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Lauterbach, den 8. Juni 1901.

Mit Rücksicht auf die Verbreitung der Maul- und Klauen­seuche in unserem Kreise haben wir uns veranlaßt gesehen, auf Grund des § 28 des Reichsviehseuchengesetzes den für Don­nerstag den 13. L Mts. nach Lauterbach bestimmten Vieh- Prämien) Markt einzustellen. Wir ersuchen Sie ergebenst um gefällige Bekanntmachung in Ihrem Kreisblatte.

Gr- Kreisamt. Dr. Wallau.

An das Königliche Landrathsamt ig Hersfeld.

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 10. Juni 1901.

I. 3209. Der Königliche Landrath

Freiherr v on Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: ein goldener Ring. Meldung der Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 9. Juni.

Se. Majestät der Kaiser nahm gestern Abend das Diner beim Offizierkorps des 1. Garde-Feldartillerie- RegimentS ein und kehrte um 10 Uhr nach dem Neuen Palais zurück. Heute Morgen besuchten beide Majestäten den Gottesdienst in den Communs. Später unternahmen Ihre Majestäten einen Spaziergang in Sanssouci. Heute Nachmittag um 2 Uhr 30 Min. empfing Seine Majestät der Kaiser den Kultusminister Dr. Studt, den Hofbaurath Jhne, den Rektor, der Universität Professor Harnack und Dr. Freiherrn von Bissing.

Der Kaiser hat dem Prinzen Johann Georg von Sachsen auf die Anzeige von der glücklich vonstatten ge­gangenen Taufe und dem Stapellauf des Linienschiffes Wettin" nachstehendes Telegramm nach Danzig gesandt: Ich danke dir für die Meldung vom glücklich erfolgten Stapellauf des Linienschiffes, welches durch deine Frau den NamenWettin" erhalten hat, und freue mich, diese damit unter die Taufpaten meiner Marine eingereiht zu sehen. Uebermittele ihr dafür mit meinen Grüßen meinen Dank."

Nach in Hannover denBerl. N. N." zufolge ein» gegangenenPrivat-Nachrichten will GrafWaldersee auf der Rückreise von Ostasien weder Amerika noch Deutsch- Ostafrika besuchen, sondern beabsichtigt, über Shanghai und Aden ohne weitern Aufenthalt heimzukehren, sodaß seiner Ankunft in Deutschland vor Mitte August ent­gegengesehen werden kann.

ImReichs-Gesetzblatt" ist das Gesetz, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen, vom 31. Mai und das Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum Reichs- H a u sh a l t s e tat für das Rechnungsjahr 1901 vom 3. Juni, publizirt worden.

Dem Vernehmen derBerl. Pol. Nachr." nach werden die preußischen Minister, welche sich nach den von einem Nothstände bedrohten Provinzen begeben, um an Ort und Stelle durch persönliche Einsichtnahme in die Verhältnisse und Besprechung mit sachkundigen Personen sich über den Umfang und die Mittel zur Vorbeugung und Abhülfe der Noth schlüssig zu machen, die Reise im Laufe der kommenden Woche antreten.

In einem an die Provinzialschulkollegien gerichteten Erlaß macht der Kultusminister auf die neuerdings mit Erfolg versuchte Ausbildung der Seminaristen und Volks- schullehrer zur freiwilligen Krankenpflege im Kriege auf­merksam. In den Provinzen Ostpreußen und Schleswig- Holstein sind Genossenschaften ins Leben gerufen worden, welche die Ausbildung der Volksschullehrer zu freiwilligen Krankenpflegern im Kriege sich zur Aufgabe gestellt haben, und es wird in allen Lehrerseminaren ein jährlicher Vor- bereitungskursus hierfür abgehalten. Besonders wurden Turnlehrer auf den chirurgischen Universitäten für diese Zwecke unterwiesen, und es sind überall gute Erfolge erzielt. Der Kultusminister legt den Provinzialschul­kollegien die Förderung dieser Angelegenheit in den

war. Beide Damen arbeiteten ruhig an ihrer Stickerei weiter, als ob nichts geschehen sei, und doch waren sich beide bewußt, daß mit diesem Namen etwas Neues, bis­her Fremdes in ihr Leben getreten war.

Es kann nicht sein, es darf nicht sein!" dachte die Mutter.Dieser Mann darf nicht, in unsere Familie treten, dieser Name darf nicht neben dem unseren genannt werden! Wie sollten wir uns zu seinem Vater stellen, diesem Manne, der auf der Verbrecherbank ge­sessen und den nur eine geschickte Vertheidigung vor der härtesten Strafe, welche die zivilisirte Welt kennt, geschützt hat! Es ist unmöglich, es kann nicht sein!"

