rung trotz der unausgesetzten Abgabe eines großen Theiles kräftigen Menschen-Materials, und sie überwiegt umso mehr, je besser der Boden, je reicher die Gesammtver- Hältnisse, unbeschadet ob ein Kreis sich rein ländlich erhalten hat oder eine mäßige Industrie-Entwicklung zeigt, umso weniger aber, je mehr städtische und industrielle Einflüsse nach Wohnsitz und Beschäftigungsart in den Vordergrund treten." Es ergiebt sich aus den Untersuchungen Bindewalds mit unzweifelhafter Klarheit, daß die starken Wurzeln der militärischen Kraft Deutschlands nach wie vor auf dem platten Lande liegen. Damit aber ist zugleich die unabweisbare Forderung gegeben, alles zu thun, daß der unseligen Entvölkerung der land- wirthschaftlichen Distrikte unsers Vaterlandes gesteuert werde. Der Zug nach der Stadt gehört zu den krankhaftesten und gefährlichsten Erscheinungen unserer Zeit. Soll nicht die Wehrfähigkeit Deutschlands für die Zukunft aufs verhängnisvollste geschädigt werden, so muß der fortdauernd wachsenden Auswanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte Einhalt geschehen. Nur so kann unsere alte Waffentüchtigkeit unversehrt erhalten bleiben. Die Frage, wie der Entvölkerung des platten Landes wirksam zu steuern sei, bietet außerordentliche Schwierigkeiten, ist aber auch von so ungemeiner Wichtigkeit, daß kein Mittel ihrer Lösung unversucht bleiben darf und daß sie der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht dringend genug empfohlen werden kann.
Aus Kiel, 10. Juni, wird der N. A. Z. geschrieben : Ein neues auf der Kruppschen Germaniawerft gebautes Linienschiff, der Neubau „E", wird am 12. Juni in Gegenwart des Kaisers sowie des Großherzogspaares von Buden vom Stapel gelassen. Das stattliche, 11800 To. große Schiff gleicht im Allgemeinen dem in Wilhelmshafen erbauten „Wittelsbach" und dem in Danzig erbauten „Wettin", da es mit diesen und zwei weiteren, noch im Bau befindlichen Linienschiffen eine besondere Klasse bildet, die sich von der „Kaiser"-Klasse ganz wesentlich unterscheidet, nicht nur in den Dimensionen und Maschinenanlagen, sondern auch in der Anordnung des Panzerschutzes und der Artillerie. Die neuesten Anschauungen über den Panzerschutz der mittleren Artillerie find hier zum praktischen Ausdruck gekommen. Die Länge des ganz aus deutschem Stahl erbauten Schiffes beträgt 126 Meter, gegenüber 115 Meter bei der „Kaiser"-Klasse. Durch die Steigerung des Deplacements von 10 900 auf 11 800 Tonnen ist es möglich geworden, so starke Maschinen zu verwenden, daß das neue Schiff eine Fahrgeschwindigkeit von 19 Seemeilen in der Stunde, gegen 18 bei der „Kaiser"-Klasse erzielen kann. Es gelangen drei von einander getrennt liegende, aufrecht stehende Maschinen mit einer Stärke von 15 000Pserde- kräften zur Aufstellung. Etwa 100 in den Schiffskörper eingebaute Hülfsmaschinen erhalten ihre Bewegung zumeist durch elektrischen Strom. Als Angriffswaffen erhält das neue Schiff 54 Geschütze, nämlich 34 Schnell- feuerkanonen, zwölf Maschinenkanonen und 8 Maschinengewehre, außerdem 6 Torpedolancirrohre und einen starken Rammsporn. Als Panzerschutz dient ein ganz um den Schiffskörper herumgehender Panzergürtel von 225 Millimeter Stärke, ein Zitadellpanzer von 140 Millimeter Stärke und ein 40 Millimeter starkes, nach den beiden Schiffsenden auf 75 Millimeter anwachsendes Panzerdeck. Die stählernen Gefechtsmasten haben eine Weite von 2 Meter und können vom Deck aus durch eine innere Wendeltreppe bis zum Mars bestiegen werden. Daß den sanitären Anforderungen in weitgehender Weise genügt worden ist und die Luftzufuhr zum Theil durch Ventilationsschachte und elektrisch betriebene Ventilatoren bewirkt wird, ist selbstverständlich. Der normale Kohlen- vorrath belauft sich auf 650 To., kann jedoch durch Zuladung fast verdoppelt werden. An Besatzung führt das neue Schiff 650 Mann.
