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deutung dieser wichtigen sanitären Maßregel noch nicht genügend verbreitet ist.

Die Herren Ortsvorstände werden mit Bezug auf die Verfügung vom 23. Juni 1900 I. I. Nr. 3782 Kreis- blatt Nr. 75 veranlaßt, Vorstehendes in geeigneter Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und erneut auf die Bedeutung der Tollwuth als lebensgefährliche Krankheit, auf die Nothwendigkeit und Wirksamkeit der Schutzimpfungen sowie auf das segensreiche Wirken der Tollwuthabtheilung des Instituts für Infektionskrank­heiten in Berlin hinzuweisen.

I. 3645. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gesunden: ein Ochsenzaum mit Leitseil. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenk- lengsfeld.

NichtamMMer Theil.

Die Einüellrmg des Primen Eitel Friedrich in das 1. Garde-Retziment.

Potsdam, 7. Juli. Gegen 11 Uhr begab die Kaiserliche Familie sich vom Neuen Palais nach dem Stadtschloß Potsdam. Seine Majestät der Kaiser fuhr mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Eitel Friedrich. Im inneren Hofe des Stadtschlosses hatte eine Ehren- kompagnie des Garde-Jäger-Bataillons mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Der marokkanische Bot­schafter erschien, begleitet von dem Einführer des diplo­matischen Korps, Vize-Oberceremonienmeister von dem Knesebeck, im vierspännigen ä la Daumont gefahrenen Wagen mit Spitzenreitern und fuhr die Front der Ehren- kompagnie ab. Die übrigen Mitglieder der Botschaft folgten in königlichen Wagen. Hierauf fand imBroncesaale des Stadtschloffes der Empfang der Botschaft durch Seine Majestät den Kaiser in Gegenwart des Staatssekretärs des Auswärtigen Freiherrn von Richthofen statt. Später empfing auch Ihre Majestät die Kaiserin die Botschaft. Um 12 Uhr nahm Seine Majestät der Kaiser die Meldung des Prinzen Eitel Friedrich entgegen, stieg sodann im Hofe des Stadtschlosses zu Pferde und begab sich mit dem Prinzen Eitel Friedrich nach dem Lustgarten. Hier hatte das 1. Garde-Regiment zu Fuß im offenen Viereck Ausstellung genommen; die Prinzen-Söhne, einschließlich Seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen, waren ein- getreten; ferner waren versammelt sämmtliche Königlichen Prinzen sowie die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen regierender Häuser, die direkten Vorgesetzten, die Generalität, die Hofchargen, die Kabinetschefs, die Regi­mentskommandeure und Stabsoffiziere der Garnison, sowie die fremdherrlichen Militär-Attachs und die Herren der marokkanischen Gesandtschaft. Aufstellung genommen hatten auch die Lichterfelder Cadetten. Von den Fenstern des Stadtschlosses aus wohnten Ihre Majestät die Kaiserin und die Prinzessinnen der Feier bei. Prinz Eitel Friedrich leistete zunächst den Fahneneid; hierauf hielt Seine Majestät der Kaiser eine Ansprache, welche folgender­maßen lautete:Nach eifriger Vorbereitung dem Studium obgelegen, hat mein zweiter Sohn, Prinz Eitel Friedrich von Preußen, nach dem Urtheil seiner Vorgesetzten sein Examen mitgut" bestanden. Die Kinderjahre liegen nunmehr hinter ihm, und mit dem heutigen Tage tritt er ein in die Aufgaben des Lebens, für die er sich vor­bereitet hat: Die vornehmste Aufgabe, die Vertheidigung des Vaterlandes, die vornehmste Waffe, das Schwert, der vornehmste Rock, der preußische Soldatenrock, der Rock meines ersten Garde-Regiments zu Fuß. Die Eigen­schaften, welche der Prinz im Laufe seiner jugendlichen Entwickelung an den Tag gelegt hat, verbürgen es mir uns ebenso sein Eid, daß er ein tüchtiger Offizier und

