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ersfelder Kreisblatt

GpatkrbeUage« rIUustrirter Ssnnragrblatt" tuIUAftrikLe lan-wirthschaftliche VeUage

Jk. 88.

Donnerstag Den 6. Zum

1901.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt"--» Jllustrirtelandwirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiser* lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 31. Mai 1901.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich hier­mit auf die im Amtsblatt Nr. 22 zur Veröffentlichung gelangten Vorschriften für den Geschäftsbetrieb der Trödler und Kleinhändler mit Garnabfällen oder Dräumen von Seide, Wolle, Baumwolle oder Leinen besonders aufmerksam.

Im Jntereffe einer eingehenden Ueberwachung sind . zum Mindesten einmal im Jahre die Geschäftsbücher einzusehen. Für die Bestrafung sind die Vorschriften des § 148 Absatz 1 Ziffer 4a der Gewerbeordnung in der Fassung des Gesetze» vom 30. Juni 1900 maßgebend. Die Bestimmungen vom 18. März 1885 (Amtsblatt S. 66) kommen, soweit sich dieselben auf den Trödel- Handel beziehen, hierdurch in Wegfall.

J I. 2859. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 31. Mai 1901.

Gemäß § 19 des Gesetzes vom 4. Dezember 1899, A betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Lehrer an öffentlichen Volksschulen (Ges.-S. S. 587) $ sind die von den Schulverbänden auf Grund des § 18 & der im Amtsblatt Nr. 22 von 1871 veröffentlichten * Satzungen der Elemenlarlehrer-Wittwen- und Waisen- % lasse des hiesigen Regierungsbezirks vom 13. Januar $ 1871 an diese Kasse zu zahlende Gemeindebeträge von ^ jährlich 12 Mk. für jede Lehrerstelle vom 1. April d. Js. ab von Jahr zu Jahr um 1 Mark herabzusetzen.

M Eine Verwechselung.

Eine Erzählung von C. Borge».

(Fortsetzung.)

Daran habe ich nie gedacht!" stöhnte sie endlich. Ich kann den Gedanken kaum fassen, eine andere auf dem Platze zu sehen, der mir gehört!"

Da« könnte leicht geschehen, wenn Sie es nicht g verhindern! Bedenken Sie, was ich Ihnen sage, und schreiben Sie Ihrem Gatten! Jetzt muß ich Sie ver- ; lassen. Mein Mann wartet gewiß schon lange auf mich. B Wir müssen nach Schloß Burgeck fahren; denn wir haben Johanna Zellberg versprochen, den jungen Grafen der in diesen Tagen von seiner Hochzeitsreise zurück- lehrte zu fragen, ob er uns Einzelheiten über ihre E arme verunglückte Verwandte geben kann. Wir thun es ; er ist gewiß genug mit dieser Angelegenheit belästigt. Aber sie war mit ihm auf demselben Schiffe, er muß sie oder die Schwester, die später in Marseille starb, doch gekannt haben!"

H --^ Die Gouvernante blickte flehentlich zu ihrer mütter­lichen Freundin empor.

, »Wollen Sie mir ganz genau berichten, wie die junge 5 Gräfin aussieht, ich möchte wissen, ob sie glücklich < ist," hauchte sie matt.

i ». * '^^ !"^ ^br glücklich sein, denn der junge Graf hat da» edelste Herz in der Welt I"

r Das Glück war ihnen nicht günstig, denn als der

Die Königliche Kreistaffe ist angewiesen, von den Schulverbänden für das Etatsjahr 1901 nicht 12 sondern 11 Mk. und in jedem weiteren Jahre 1 Mk. weniger als im vorhergehenden für jede Stelle zu erheben, so daß die Gemeinden vom Rechnungsjahre 1912 ab von den Abgaben an die Elementarlehrer-Wittwen- und Waisenkasse (die zu unterscheiden ist von der in Folge des obengenannten Gesetzes eingerichteten Volksschul- lehrer-Wittwen- und Waisenkasse) vollständig befreit werden.

Die bis zum Jahre 1911 zu entrichtenden Beiträge werden in Zukunft in einer Summe von der Schul- ortsgemeinde erhoben und diese hat sodann die Untervertheilung derselben auf die einzelnen Schulver- bandsgemeinden gleich den übrigen Kosten des Schul- verbandes zu bewirken, welche Neuerung sich die Herren Bürgermeister der aus mehreren Gemeinden bestehenden Schulverbände zur Nachricht dienen zu lassen haben. I. 2937. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. Juni 1901.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises mache ich im Anschlüsse an meine Ver­fügung vom 18. Februar d. Js. I. L Nr. 1045, im Kreisblatt Nr. 22 nochmals darauf aufmerksam, daß sie die Abfohlungsergebnisse in die ihnen zugehenden Deckregister recht genau einzutragen und letztere b i S spätestens zum 20. Juni d. I«. an die betreffen­den Stationswärter zurückzusenden, die Pferdezüchter auch an die ungesäumte Einzahl ung der fälligen Deck- und Füllengelder an die Stationswärter zu erinnern haben, l. HOL Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. Juni 1901.

Der Landwirth Georg Adam W e i tz in Harnrode ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich ver­pflichtet worden.

A. 1713. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Doktor mit seiner Gattin auf Schloß Burgeck ankam, war der junge Graf auf der Jagd. Gertrud fand zu ihrer Ueberraschung die junge Gräfin garnicht fremd ; ihre Gefichtszüge, die Sprache, sogar die Bewegungen schienen ihr ganz bekannt.

