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Gratisbettsgen r „IUrrftrirter Konntag-b!att" «. „IllUkrirte lan-wirthschaftliche Vettage
Zllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiser« lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil
Hersfeld, den 10. Juni 1901.
Bei Prüfung der Zählpapiere der Vieh- und Obst- baumzählung vom 1. Dezember v. Js. ist festgestellt worden, daß sie sehr oft unwahrscheinliche Angaben und sogar Lücken enthalten.
Auf den Zählkarten ist z. B. bei den Pferden vielfach., die Frage 5a „(Zuchthengste)" beantwortet, obgleich 1y?ih weiterer Pferdebestand nachgewiesen ist, oder in Landgemeinden sind oft durchweg Einträge bei der Frage 5d „Alle anderen 4 Jahre alte und älteren Pferde" vorhanden, obgleich mit Rücksicht auf die starke Rindviehhaltung die Pferde wahrscheinlich bei der Frage 5b „Ausschließlich oder vorzugsweise zu landwirthschaftlicher Arbeit benutzte Pferde" zu zählen waren.
— V Ferner wurde bei dem Rindvieh häufig die Frage 4a „Zur Zeit auf Mast gestelltes Jungvieh" oder 5a „Bullen (Zuchtstiere)" beantwortet, während die übrigen Fragen unausgefüllt geblieben sind. In solchen Fällen scheint irrthümlich angenommen worden zu sein, daß die Ge- sammtzahl des 1 bis 2 Jahre alten Jungviehes bezw. des über 2 Jahre alten und älteren Rindviehes an M diesen Stellen eingetragen werden sollte.
Auch die Fragen: „Nach zu I" und „Nach zu IV" der Zahl der in den letzten 12 Monaten im Gehöfte (Hause) überhaupt lebend geborenen Fohlen bezw. ***** Kälber sind vielfach nicht beantwortet.
, Bei den Schweinen erscheint es auffallend, wenn in E einem Zählbezirke oder einer Gemeinde ausschließlich die __| Frage VI 3c „Sonstige mindestens 1 Jahr alte Schweine"
ausgefüllt ist, oder nur die Frage VI 3a „Zuchteber" Zahlenangaben enthält. Auch die Einträge der Spalten 3 und 4 der Ortsliste E geben häufig zu Zweifeln Anlaß, weil sie im Widersprüche zu den vorhandenen Zählkarten stehen.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche in Kürze die Zählpapiere oder einen Theil derselben zurückerhalten, haben dieselben an den mit Fragezeichen kenntlich gemachten Stellen nochmals zu prüfen, nöthigenfalls nach
dem Stande vom 1. Dezember 1900 richtig zu und hierauf umgehend, spätestens aber bis 24. Juni d. Js. zurückzusenden.
Soweit Erläuterungen gefordert sind, müssen in kurzer verständlicher Form beigefügt werden.
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Streifbänder sind um die Zählkarten zu belassen.
I. 3230. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
In der Nacht vom 8. zum 9. d. Mts. wurden im Hotel „Zum Kurfürsten" hier ein Paar fast neue Lack-Zpgstiesel entwendet. — Dringend verdächtig ist eine unbekannte männliche Person ca. 40 bis bis 45 Jahre alt, 1,65 bis 1,68 m groß, blondes Haar, blonden Schnurr- und Knebelbart, braunen Rock und zerrissene Tuchhose (rechtes Hosenbein an der inneren Seite ausgeschlitztl. Kennzeichen: krumme Beine. Ich ersuche um ev. Festnahme und Nachricht.
Fulda, den 10. Juni 1901. Der Kgl. Polizei-Director.
Nichtamtlicher Theil
Berlin, 11. Juni.
Heute Morgen um 53/4 Uhr traf S e. Majestät der Kaiser mit Sonderzug von Wildpark am Tempel- Hofer Felde ein, stieg zu Pferde und begab Sich, begleitet vom Prinzen Friedrich Leopold, den Herren des Hauptquartiers, der Generalität des Gardekorps und den fremdherrlichen Offizieren auf das Feld, um hier die beiden Garde-Dragoner-Regimenter zu besichtigen. An die Besichtigung schloß sich von 3/48 Uhr ab ein kurzes Feuergefecht unter Mitwirkung des Augusta-Regiments und des 1. Garde-Feld-Artillerieregiments. Nach Kritik und einem Vorbeimarsch aller betheiligten Truppen setzte sich der Kaiser an die Spitze des 1. Garde-Dragoner- RegimentS und ritt nach dessen Kasernement. — Das Frühstück nahm Se. Majestät beim Offizierkorps dieses Regiments ein, gedachte beim Offizierkorps des 2. Garde-
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle
10 Pfg., im amtlichen Theile 18 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
Dragoner-Regiments zu diniren und Abends 11 */2 Uhr vom Lehrter Bahnhof nach Kiel abzureisen.