Ihr Blick ruhte sorgenvoll auf ihrem Kinde. Die Wangen des jungen Mädchen glühten, nicht vom Wieder- schein der warmen Märzsonne, die das blonde Haupt streifte und jedes Härchen darauf wie Gold erglänzen ließ, sondern von einer mächtigen inneren Erregung, die das warme junge Blut in Wallung gebracht hatte.

Ist er dir wirklich so unsympathisch, Mutter? Was mißfällt dir an ihm? Findest du ihn häßlich?"

Zwei tiefe, schöne Augen sahen zu ihr herüber, flehend, als hinge von ihrem Ausspruch Tod oder Leben ab. Dieser Ausdruck, die Kindlichkeit der Frage und der Anblick der zarten, noch überschlanken Gestalt wirkten auf die Mutter beruhigend. Sie ist ja noch ein Kind, sagte sie sich. Von einer ernsten Liebe kann ja bei ihr noch garnicht die Rede sein! Nur die Sache nicht zu etwas Großem aufbauschen leicht darüber hinweg­gehen das ist das Klügste!

Häßlich? Bewahre!" Sie schüttelte lächelnd das Haupt.Das könnte niemand finden! Die meisten finden ihn sogar höchst interessant aussehend, und sie mögen

Seminaren besonders ans Herz und sieht Berichten über den Fortgang dieser Bestrebungen zum 1. März nächsten Jahres entgegen.

Die Einnahmen der Reichs-Post- und Telegraphen­verwaltung im Rechnungsjahre 1900 betragen dem Centralblatt für das Deutsche Reich" zufolge 394 542 596 Mark, 20 908 695 Mk. mehr als im Vorjahre, die Ein­nahmen der Reichs-Eisenbahnverwaltung im abgelaufenen Rechnungsjahre 89 743190 Mk, b. f. 2 848 431 Mk. mehr als im Vorjahre.

Im Reichspostamte finden Berathungen darüber statt, wie die Beamtenlaufbahn der Reichs-Post- und Telegraphen-Angestellten künftig zu gestalten sei. An den Berathungen nehmen auch Vertreter anderer Ressorts und der preußischen Ministerien statt. Es handelt sich darum, die PrüfungS- und Ausbildungs-Vorschriften für die künftigen Anwärter im einzelnen festzustellen.

Die Anzahl der im Monat April in Deutschland neu begonnenen Ausstände betrug nach demArbeits­markt" 59. Davon entfallen auf die einzelnen Gewerbe: auf Bergbau, Hütten 2, Steine und Erden 9, Metalle und Maschinen 10, Textilgewerbe 4, Holz- und Schnitz­stoffe 1, Nahrungsmittel 3, Bekleidung 7, Baugewerbe 11 und die übrigen Gewerbe 12.

In einer Sonderausgabe desMilitär-Wochenblatts" wird die am 6. Juni vom Kaiser verfügte Stellen- besetzung für die Ost asiatische Besatz­ungsbrigade bekannt gemacht. Den Befehl über die aus drei Infanterie-Regimentern, einer Eskadron Jäger zu Pferde, einer Feldartillerie-Abtheilung, einer Pionierkompagnie, einer Sanitäts-Halbkompagnie, einer Etappen - Kommandantur und zwei Feldlazarethen be­stehende Besatzungsbrigade hat der Generalmajor v. Rohr- scheidt erhalten.

C^tna.

Die deutsche Presse äußert mit wenigen Ausnahmen große Befriedigung darüber, daß wir mit Ehren aus den chinesischen Wirren herausgekommen sind und unsere Krieger bald in die Heimath zurückkehren werden. All­gemein ist das Gefühl, daß sich die deutsche Diplomatie in einer äußerst schwierigen Lage befand, und dieses Gefühl würde sich wahrscheinlich noch verstärken, wenn man alle Einzelheiten der wechselreichen Verhandlungen zwischen den Vertretern in Peking und jedes einzelnen mit seiner Regierung und der Kabinette unter einander genau kennte.

