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Politische Nachrichten.

Berlin 18. Juni.

Se. Majestät der Kaiser stattete gestern Nach­mittag, wie aus Hannover gemeldet wird, der Gräfin Waldersee einen längeren Besuch ab; um 3 Uhr erfolgte die Abreise nach Hamburg. Dort traf Se. Majestät bald nach 6 Uhr ein und wurde auf dem Bahnhof von den Bürgermeistern Dr. Hachmann und Dr. Mönckeberg, dem Senator Dr. Burchard, dem preußischen Gesandten Grafen Wolff- Metternich und dem Legationssekretär Prinzen von Schönburg-Waldenburg empfangen. Vom Bahnhöfe begab Se. Majestät Sich zur Villa des Grafen Wolff-Metternich, von der auf dem Wege angesammelten zahlreichen Menschenmenge mit begeisterten Huldigungen begrüßt. An dem Diner beim preußischen Gesandten nahmen auch Generaldirektor Ballin, Professor Dr. Brinck- mann und Baron v. Schroeder Theil. Um 91/» Uhr fuhr Se. Majestät zum Dammthorbahnhof zurück, von wo die Weiterreise nach Kuxhaven erfolgte.

Der Kaiser hat dem Fürsten Herbert Bismarck die Uniform des ersten Garde-Dragoner-Regiments ver­liehen, als desjenigen Truppentheils, bei dem der Fürst den Feldzug 1870/71 mit Auszeichnung mitgemacht und sein Blut für das Vaterland vergossen hat, und als desjenigen Truppentheils, mit dem er auch dauernd in Beziehungen geblieben ist.

Die Konferenz für die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung ist im Reichsamt des Innern von dem Staatssekretär des Innern, Staats- minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner, eröffnet worden. In seiner Begrüßungs-Ansprache wies der Minister darauf hin, daß nach Ansicht der deutschen Bundes-Regierungen die Zeit gekommen sein dürfte, um der deutschen Sprache auch ein einheitliches Gewand zu geben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Be­rathungen zu einem Erfolge führen möchten, welcher in gleicher Weise die Schule, das Amt und das deutsche SLriftthum befriedige. Mit Freuden sei es zu begrüßen, daß auch die Kaiserlich Königlich österreichische Regierung sich an der Konferenz betheilige. Graf v. Pofadowsky bat alsdann den Königlich preußischen Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten Dr. Sludt, den Vorsitz zu übernehmen, welcher namens der Königlich preußischen Staats-Regierung die Theilnehmer der Konferenz will­kommen hieß und hervorhob, daß angesichts der bekannten Mißstände in der deutschen Rechtschreibung die baldige Beseitigung derselben und eine Verständigung über die nicht mehr zahlreichen Differenzpunkte eine unabweisbare Nothwendigkeit sei.

Zum Gesetz über die Versorgung von Kriegs- Jnvaliden veröffentlicht dasArmee-Verordnungs­blatt" Ausführungs-Bestimmungen. Die Zahlung der gewährten dauernden Gnaden- und sonstigen fortlaufen­den Unterstützungenwird bis zur Höhe der Zuschüsse eingestellt werden." Oeffentliche Bekanntmachungen sollen demnächst erlassen werden, in denen die Kriegs-Jnvaliden auf die neuen Bestimmungen hingewiesen und aufge­fordert werden, baldigst ihren Militärpaß dem Bezirks- Kommando einzureichen. Die Bewilligung der Zuschüsse für Hinterbliebene der Kriegs-Jnvaliden erfolgt bei Hinterbliebenen von Offizieren rc. durch die Versorgungs­Abtheilung des Kriegsministeriums, bei solchen von Mannschaften durch die General-Kommandos. Ist bis zum 1. September 1901 noch nicht Entscheidung ge­troffen, so können sich die Betheiligten mit Gesuchen an die nach Vorstehendem zuständigen Stellen wenden.

Plänkeleien der drei Schwestern stets darauf Hervorriesen. Als aber der Name des Arztes genannt wurde, war es plötzlich ernst geworden. Vielleicht war es ihr befchieden, jetzt endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das seine Kindheit so einsam und freudlos gemacht hatte und auch jetzt noch wie ein dunkler Schatten auf seinem Leben lag! Tante Marie pflegte kein Blatt vor den Mund zu nehmen und alles zu sagen, was sie dachte. Ach, wenn sie es doch auch jetzt thäte! Es war gewiß nicht recht, daß sie hier stand und lauschte aber die Eva- natur war in ihr nicht minder mächtig, als in den meisten ihrer Mitschwestern. Gerade daß die Mutter diese Sache vor ihr verheimlichen wollte, gab ihr einen so großen Reiz. Sie konnte nicht widerstehen, sie machte sichs in einem Lehnstuhl dicht neben der Thür bequem, atem­los auf das lauschend, was nun kommen würde. Aber sie hatte sich getäuscht, es kamen keine Enthüllungen. Tante Marie begnügte sich, einige anerkennende Aeuße­rungen ihres Mannes über die Tüchtigkeit, Gewissen­haftigkeit und das Wissen des jungen Arztes zu citieren und den beiden Schwestern dann eine kleine Abhandlung über engherzige Kleinbürgerlichkeit zum besten zu geben.

