'4
X
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonncmcntSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postansschlag.
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Ä
Mi
HersselSer Atisblatt
s
M
GratrsbMagen; „IUs,strikter SsnntagsbZatt" «. „Allustkirts landwirthschaftliche Vettage
K. 75.
IMmrftG den 27. Fm
1901
^ DömiemeillsIiMSNg.
1A7it dem j. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende I Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" »n» ^ „Zllustrirte landwirthschaftl. Beilage". Mvx! Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen M Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er- -^ eignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Zn- Halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig- nisse des täglichen Lebens zur Kenntnis der Leser. E Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen S einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
M ^ Der vierteljährliche Abonnementspreis für das & „Kreisblatt" beträgt bei den Postanstalten 1 Mark Oft Pfg. einschließlich Postgebühr.
"3f *♦* ama*» finden durch Vas„Kreisblatt" afoetfentfvretlKnfce Verbrei- e tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum jO pfg.
$ Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein
die Expedition.
Amtlicher Theil.
Berlin, den 10. Mai 1901.
* ■ Durch die allgemeine Verfügung vom 4. Juli 1899 (M. Bl. s. d. i. V. Seite 104) ist darauf hingewiesen 4, worden, daß auch für die aus der allgemeinen Wittwen- ^. Verpflegungsanstalt zahlbaren Pension anstatt förmlicher £ Standesamtsregister-Auszüge standesamtliche Bescheinig- ungen in abgekürzter Form nach Maßgabe des diesseitigen Erlasses vom 1. September 1898 (M. Bl. f. d. i. V. S. 251) genügen, sofern in diese der Vor- undFamilien-
i Namen der Ehefrau mit ausgenommen wird.
Mlach schwerem Kampfe.
M Erzählung von Hans Warring.
(Fortsetzung.)
Ich brächte das Kind im Kinderzimmer zur Kinder- P srau und ging nach den Wirthschaftsräumen. Und wie | h4 im Korridor bin, höre ich Schlittenglocken und erkenne sie gleich als des Herrn seine. Da hab' ich gewußt: * Hl giebt es ein Unglück, — jetzt wird er ihr nach. — J Es dauerte auch gar nicht lange, da höre ich feine Stimme nach seinem Pferde rufen. Das klang so, daß , die Leute im Stall in zitternder Hast gesattelt haben, und ehe fünf Minuten um sind, steht das Pferd vor der Thür. Und dann kommt er aus seiner Stube mit einem | todtblassen Gesicht und steckt etwas in seine Brusttasche, etwas, das ich nicht erkennen kann und das ich doch zu Wien weiß. Und dann sitzt er im Sattel und nimmt j ® "icht die Zeit um das Rondell zu reiten, sondern UM über den Gartenzaun, und dann geht es wie eine Windsbraut dem Walde zu.
■IB ®’e ^ dann weiter gekommen ist, und was sich im S^Mide zwischen den drei Menschen abgespielt hat, hat nie em Mensch ganz genau erfahren. Der Herr ist nicht ""»r nach Garbenicken zurückgekommen, er ist gleich in ote «tadt geritten und hat sich dem Gericht gestellt. -’ie junge Frau ist mit einer Kugel in der Brust in me nahe gelegene Waldschmiede gebracht worden. Sie WbN sie nach Garbenicken bringen wollen, da hat sie
Nach Anzeige der General-Direktion der allgemeinen Wittwen-Verpflegungsanstalt wird diese Verfügung von den Standesbeamten insofern nicht genügend beobachtet, als in zahlreichen Fällen die letztere Voraussetzung in den Bescheinigungen nicht erfüllt wird, wodurch für die Wittwen sowohl wie für die Wittwen-Verpflegungsanstalt unerwünschte Weiterungen entstehen.
Euere Exzellenz ersuche ich daher ergebenst, den Standesbeamten gefälligst in Erinnerung zu bringen, daß sie in allen Fällen, in denen von ihnen Sterbeurkunde zum Zwecke der Anweisung von Pensionen aus der allgemeinen Wittwen-Verpflegungsanstalt verlangt werden, auch den Vor- und Familiennamen der Hinterbliebenen Ehefrau des Verstorbenen in diese Urkunden aufzunehmen haben.
Der Minister des Innern. I. A.: gez. Peters.
An den Herrn Ober-Präsidenten in Caffel.
* * *
Caffel, den 18. Mai 1901.
Abschrift übersende ich Euer Hochwohlgeboren zur Kenntnisnahme mit dem Ersuchen, die Standesbeamten Ihres Bezirks mit entsprechender Weisung zu versehen.
Der Ober-Präsident, gez. Zedlitz.
An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier.
* * *
Caffel, den 13. Juni 1901.
Abdruck erhalten Sie zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlaffung bezw. Beachtung unter Hinweis auf die Rundverfügung vom 18. Juli 1899. A. I. 5542.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: Schenk.
An die Herren Landräthe und die Herren Standesbeamten in den Städten des Bezirks.
* *
Hersfeld, den 24. Juni 1901.
Vorstehendes wird den Herren Standesbeamten des Kreises mit Bezug auf das Ausschreiben vom 29. Juli 1899 J. I. 4401, Kreisblatt Nr. 90, zur Kenntnisnahme und Nachachtung mitgetheilt.