Durch die Ermordung unsers Gesandten war Deutsch­land stärker in die Sache verwickelt worden, als es seine direkten politischen und wirthschaftlichen Interessen gegen die Boxer-Unruhen erforderten. Die Boxer-Gefahr an sich war nicht so groß, aber ernste Gefahr drohte infolge der Verschiedenartigkeit der Interessen der betheiligten Mächte. Japan zeigte Neigung, das wieder zu gewinnen, was ihm bei dem Friedensschlüsse von Schimonoseki ent­gangen war, eine feste Stellung auf dem chinesischen Festlande, etwa in der Provinz Fukhien. Rußland stand unter dem Verdachte, seinen sibirischen Besitzungen die Mandschurei angliedern zu wollen. England machte Miene, für sich ein Handelsmonopol in den reichen Ge­bieten des Aangtse auszurichten. Die Vereinigten Staaten von Amerika suchten zwar so wenig als Deutschland Land-Erwerb, aber sie zeigten sich gerade in dem Ehren- punkt, der uns am meisten berührte, am unempfindlichsten unter allen Mächten, was den Versuchen der chinesischen Diplomatie, Drachenzähne zu sähen, zu gute kam.

Es kam also vor allem darauf an, alle die aus­einanderstrebenden Sonder-Jntereflen unter den Druck einer gemeinsamen Kulturmission zu setzen, und es war der Graf v. Bülow, der zuerst in seinem Cirkular vom Juni vorigen Jahres mit aller Deutlichkeit das gemein­same Ziel: Sühne und Entschädigung aufstellte. Hieran

recht haben. Mir will nur der Ausdruck seines Gesichts nicht recht gefallen. Er steht finster aus, und seine Augen haben einen für seine Jahre zu festen, um nicht zu sagen harten Blick. Man sagt immer, ein guter Arzt muß auch ein guter Mensch sein. Er steht aber nicht aus wie ein guter Mensch!"

«O Mutting!"

Das soll nicht etwa heißen, daß ich ihn für einen bösen Menschen halte. Behüte! Im Gegentheil, ich halte ihn für einen zuverlässigen Charakter, der stets und unter allen Umständen da» thun wird, was er für seine Pflicht erkennt. Aber herzensgut und herzenswarm, da» ist er nicht, danach sieht er nicht aus!"

Wieder entstand eine Pause im Gespräch. Das junge Mädchen ließ die Hände sinken, lehnte im Stuhl zurück und blickte sinnend in die Lust hinaus. Von dem großen Eckfenster aus, wo sie saß, konnte sie die ganze ^ort« straße bis zu ihrem fernsten Ende übersehen. Auf den beiden Trottoirs fluthete eine fröhliche Menge, die sich von der warmen Märzsonne bescheinen ließ. Hellfarbige Frühlingskostüme, Blumenhüte, Uniformen wogten durch­einander und bildeten ein frohes, farbenreiches Gewühl. Sie aber sah davon nichts, ihr ganzes Denken war auf das Eine, Uebermächtige gerichtet, da» so plötzlich in ihr Leben getreten war und sie losgelöst hatte von der Welt der kleinen alltäglichen Freuden und Sorgen, in der sie bisher so friedlich hingelebt.

Er sieht nicht aus wie ein glücklicher Mensch," sagte sie endlich, sinnend und langsam sprechend.Eine frohe Kindheit hat er nicht gehabt Elternliebe hat er nie kennen gelernt"

Was weißt du davon ?" fiel ihr die Mutter ins Wort.

hat die deutsche Politik konsequent festgehalten, und f^ Rückzug der deutschen Truppen begann zur selben Z^ als der Ehre genug gethan und die Entschädigung F sichert war. Inzwischen hatte die stets die Gemeinst feit der Kultur-Interessen voranstellende deutsche Poltz noch den Erfolg gehabt, daß sie England zu einem trag veranlaßte, der die chinesische Thür für den Hoch aller Nationen gleichmäßig offen halten soll. Die % fürchtung, daß dieser Vertrag eine Verstimmung zwis^. Berlin und Petersburg bewirken werde, hat sich ebktz wenig verwirklicht wie die andere, daß uns das beutst Oberkommando den Neid und Aerger andrer Nation- zuziehen könnte. Die Thätigkeit des Grasen Waldch war, wenn ihr auch große militärische Lorbeeren verfi blieben, doch insofern nöthig und fruchtbar, als sie ernt Konflikte unter den verschiedenen Kontingenten verhindert die den besten Willen der Kabinette hätten durchkreuz können.

Fassen wir schließlich ins Auge, wie jeder fallt Schritt unserer Diplomatie in Ostasien übel auf unk Lage in Europa zurückgewirkt hätte, und wie freuM sich thatsächlich unsere Beziehungen, nicht nur innech des Dreibundes, sondern auch mit den Zweibund-Mätz und mit England erhalten haben, so muß schon ein hir Grad von voreingenommener Nörgelei oder kalkulatoriA x, Verronntheit dazu gehören, von einem Defizit bei Lösung der uns aufgedrungenen chinesischen Aufgabe sprechen.