(Wehrkraft in Stadt und 2 a n b.] Der bekannte freisinnige Volkswirthschastler Professor Lujo Brentano hat seiner Zeit bekanntlich herausgerechnet, daß von den 1893 bis 1895 in das deutsche Heer eingestellten Militärpflichtigen „nicht einmal mehr ganz ein Drittel" aus überwiegend landwirthschaftlichen Distrikten $ stamme. Zur Grundlage für seine Statistik hatte Brentano die Gebiete des deutschen Reiches in überwiegend land- wirthschaftliche und überwiegend industrielle getheilt und nach diesen die Anzahl der Ausgehobenen berechnet, ohne aber die Anzahl der Gestellungspflichtigen zu kennen. Daß ein solches Verfahren nur zu irrigen Schlußfolgerungen führen kann, liegt aus der Hand. Zu einem ganz andern und richtigern Ergebnisse als Brentano ge« langte Dr. Bindewald unter Berücksichtigung der vom Lande nach der Stadt erfolgten Zuwanderung jener in den Jahren 1893 bis 1895 eingestellten 759 986 Militärpflichtigen ; darnach entfielen nur 288 755 auf Industrie, Handel und Verkehr, und der übrige, größere Theil von 501 231 auf die ländliche Bevölkerung. In seiner jüngsten, erst ganz kürzlich in den Schmollerschen Jahrbüchern veröffentlichten Untersuchung wendet Bindewald der Frage der Wehrhaftigkeit der städtischen und ländlichen Bevölkerung erneut seine Aufmerksamkeit zu. Er wählte zur Untersuchung zunächst die Stadtkreise Halle und Hannover als Typen von Großstädten mit bedeutender und gesunder Entwickelung von Handel und Industrie, ferner Linden (Vorstadt von Hannover) als Typus einer modernen, rapid entwickelten Industrie-Stadt. Diesen Städten stellte er dann als ländliche Kreise einmal zur Seite den Kreis Hannover-Land, der bei ge« ringem räumlichen Umfang und guter Bodenqualität neben der landwirthschaftlichen zugleich eine hohe industrielle Entwicklung aufweist, sodann den Saalkreis als Typus eines Landkreises mit hochentwickelter erstklassiger Acker- bau-Kultur und nicht unbedeutender Industrie-Entfaltung, endlich den Kreis Uelzen als Typus eines rein ländlichen Kreises, der räumlich zwar umfangreich ist, dagegen geringere Bodenqualität aufweist und bei ganz vörwiegen- dem Klein-Grundbesitz eine nennenswerthe Industrie nicht enthält. Das Gesammt - Ergebnis seiner sorgsamen Prüfungen und Untersuchungen faßt Bindewald in dem Satze zusammen: „Die Militärtauglichkeit der ländlichen Bevölkerung überwiegt diejenige der städtischen Bevölke-
> .Mach schwerem Kampfe.
- M Erzählung von Hans Warring.
(Fortsetzung.)
4|i „Muttchen, ist es gerecht, wenn man ihm nach dem Schweren, und Bittern, da« er erfahren, sein ernstes, verschlossenes Wesen zum Vorwurf macht? Verdient er i0 nicht mehr Mitleid als Tadel?"
Sie hatte mit der Innigkeit eines bittenden Kindes gesprochen, aber der leise Vorwurf, der in ihren Worten । enthalten war, fiel dennoch der Mutter schwer aufs ' Herz. Es war zum ersten Mal, daß das Kind sich nicht ist. willenlos der Ansicht der vergötterten Mutter fügte, daß II«1 e6 frir einen anderen gegen die Mutter kämpfte. Und ^ noch etwas erschreckte sie: also schon seit dem Herbst Riy trug sie es heimlich mit sich herum, schon seit dem Herbst i* sich ihre Gedanken mit ihm beschäftigt, und sie, M die Mutter, der sonst keine Regung des Kindes verborgen M geblieben war, sie hatte keine Ahnung davon gehabt I sich also wirklich ein trennendes Etwas ö , wen sie und ihr Kind geschoben! Eine Bitterkeit t^, woute in ihr aus, auch gegen den Schwager, der gerade Diesen, diesen Mann sich zu seinem Assistenten erwählen und in die Familie einführen mußte, während er doch ? ? , k 9°scheidte und strebsame junge Aerzte aus tadelloser Familie, mit hochgeachtetem Namen zur ^ Auswahl hatte. Aus ihren Gedanken weckte sie die Stimme ihres Kindes.
