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Gratirbeilagen rIUuftrtkter Sonntag-blatt" «.Illusterste lanbwlrthschaftUche Vettage."

Sr. 91 Somodeiiii in 10. August 1901.

Erstes Blatt.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 8. August 1901.

Zur Vermeidung von Verzögerungen bei den vor- zunehmenden Erntearbeiten ist angeordnet worden, daß die in Aussicht genommenen diesjährigen P f e r d e v o r - Musterungen unterbrochen werden und auf einen späteren Zeitraum zu verlegen sind.

. Indem solches hierdurch bekannt gemacht wird, werden die Herren Ortsvorstände des Kreises hiermit angewiesen, die getroffene Anordnung alsbald zur Kenntniß der Be- theiligten zu bringen.

Bezüglich der Gemeinden Eitra, Sieg­los, Oberhaun sowie Unterhaun mit Ro ten- see findet jedoch die Musterung, wie be­stimmt, am 10. d. Mts. noch statt.

J. II. Nr. 2641. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

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Hersfeld, den 7, August 1901.

Die mit dem 1. Oktober d. Js. neu gegründete Schulstelle in Gersdorf soll besetzt werden. Das Ein­kommen derselben besteht neben freier Wohnung (Mieth- lokal) in 1000 M. Grundgehalt. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 M.

Bewerber wollen ihre Gesuche nebst den erforder­lichen Sitten- und BefähigungsZeugnissen bis zum 25. d. M t s. bei dem Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frielingen oder dem Unterzeichneten einreichen.

Der Königliche Schulvorstand r Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath. I. 4374.

Cassel, den 5. August 1901.

Das Königliche Landrathsamt bitten wir, in dort geeignet erscheinender Weise den Herren Landwirthen des dortigen Kreises mitzutheilen, daß das diesseitige Proviantamt jetzt fortlaufend Roggen, Heu und Roggen­stroh kauft.

Proviantamt Cassel.

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, t Hersfeld, den 7. August 1901.

Wird veröffentlicht.

& 4382. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zur Abwehr der aus der künstlichen Uebertragnng des Ansteckungsstoffs der Maul- und Klauenseuche aus seuchcu- freie Thiere drohenden Seuchenverschleppungsgefahr ordne ich mit der auf Grund des §. 1 der Bundesrathsinstruktion Hont 27. Juni 1895 gegebenen Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten gOitäß § 20 Absatz 1 des Reichsviehseuchengesetzes vom £ War" 1894 ^' dm Regierungsbezirk Cassel folgen­

des an:

1) Die künstliche Uebertragnng des Ansteckungsstoffs der Maul- und Klauenseuche aus Thiere, die sich nicht in einem Seuchengehöfte befinden, ist verboten.

2) Ausnahmsweise darf die Genehmigung zur künst­lichen Ansteckung solcher Thiere (Ziffer 1) von dem Land- rathe ertheilt werden, wenn nach dem schriftlichen Gutach­ten des beamteten Thierarztes die Weiterverbreitung der Seuche nach den örtlichen Verhältnissen ausgeschlossen erscheint und deshalb eine Schädigung der umliegenden Betriebe nicht zu fürchten ist.

,| 3) Künstlich angesteckte Thiere sind vom Zeitpunkte der > Ansteckung ab, ohne Rücksicht daraus, ob Erscheinungen der , Seuche wahrnehmbar sind oder nicht, den senchekranken

Thieren gleich zu behandeln (§ 59 ff. der Bundesraths- instruktion).

4) Wenn die künstlich angesteckten Thiere nicht erkrank­ten, so sind die Gehöfts- oder Stallsperre und die sonsti­gen Schutzmaßregeln so lange aufrecht zu erhalten, bis die Unverdächtigkeit der Thiere durch den beamteten Thierarzt festgestellt ist und die zur Unterbringung benutzten Stall­räume nach § 67 der Bundesrathsinstruktion desinfizirt sind. Die Desinfektion ist auch dann erforderlich, wenn die Seuche bei keinem der angesteckten Thiere zum Ausbruch gekommen ist, weil der ihnen einverleibte Ansteckungsstoff mit den Abgängen und dem Speichel zum Theil wieder ausgeschieden wird und die Stallungen verunreinigt (A. III. 6607).

