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Altmorsche«, 29. Mai. Die Pestalozzischen Thon- und Kalkwerke sind zum öffentlichen Verkauf gekommen und für den verhältnißmäßig geringen Preis von 50 000 Mark von einem Herrn aus Altmorschen erstanden worden.

Wetter, 26. Mai. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr zog über unsere Gegend ein recht schweres Ge­witter. In Treisbach schlug der Blitz in das Anwesen des Landwirths Johannes Dersch und entzündete die Scheune. Dieselbe brannte vollständig nieder. Der ent­standene Schaden belauft sich auf etwa 6000 M.

Fulda, 28. Mai. Wie aus dem großen Eisenbahn- Knotenpunkt, aber kleinen Dorfe Bebra verlautet, geht es jetzt allen Ernstes an den Um- bezw. Neubau des dortigen, den gesteigerten Ansprüchen schon lange nicht mehr genügenden Bahnhofs. Zunächst sollen daselbst Unterführungen eingerichtet werden, wodurch endlich die unschöne, langgestreckte eiserne Zugangsbrücke über das Schienennetz für den Abbruch reif würde; die Postab­theilung soll aus dem nördlichen Flügel des alten Bahn­hofs in einen neuen Raum verlegt werden. Die Güter­abfertigung soll von der Personenbeförderung getrennt werden. Deshalb wird man um die Erbauung zweier Nangirbahnhöfe nicht herumkommen, von denen der eine gegen Lispenhausen, der andere gegen Weiterode anzu- legen geplant ist. Man veranschlagt die Baukosten auf 3 Millionen Mark.

Frankfurt a. M., 30. Mai. Ein Blitzstrahl warf bei Kaiserslautern 6 Feldarbeiterinnen zur Erde, die eine wurde getödtet, die übrigen erlitten Brandwunden.

Eisenach, 30. Mai. Der 23jährige Student Fischer erschoß aus Eifersucht die 17jährige Martha Amberg mit vier Revolverschüffen; er stellte sich dann selbst der Polizei.

Mainz, 30. Mai, Der Gärtner Horn in Kastei, der erst seit einigen Wochen verheirathet ist, schleppte in der Dienstag-Nacht seine Frau bei einem Spazier- gang zu einem Steinbruch und versuchte sie zu ermor­den. Dabei wurde er von Krämpfen befallen, und die Frau konnte fliehen. Als Horn gestern von der Polizei verhaftet werden sollte, lief er, verfolgt von Schutzleuten, an den Rhein und stürzte sich in den Strom. Plötzlich schwamm er wieder zum Ufer und ließ sich festnehmen.

Gotha, 29. Mai. Von schönstem Wetter begünstigt, wurde hier das zehnte Turnfest des Verbandes der Tnrnerschasten aus deutschen Hochschulen gefeiert. Den Veranstaltungen wohnte auch der Regent von Coburg- Gotha bei, der an die Turner eine Ansprache hielt. Die TurnerschastAlsatia" (Straßburg) errang den Ehren- schilv des Verbandes alter Tnrnerschasten. Ihr Mit­glied Studioses von der Waphe war Sieger im Fünf­und Sechskamps.

Verwischtes.

Vor dem Kriegsgericht in G u m b i n n e n hat am Mittwoch der Prozeß gegen die Dragoner-Unter- ossiziere Merten, Haeckel, Dommig wegen Ermordung (resp. Beihilfe und Begünstigung dazu) des Rittmeisters von Krosigk begonnen, der im Januar in der dortigen Reitbahn von einem außerhalb derselben belegenen Gange erschaffen wurde. Da 96 Zeugen, vorwiegend Offiziere und Mannschaften als Zeugen geladen sind, dürfte sich der Prozeß einige Tage hinziehen.