Und wenn Ihr den Thatsachen, die jenen traurigen Prozeß verursachten, auf den Grund gehen wolltet, so würde sich der von euch so gehaßte Skandal in eine große Tragik verwandeln," fuhr sie dann eindringlich fort.Es ist viel Irrthum und Schuld dabei, aber auch viel Unglück, Seelenpein und Reue. Es haben sich da zwei Menschen durch heftige Leidenschaften Leben und Glück zerstört, ist das nicht schon genug Elend? Warum wollt Ihr noch einen dritten mit hineinziehen, einen, der ganz frei von Schuld ist, und dessen Seele schon ohnehin schwer belastet ist durch die Sünde und das Unglück seiner Eltern. Ich bin der Sache näher getreten zur Zeit, als mein Mann ihn sich zum Assistenz-Arzte ersehen hatte. Da fiel mir ein, daß unser altes Näther-Jettchen die ganze Zeit in dem Unglückshause durchgemacht hatte,

Ueber den Kohlen-Verbrauch in Deutschland berichtet das neueste reichsstatistische Vierteljahrsheft, daß auf den Kopf der Bevölkerung des deutschen Zoll­gebiets im Jahre 1900 1756 Kilogramm Steinkohlen und 845 Kilogramm Braunkohlen entfielen, während der Verbrauch im Jahre 1891 nur 1354 Kilogramm Stein­kohlen und 545 Kilogramm Braunkohlen betrug. Hier­nach ist in den letzten neun Jahren der Verbrauch ge­stiegen bei den Steinkohlen um 402 Kilogramm, bei den Braunkohlen um 300 Kilogramm auf den Kopf. Ver- hältnißmäßig ist der Braunkohlen-Verbrauch viel stärker gewachsen als der Steinkohlen-Verbrauch; denn er hat um 55 v. H. zugenommen, während auf den Steinkohlen- Verbrauch nur eine Zunahme um 29 v. H. entfällt.

Nach der Statistik der Branntwein-Brennerei und - Besteuerung, veröffentlicht in der Nr. 2 des Jahrgangs 1901 derVierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs", sind im Betriebsjahr 1. Oktober 1899/1900 innerhalb des deutschen Branntweinsteuer­gebiets 3 667 820 hl reinen Alkohols hergestellt worden gegenüber 3815569 hl reinen Alkohols im Vorjahr. Die Mindererzeugung ist in erster Linie dem Umstand zuzuschreiben, daß in den meisten östlichen Provinzen die Kartoffelernte in Menge und Stärkegehalt hinter der Ernte des Jahres 1898 zurückgeblieben war.

Einen Gesetz-Entwurf gegen den Kon­traktbruch ländlicher Arbeiter hat die Regie­rung von Sachsen-Altenburg nach derChemn. Allg. Ztg." dem Landtag zugehen lassen. Aehnliche Gesetze sind be­kanntlich bereits in Braunschweig, Anhalt und Reuß j. L. vorgelegt worden.

Die Bevölkerung Frankreichs stellt sich nach der Zählung vom 24. März d. I. demTemps" zufolge auf ungefähr 38,6 Millionen Seelen, also 330 000 mehr, als 1896. Dieser Zuwachs sei sehr wahrscheinlich der Fremden-Einwanderung zu verdanken ; in allen Departe­ments, in denen sich keine großen Städte befinden, habe die Einwohnerzahl abgenommen.

(England.) Das Auswärtige Amt hat folgendes Telegramm vom Generalkonsul an der Somaliküste er­halten : Die Expedition des Obersten Swayne verließ Somala, eine Tagesreise südöstlich von Eldat, am 2. Juni mit der Hauptmacht der Truppen, um gegen das Lager des Mullahs in Aähel zu ziehen. 300 Mann ließ er in Zariba als Wache zurück. Seit der Zeit sind zwei Angriffe auf Zariba gemacht worden und zwar von 500 Mann zu Pferde und 1500 Mann zu Fuß. Beide Angriffe wurden zurückgeschlagen. Der letzte Angriff des Mullahs wurde zurückgeschlagen, nachdem der Feind 400 bis 500 Mann verloren hatte. Auf britischer Seite wurden 10 Mann getödtet, 9 Mann verwundet.