Cassel, am 31. Juli 1901.

Der Regierungs-Präsident. I. B.: M a u v e.

Nichtamtlicher Theil.

An her Bahre der Aiseck «riehrich.

Die Trauer um den Tod der Kaiserin Friedrich ist allgemein. Nicht nur die deutschen Bundesfürsten und zahlreiche Körperschaften, sondern auch fast sämmtliche Souveräne der Welt haben unserm Kaiser telegraphisch ihr herzliches Beileid zu dem unersetzlichen Verlust, der ihn betroffen hat, ausgedrückt. Die Blätter aller Richtungen in Deutschland wie im Auslande sprechen fich über die Persönlichkeit und die Lebensführung der Heimgegangenen Kaiserin mit der größten Verehrung und Hochachtung aus. Die Epiloge find nicht nur von dem Ernste getragen, den die Majestät des Todes auch bei dem geringsten Sterblichen heischt, nicht nur von der Achtung, die der geistige und der sittliche Hochstand der Verblichenen und ihr Rang unter den Großen der Erde erzeugen; was bei allen, die der dahingeschiedenen Fürstin Nachrufe widmen, die Feder führt, ist das Gefühl von der unendlichen Tragik, die Leben und Ende der hohen Frau umfaßt. Das Leben, das ihr die Aussicht auf die höchsten Höhen eröffnete, hat ihr nicht gehalten, was es versprochen. Das ist das Motiv, welches überall durchklingt, wo der Lebensgang der hohen Frau ge­schildert wird und ihre hervorragenden Eigenschaften als Fürstin, Gattin und Mutter gewürdigt werden. Auch die den Heimgang Friedrichs III., ihres Gemahls, be­gleitenden erschütternden Umstände leben im Gedächtniß der Zeitgenossen wieder auf. Beide bilden in der That ein Fürstenpaar, bei dessen Gedenken die deutsche Nach­welt nie ohne Wehmuth wird verweilen können.

Der Nachruf desReichs- und Staats-Anzeigers" klingt folgendermaßen aus:In ihrer Ehe fand die Heimgegangene Kaiserin und Königin das höchste Glück, in der Erziehung ihrer Kinder die vollkommenste Be­friedigung und Freude. In Gemeinschaft mit ihrem er­habenen Gemahl nahm die hohe Verstorbene den regsten Antheil an der Entwicklung von Wissenschaft und Kunst. Insbesondere für die letztere besaß sie ein von dem feinsten Verständniß getragenes, warmes Interesse, und sie ließ derselben allezeit die wohlwollendste Förderung zu theil werden. Nicht minder aber widmete sie den Werken barmherziger Liebesthätigkeit, den Bestrebungen zur Hebung der ärmeren Volksklassen und der Pflege der Volksgesundheit eine lebhafte, vom schönsten Erfolge ge­krönte Theilnahme. Dieselben Dinge waren es auch, denen sie im Witwenstande unter dem nunmehr von ihr angenommenen Namen Kaiserin und Königin Friedrich unablässig ihre Thätigkeit und Fürsorge zuwandte. Nun ist sie in dem von ihr geschaffenen schönen Schlosse Friedrichshof in die Ewigkeit eingegangen nach einem Leben, welches nach Gottes Nathschluß mit dem reichsten Segen ausgestattet, aber auch vom bittersten Leid heim­gesucht war."

Die Trauer kommt im deutschen Volke auch äußerlich zum Ausdruck. Ueberall hängen Trauerfahnen heraus, für das Land ist eine sechswöchige Trauer angeordnet worden. Bis zur Beisetzung der hohen Entschlafenen

dürfen keine öffentlichen Lustbarkeiten, Theater-Auf­führungen, Konzerte rc., stattfinden. Vierzehn Tage lang sollen sämmtliche Glocken des Landes Mittags von 12 bis 1 Uhr geläutet werden. Die Armeetrauer ist auf sechs Wochen festgesetzt worden; während der ersten acht Tage darf bei den Truppen kein Spiel gerührt werden.

