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MM meisblatt.

Geatisbettagen r3lite$rirte* So^ntagrblatt" «.^Uwftsfcte landwirthschaftliche Beuage."

Ä7^ Lmechs ha H. Zum 1901,

Amtlicher Theil.

Berlin W. 9, den 17. Mai 1901.

An sämmtliche Herrn Regierungs-Präsidenten.

. . Ich habe wahrgenommen, daß die Bestimmungen des , Nunderlasses vom 4. August 1899 I. G. 4622 noch nicht die genügende Beachtung gefunden haben. So sind auch in letzter Zeit Milzbrandkadaver wieder , in Sand- und Kiesgruben, Steinbrüchen oder an solchen Orten vergraben worden, von denen gelegentlich Material .. zu Stall- oder Wegebauten und Pflasterungen entnommen zu werden pflegt. Auch sind mehrfach zur Aufbewahrung von Viehfutter (Kartoffel- und Rübenmieten, Schnitzel- p gruben u. s. w.) in der Nähe von Gehöften Plätze ver- t wendet worden, die früher zur Verscharrung von Milz­brandkadavern gedient haben. Das Futter ist dadurch, namentlich wenn die Plätze tief oder in der Nähe von Wasserläufen lagen oder erheblichen Grundwaffer- '. schwankungen ausgesetzt waren, infizirt und seine Ver- - Wendung hat zu schweren Verlusten an Vieh geführt.

Euere Hochwohlgeboren wollen die Aufmerksamkeit der landwirthschaftlichen Kreise hierauf hinlenken und den Ortspolizeibehörden und den beamteten Thierärzten die genaue Befolgung der in meinem Runderlab vom ^August 1899 enthaltenen Vorschriften erneut einschärfen.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. J. V.: (Unterschrift).

* * *

Caffel, den 6. Juni 1901.

Abschrift mit Bezug auf meine Verfügung vom 30. August 11899 A. III. 7449 zur Kenntniß und Belehrung der Ortspolizeibehörden.

Der Regierungs-Prästdent. I. V.: Fliedner.

An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren ' Landräthe des Bezirks. A. III. 4698.

* * *

Hersfeld, den 18. Juni 1901.

Z Unter Bezugnahme auf den vorstehend veröffentlichten Ministerial-Erlaß werden die Ortspolizeibehörden des Kreises hierdurch veranlaßt, bei dem Auftreten von Milz­brand hinsichtlich der Beseitigung der Kadaver die in dem Erlaß vom 4. August 1899 veröffentlicht mittelst diesseitiger Verfügung vom 8. September 1899 I. I. iNr. 5411, Kreisblatt Nr. 107 gegebenen Vorschriften sorgfältig zu beachten.

^3^4. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Mach schwerem Kampfe.

Erzählung von Hans W a r r i n g.

(Fortsetzung.)

J Ein paar Tage später kam Sush aus der Musik, 1 stunde, und während sie im Musikzimmer ihre Noten. mappe ablegte, hörte sie lebhafte Stimmen im Neben- zimmer. Es wurde erregt hin und her gesprochen, und während sie stand und lauschte, ging ein schelmisches Lächeln über ihr Gesicht. Da waren nebenbei die drei Schwestern, ihre Mutter, Tante Marie Holmers und Tante Kläre Westorp schon wieder einmal nicht derselben Ansicht, und jede von ihnen schien die abweichende Meinung der anderen für eine persönliche Kränkung zu halten. Zu« großen Erheiterung der Ehemänner wiederholte sich viele Scene fast bei jeder Zusammenkunft der drei Damen, "bei ihrer schwesterlichen Liebe durchaus keinen wruch. Sie ging im Gegentheil aus derartigen kurzen Verdunkelungen stets wieder strahlend und siegend hervor. Sie konnten ohne einander nicht leben, waren stolz aufeinander, halfen mit Aufopferung, wenn es bei der ernen oder anderen not that, aber konnten im Wortgefecht P trotzdem zuweilen recht kränkende und verletzende Aeu- ßerungen thun. v i, mx"?^^ l?r «ine Ungezogenheit", ließ sich Tante Klares erregte Stimme hören.

Hersfeld, den 12. Juni 1901.

Unter den Schafbeständen der Gemeinde Harnrode ist die Räude ausgebrochen.

