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sährdet, daß er Theile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§ 318. Wer fahrlässigerweise durch eine der vorbezeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage ver­hindert oder gefährdet, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neun­hundert Mark bestraft.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der 88 317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.

Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig theils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Sleinwürfe rc.), theils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Zugleich wird Demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Thäler mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.

Cassel, den 15. Mai 1901.

Kaiserliche Ober-Post-Direklion. gez. Hoffmann.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin 16. Juni.

Se. Majestät der Kaiser ist vorgestern Abend 9 Uhr 40 Minuten vom Potsdamer Bahnhof nach Cronberg abgereist. In der Begleitung Seiner Majestät befinden sich die Generaladjutanten General der Infanterie von Pleffen und Generalleutnant v. Scholl, Flügeladjutant Prinz Schönburg und Ober-Stabsarzt Dr. Jlberg. Auf dem Bahnhöfe hatte Se. Majestät der Kaiser noch eine Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow. Gestern Vormittag kurz nach 9 Uhr traf Se. Majestät der Kaiser in Homburg v. d. H. ein und fuhr in Be­gleitung des Generaladjutanten Generalleutnants von Scholl zum Schloß, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt.

Gestern Abend um 9 Uhr 10 Min. fuhr Se. Majestät der Kaiser von Cronberg nach Berlin. Heute Morgen wurde Se. Majestät auf dem Potsdamer Bahnhof von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen und begab sich mit Allerhöchstderselben nach dem Königlichen Schloß. Um 12 Uhr wohnten beide Majestäten der Enthüllung des Bismarckdenkmals vor dem Reichstagsgebäude bei. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten im Königlichen Schloß waren geladen: Der Gesandte von Bülow und Gemahlin, Frau von Liebenau und Tochter und General­leutnant Freiherr von Egloffstein. Abends gedenkt der Kaiser nach Hannover abzureisen.

Heute Mittag wurde das von Reinhold Begas ge­schaffene Bismarck-Denkmal vor dem Reichs­tagsgebäude in Gegenwart des Kaisers feierlich enthüllt.

Dem Vernehmen derDeutschen Verkehrszeitung" zufolge ist bei der am 7. Juni im Reichspostamte zwischen Vertretern des Reichspostamts sowie anderer Reichsrefforts und preußischer Ministerien stattgehabten kommissarischen Berathung im Allgemeinen über die Gestaltung der künftigen höheren Laufbahn in der Reichs- Post- und Telegraphen-Verwaltung eine Einigung erzielt worden.

Bei der Eröffnung der Wanderausstellung der Deutschen LandwirthschaftS-Gesellschaft in Halle führte der Landwirthschaftsminister v. Podbielski aus, es ge­reiche ihm zur besonderen Freude, bei einer solchen Ge­legenheit zum ersten Male als preußischer Landwirth­schaftsminister unter den Landwirthen weilen zu können, die aus allen Gegenden des Reiches zufammengekomm e

seien. Er hoffe, daß er, getragen von dem Vertrauen der Landwirthe, die Jntereffen der Landwirthschaft bestens werde fördern können. Die Deutsche Landwirtbschafts­gesellschaft habe gezeigt, was Selbsthilfe vermöge, aber es gebe gewiffe Dinge, wo die Selbsthilfe versage. Im Osten des Reiches habe der schwere Winter die Land­wirthe so geschädigt, daß sie nicht in der Lage seien, sich selbst zu helfen, da müsse der Staat eintreten, der ein lebhaftes Verständniß dafür habe, daß es seine Pflicht sei, jeden Landwirth auf seiner Scholle zu erhalten. Er wünsche, daß die Ausstellung dazu beitragen möge, in diesen schwierigen Zeiten volles Verständniß zwischen Stadt und Land zu fördern. Landwirthschaft, Industrie und Handel müßten gemeinschaftlich an der Größe des Staates arbeiten.

Nach Auslösung der Feldpost inChina werden, derDeutsch. Verkehrsztg." zufolge, zur Verstärkung der Beamtenkräfte bei den Ortspostanstalten in China ver­bleiben : der Oder-Postdirektionssekrelär Wölker, die Post­sekretäre Barten, Keine, Schäfer, die Postpraktikanten Weinbrenner, Wenning und die Postassistenten Müller, Ruscheck, Wagner und Zeitinger.