Im Monat April d. I. sind auf den deutschen Eisen
konnte. Dann ging die Thür auf, und Minna, das Stubenmädchen, brächte auf silbernem Teller eine Karte herein. Als Frau Anna dieselbe in der Hand hielt, kam ihr einen Augenblick der Gedanke: ablehnen! — Aber sie verwarf ihn sogleich. Das erschien wie eine Ungerechtigkeit gegen den jungen Mann und hieße die Auflehnung der Tochter herausfordern. Vielleicht würde sie sich veranlaßt sehen, durch verdoppelte Freundlichkeit diese ablehnende Haltung wieder gut zu machen. „Ich lasse bitten," sagte sie, und ein paar Augenblicke später stand der Mann, der Mutter und Tochter eben so lebhaft beschäftigt hatte, vor ihr. Sie mußte sich gestehen, daß seine Persönlichkeit das Vorurtheil, das sie gegen ihn empfand, durchaus nicht rechtfertigte. Eine schlanke, ebenmäßige Gestalt, ein seiner dunkler Kopf auf hochgetragenem Nacken, ein kluges, etwas scharf geschnittenes Gesicht, und in den ernsten braunen Augen ein Blick, der Vertrauen erweckte. Wenn er nur nicht diesen schrecklichen berüchtigten Namen trüge, — wenn er nur nicht der Sohn dieses gewaltthätigen Mannes wäre, der sich vermessen hatte, Kläger, Richter und Rächer in eigener Sache zu fein! — Dann begann die Unterhaltung, die sich in den althergebrachten Geleisen hielt. Man sprach von der gestrigen Tannhäuser-Ausführung, in welcher das einheimische Theaterpersonal dem berühmten Gaste würdig zur Seite gestanden hätte, — von dem all- mahligen Aushören der Gesellschaften und Bälle, die in diesem Winter besonders reichhaltig und ermüdend gewesen seien, — von der Kunstausstellung, die viele treffliche Weile auch minder berühmter Meister enthielte. Die Mutter machte die Konversation, und die Tochter saß schweigsam dabei und steuerte nur hin und wieder
bahnen — ausschließlich der bayerischen — 15 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 8 bei Personen- zügen), 23 Entgleisungen in Stationen (davon 7 bei Personenzügen), 1 Zusammenstoß auf freier Bahn zwischen einem Güterzugs und einer Lokomotive, 8 Zusammenstöße in Stationen (davon 4 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 2 Bahnbedienstete getödtet und 1 Bahnbediensteter verletzt.
Ihre Königlichen Hoheiten der Großherz og und die Großherzogin von Baden sind heute Vormittag um 11 Uhr in Kiel eingetroffen und von der Prinzessin Heinrich von Preußen, dem badischen Gesandten und dem Generalinspekteur der Marine, Admiral von Koester, empfangen worden.
Wie der Ertrag der zur Reichskasse fließenden Steuern, so weisen auch die Einnahmen der Post- und Eisenbahnverwaltung im Jahre 1900 ein Mehr nicht nur im Vergleiche zu dem Vorjahre, sondern auch zu dem Etatsansatz auf. Die Einnahme der Postverwaltung übersteigt den Etatsansatz um 1,3, diejenige der Eisenbahnverwaltung um 3,6 Millionen Mark. Da schließlich auch der Reichsantheil an der Reineinnahme der Reichsbank den Etatsansatz übersteigt, so zeigen auch im verflossenen Jahre sämmtliche zur Reichskasse fließenden Einnahmen eine gedeihliche Entwicklung, und zwar im Gegensatze zu den Ueberweisungssteuern, deren Ertrag in dem letzten Jahre die im Etat vorgesehene Höhe nicht erreichte.
Mit dem innern Frieden sieht es gegenwärtig in Frankreich wieder recht bedenklich aus. Nach dem kürzlich stattgehabten Rennen in Auteuil versuchte eine Anzahl Nationalisten Kundgebungen gegen das Ministerium zu veranstalten. Einige Personen, welche den Justizminister, als dieser den Rennplatz verließ, mit höhnischen Rufen verfolgten, wurden festgenommen, unter ihnen Mathieu Lesseps, ein Sohn von Ferdinand Lesseps. Ferner wurden in mehreren Städten des Nord-Departe- ments, wie Roubaix und Armentisres, von Sozialisten lärmende Kundgebungen gegen die Frohnleichnams- Prozession veranstaltet. In Roubaix kam es hierbei zu ernsten Ruhestörungen; mehrere Personen erlitten durch Steinwürfe Verletzungen. Die Polizei nahm eine Anzahl Verhaftungen vor.