I. 3265. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Fulda, den 5. Juni 1901.

Die Abhaltung des am 27. Juni 1901 hier stattfindenden Vieh- und Schafmarktes erfolgt unter den seitherigen Bedingungen, mit Be­ginn des Auftriebs von 6*/2 Uhr an.

Der Königliche Landrath Steffens.

Hersfeld, den 11. Juni 1901.

Wird veröffentlicht.

I. 3250. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Am 10. d. Mts. ist hierselbst ein Fahrrad, MarkePresto" mit der Fabrik-Nr. 6432, im Werthe von 100 Mk. gestohlen worden. Das Fahrrad hat schwarzen Rahmenbau, nach unten gebogene Lenk­stange, Pneumatikreifen, gelbe Felgen und war mit einetz dreieckigen Satteltasche, Handbremse und neuen Pedalen ohne Gummi versehen; der Mantel des Hinteren Rades ist defect. Als Thäter kommt ein Unbekannter im Alter von 28 bis 30 Jahren in Betracht, der wie folgt beschrieben wird: ca. 1,701,72 Mtr. groß, von kräftiger Statur, trägt dunklen Sackrock, dunkelgrüne, sogenannte Pumphose, weiß- und schwarzgeringelte Fahrradstrümpfe und weißen Strohhut. Um Nachforschungen nach dem gestohlenen Fahrradc und dem Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher wird ersucht. Hanau, am 12. Juni 1901.

Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Theil.

Politische Stiren.

Die erhebende Feier, mit der am Sonntag in der Reichshauptstadt das Denkmal des ersten Kanzlers ent­hüllt wurde, eine Feier, an der alle Schichten der Be­völkerung und, außer den Sozialdemokraten, alle Parteien aufrichtig theilnahmen, hat gezeigt, daß in der That schon heute der große Staatsmann Bismarck, wie Graf v. Bülow in seiner Rede vor dem Denkmal ausführte, der ganzen deutschen Nation gehört, und die Haltung der Preffe aller Parteien zeigt, daß das vom Grafen v. Bülow citierte Wort des großen Atheners sich auch unter uns bewahrheitet, das Wort, daß der Haß vergänglich sei und daß der Ruhm ihn überdauere. Einzig die sozialdemokratische Presse hält in Verblendung am alten Haß gegen den eisernen Kanzler fest; aber die

»Ja, ich weiß", replizierte Tante Marie Holmers scharf,jeder, den die Frau Kommerzienrath Westorp mit einer Einladung beehrt, muß dies wie den Befehl einer königlichen Hoheit betrachten. Eine Absage ist eine Un- gehörigkeit."

Erlaube, liebe Schwester", mischte sich Frau Anna Cramer ins Gespräch,ich bin durchaus nicht übermäßig eingebildet oder anspruchsvoll, aber ich bin auch der Ansicht, daß ein junger Mann und namentlich Doktor Bergentien wenn ihm ein freundliches Entgegenkommen von einer Familie, wie die unsere, zu theil wird, dieses Entgegenkommen mit Dank aufzunehmen und nicht mit schroffer Ablehnung zu erwidern hat."

In deinen Worten, liebe Anna, ist mir zweierlei unklar! Weshalb, ich bitte dich, sprichst du immer von unserer Familie, als ob sie von einem Throne auf die ganze Welt herabzublicken das Recht hätte? Warum hältst du unsere Familie für etwa« besseres als andere ehrenwerte, tüchtige Leute? Etwa weil du und ich und Kläre dazu gehören? Wir drei sind ganz gewöhnliche, alltägliche Frauen, wir erhalten unsere Bedeutung nicht durch uns selbst, sondern nur durch unsere Männer. Diese aber denken wie alle tüchtige Menschen ganz be­scheiden von sich. Und ich meine, wenn wir das auch thäten, so wäre das ganz angemessen für uns. Ich finde es nicht wünschenswert, daß die eine oder die andere | von uns sich durch unberechtigten Hochmut lächerlich macht."

Form, in der dieser blinde Haß sich bei ihr ausspricht, ist so widerwärtig, daß man ihn voll Verachtung unbe­achtet lassen darf, in der Hoffnung, daß von dieser Art der blinden, verrannten und allen Gefühls für wahre Größe barenGeschichtsauffassung" sich selbst ein guter Theil derGenossen" angeekelt fühlen dürfte.