Wie bei der großen Liebe und Verehrung, die unser Kaiser für seine erhabene Mutter stets gezeigt hat, nicht anders zu erwarten war, hat ihn der Tod der Kaiserin Friedrich tief erschüttert. Der Kaiser hat, wie die übrigen Mitglieder der Familie, am Sterbetage das Krankenzimmer nur auf Augenblicke verlassen. Er hielt stundenlang die erkaltende Hand in der seinen, während seine Schwestern der Dahinfiechenden kühlende Er­frischungen reichten. Als sich um Mittag das Zünglein der Wage immer tiefer neigte, blieb der Kaiser zu Häupten des Lagers sitzen, bis die Seele der Dulderin entfloh.

Ueber die Beisetzungsfeier hat die verewigte Kaiserin Aufzeichnungen hinterlassen, die vom Kaiser pietätvoll befolgt werden. Demgemäß wird am Sonntage in Cronberg eine kirchliche Todtenfeier im engsten Kreise stattfinden; nur die Verwandten der Kaiserin Friedrich, darunter der König von England nebst Gemahlin, und die, die ihr im Leben nahe standen, werden zugegen sein. Dann wird die Leiche mit der Eisenbahn nach Wildpark gebracht werden, wo sie am Montag Abend Eintreffen wird. Die Ueberführung nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche in Potsdam wird ohne Gepränge erfolgen. Hier wird die irdische Hülle der Entschlafenen am Dienstage still bestattet werden. Irgend welche öffent­lichen Körperschaften oder Spezialgesandten von Fürst­lichkeiten werden sich auf besonderen Wunsch der Kaiserin Friedrich nicht an der Beisetzung betheiligen. Ein Sarko­phag, in gleicher Ausführung wie der Kaiser Friedrichs, wird das Andenken an die dem deutschen Volke unver­geßliche Frau wahren.

* * *

Berlin, 8. August. Der Sarg, in dem die Kaiserin Friedrich zur letzten Ruhe gebettet wird, ist heute Mittag von Berlin nach Cronberg abgeschickt worden. Der Sarg besteht aus zwei Theilen: dem aus Eichenholz hergestellten und mit Kupfer broncirtem Zinkblech über­zogenen Einsatz, dem eigentlichen Sarge, und dem die äußere Umhüllung bildenden Paradesargs. Der Einsatz ist schon gestern nach Cronberg abgesandt worden. Er enthält ein mit schwerem weißem Atlas überzogenes Kissen und ist mit weißem Atlas ausgeschlagen. Die Decke, welche über die Leiche gebreitet werden wird, ist mit seidener Kurbelstickerei und Spitzen verziert. Der Paradesarg besteht ebenfalls aus Eichenholz und ist mit rothem Purpursammel überzogen. Auf dem Deckel ruht auf einem violettsammetnen Kissen die echt vergoldete Kaiserkrone. An den Seiten find zehn schwere, feuer- vergoldete Broncegriffe angebracht und der Deckel ist geziert mit Rosetten, deren Entwurf von der Kaiserin Friedrich herrührt. Sie stellen die englische Rose dar. Der Sarg selbst, der ebenfalls von der Kaiserin ent­worfen wurde, hat die flache englische Form.

Politische Nachrichten.

Berlin, 9. August.

Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben Sich gestern Nachmittag, wie aus Homburg v. d. H. gemeldet wird, nach Schloß Friedrichshof und kehrten am Abend nach Homburg zurück. Zur Frühstückstafel bei den Majestäten waren der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen und der Prinz und die Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein geladen. Vor der Abendtafel, welche im dortigen Schlosse stattfand, fuhr Se. Majestät der Kaiser bei dem dort weilenden Herzog von Cambridge vor. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz besuchte gestern Nachmittag die Saalburg.

Der Empfang d e s Grafen W a l d e r s e e in