I. I. 3469. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Caffel, den 15. Juni 1901.
Mit Bezug auf meine Verfügung vom 17. April v. Js. A. III. 3721 theile ich hierdurch mit, daß der seitherige Oberfischmeister für den Regierungsbezirk Caffel, Regierungs- und Geheime Baurath a. D. Schmidt, auf
leise gebeten, sie möchten sie behalten, sie möchte nicht in Garbenicken sterben. Dann hat sie kein Wort mehr gesprochen, und nach einer Stunde, noch ehe der Arzt zur Stelle war, ist sie verschieden. Herrn von Stein haben der Schmied und sein Geselle unweit der Stelle bewußtlos auf der Straße gefunden, mit einer tiefen Wunde im Kopf. Die Aerzte haben später festgestellt, daß die Wunde durch einen heftigen Fall gegen einen Stein oder den hartgefrorenen Boden entstanden sei, und man nahm an, daß Herr Bergentien, der sehr stark war, erst ihn, der wahrscheinlich die junge Frau hatte schützen wollen, mit aller Kraft aus dem Schlitten geschleudert habe, ehe er die Rachethat an seiner Frau verübte. Herr von Stein hat sich auf die Einzelheiten später niemals recht besinnen können. Der arme Herr blieb lange Zeit etwas verwirrt im Kopf, und als er später das Gut von seinem Onkel erbte, hat er es bald verkauft und ist weit fortgezogen. Und dann ist der große Prozeß und die Verhandlung vor dem Schwurgericht gekommen. Dabei habe ich blutige Thränen geweint. Denn was sie da über die junge Frau gesagt haben, ist schändliche Lüge gewesen. Zwar der Herr Bergentien — dies Lob muß ich ihm lassen — hat nie darüber ausgesagt. Er hat nicht ein einzige» Mal etwas vorgebracht, das zu seiner Entschuldigung hätte dienen können.
»Ja, ich habe meine Frau erschossen, — ja ich habe Herrn von Stein die Wunde am Kopf beigebracht." — Das war alles, weiteres war aus ihm nicht herauszu- bringen. Aber der Vertheidiger war desto wortreicher.
seinen Antrag vom 1. April d. Js. ab von seinen diesbezüglichen Amtsgeschäften entbunden und der hiesige Meliorations- Baubeamte, Regierungs- und Baurath Hennings zum Nachfolger des p. Schmidt ernannt worden ist.
Der Regierungs-Präsident. I. A.: Schenk.
An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks.
* * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 24. Juni 1901.
I. 3472. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ziegenhain, den 22. Juni 1901.
Unter dem Viehbestand des Adam Schreiber zu Breitenbach a. H. ist die Maul-Zund Klauenseuche aus- gebrochen.
Der Königliche Landrath Schwertzell.
* * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 25. Juni 1901.
I. 3521. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Am 18. b. M. ist hierselbst ein noch gutes Adlerfahrrad, Marke 63, mit der Fabrik-Nr. 150479 im Werthe von 230 Mark gestohlen worden. Das Fahrrad hat schwarzen, sehr hohen Rahmenbau, nach oben gebogene Lenkstange mit Korkgriffen, Dunlop-Pneumatik- reifen, schwarze Felgen und war mit einer Handbremse, Kignalglocke, Petroleumlaterne und -einem Hamoksattel versehen. Um Nachforschungen nach dem unbekannten Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher wird ersutt.
Hanau, den 20. Juni 1901. Königl. Polizei-Direktion.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 25. Juni.
Se. Majestät der Kaiser begab Sich gestern Mittag, wie aus K i e l gemeldet wird, auf dem „Sleipner" nach der Außenrhede, um den Verlauf der Regatta der Sonderklasse zu beobachten. Nachmittags wohnten Ihre Kaiserlichen Majestäten an Bord der „Hohenzollern" dem Wettrudern der Fähnriche, Seekadetten und Schiffsjungen bei. — Abends 6 Uhr fand zu Ehren Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin bei Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich im
Er hatte dem Leben der jungen Frau bis in ihre Mädchenjahre nachgespart. Er verstand, es glaubwürdig zu machen, daß schon damals ein Verhältnis zwischen ihr und Herrn von Stein bestanden hätte. Aus ihrem Nachlasse hatte er einen Brief gebracht, den sie nach ihrer Verlobung von Herrn von Stein empfangen hatte, einen Brief voll leidenschaftlicher Trauer. Das sollte ein Beweis für seine abscheulichen Beschuldigungen sein, während es doch nur ein Beweis war, daß er sie sehr lieb gehabt hatte. Er suchte zu beweisen, daß das Verhältnis eigentlich nie aufgehört habe, daß der Mann jahrelang systematisch betrogen worden sei. Und um so schandbarer sei es, da die Frau dem Manne alles verdanke. Ganz unbemittelt fei sie in sein Haus gekommen, und er habe sie gehalten wie eine Prinzessin. Ein reiches und genußreiches Leben verdanke sie ihm, u. f. w. u. f. w. Und der Dank dafür sei gewesen, daß sie ihn hinterging. Wenn je ein Mann in seinem Recht sei, so sei es Herr Bergentien. Man könne wohl sagen, er habe die That eines echten Mannes vollbracht, — eines deutschen Mannes, der wisse, was er sich und seiner Ehre schuldig sei. — Und nach dieser schönen Rede haben die Geschworenen einstimmig beschlossen, daß kein Mord vorliege, sondern nur Todtschlag, begangen in höchster, berechtigter Aufregung. Ich sehe ihn noch vor mir stehen, als man ihm den Urtheilsspruch verkündete. Er stand hochauf- gerichtet, und keine Miene zuckte in seinem todtblaffen Gesicht, nur seine Augen bräunten. Mit einem Blick, den ich nie vergessen werde, sah er Richter und Ge-