ein treuer Diener seines Vaterlandes werden wird. Be­sonders begabt für das militärische Leben, mit scharfem Auge für das Detail wird der Prinz nunmehr in den Reihen des Regiments, sobald er sein Offiziersexamen abgelegt hat, sich auch activ an dem Dienst, nach dem er sich sehnt, betheiligen. Obwohl noch sehr jugendlich, so soll er doch ein Beispiel sein im Eifer, ein Beispiel im Einhalten aller militärischen Gesetze, ein Beispiel vor Allem als Offizier und Mann, das Schönste, was ich mir denken kann ; ein ernster, mit dem Blick auf das Leben gewandter Offizier, unbeugsam und eisern in alle- dem, was die Ritterlichkeit des Offizierstandes ausmacht, hart gegen sich selbst, in straffster Selbstzucht die Traditionen seines Hauses und dieses erhabenen Regiments aufrechterhaltend, unbekümmert um Stim­mungen von außen, das Ziel gerade vor Augen und nur seinem Gott und seinem Vater verantwortlich, so möge er seine Bahn ziehen! Das Regiment aber, in welches ich nun schon meinen zweiten Sohn eingereiht habe, leistet mir Gewähr dafür, daß der junge Prinz in einem Centrum aufwachsen wird, wo von allen Seiten die ruhmreiche Tradition der preußischen Geschichte aus guten wie schweren Tagen ihm entgegenschlagen wird. Die Grenadiere dieses Regiments werden sich voll der Ehre bewußt sein, die ihnen zu theil wird dadurch, daß wieder ein junger Hohenzoller unter ihre Fahnen tritt. Mein Sohn ich wünsche Dir Glück zu dem heutigen Tage. Du hast mir bisher Freude gemacht, und von heute ab hoffe ich, daß auch Du Freude empfinden wirst an dem Leben und an der Arbeit, die Dir bevorsteht. Tritt ein in die Reihen und ziehe dein Schwert!"

Der Commandeur des 1. Garde-Regiments, Oberst Freiherr von Plettenberg brächte ein Hurrah auf Seine Majestät aus; die Musik spielte die Nationalhymne. Sodann fand ein Parademarsch in Compagniefronten statt, bei welchem die Kaiserlichen Söhne eintraten, und zwar Prinz Eitel Friedrich bei der ersten Compagnie. Seine Majestät der Kaiser versammelte dann noch die Offiziere um sich. Um 12*/2 Uhr folgte im Marmor­saale des Stadtschlosses eine Frühstückstafel. Später besichtigte der Kaiser die von der marroccanischen Bot­schaft als Geschenk überbrachten Pferde.

Politische Nachrichten.

Berlin, 7. Juli.

In Ragaz in der Schweiz ist, wie bereits durch Extrablatt mitgetheilt, der frühere Reichskanzler Chlod­wig Fürst zuHohenlohe-Schillingsfürst am Sonnabend früh fünf Uhr gestorben. Eine reichgesegnete Thätigkeit im Dienste des Vaterlandes hat mit dem langen Leben des Dahingeschiedenen ihren Abschluß ge­funden. Vor 55 Jahren begann er mit seinem Eintritt in die Kammer der bayerischen Reichsräthe seine politische Laufbahn, die ihn 20 Jahre später an die Spitze des bayerischen Ministeriums führte. Es ist allbekannt, wie muthig und erfolgreich Fürst Chlodwig zu Hohenlohe in dieser Stellung und später nach seinem Rücktritte wieder in der Kammer der Reichsräthe für den deutschen EinigungSgedanken eingetreten ist; unter den Namen der Männer, denen die Wiedergeburt des Reiches zu danken ist, wird der seine für alle Zeiten einen der Ehrenplätze einnehmen. Mit dem Uebergange aus den Verhältnissen des Einzelstaates in die des neugegründeten Deutschen Reiches nahm die staatsmännische Wirksamkeit des Fürsten zu Hohenlohe eine rasch sich erweiternde Bedeutung an. Im Reichstage, als Deutscher Botschafter in Paris und vom Jahre 1885 an als Statthalter von Elsaß-Lothringen hat er unermüdlich seine Kräfte dem Interesse des großen Ganzen gewidmet und mit seiner reichen Erfahrung, seinem klaren Urtheil und seinem von wahrer Vornehm­heit diktirten Takt dem Vaterlande überall unvergeßliche