Ich muß Sie früher schon gesehen haben," sagte sie im Laufe des Gespräches,nur kann ich mich nicht besinnen, wo und wann!"

Die Gräfin lächelte.

Ich bin noch niemals vorher in Deutschland gewesen, also ist an eine frühere Begegnung wohl kaum zu denken. Allein Aehnlichkeiten kommen oft im Leben vor!"

Jetzt weiß ich'S," jubelte Frau Trsnk,ja, die Aehnlichkeit ist wirklich auffallend. Aber unsere Gou­vernante hat gar keine Verwandte in der Welt, das arme, gute Kind!"

Sie hat in Ihnen eine treue Freundin," lächelte die junge Gräfin,und ich empfinde innige Theilnahme mit ihr, denn ich stehe auch allein, ohne Verwandle in der Welt!"

Endlich wagte Gertrud, von dem Auftrage zu sprechen, den Johanna ihr gegeben hatte.

Die Gräfin schüttelte traurig das Haupt.

Wir wissen garnicht, was aus Frau Zellberg ge­worden ist," sagte sie wehmütig.Ich bedauere aufrichtig ihren Gatten und ihre Freunde, aber ich glaube kaum, daß sie gerettet wurde!"

Ich will das Johanna erzählen; sie kann sich noch garnicht über den Verlust trösten," erwiderte Frau Trenk.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 4. Juni.

Se. Majestät der Kaiser hörte gestern noch den Vortrag des Chefs des Marinekabinets, Vizeadmirals Freiherrn v. Senden-Bibran, und empfing den württem- bergischen Staatsminister v. Breitling in Audienz. Beide Herren wurden mit einer Einladung zur Frühstückstafel beehrt. Zur Abendtafel waren Botschafter v. Radowitz und Oberhofprediger Dr. Dryander geladen. Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten einen Spazier­ritt. Von 9 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Grafen v. Hülsen- Haeseler.

Der 16. Juni ist, derKreuz-Ztg." zufolge, darum für die Feier der Enthüllung des Bismarck-Denkmals gewählt worden, weil an diesem Tage vor dreißig Jahren der erste Kanzler des Deutschen Reiches zwischen dem Grafen Moltke und Roon im Gefolge Kaiser Wilhelms I. an der Spitze der aus Frankreich heimkehrenden Truppen seinen Einzug durch das Brandenburger Thor hielt.

Anläßlich der ihm über den Saatenstand in den östlichen Provinzen zugegangenen bedroh­lichen Nachrichten hat der Ministerpräsident Graf von Bülow die Minister des Innern, der Finanzen und für Landwirthschaft ersucht, alsbald eine gemeinsame Be­reifung der gefährdeten Bezirke vorzunehmen.

Das am 1. Oktober 1901 in Kraft tretende neue W e i n g e s e tz verbietet den Verkauf und das Feilhalten von Getränken, welche den Vorschriften in § 3 des Ge­setzes zuwider oder unter Verwendung eines nach § 2 Nr. 4 nicht gestatteten Zusatzes wässeriger Zuckerlösung hergestellt sind. Damit ist im Gegensatz zu dem gegen­wärtig geltenden Gesetz über den Verkehr mit Wein vom 20. April 1892, welches den Verkauf von Kunstwein unter der Angabe, daß es sich um ein Ersatzprodukt handelt, für zulässig erklärt, ein unbedingtes Verbot des Handelsverkehrs mit solchen Getränken, die im praktischen Leben zu den Kunstweinen gezählt werden, ausgesprochen. In einer Uebergangsbestimmung läßt das Gesetz, und zwar bis zum 1. Oktober 1902, eine Ausnahme von diesem Verbot für Getränke der bezeichneten Art, welche bei Verkündung des Gesetzes bereits hergestellt waren, dann zu, wenn die Getränke innerhalb eines Monats nach der Verkündung des Gesetzes, also bis zum 29. Juni 1901, angemeldet, die Vertriebsgefäße mit entsprechendem

|Wenn sie nur wenigstens die junge Verwandte gesehen oder sie gepflegt hätte, so würde es minder schrecklich sein. Die beiden Schwestern hatten ein trauriges Los. Frau Zellberg verunglückte auf dem brennenden Schiff; die Schwester starb in Marseille!"

Wissen Sie, wo die Schwester begraben wurde?" fragte die Gräfin plötzlich.Wir waren in Marseille, forschten überall nach, aber selbst im Todtenregister war der Name nicht zu finden!"

Wie sonderbar! Ich las selbst den Brief, den eine Dame an Johanna Zellberg schrieb, und der den Tod anzeigte, aber den Namen habe ich vergessen!"

Der Doktor trat mit seiner Gattin den Rückweg an. Schweigend fuhren sie dahin. Gertruds Gedanken waren zu sehr mit dem Geheimnisse beschäftigt, das die Gouver­nante ihr anvertraut hatte, und fühlte sich zu einer Unterredung nicht aufgelegt. Endlich unterbrach sie das Schweigen.

Findest du nicht eine große Aehnlichkeit zwischen der Gräfin und unserer Gouvernante?"

Nein!" versetzte er schnell.Fräulein Wildhaben ist immer traurig, aber die Gräfin strahlt vor Glück und Freude!"

Noch am selben Abend kam die Gouvernante zu Frau Trenk.

Wie sieht die Gräfin aus?" fragte sie gespannt.

Sie ist sehr schön!"

Ist sie glücklich?'

Welch eine Frage! Freude, Glück und Zufriedenheit