Nach einem Telegramm des „Globe" aus Shanghai führte Admiral Seymour in seiner auf dem gestrigen Diner der „China Association" gehaltenen Rede noch aus, Großbritannien habe drei große Nebenbuhler: Rußland, Deutschland und die Vereinigten Staaten. Deutschland stehe mit England nach beiden Seiten, sowohl was seine Handelsinteressen als was seine Seemacht anbetreffe, in scharfem Wettbewerb, und hiermit werde Großbritannien eines Tages zu rechnen haben. Die Vereinigten Staaten seien Englands größter Nebenbuhler auf dem Gebiete des Handels, diese Nebenbuhlerschaft stehe aber nicht im Widerstreit mit Englands Politik der „offenen Thür", die alle auf dem Boden kommerzieller Gleichheit willkommen heiße.
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Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph hat am 31. v. M. von Wien aus nachstehendes Telegramm an Se. Exzellenz den Generalfeld- marschall Grafen von Waldersee gerichtet:
War Ich von Ihrer Ernennung zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen in Ostasien aufrichtigst befriedigt, so gereicht es Mir nunmehr, da Sie am gedeihlichen Abschlüsse der Ihnen übertragenen Ausgaben stehen und nach Europa heimkehren werden, zur vollsten Freude, Sie, lieber Feldmarschall, hiezu wärmstens beglückwünschen zu können.
Das Vertrauen, welches Ihr erhabener Kaiser in seinen vielbewährten Heerführer setzte, haben Sie unter den eigenartigsten Verhältnissen gediegenst gerechtfertiget.
ein Wort zur Unterhaltung bei. Sie wurde lebhafter, als Frau Anna von ihrem Schwager, dem berühmten Professor und Geheimrath Holmers und von dessen Gattin, ihrer Schwester, sprach.
„Ich habe in dem Hause dieses herrlichen Paares eine Heimath gefunden," sagte Doktor Bergentien.
„O, es sind prächtige Menschen, die man gar nicht genug loben kann!" Die Augen des jungen Mädchens leuchteten.
„Es vergeht kein Tag, mein gnädiges Fräulein, wo ich dies nicht mit tiefster Verehrung empfinde!"
„Ja, es sind wirklich seltene Menschen," sagte Frau Anna. „Ich muß dies sagen, obgleich man so nahestehende Verwandte eigentlich nicht so enthusiastisch loben sollte. Es klingt leicht anmaßend, wie Eigenlob!"
„Und wie glücklich sie sind! In ihrem Haus ist es immer warm und hell!" sagte Susanne.
„Zu einem vollkommenen Glück fehlt ihnen nur eins: Kinder!" meinte der Doktor,
„O, sie haben sich darein gefunden, obgleich es ihnen anfangs schwer wurde. Jetzt haben sie die Kinder der Familie zu den ihrigen gemacht. Sie haben dabei den Vortheil, daß sie nur die Freuden, nicht die Sorgen kennen lernen," entgegnete Frau Anna.
„Ich denke, meine gnädigste Frau, auch diese würden, gemeinsam getragen, ihr Glück nur erhöhen!"
Das junge Mädchen hob den Kops und blickte den Sprecher an. Ein strahlendes Lächeln und ein warmer Blick lohnte ihm den Ausspruch.
„Man sagt so," meinte Frau Anna sinnend. „Ich aber kann nicht begreifen, weshalb gemeinsames Glück nicht ebenso fest binden sollte. Wenn wir sehen, wie
Gerne wußte Ich die am Lande verwendeten Detachements Meiner Eskadre in Ostasien unter Ihrem Befehle; herzlichst danke Ich Ihnen für alle Fürsorge und echte Waffenbrüderschaft, welche Sie da stets walten ließen.
Möge Sie, lieber Feldmarschall, auch fernerhin Gottes Schutz begleiten im Dienste der guten Sache und damit Ihres Allerhöchsten Kriegsherrn.
gez.: Franz Joseph m. p.
Berlin, 11. Juni. Generalleutnant von Lessel meldet am 10. aus Tientsin: Die Stäbe der Besatzungs- brigade und neuen Truppentheile sind heute zusammengetreten.
Berlin, 11. Juni. Laut telegraphischer Mittheilung ist der Dampfer „Mainz" mit der abgelösten Besatzung S. M. S. „Vineta" an Bord, Transportführer; Kapitänleutnant Schultz, um 10. Juni in Funchal ein= getroffen und an demselben Tage wieder in See gegangen.