Aus Veranlaffung des Ministers für Handel und Gewerbe wird in der Bett vom 19. August bis 14. Sep­tember d. J. in Berlin ein Kursus zur Ausbildung von Lehrern an kaufmännischen Fortbildungsschulen abgehalten werden, in dem Anleitung zum Unterrichten in der Buch­führung, im kaufmännischen Rechnen, in der allgemeinen Handelslehre (Bank- und Börsenwesen, Post- und Eisen- bahn-Verkehr rc.), in der kaufmännischen Korrespondenz und im Handels- und Wechselrecht gegeben werden soll. Außerdem sind Besprechungen über Lehr- und Stoffver- theilungspläne, Lehrmittel, Lehrmethoden rc. sowie Be­suche von kaufmännischen Fortbildungsschulen in Aussicht genommen. Zur Theilnahme an dem Kursus werden ungefähr 40 Lehrer kaufmännischer Fortbildungsschulen, und zwar vorzugsweise aus den Provinzen Westfalen, Heffen-Naffau und der Rheinprovinz einberufen werden. Sie erhalten freien Unterricht, sowie Hin- und Rück­fahrt und einen Zuschuß zu den Kosten des Aufenthalts in Berlin in Höhe von 5 Mk. täglich.

Unter den Ursachen der erfreulichen Zunahme der Zuckersteuer steht an erster Stelle, wie die Verbrauchs­statistik zeigt, die stetige Zunahme des Inland- verbrauchs von Zucker. Während noch vor 10 Jahren der Verbrauch von Zucker auf den Kopf der Bevölkerung sich auf 9,5 Kilogr. stellte, betrug er im Jahre 1899/1900 13,7 Kilogr., und zwar hat sich diese starke Zunahme durch stetiges Anwachsen des Verbrauchs von Jahr zu Jahr vollzogen. Im Jahre 1893/94 wurde zum ersten Male ein Verbrauch von mehr als 10 Kilogr. auf den Kopf der Bevölkerung konstatiert, im folgenden Jahre 10,7, in den Jahren 95/96 und 96/97 durch­schnittlich 11,1, 97/98 11,8 und 1898/99 12,4. Diese Entwicklung berechtigt zu der Hoffnung, daß der Inland- verbrauch von Zucker mit dem Satze von 13,7 auf den Kops der Bevölkerung noch nicht seinen höchsten Stand erreicht hat, vielmehr noch einer weiteren Vermehrung fähig ist.

Der nächste Deutsche Juristentag wird im September 1902 in Berlin stattfinden. Es sollen, wie dieDeutsche Juristenztg." meldet, nach der einstweiligen Festsetzung folgende Fragen in Berlin zur Verhandlung gelangen: 1. Die Frage der Zwischenprüfungen im Universitätsstudium, die entsprechend dem in Bamberg gefaßten Beschluffe nochmals auf die Tagesordnung ge­setzt ist. 2. Die Haftpflicht bei Benutzung von Auto- mobilien. 3. Die Grundsätze, von welchen bei Revision des Strafgesetzbuches auszugehen ist. 4. Die Frage der Ringe und Kartelle, und ob und welche Maßregeln hier­gegen getroffen werden sollen. 5. Das Recht am eigenen Bilde. 6. Ist die Nothwendigkeit notarieller Beurkundung n bei Verträgen über Immobilien beizubehalten? 7. Ueber

die Rechtskraft von Verwallungsentscheidungen. 8. Die Abgrenzung zwischen Leitungsrecht des Richters und Parteibetrieb im Zivilprozeß. 9. Ueber Bodenverschuiz, ungSgrenze und Bodenentschuldung. 10. Ist die Be­strafung fahrlässiger Eidesdelikte im deutschen Rech,! beizubehalten und im österreichischen Rechte einzuführenV

Ueber den Werth des Dreibundes, Italien legte der Minister Prinetti in der DeH tierten-Kammer jüngst seine Auffassung dar. BarM hatte daran erinnert, daß der Minister im Jahre 1891 gegen die Erneuerung des Bundes gesprochen ^atte Demgegenüber erklärte Prinetti, daß damals für Jtali» aus seiner Mitgliedschaft des Dreibundes ein Handelz politischer Krieg mit Frankreich in bedrohlicher Aussij gestanden habe. Seit jener Zeit habe der Dreib« immer mehr seinen friedlichen Charakter erwiesen. & habe sich auch gezeigt, daß trotz des Dreibundes innig/ Beziehungen zu Frankreich möglich seien. In Toulii hätten sich die beiden so vielfach durch Raffe, national« Geist und Gesittung verwandten Völker herzlichen Kuni gebungen hingegeben. Man könne nicht verkennen, bei der Dreibund der italienischen Politik eine feste Grutz ' läge gegeben und wirksame Hilfe zur Aufrechterhallw des europäischen Friedens geleistet habe.