Dienste geleistet. Im Jahre 1894 berief ihn Seine Majestät der Kaiser dann in das höchste und verant­wortlichste Amt des Reiches, und in einem Alter, das die den meisten Menschen zugemessene Lebenszeit schon weit überragte, zögerte der Fürst nicht, die neue Bürde auf seine Schultern zu nehmen. Noch sechs Jahre hin­durch hat er als erster Diener von Kaiser und Reich nach innen und nach außen in Segen gewirkt; unter seiner Kanzlerschaft kamen nationale Werke wie das Bürgerliche Gesetzbuch und die Verstärkung der Flotte zu Stande, und als ihn die Last des Alters endlich zwang, die so reich verdiente Ruhe zu suchen, da durften ihm seine Mitarbeiter, die Mitglieder des Bundesraths, an ihrer Spitze der neue Kanzler, sagen, daß der Fürst die Geschäfte des Reichs mit weisem Sinne und milder Hand, mit gerechter und verständnißvoller Würdigung der Interessen aller Bundesglieder zu leiten gewußt habe. Der damals ausgesprochene Wunsch, daß sich am Lebensabende des Fürsten die schöne Verheißung bewahr­heiten möge: Um den Abend wird es licht sein, hat sich wenigstens noch für eine kurze Spanne Zeit erfüllt. In Rüstigkeit hat Fürst Chlodwig zu Hohenlohe die Zeit des Ausruhens, die ihm vergönnt war, genießen können, und noch vor wenigen Wochen, bei der Enthüllung des Denkmals seines großen Vorgängers, konnten seine zahlreichen Verehrer sich an der Anwesenheit des greifen Fürsten erfreuen. Nun hat er die Augen für ewig ge­schlossen; aber in den Herzen seiner dankbaren Volks­genossen wird sein Andenken immerdar lebendig bleiben.

Die Verschiedenartigkeit des Grüßens der Kriegervereine ist, wie dieParole", das amtliche Organ des Kriegerbundes, mittheilt, dem Kaiser beim Abreiten der Fronten der Vereine ausgefallen. Die einen schwenken die Kopfbedeckung, die andern behalten sie auf, nehmen eine gerade Haltung an und legen die Hand an die Hosennath; die dritten nehmen einfach bei strammer Haltung die Kopfbedeckung ab. Der Kaiser wünscht eine Einheitlichkeit im Grüßen der Kriegervereine dahin, daß die Kopfbedeckung abgenommen wird.

Zur Zeit finden zwischen Berlin und Hamburg Versuche mit einem neuen Schnell-Telegraphen- System statt, dessen Erfinder der kürzlich verstorbene Physiker Rowland ist. Mit dem Rowland-System können auf einer einzigen Leitung zu gleicher Zeit in jeder Richtung vier Telegramme, insgesammt also acht Tele­gramme, befördert werden. Der Baudot - Telegraph, welcher auf der Linie BerlinParis vorzüglich arbeitet, vermag nur zwei Telegramme gleichzeitig in jeder Rich­tung zu befördern. Zwischen Berlin und Köln werden demnächst Versuche mit dem Schnell-Telegraph von Pollak und Virag angestellt werden.

Zur Fürsorge für die Hinterbliebenen von Volksschullehrern wird demReichsb." gemeldet: Nachdem in den Staatshaushaltsetat für 1901 der Fonds zur Unterstützung von Witwen und Waisen der vor dem 1. April 1900 verstorbenen Volksschullehrer gegen das Vorjahr um 150 000 Mk. erhöht eingestellt worden ist, so daß er zur Zeit 300 000 Mk. beträgt, sind durch ministerielle Anweisung für die einzelnen Bezirksregie­rungen erhöhte Beiträge zu dem angegebenen Zweck über- wiesen worden. Es steht demnach sicher zu erwarte», daß in diesem Etatsjahr gegen das Vorjahr eine größere Zahl von Witwen und Waisen solcher Volksschullehrer, die vor dem 1. April 1900 verstorben sind, mit laufen­den Unterstützungen neben der ihnen gesetzlich zustehenden Witwen- und Waisenpension bedacht werden können.

Der Bundesrath hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, daß für den nach dem 15. Juli 1901 aus­geführten, zur Essigbereitung verwendeten oder vollständig denaturirlen Branntwein Brennsteuervergütung nicht mehr zu gewähren sind.

Zu dem neuen Gesetz über den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähnlichen Getränken sind

kleid, das ganz allein und in ausfallender Eile aus den! Dampfer gekommen ist, hat allgemeines Befremden erregt. ; Die Damen mustern mit kritischem Blick ihre Toilette: reizend aber ganz unpassend zu einer Reise auf einem Haffdampfer! Die Herren flüstern sich ihre Beobachtungen zu: daß die Unbekannte auf der Flucht vor irgend einem Schrecknis sei, halten sie für ausgemacht, nur sehen sie sich vergebens nach dem Partner dieser Flucht um.