Von unsern Chinakämpfern bleiben in DR asten drei deutsche Infanterie-Regimenter zu drei Bataillonen zu drei Compagnien mit je 110 Kombattanten, eine Eskadron berittene Jäger, eine Feldartillerie-Abtheilun- mit drei Batterien, eine Pionier-Compagnie und eine Train-Compagnie. Die Gesammtstärke beträgt3600 Mam^s wovon etwa 800, nämlich zwei Bataillone mit einet Batterie, für Schanghai bestimmt sind. In Petschili bleibt die Hauptmasse in Tientsin, während je ein Bataillon Peking, Iangtsun, Langfang Schanhaikwan besetzt hält. Verwandt werden nur Mannschaften, welche über den Herbst 1901 hinaus zum Dienst in Ostasien sich verpflichtet haben.
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London, 11. Juni. Aus Pretoria wird tele-^ Uv graphirt: Die Buren sind in starker Anzahl unter Louis bei Botha bei Blaauwbank unterhalb Ermelos verschanzt.- zui Sie sind auch bei Standerton stark vertreten. Delarey marschirt zur Vereinigung mit Botha. In Piet Reties Pc in Ost-Transvaal wurde großer Kriegsrath unter Schalk da Bürger gehalten und kräftige Fortsetzung des Krieges a r beschlossen. In Burenkreisen herrscht der lebhafteste Optimismus. De Wet hat mit 1000 Mann eine Position fat auf den Gaisrand-Hügeln südlich von der Krügersdorp g i Potchestroom-Eisenbahn besetzt. Ferner wurde Labn- v e schagues Nek bei Dordrecht von Buren besetzt. Kruitzing« Tl eroberte mit Jamestown 30,000 Patronen und 75 Hd Gewehre. Nc
London, 11. Juni. „Daily Chronicle" will Fe Folgendes aus der Umgebung der Frau Botha erfahren da haben: Sie reise heute oder morgen ab, zuerst nach Brüssel, Hei wo sie von Dr. Leyds und Burendelegirten empfangen für wird. Nach zweitägigem Aufenthalt ifvS^ff^ nach Holland, um dem Präsidenten Krüger eine Meldung kui von ihrem Gatten zu überbringen. Sie hat ferner einen« He Brief von Krüger's Gattin an diesen. Bei ihrer An- bei kunft in England schickte sie Krüger ein Telegramm, vt worauf noch keine Antwort erfolgte. Krüger soll zuerst erklärt haben, er wolle Frau Botha nicht sehen (?), er Tut wünsche nicht von Frauen behelligt zu werden, schließlich gab er nach, doch dürfte er sie nicht sehr cordial aus-' nehmen. Botha's Bereitwilligkeit, bei den Friedens- Verhandlungen die Unabhängigkeit der Republiken zu "ez opfern, soll Krüger aufgebracht haben. Frau Botha's we Begleitung hier ist durch die Ankunft von Fischer'« we Bruder aus Amsterdam vermehrt worden. Gestern be-^ ~ sah sich die Dame London, besonders die Läden mI Westend, Abends ging sie in's Theater. • bei
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eine geliebte Hand jeden Stein aus unserem Wege räuMD so wird unsere Dankbarkeit unsere Liebe noch erhöhe» Und einer Frau, die sich in so treuer Hut weiß, wilU @e viel Häßliches und Trauriges erspart. Sie geht gleich- ejn sam mit geschlossenen Augen daran vorüber und erstes.' gQ sich an Sonnenschein und Schönheit." mi
Eine augenblickliche Pause entstand. Das jung! fp, Mädchen hätte laut rufen mögen: „Ein solches Glö me beruht auf Täuschung, — ich will es nicht, — ich bei mein Theil an Erdensorge und Erdennoth auf mein1 W> Schulter nehmen — ich will sie tragen helfen denen, gej ich liebe — allen, die unter ihrer Last seufzen!" M An sie schloß die schon geöffneten Lippen wieder. Wü^ Ka es nicht wie ein Tadel gegen die Mutter aussehen? # bui sie ausblickte, begegnete sie dem Auge des Doktors. bei war ein warmer Blick, der von einem zum andern gWWor — ein Blick, der ihnen plötzlich zur Erkenntnis brad)1; wo daß ein Band der Sympathie, der Uebereinstimmung rec verbinde. Er hatte ihre Gedanken verstanden na theilte sie. u»
„Da habe ich nun," setzte Frau Anna das Gesp"" St fort, „Ihnen meine ganz subjektiven Ansichten über V glück ausgesprochen, ohne dabei zu bedenken, wie $ Interesse derartige Betrachtungen vorläufig für Sie St haben mögen. Aber das Nachdenken darüber wird f^ ^g kommen und mit der Zeit auch da» Glück selbst —" "" (Fortsetzung folgt. ) . j flo
— (Eine ängstliche Fra u.) Herr: „^! ^l Sie Ihren Herrn Gemahl doch einmal allein reisig Professorsfrau: „Nein, da vergißt er's Aussteigen »er
kommt dann nimmer wieder!"