(Rußland.) Kaiserin Alexandra ist heute früh von einer Tochter entbunden worden. Das vierte Kind und noch kein direkter Thronerbe im Hause Romanow!

China.

Betreffs der von China zu zahlenden Kriegskosten- Entschädigung nehmen nach einer PekingerReuter"- Meldung vom Sonntag die Verhandlungen über den Zahlungsmodus einen befriedigenden Verlauf, so daß deren Abschluß von den dortigen Gesandten noch vor dem Juli erwartet wird. Wie dieAgence Havas" aus Peking berichtet, einigte sich das diplomatische Corps über die Hilfsquellen, die dem Anleihedienst zuzuweisen sind, nachdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika l darin eingewilligt haben, nicht aus den von ihnen ge- I stellten Bedingungen zu bestehen und eine Erhöhung der

und da wir vor der Entscheidung klar sehen wollten, ging ich hin und brächte sie zum Sprechen. Ich sage euch, ich kam ganz erschüttert nach Hause. Und jetzt hoffe ich, daß Ihr die kleine Strafpredigt, die euch eure Aelteste gehalten hat, geziemend beherzigen werdet verdient habt ihr sie!"

Ein bißchen unmotiviert war deine Erbitterung doch," entgegnete Frau Anna,denn wir haben weiter nichts gegen deinen Schützling gesagt, als daß er Kläres, freundlicher Einladung hätte Folge leisten müssen. Seine Absage war eine Ungezogenheit, dabei muß ich bleiben, auch wenn du dich noch einmal ereifern solltest!"

Und Tante Marie ereiferte sich wirklich. Susy aber hatte genug gehört, sie schlich sich leise davon.

Also das alte Nähter-Jettcher konnte ihr Aufschluß geben Sie war der Liebling des alten einsamen Mäd­chens, sie würde nicht vergebens bitten. Natürlich mußte es der Mutter ein Geheimnis bleiben, aber etwas Böses war gewiß nicht dabei. Denn Tante Marie hatte es gethan warum sollte sie nicht dasselbe thun dürfen?

Mit Herzklopfen und Selbstvorwürfen brächte sie in den nächsten Tagen ihren Entschluß zur Ausführung. Daß sie die Mutter hinterging, lastete schwer auf ihrem Gewissen. Sie that es gewiß nicht gern aber es ging doch einmal nicht anders. Und ganz raffiniert schlau hatte sie sein müssen, um jedem Mißtrauen vor- zubeugen! So ganz beiläufig hatte sie die Absicht aus­gesprochen, einmal nach dem alten Jettchen zu sehen und ob die Mutter nicht etwas hätte, das sie ihr schicken möchte? Vielleicht eine Büchse Erdbeeren, die erfrischen die arme Alte immer so besonders gut. Sie käme nicht gern mit leeren Händen zu ihr.Das sollst du auch nicht!" hatte die Mutter gesagt und ihr ein Körbchen mit allerlei guten Dingen zurecht gemacht, daß das Mädchen ganz beschämt dastand im Bewußtsein ihrer heimlichen Schuld. Und nun stand sie in dem sauber gehaltenen Stübchen der alten Nätherin gegenüber, die

Zölle aus 5 v. H. anzunehmen. Bezüglich der Aufbrin^ ' der Anleihe, mit der China die verlangte KriegsH schädigung vorgestreckt werden soll, stimmte das bis matische Corps einmütig dem Vorschläge zu, sie w Ausgabe von Bonds zu beschaffen.

Daß noch unvermindert Gefahren für den W in den Tiefen des chinesischen Reiches sich bergen,;, folgende leider garnicht so unwahrscheinliche Nah über eine drohende Palastrev'olution:

London, 17. Juni. Der Shanghaier Beil, desGlobe" meldet: Prinz Tuan beherrscht den noch. Es wird beabsichtigt, wenn der Hof auf der $ ist, in Kai-song-fu, in der Provinz Honan (am Hoan: anzukündigen, der Kaiser sei von Briganten er« und Prinz Tuans Sohn der Thronfolger Put-Sing, Kaiser geworden. Die Kaiserin wird dann als Reg» Kai-fong-fu zur neuen Hauptstadt erklären.

Ier Krieg in Südafrika.