Ueber die Verschwendungssucht des verhafteten Bankdirectors Kommerzienrath Schulz von der Pommer- schen Hypothekenbank wird aus Göttingen geschrieben: Vor zwei Jahren heiralhete Schulz hier seine jetzige zweite Frau, die Tochter eines hiesigen Kaufmanns. Durch seine fabelhaften Ausgaben für Geschenke, Trink­gelder 20. wurde Schulz hier allgemein der Held des Tages. Das Glas Bier zahlte er gewöhnlich mit 10 und 20 Mark, die Braut und deren Familie über­schüttete er mit kostbaren Geschenken. Bei der Hochzeit hat es förmlichGeschenke geregnet"; mit goldenen Uh­ren, Armbändern, Broschen und Busennadeln wurden alle Gäste bedacht, 500 Mk. Trinkgeld erhielt das Dienstpersonal, Cigarren unter 3 Mark pro Stück wurden nicht geraucht. Eine Schauspielertruppe aus Berlin mußte extra hierher kommen, um am Polterabend Auffüh­rungen zu veranstalten. Um der Braut einen Blumen­korb von Berlin hierher zu bringen, reiste ein Gärtner von dort nach hier zweiter Klaffe. Kurz und gut Jeder­mann sah und hörte, daß das Geld bei Schulz keine Rolle spiele.

Pleß, 29. Mai. Der Blitz schlug in die Ge­meindeschule zu Orzesche ein, wo gerade eine Gemeinde- vertretersttzung stattfand; Gemeindevorsteher Scholz wurde schwer verletzt, Hauptlehrer Konzolla getödtet, die übrigen Anwesenden betäubt.

Co bürg, 30. Mai. Im Basaltwerk Simmelhausen wurden zwei Steinarbeiter, bei Gleicherwiesen zwei Ar­beiter vom Blitz erschlagen.

Boppard, 30. Mai. Ein schweres Gewitter, welches Stadt und Umgebung heimsuchte, überraschte die Pensionärinnen des hiesigen Urjulinerinnen-Klosters auf einem Ausfluge. Vier der jungen Mädchen wurden durch einen Blitzschlag schwer verletzt. An den Obst­bäumen und in den Weinbergen ist großer Schaden an­gerichtet. Das Bahngeleis war einige Stunden lang gesperrt, das rechtsrheinische Gleis ist theilweise ver­schüttet.

Für M a l a ch i t, der vielfach zu Kamineinfaffungen, Piedestale und anderen Schmuckgegenständen gebraucht wird, war früher Rußland das Haupterzeugungsgebiet. In Neu-Südwales ist er in neuerer Zeit ebenfalls in großer Menge und Schönheit gesunden worden. Seine Farbe wechselt dort vom blaffen Smaragd bis zum tiefen

Dunkelgrün. In einzelnen Lagen zeigt der Stein die verschiedensten Schattirungen und eignet sich sehr für ornamentale Zwecke und zu eingelegten Arbeiten, Dem Malachit sind öfter schöne und große Krystalle eingefügt, die schönsten finden sich in dem Produkte der Cobarminen. Man gewinnt den Malachit in vielen Kupferbergwerken von Neu-Südwales, meistens in Verbindung mit anderen Mineralien.

(Schulhumor.) Lehrer: Setzt mir einen Satz in die Befehlsform! Michel: Der Ochse zieht den Wa­gen. Lehrer: Also setz ihn mir in die Befehlsform! Michel: Hüh!

( Die neue Bibel.) Der Superintendent hält Schulrevision in der Septima ab.Wer von Euch kann mir sagen, wie das große, dicke Buch heißt, das in jeder guten Familie am Morgen und am Abend aufgeschlagen wird?" Nach langem Schweigen erhebt sich ein Schüler der letzten Bank.Nun?" Das Adreßbuch."

Kleine Mittheilungen. In Breslau hat sich am 28. d. M. der Staatsanwalt beim dortigen Landgericht Dr. Hugo Stumpfe erschaffen. In Paris ging gestern Nachmittag ein Gewitter nieder, das großen Schaden anrichtete, der auf 2 Millionen Francs ge­schätzt wird. Die Kellerräume zahlreicher Gebäude, da­runter das Thsätre Fran^ais, ferner sämmtliche Gärt­nereien im 13. Stadtbezirk sind unter Wasser gesetzt. Auch die Gartenbau-Ausstellung im Tuillerien-Park hat sehr gelitten. Nach einer Mittheilung der Ober-Stadt- Hauptmannschaft in Budapest ist der dortige Geld- briefträger Ladislaus Falkai am 28. Mai nach Unter­schlagung von 40 000 Kr. amtlicher Gelder entsprungen.

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