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Lhina.

Aus Peking wird berichtet: Die Leiche des beutst Gesandten Freiherr» v. Ketteler wurde Sonnabend f« nach einer religiösen Feier und unter Erweisung mili tärischer Ehren an Bord eines Dampfers gebracht, n dem sie nach Deutschland übergeführt wird.

Mittheilungen über die Fahrt der deutschen Trupp» transportschiffe: DampferArkadia" am 12. Juni Hm reise von Taku angetreten.Nekar" heute (15. Juni von Bremen abgefahren.

DerMorning Post" wird aus Shanghai g-^ meldet: Deutsche Kanonenboote patrouillire» auf bei Aangtse bis Jchang, wo derIltis" während d« Sommers verbleibt. Die Franzosen und die Deutsche haben die Absicht, Tschangscha, die neue Haupstadt in Provinz Hünan, von Kanonenbooten, die zu dies« Zweck den Tatung-See durchqueren würden, besuchen lassen. Tschangscha ist bis jetzt erst einmal von ein« fremden Kriegsschiffe, und zwar von einem englisch- Kanonenboote besucht worden. DerTimes" roh aus Shanghai berichtet, die dortige deutsche GarnU werde zwei Bataillone stark sein unter dem Befehle d Oberstleutnants Grafen v. Schlippenbach.

Berlin, 15. Juni. Heute Vormittag traf hi» von Genua lommend, das Personal des Verein! Lazareths vom Rothen Kreuz, welches als Etappe Lazareth in Aangtsun vom November vorigen Iahn bis April dieses Jahres thätig gewesen ist, bestehen aus den Aerzten Chefarzt Professor D^Kütcher, be^ Stabsärzten Dr. Loos und Dr. Steffens, sowie sei Krankenschwestern des Anscharhauses in Kiel und st freiwilligen Krankenpflegern nach zehnmonatlicher A Wesenheit in erwünschtem Wohlsein wieder ein.

San-Francisco, 14. Juni. Nachrichten ot Honolulu vorn 7. b. M. besagen, daß der chinelff Reformator Sunyatsen am 5. Juni mit dem amerikanisch DampferManu" nach China abgereist sei. Wie i hauptet wird, soll er eine Revolution herbeizuführen ! absichtigen, welche den Sturz der Kaiserin-Wittwe n der Mandarinen bezweckt. Sein Plan sei, in Chi« ähnlich wie in Amerika, eine Regierung durch ein Präsidenten einzuführen. Er sagt, er stütze sich zahlreiche Anhänger. J.

Str Krieg in Siiiiafrito.

London, 16. Juni. Lord Kitchener meldet» gestrigen Tage aus Pretoria: Auf dem Marsche »

einem als thöricht und aussichtslos erkannten Verlangen nachzuhängen! Der Gefahr aus dem Wege gehen, das ist für ihn eine Forderung der Pflicht, und er wird ihr nachzukommen wissen!

Was das herrlich nach Veilchen duftet! Hast du welche, Susy?" fragte der Kleine, die müden Augen schlaftrunken öffnend.

Ja, einen großen Strauß, sieh nur!" antwortete sie heiter.Möchtest du welche haben?" Der Kleine streckte die Hand aus. Sie aber stand ein paar Augen­blicke zögernd. Dann, mit einer raschen Bewegung, theilte sie den Strauß in zwei Theile, von denen sie den einen dem kleinen Kranken, den anderen aber mit einer etwas linkischen Schüchternheit dem Arzte reichte. Dieser nahm die Gabe mit einer ernsten, reservirten Verbeugung entgegen aber alle seine guten Vorsätze konnten nicht hindern, daß seine Hand unter der Berührung der ihrigen zuckte.

Das ist gut, Susy, daß du ihm auch etwas gegeben ; hast, er hat es verdient, er ist doch eigentlich ganz nett gewesen, nicht?" sagte der Kleine flüsternd, ; aber sehr hörbar.