Die jüngsten Nachrichten lauten überaus ungüt für die Engländer. Eine Niederlage der Engländei Transvaal muß Lord Kitchener melden: In bet 1 von Wilmansrust, 20 Meilen südlich von MiddMy Transvaal, wurden 250 berittene Viktoria-SM welche getrennt von Beatsons Abtheilung marsch«^ in ihrem Lager bei Steenkoolspruit von einer überlezM Streitmacht der Buren am 12. d. M. überrascht. ; Feind kroch bis auf kurze Schußweite heran und i: schüttete das Lager mit einem mörderischen K 2 Offiziere und 16 Mann wurden getödtet, 4 Dfp; und 38 Mann verwundet, 2 Offiziere und 50 $ entkamen nach Beatsons Lager, die übrigen mürben fangen genommen. Zwei Pompon-Geschütze fielen in Hände des Feindes.

Weiter liegen verschiedene für die Engländer S günstige Meldungen vor:

London, 18. Juni. Eine amtliche zusam fassende Mittheilung über die letzten Zusammen- besagt: Ein Theil des Kommandos Scheepers hat Mum bürg am 13. d. M. genommen und die Läden ge^ dert. Ferner haben 150 Buren unter Maritz eine bril Patrouille von 29 Mann umzingelt und gefangen nommen, nachdem 2 Engländer getödtet und 2 verm waren. Im Kakamasdistrikt sind 200 Aufständische t | getaucht, die nach Südwesten ziehen. Die Gesa- summe aller bisher in Gefangenschaft befindlichen 8: beträgt 19 242.

London, 18. Juni. Nach einer Mittheilung Standard" aus Kapstadt ist die Gefangennahme englischen Patroille durch Maritz bei Calvinia erst

London, 17. Juni. Nach der heute Abend er gangenen Verlustliste hat am Freitag in der Nähe Houtkop anscheinend ein ernsteres Gefecht stattgefW^ bei dem drei Mann getödtet und zwölf verwundet wuM London, 18. Juni. Daily Mail meldet I Kroonstad: Commandant Beyers, einer der gesährliW Burenführer, lagert noch bei Zand-River-Port, dn Meilen nördlich von Warmbaths, im Centrum i tiefen Thalsenkung. Sein Lager ist fast uneinnehn! Zwei Angriffe darauf unter den Obersten Grenfell, 1 . Micking, Wilson und Colenbranden fchlugen fehl. > "!l ........?........-'-......-1........

Aus Provinz PnDnrgebiti.

* (Linderung der Futternoth.) - Landwirthschaftsminister hat in einer Verfügung 8 Königlichen Regierungen angewiesen, zur LinderungW

hüstelnd und mit gichtischen Schmerzen behaftet, ihrem Lehnstuhl nicht erheben konnte und garnicht gM Worte fand, ihre Freude über den Besuch auszuds

Ach Fräulein Suschen ! Nein, die Freude, sie c wiederzusehen! Aber wollen Sie sich nicht setzen^, dem weiten Gang? Und hier am warmen Ofen, u armer Krüppel einzig mich wohl fühle, wird es i zu heiß werden. Möchten Sie nicht Ihr Jäckcht! | den Hut ablegen? So nun erst kann ich Sie T' g ansehen. Mein Gott, Kindchen, was ist aus Jh- M worden in den letzten paar Wochen, daß ich SiW gesehen! Aufgeblüht wie eine Rose ja, ja, weistM achtzehnjährig ist!" und das alte Mädchen fe# | Andenken an die eigene, längst vergangene blist Jugend, und dann lächelte sie wieder, als sie das V junge Geschöpf vor sich betrachtete.

Ja, ja, Fräulein Suschen, jetzt sehe ich, dab Minna, Ihr Stubenmädel, recht hat. Sie erzählst . nämlich, daß Ihr Fräulein Suschen aus allen W I schasten stete die schönste junge Dame sei, und deb auf der Straße alle Menschen nach ihr umwenden,111 § sie vorübergeht I"

Susy lachte.Da hat die Minna ein bißi6", flunkert, so arg ist es mit meiner Schönheit sagte sie heiter.Und hier bringe ich Ihnen etw^ der Mutter, sie läßt Sie grüßen und gute Bes!^ wünschen!"

(Fortsetzung folgt.)

(D i e Wahrheit.) Phyllis, was sieht Dein Vater hinter mir, daß er von einer Heirath wissen will ? Phyllis (schluchzend): Nichts, das il* eben, sonst würd' er schon Ja sagen.

(D e r eifrige Geschäftsmann.) ( | Nun Emil, bist Du denn glücklich mit Deiner l1 Frau? Emil: Eine reizende Frau! Kann ich empfehlen!