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Hersscker Misblatt
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Dienstag iei 25. Im
1901.
DöMlemenls-InIllhWg.
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„Zllustrirtes Sonntagsblatt" »» „Wustrirte landwirthschastl. Beilage".
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 15. Juni 1901.
S; Unter Bezugnahme auf den mittelst Ausschreibens vom 28. Dezember 1899 I. A. Nr. 3657 (Kreisblatt Nr. 1 pro 1900) mitgetheilten Erlaß der Herren Minister ' des Innern und der Justiz vom 20. November 1899 M. d.J. I. A. 8874 . L r JW.-Minist. i. 725r> roetben die Herren Standesbeamten des Kreises erneut aus die pünktliche Erstattung der nach § 48 des Reichsgesetzes über die Angelegenheiten
Mach schwerem Kampfe.
8 l Erzählung von Hans Warring.
(Fortsetzung.)
Der Herr war in seiner Freude so laut und toll, daß wir ihn zur jungen Frau garnicht hineinlaffen konnten. Sie lag ganz still und blaß im verdunkelten Zimmer und sagte ganz leise zu mir: „Bleiben Sie bei mir, Jettchen, und lassen Sie niemand zu mir herein!" Und nach einer Weile winkte sie mir, und als ich mich zu ihr herabbeugte, flüsterte sie: „Wem ähnelt das Kind, Jettchen? ich habe die ganze Zeit über immer gebetet, es möge meiner lieben Mutter ähneln!" Und dieser Wunsch ging ihr in Erfüllung, denn der kleine Heinz war der Mutter der gnädigen Frau wie aus den Augen ! geschnitten. Auch der Herr fand das, und einmal sagte ' ” öu mir: „Das ist ein kluger Bengel, unser Heinz! ' allem, was er haben kann, hat er sich das beste i ausgesucht. Er schlägt ganz in die Art der Mutter, und ' da» ist gut, denn das sind schöne Menschen. Dem Jungen scheint es auch daran nicht fehlen zu sollen I" ~ A?r s°hr, stolz auf seinen Jungen und hatte ihn über Maßen lieb, obgleich er es nicht zeigen wollte, weil er wohl glaubte, das fei weichlich und unmännlich. Es ^'-'-- "ige Zeit so, als wenn mit dem Kinde Friede und Ruhe in« Haus eingezogen wäre. Der Herr war einc lang viel gemäßigter, und die Frau war ruhig M wie immer. Aber dann kam das Unglück mit dem jungen Herrn v. Stein — I"
der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 17. Mai 1898 (Reichs-Gesetz-Blatt Seite 189) an die Vormundschasts- geriete zu bewirkenden Anzeichen hingewiesen.
A. 1828. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 24. Juni 1901.
Die sofortige Wiedereinreichung der berichtigten Zählkarten von der Vieh- und Obstbaumzählung (Verfügung vom 10. d. Mts. I. I. Nr. 3230, Kreisblatt Nr. 69) bringe ich hierdurch in Erinnerung mit dem Bemerken, daß von den am 27. d. Mts. etwa noch rückständigen Herrn Ortsvorständen jeder in eine Ordnungsstrafe von3 Mk. genommen werden wird.
J. I. 3230. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Cassel, den 19. Juni 1901.
Das Proviantamt kauft jetzt gut gewonnenes trockenes Heu der neuen Ernte direkt von den Wiesen, sowie auch noch Roggen- und Weizenstroh.
Das Königliche Landrathsamt ersuchen wir ganz ergebenst, den Herren Landwirthen des Kreises hiervon in geeigneter Weise Kenntniß geben zu wollen.
Königliches Proviantamt Caffel.
*
Hersfeld, den 21. Juni 1901.
Vorstehendes haben die Herren Ortsvorstände des Kreises auf ortsübliche Weise alsbald zur Kenntniß der Landwirthe zu bringen.
L 3444. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 23. Juni.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin begaben sich gestern Nachmittag, wie aus Kiel gemeldet wird, mit Ihren hohen Gästen nach Beendigung der Segelwettsahrt an Bord der „Hohenzollern", Ihre Königlichen Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich ins Schloß. Die Aacht Ihrer Majestät der Kaiserin „Jduna" kehrte '
„Was war das für ein Unglück?" fragte Susy, die atemlos, mit großen, ernsten Augen der Erzählung des alten Mädchens gefolgt war.
„Er wurde beim Treibjagen durch den Arm geschoffen, und »ach Garbenicken gebracht, wo er drei Wochen lang krank lag. Er hatte sich gesträubt, aber der Herr hatte darauf bestanden, daß er in sein Haus gebracht werde. Das war Nahrung für den Tratsch der Nachbarn. Sie verlästerten die Frau und lachten über den Herrn. Und etwas davon muß ihm wohl zu Ohren gekommen sein, denn ich merkte bald, daß sein Wesen sich verändert hatte. Gegen seine Dienstleute war er immer ein gütiger Herr gewesen, — jetzt aber war er gereizt und zornig, und was früher nie vorgekommen war: er schlug die Leute mit der Reitpeitsche. Das that ihm hernach wieder leid, und er suchte es mit schwerem Gelde gut zu machen. Aber der Spektakel auf dem Hose hörte nicht auf, und er ging mit einem Gesichte herum, daß man ihm am liebsten zehn Schritte vom Leibe blieb. Und dabei konnte einem der Mann Mitleid einflößen. Er schlief keine Nacht, zuweilen ging er garnicht zu Bett und blieb im Eßzimmer am Tisch sitzen, wo er mit aufgestützten Armen vor sich hinbrütete. Und des Morgens war fein Gesicht aschgrau und seine Augen blutunterlaufen, daß er zum Erschrecken auSsah. —
Die Frau hat es in dieser Zeit furchtbar schwer mit ihm gehabt. Zuweilen konnte ein Wort, das sie sagte, ihn in solche Wut versetzen, daß ich meinte, er werde sich an ihr vergreifen. Und sicher ist dies auch hin und wieder geschehen. Einmal hatte sie eine kleine Wunde
in den Hafen zurück. Später fuhren Se. Majestät der Kaiser und Se. Königliche Hoheit Prinz Adalbert zu kurzem Aufenthalt ins Schloß und starteten danach dem Herzog Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein, der kurz vorher eingetroffen war, auf seiner Jacht „Elisabeth" einen kurzen Besuch ab. — Heute wohnten Ihre Majestäten dem Stapellauf des großen Kreuzers „Prinz Adalbert" bei. Nach der Rückkehr vom Stapellauf begab Se. Majestät der Kaiser Sich auf die Kruppsche Dampfyacht „Puritan" und verweilte dort längere Zeit.
