigen Heiliges um solch eine Kinderwiege I Wenn man bedenkt, daß ein süßes, zartes Leben in ihr geruht, ein Leben, das man vor seinen Augen erstarken und erwachsen sah ach, Theachen, du kannst dir'« nicht vorstellen, wie süß Odo als ganz kleiner Junge war! Seine Mutter war monatelang krank nach seiner Geburt. Odochen wurde mit der Flasche aufgezogen, und die Kuh, von der er die Milch bekam eine Scheckin war's hieß fortan nur dieAmma."

Thea schaukelte noch immer ganz mechanisch die Wiege. Da schoß es ihr durch den Sinn:

Wenn meine Kinder dereinst in diesem Familien- erbstück hier gewiegt werden sollten? Meine Kinder meine und Odos . . . unsere also . . . Wie sonderbar das klang!"

Der Gedanke, daß ihre zukünftigen Kinder einmal in dieser Wiege, an der sie stand, schlummern sollten, erschien Thea plötzlich ungeheuerlich unmöglich unangenehm 1 Sie schüttelte ihn rasch ab und zog ihre Hand so heftig vom Rand der Wiege fort, als wäre er glühendes Eisen.

Tante Luise, einmal auf ihr Lieblingsthema Odo ge-

fürsten und Friedrich den Großen am Freitage enthüllt worden.

Die beiden LinienschiffeH. undI, welche die Marine-Verwaltung der Germaniawerft in Kiel und der Schichauwerft in Danzig zum Bau in Auftrag gegeben hat, sollen im Jahre 1904 abgeliefert werden. Sie werden die ersten Vertreter des dritten Typs der Linienschiffe erster Klasse bilden, die sich dadurch aus­zeichnen, daß sie mit neuen 28 Centimeter - Kruppschen Schnellade-Geschützen ausgerüstet werden.

Ueber die Frage der Raumausdehnung der Post- beamten-Dienstwohnungen ist zwischen der Reichs-Post- und Reichs - Finanzverwaltung nach der D. Verk.-Ztg." folgende Vereinbarung getroffen worden: Außer den Nebenräumen, als: Küche, Speisekammer, Mädchenstube, Boden- und Kellerraum für Wirthjchafts- zwecke kann enthalten eine Dienstwohnung für einen Ober-Postdirektor (unter Einrechnung eines etwaigen Badezimmers als heizbares Zimmer), 89 Wohn-, Schlaf- und Gesellschaftsräume, für Vorsteher von Post­ämtern 1. Klaffe und von Telegraphenämtern 56 Wohn- und Schlafräume, für Postmeister 45 Wohn- und Schlafräume, für Postverwalter 4 Wohnräume, bei ländlicher Lage auch Stall- und Futtergelaß, für Unter- beamte 23 Räume. Diese Normen sollen zwar zu­nächst nur auf Dienstwohnungen in noch zu erbauenden Häusern und auf sonst neu etnzurichtende Wohnungen Anwendung finden; sie sind aber außerdem auch bei schon vorhandenen Wohnungen im Falle eines Wechsels in der Person des Inhabers thunlichst zu berücksichtigen. Die angegebene Anzahl der Zimmer bedeutet stets die höchste Gesammtzahl der zu einer Dienstwohnung gehörigen, zu Wohn-, Schlaf- und Gesellschaftszwecken geeigneten Räume. Sie umfaßt zugleich die etwa in anderen Etagen, z. B. in Mansarden gelegenen Zimmer und Kammern.

In der am Freitage im Reichstags-Gebäude abge­haltenen Schlußsitzung des Zoologen-Kongresses wurde Bern als Ort des nächsten Kongresses gewählt.

In welchem Maße in Deutschland die Waldrente gestiegen ist, erhellt am deutlichsten aus den Einnahmen, welche die preußischen Staatsforsten in den letzten Jahren ergeben haben. Es betrug nämlich die Einnahme aus dem Verkauf von Holz an Millionen Mark im Jahre 1887: 52,7, 1888: 54,4, 1889; 60,7, 1890: 63,2, 1891: 60,5, 1892: 62,4, 1893: 58,7, 1894: 58,4,

kommen, war gewöhnlich schwer von dem abzubringen. Sie hatte auf einem Holzschemel Platz genommen und erzählte Thea, welche mit recht gleichgiltiger Miene an einer der Truhen lehnte, langes und breites über Odo: wie er sein erstes Zähnchen bekommen, wann er zum ersten MalPapa" gesagt, was für ein Ausnahmekind er in jeder Beziehung gewesen an Gehorsam und Ver­nunft.

Also ein Musterknabe; aus solchen werden gewöhnlich die größten Pedanten", schwebte es Thea auf den Lippen.

Doch sie überwandt sich, unterdrückte die gereizte, un­höfliche Bemerkung über ihren Bräutigam noch rechtzeitig und sagte statt dessen:

Ich glaube, Odo kommt. Ich höre Schritte aus der Treppe."

X.

Ein Ball in W. wurde jedesmal zu einem Ereigniß, von dem die ganze Stadt wochenlang vorher und nachher sprach.

Dem alten Fräulein Pohl, welche diewandelnde Stadtchronik" genannt wurde, kam der Mund nicht zur Ruhe vom vielen Reden über Odo von Elmer und dessen Braul.

Dies Paar würde natürlich den Mittelpunkt des Festes bilden.

Noch interessanter erschien den Klatschbasen die weitere Entwickelung der Liebelei zwischen dem Schön- Heideschen und Jella von Greenhoff. In der Stadt sagte man bereits unumwundenLiebelei", seit Doktors