Endlich bemerkt Susy die beobachtenden Blicke. Sie fühlt sich unaussprechlich gedemütigt und niedergedrückt, ihr ists, als mißtraue man ihr, als zöge man sich von ihr geflissentlich zurück. Sie steht rasch auf und blickt, an die Brüstung gelehnt, ins Weite. Die Stadt liegt längst hinter ihnen, sie gleiten auf breitem, langsam fließenden Flusse dahin. Links und rechts breiten sich große Wiesenstrecken aus, dahinter gewaltige Getreide­felder, und am fernen Horizont schließt ein schmaler dunkler Waldsaum die Aussicht ab. In dieser weiten echt norddeutschen Landschaft regt sich nichts, nur Wolken- schatteu huschen über die Ebene. Kein Mensch ist zu sehen, denn die erste Heuernte ist beendet und die Ge­treideernte hat noch nicht begonnen. Hin und wieder taucht aus den goldglänzenden Aehrenfeldern ein GutS- Hof aus mit stattlichem Wohnhaus, in schattigen Baum- gärten halb versteckt. Dicht am Flußufer steht hier und da ein einsames Haus mit zerzaustem Strohdach, halb­verborgen hinter mannshohem Schilf, überdacht von einer Gruppe mattgrüner Weiden. Alles so ruhig und still, so von Sonnengold überglänzt! Sie wird ruhiger im Anblick dieser stillen Landschaft, sie atmet die feuchte Luft in langen, wohligen Zügen.

Fräuleinchen haben wohl kein Billet?"

Erschrocken fährt sie in die Höhe, von dunkler Glut , übergossen. Auch das noch! Aber ein Griff in die Tasche ihres Kleides überzeugt sie, daß ihr Schreck un- ' berechtigt gewesen, sie hat Gott sei Dank! ihr Portemonnaie zufällig bei sich gehabt, als sie von Hause fortging. Der braune Matrose, der sie schon bei ihrer Ankunft angesprochen, hat sie lächelnd beobachtet.

Na, Fräuleinchen, das hätt' auch nichts geschabt, wenn Sie kein Geld gehabt hätten, das hätt' auch später abgemacht werden können!"

Seine weißen Zähne blitzen in dem braunen Gesicht.

Das ist 'ne Hand, und das ist auchne Hand," sagt er, als Susy ein Goldstück in seine breite, braune Tatze gleiten läßt,zwei Hände, aber ähneln thuen sie sich nich! Und arbeiten kann das auch nich ist auch nicht dazu gemacht!" Er blickt mitleidig auf die kleine, weiße Hand.

O, sie ist dazu geschaffen, wie jede andere Hand und kann es auch und thut es gern."

Als er nach ein paar Minuten ihr den Ueberschuß des Geldes zurückbringt, trägt er ihr einen bequemen Feldstuhl mit Rückenlehne und Fußgestell zu.

Aus der Kapitänkajüte!" sagt er und schiebt ihn ihr an die Brüstung

O nein, ich danke der Herr Käpitän wird ihn selbst brauchen."

Er hat mir doch gesagt, ich soll ihn Fräuleinchen bringen. Behalten soll ich das Geld? O ne, ne! Haben Sie denn auch noch welches?"

Susanne lächelt und nickt.Ja, genug, und wenn ich keins hätte, so habe ich doch gute Freunde, die mir geben, was ich brauche." (Forts, folgt.)

Aus G n e s e n wird demPos. Tgbl." folgender Fall von B e st i a l i t ä t gemeldet: Die Arbeiter Weffo- lowskischen Eheleute hatten das Sommerfest des Gesellen­vereins am Sonntag mitgefeiert und waren angetrunken nach Hause zurückgekehrt. Wahrscheinlich in Folge eines Streitesbegoß derManndieFrau mit Petro­leum und zündete sie an. Durch den Rauch wurden die Straßenpassanten aufmerksam; sie drangen in die Wohnung. Die Frau brannte am ganzen Körper, der Mann lag betrunken am Boden. Trotzdem die Flammen bald gelöscht wurden, starb die unglückliche Frau an den Folgen der erlittenen Brandwunden. Der Unmensch wurde verhaftet.

Budweis, 6. Juli. Der ganze Böhmer Wald wurde heute Nacht von Schneefällen heimgesucht, be­sonders Winterberg, Eteonorenhein und Kuschwarda in der Payreschauer Gegend. Ebenso hat heute Hagel die Ernten vernichtet.

Ein schreckliches Drains hat sich dieser Tage in der an der anatolischen Grenze gelegenen Ortschaft Hananpacha als Folge fanatischen Aberglaubens abge­spielt. Unter der Anklage, durch Zauberkünste ein all- gemeine» Viehsterben verursacht zu haben, wurde der 50jährige Bauer A S l a n auf einen Scheiterhaufen gebunden und lebendig verbrannt, seine Schwester in­dessen solange mit glühenden Zangen gezwickt, bis sie ebenfalls ihren Geist aufgab.

Ein furchtbarer Hagelschlag verwüstete, wie man aus Trient meldet, die Felder im Gebiete von Arco-Riva, taubenetgroße Hagelkörner fielen nieder. Der Schaden wird auf 200 000 Kronen geschätzt.