„Kannst du es fassen, Mutling, wie ein Vater sein
eigenes Kind hassen kann? Es ist so furchtbar und unnatürlich! — Was für ein harter, böser Mann muß dieser Vater sein, und welchen Grund mag er haben?"
„Ich denke, wir zerbrechen uns nicht den Kopf darüber, entgegnete Frau Anna Cramer ablehnend. „Ich habe der Sache nie nachgeforscht und auch nie Näheres darüber erfahren. Denn dein teurer Vater war der Ansicht, daß man es dem reinen Sinn einer Frau ersparen müsse, in den tiefen Abgrund menschlicher Schuld und menschlicher Leidenschaft zu blicken. Ich bin ihm dankbar dafür gewesen und habe seinen Willen auch hierin, wie stets, respecktiert. Ich weiß nur, daß — es mögen etwa zwanzig Jahre her sein — ein Prozeß, der weit über die Grenzen der Provinz hinaus Interesse erregte, dem Namen Bergentien eine traurige Berühmtheit verliehen hat I"
„Und du glaubst, daß dieser Prozeß im Zusammenhang steht mit der Abneigung des Vaters gegen sein Kind?" Die klugen, tiefen Augen des jungen Mädchens ruhten auf dem Gesicht der Mutter. Sie waren gewöhnt, in den geliebten Zügen zu lesen, und es entging ihnen auch jetzt nicht, daß diese unumwundene Frage Frau Anna einigermaßen in Verlegenheit setzte. Wie sie doch immer gleich auf den Kernpunkt der Sache kommt! dachte sie. Es ist wirklich nicht leicht, dem Kinde etwas, das sie wissen will, zu verheimlichen. Sie ist ein Juristen- Kind. Sie hat vom Vater den scharfen Blick und daö logische Denken.
Laut aber sagte sie: „Ich habe gedacht, daß es so sein könnte. — Nun aber genug, Susy, von dem Manne und der ganzen Sache, die mir beide kein erfreuliches
Gesprächsthema sind. Du könntest übrigens einmal in die Küche gehen und Sophie sagen, sie möge sich mit der Hühnersuppe so einrichten, daß unser altes Jettchen noch einen Teller davon bekommen kann. Und Minna soll sich bereit halten, ihn hinzutragen!"
Aber es war in den Sternen geschrieben, daß es Frau Justizrat Cramer heute nicht gelingen sollte, „den Mann" bei Seite zu schieben. Denn kaum halle Susanne ihren Fensterplatz wieder eingenommen, als sie mit etwas erhöhter Farbe einen Gruß erwiderte, den jemand, den die Mutter nicht sehen konnte, ihr von der Straße her geboten hatte.
„Mutting," sagte sie mit etwas gepreßter Stimme, „da kommt Doktor Bergentien, — er tritt eben ins Haus — ich denke, er wird uns feinen Besuch machen wollen!"
„Weshalb meinst du das?" fragte Frau Anna mißtrauisch. „Er kann ja ebenso gut oben bei Oberst von Sacken als Arzt vorsprechen I"
„Ja, das ist möglich, — aber ich meine, daß er, wie Onkel und Tante sich zu ihm gestellt haben, nicht unihin können wird, der Familie Besuch abzustalten. Bei Tante Cläre ist er auch gewesen!"
Draußen tönte die elektrische Glocke, und das öffnende Mädchen wechselte einige Worte mit dem Kommenden. Die klangvolle Männerstimme überzeugte Frau Anna, daß ihre Tochter recht hatte. Sie seufzte und murmelte etwas von „unseliger Wahl und von Beziehungen, die einem gegen seinen Willen aufgedrängt würden!" Aber sie sprach so leise, daß ihre Tochter den Wortlaut nur ahnen