Dem Grafen Bülow wird das deutsche Volk für seine aufrichtige, warme und in das Wesen des Fürsten von Bismarck und seine Politik tief eindringende Rede von Herzen dankbar sein. Sie zeigte ihm von neuem, daß der leitende Staatsmann im Reiche dessen Politik in den bewährten Bahnen Bismarckischer Staatskunst weiter zu führen gewillt ist. Die Rede des Grafen v. Bülow ent­hält aber auch ernste Mahnungen und im höchsten Maß beherzigenswerthe Winke für alle Parteien, alle politischen und wirthschaftlichen Gruppen und für das gesammte an unserm öffentlichen Leben betheiligte Volk. Nur Einzelnes sei aus der inhaltreichen Rede hervorgehoben. Graf v. Bülow erinnerte daran, daß es in der Politik keine unverrückbaren Dogmen, keine für alle Zeit und jede politische Konstellation gültigen Normen gebe. An diesen auch vom Fürsten Bismarck gelehrten und stets in der Praxis befolgten Grundsatz jeder Realpolitik mögen sich diejenigen erinnern, die bei diesen oder jenen politischen Maßnahmen, deren Gründe und Ziele sie nicht kennen und beim besten Willen auch nicht erkennen können, mit dem unbegründeten Urtheil bei der Hand sind: das hätte Bismarck anders gemacht. Bei Vorgängen, deren Ursachen man nicht kennt und deren schließliche Wirkung man nicht voraussehen kann, ist es angebracht, mit dem Urtheil zurückzuhalten. Ist ja doch auch der leitende Staatsmann nur zu oft außer Stande, seine Haltung öffentlich zu begründen und zu vertheidigen, sondern muß es der Zeit zu enthüllen überlassen, daß er den rechten Weg und die geeigneten Mittel gewählt hat.

Und noch ein zweiter politischer Hinweis in der Rede des Grafen v. Bülow scheint uns besonders beachtens- werth. Der Reichskanzler erinnerte daran, daß es in der Politik darauf vor allem ankomme, in jedem Augen­blick die Grenzen des Erreichbaren zu erkennen, an die Erreichung des zu Nutz und Frommen des ganzen Landes Erreichbaren aber alles zu setzen. In unserer von heftigen wirthschaftlichen Kämpfen bewegten Zeit kann diese Lehre nicht genug beherzigt werden, möge die Volks­vertretung, wenn es gilt, den Zolltarif zu berathen, aus ihr die nöthigen Folgerungen ziehen und in weiser Mäßigung die verbündeten Regierungen in ihrem Streben unterstützen, damit alle produktiven Stände, Landwirthschast sowohl wie Handel und Industrie, zu ihrem Rechte kommen.

Liebste Marie, du beliebst wieder in einer Art zu sprechen, die ich für ganz ungeeignet halte. Du copierst deinen Mann. Aber was man dem Herrn Geheimrath, weil er überarbeitet und nervös ist, zu gute hält, das darfst du dir noch lange nicht gestatten. Ich bin der Meinung"

Bleiben wir bei der Sache, liebe Anna! Ich muß dir noch eine Frage vorlegen: weshalb meinst du, daß Doktor Bergentien für Kläres Einladung zu größerem Dank verpflichtet wäre, als andere junge Herren?"

Aber ich bitte dich, welche Frage! Er kann sich doch denken, daß wir ihn nicht seinetwegen nicht seiner selbst wegen zur Familie ziehen, sondern nur deinet- und deines Mannes wegen."

Warum soll er sich das denken?"

Aber ich bitte dich! Alle Welt weiß, daß wir unseren Umgang mit einiger Vorsicht wählen. Bei uns gehen nur Leute von tadellosem Rufe aus und ein. Menschen von geschädigtem Rufe pflegt man in unseren Salons nicht zu begegnen. Wie sollten also wir dazu kommen, den Herrn Doktor Bergentien in unseren Gesell­schaftskreis zu ziehen, wenn eben dein guter Mann nicht den bedauerlichen Schritt gethan hätte, ihn zu seinem Asststenz-Arzte zu machen. Er hat uns dadurch diesen jungen Mann beinahe aufgezwungen!"

Bei Beginn dieses Gesprächs hatte das Gesicht der jungen Lauscherin das belustigte Lächeln gezeigt, das die