Aus K i e l, 21. Juni, wird der „N. A. Z." geschrieben: Der morgen auf der Kaiserlichen Werft Kiel vom Stapel laufende große Kreuzer „B" ist ein Schwesterschiff des im März v. I. zu Wasser gelaffenen Kreuzers „Prinz Heinrich". Bei einem Deplacement von 8800 To. ist das neue Schiff unserer Flotte erheblich größer, als die Schiffe der „Freya"-Klaffe es sind, bleibt aber hinter dem Panzerkreuzer „Fürst Bismarck" zurück. Bei einer Maschinenkraft von 16 000 Pferdestärken wird der neue Kreuzer eine Geschwindigkeit von 21 Seemeilen besitzen, während „Prinz Heinrich" nur 20,5, „Fürst Bismarck" gar nur 18,75 Knoten läuft. Das neue Schiff hat einen vollen Panzergürtel, ein 50 Millimeter starkes Panzerdeck und eine vorzüglich schwere Artillerie, die erheblich leistungsfähiger ist, als die seines Vorgängers. Durch ein großes KohlenfassungSvermögen besitzt der Kreuzer eine beachtenswerthe Unabhängigkeit von fremden Kohlenhäfen, denn er kann 1500 Tonnen Kohlen und 200 Tonnen Theeröl an Bord nehmen und 7000 Seemeilen ohne Ergänzung der Feuerungsvorräthe laufen. Aeußerlich unterscheidet Kreuzer „B" sich von „Prinz Heinrich" durch die Zahl der Schornsteine, denn dieser besitzt 2, jener aber 3 Schornsteine. In dem neuen gepanzerten Kreuzer erhält unsere deutsche Marine ein schnelles, stark bewehrtes Auslandsschiff und ein vortreffliches Führerschiff für die Aufklärungsgruppen der heimischen Schlachtflotte. Der weitere Ausbau wird noch ein volles Jahr in Anspruch nehmen.
Ueber den S t a p e l l a u f geht der „N. A. Z." folgender Bericht zu: Kiel, 22. Juni. Der Stapellauf des großen Kreuzers „B" fand heute Vormittag auf der Kaiserlichen Werft statt. Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n landeten, begleitet von Ihren Königl. Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich, dem Prinzen Adalbert, dem Großherzog von Sachsen-Weimar ' und dem Prinzen Ernst von Sachsen-Altenburg um 9 Uhr
an der Schläfe, und sie sagte, sie habe sich im Dunkeln an der scharfen Kante des Schlankes gestoßen. Das Stubenmädchen aber erzählte mir später, sie habe int Nebenzimmer gehört, wie der Herr schreckliche Worte zu ihr gesagt und sie dann gestoßen habe, daß sie hingefallen sei. Und dann bat er wieder um Verzeihung und küßte ihre Hände. Sie aber konnte nicht verzeihen, jedes böse Wort, das er gesprochen, hatte sich ihr in die Seele gegraben, und sie vergaß es nicht. Ich merkte, daß er ihr mit jedem Tage mehr zuwider wurde. Wenn sie ihn sah, legte sich ein Zug wie von Ekel und Grauen auf ihr Gestcht, und sie vermied ihn, wo sie irgend konnte. Zuweilen kam sie garnicht zu Tisch, sie ließ sagen, sie sei unwohl, und der Herr mußte mit den Herren von der Wirthschaft allein speisen. Daß das nicht so weiter gehen konnte, sah ich wohl, und es kam auch zum Ende, allerdings viel schrecklicher, als ich gedacht hatte."
Wieder machte die Alte eine Pause und seufzte tief.
„Eigentlich sollte ich Ihnen das garnicht erzählen, Fräulein Suschen," sagte sie dann. „Es ist ein trauriges Stück Leben, das sie da kennen lernen, — zu traurig für Ihre heitere Jugend. Aber eins könne» Sie daraus lernen, Kindchen! Wenn Sie sich einmal verheirathen, nehmen Sie sich nur einen, dem Sie wirklich von Herzen gut sind. Ich bin in meinem Leben in mancherlei Häuser herumgekommen, in reiche und arme, aber mit mancher reichen Frau hätte ich nicht tauschen mögen, so kummervoll und arm kam mir ihr Leben vor. Und wieder andere Frauen, die sich mit Sorgen zu Bett leaten und zu Sorgen und Arbeit aufstanden, die hab' ich beneidet