* * *

Berlin, 8. Juni. Eine Mittheilung des Krie, Ministeriums über die Fahrt der TruppentransportsO lautet: Die Ostasiatische Munitions-Colonnen-Abtheilm hat die Heimreise nach Deutschland in der Stärke w 10 Offizieren, 599 Mann auf dem Reichspostdampf Hamburg" am 8. Juni in Shanghai angetreten. L fahrplanmäßige Ankunft in Bremerhafen erfolgt o 23. Juli.

Hamburg, 8. Juni. Die Leiche des in Chi> ermordeten Hauptmanns Bartsch ist heute Mittag in dem LloyddampferPrinzeß Irene" hier eingetrch und mit der Eisenbahn nach Slriegau in Schick weiterbefördert worden, wo die feierliche Beisetzung erfok

Str Krieg in ZilKfrika.

Das englische Unterhaus ist unverwüstlich in b Bewilligung von Kriegskrediten; soeben genehmigte i eine Forderung von mehr als 300 000 000 Mark ji Beschaffung von Transportschiffen und Pferdemateii« für den Transvaalkrieg. Trotzdem aber durch den Rrif so gewaltige Summen ins Rollen gesetzt werden, erhalt«' die Freiwilligen in Südafrika doch ihren Sold nicht ant gezahlt. Diese Thatsache ist jedoch nicht auf Knauferik keit ober Geldverlegenheit zurückzuführenvielmehr hat die Heeresleitung den Freiwilligen' ihren Sold r-vr, diese zu verhindern, in Massen zu desertiren. Nur W Umstand, daß sie noch Geld zu bekommen haben, hält 68 Leute auf dem Kriegsschauplatze, auf dem ihnen Lorbeer« nicht mehr in Aussicht stehen, zurück.

Lord Kitchener fährt fort, sich in der Tugend d« Schweigsamkeit zu üben. Obwohl auch in den letzt« Tagen einwandsfreien Berichten zufolge an mehren Orten des Kriegsschauplatzes mehr ober minder bedeuten! Gefechte stattgefunden haben, beobachtet Lord Rittern über diese Ereignisse doch die tiefste Verschwiegenh« Die Kämpfe werden also wohl nicht nach Wunsch am gefallen sein.

Pretoria, 8. Juni. Gestern früh ereignete W in der Nähe von Pretoria auf der Pietersburglinie ei Eisenbahn-Unfall. Ein mit Truppen gefüllter Zug ß mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommend! Zuge zusammen. 9 Soldaten wurden getödtet, mehr« verwundet.

Nur, was der Onkel zu Tante Marie sagte, bann- als er ihn zu seinem Assistenzärzte angenommen hat' Das ist einer, sagte er, den ich dir so recht zum Glö machen empfehlen kann. Konkurrenz wirst du dabei nd zu überwinden haben, denn seine Mutter ist tobt, W du weißt, und sein Vater hat von jeher eine Abneig«W gegen ihn gehegt. Er ist freudlos unter Fremden gewachsen deine mütterliche Liebe wird also auf gs brachliegendes Ackerland fallen. Sieh, Mutting? diese Worte habe ich viel denken müssen, noch ehe ihn kennen lernte. Und als der Onkel ihn bann ganzen Familie vorstellte es war am ersten A! nachtsfeiertag abends, auf der Gesellschaft, die sie g da sah er so blaß, so ernst und so freudlos | wie ich dachte, daß er aussehen müßte, der Arme, ) nie Elternliebe kennen gelernt hatte. Alles um ihn jubelte, lachte und tanzte, er aber hat den ge? Abend nicht ein einziges Mal gelacht, nur hin und ein klein wenig gelächelt, aber mehr aus Gefälligkeit' andere, als daß es ihm so zu Muth gewesen wäre. W nun"

Und nun ?" fragte die Mutter, da das junge Mdv stockte.

(Fortsetzung folgt.) ^

(I n d e r E i l e.) Kundin :Das präi^ Mastkalb, das Sie geschlachtet haben, ist wohl reM weggegangen?" Schlächter:Na, ick sage N" davon habe ich allein elf Lebern verkauft! " ,

(I m Handschuhlake n.) DroschkenkuW' Ich möcht' ein Paar Handschuhe." Verkaufs Welche Nummer?" Kutscher:322."