Sehr nett," lautete die Antwort. Dabei hob sich die dunkle Wimper mit einem lächelnden, schelmischen Aufschlag. Aber rasch senkte sie sich wieder, als der Blick des Mädchens einem ernsten, fast finsteren GefichtS- auSdruck begegnete. Dann machte der Doktor seine Ver­beugung und hatte das Zimmer verlassen, ehe Susanne sich von ihrem Schreck erholt hatte.

Das war ja fast ein tragischer Abgang!" lachte Jrm- gard.Susy, du bist ein fabelhaftes Wesen, du ver­schwendest deine Gunst an einen Bären, der sich kaum;

herabläßt, sie anzunehmen, und an Huldigungen, die dir liebenswürdige, angesehene Männer zu Füßen legen, gehst du achtlos vorüber!"

Aber Susy antwortete nicht, sie stand am Fenster und blickte ins Freie hinaus. Ein quälender Gedanke beschäftigte sie: hatte sie etwas Unmädchenhastes gethan? Hielt er ihre impulsive Handlung für ein unberechtigtes, weil unerwünschtes Entgegenkommen? Bedeutete sein finsteres Gesicht eine ernste Zurückweisung? Thränen traten ihr in die Augen, und Schamröthe bedeckte ihr Gesicht.

Unterdessen stand der Doktor ebenfalls am Fenster seines Zimmers und starrte auf die Straße hinaus. Er hätte mit sich zufrieden sein können, denn er hatte seinem wohlüberlegten Vorsätze gemäß gehandelt. Aber selt­samerweise war ein quälendes Mißbehagen über ihn gekommen. Er konnte den erschreckten, angstvollen Blick dieser Mädchenaugen nicht vergessen. Er sagte sich, daß sein schroffes Verhalten ihrer echt weiblichen, schüchternen Annäherung gegenüber roh und unritterlich gewesen. Er hatte ihr Zartgefühl verletzt, um seinen eigenen selbstbe­wußten Stolz dem ihrer hochmütigen Sippe gegenüber nicht preiszugeben. Er schämte sich und bereute. Aber dennoch sagte er sich: wer die Sache will, muß auch dir Mittel wollen. Mit einem tiefen Atemzüge riß er sich von seinen Gedanken los und trat ins Zimmer zurück. Da fielen seine Blicke auf die Veilchen, die er im ersten Unmut auf den Tisch geschleudert hatte. Er nahm da« Sträußchen aus und betrachtete es mit Blicken, die fast eine Liebkosung waren. Dann aber steckte er es rasch in ein Wasserglas, das er bedachtsam weit fort von seinem Arbeitstisch auf ein Schränkchen stellte.

Und während er sich zu seinen Büchern niederM tauchte in seinen Kopfe wieder der Plan auf, den schon als Student mit sich herumgetragen hatte und: durch die schmeichelhafte Berufung zum Assistenzärzte' Geheimraths nur zeitweilig in den Hintergrund gedrM worden war, der Plan, sich in einen der weltverlottM Haffdörser, in einer Gegend, die zu manchen Zeilen ' Jahres von jeder Verbindung mit der Welt abgesch»' war, als Arzt niederzulassen. Zu seiner hiesigen M würden sich Hunderte drängen dort aber, wo im W und Frühjahr der Typhus zu wüten pflegt, wo der» seinem Berufe auf fast unfahrbaren Wegen oder aui: sturmgepeitschten Wogen der Haffs mit Einsetzuna < eigenen Lebens nachgehen mußte, da war einer am PZ der nicht gar zu fest am Leben hing, ein einsamer M den keine Bande festhielten. Dort würde er befreit y von allen, was ihn hier, inmitten der ersten Gesellst kreise der Großstadt bedrückte. Dort würde man Vergangenheit nicht nachfrage», ihn nur nach dein urteilen, was er war und leistete. Dort konnte < ein bescheidenes Glück in dem Bewußtsein blühen, E behrlich zu sein, ein Helfer in der Not, ein Retter tausend Gefahren. Ja, selbst bei seinen geringen E konnte er der dortigen Armut gegenüber ein Woh^ werden, der im weiten Kreise Großes und Gutes Das war eine Aussicht, die feinem auf ernste gestellten Sinne unendlich verlockend schien a^ dem hiesigen Leben, dessen bequem geregelte ihm immer noch zuviel freie Zeit ließen, dessen schaftliche Ansprüche ihm aber drückender wurde" die schwerste Arbeitslast.

(Fortsetzung solgt.)